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Höfische Festkultur unter Carl Eugen

Redouten - Tanz und Spiele

 
 
Redouten oder große Kostüm- und Maskenbälle sind schon seit 1746 fester Bestandteil der höfischen Festkultur Carl Eugens von Württemberg. Schon möglich, dass es niemals vor und nach dem Rokoko "eine solche Passion für die geistreiche Maskerade" (Friedell 1929/1969, S.581) gegeben hat.
Kostüm- und Maskenbälle für alle Bürgerinnen und Bürger werden dabei wohl nur in der Fastnachtszeit stattgefunden haben. Stets gibt es von Ort zu Ort große Unterschiede, zumal solche Veranstaltungen an Feste gebunden sind, die zu diesem Zeitpunkt nach selten an profane gesellschaftliche oder soziale Ereignisse gebunden sind. Als sich schon seit dem 17. Jahrhundert die konfessionellen Unterschiede im jährlichen Festkalender weiter verringern, stimmen auch die Katholiken zum Teil in die von protestantischen, insbesondere pietistischen Kreisen, vorgebrachte Kritik an den "Bacchanalia des blinden Heidentums, wie sie den Karneval nannten" (Münch 1992, S.424), ein.

In einem vom Pietismus geprägten Umfeld, im, abgesehen vom Herzog Carl Eugen, protestantischen Württemberg, öffentliche Redouten zu veranstalten, stößt mit Sicherheit nicht immer auf die Zustimmung der protestantischen Stände. Die Konfessionalisierung der Territorien nach der Reformation sorgt dafür, dass sich nicht zuletzt in der Karnevalskultur bis in unsere Tage hinein, eine regional sehr unterschiedliche Begeisterung für Karneval- und Fastnachtsaktivitäten zeigt, Häufig sind es nur katholische Städte und Regionen, die über eine ausgeprägte Fasnachts-, Fasching- oder Karnevalskultur verfügen. Dies zeigt sich besonders gut auch im Württembergischen und angrenzenden Regionen:  "Zur Zeit der »Fasnet« kann etwa Tübingen, die weltoffene, liberale Universitätsstadt, ihre spröd zurückhaltende, protestantisch-altwürttembergische Prägung kaum verleugnen, während das nahe gelegene, früher vorderösterreichische, katholische Rottenburg für mehrere Wochen im Trubel seines Narrentreibens versinkt." (ebd.)
Die öffentlichen Redouten finden meistens
im renovierten Neuen Lusthaus in Stuttgart statt. Das Lusthaus, das an der Stelle des heutigen neuen Theaters stand, ist 1580 bis 1593 unter der Leitung von Georg Beer erbaut worden und dient schon in der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg als Veranstaltungsort für Maskeraden und Unterhaltungen aller Art.
Zu den Redouten Carl Eugens sind alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt eingeladen. Bis zu 2.000 Gäste können an den Redouten teilnehmen. In Anwesenheit des Herzogs Carl Eugen feiern und tanzen sie dort zur Musik mehrerer Musikkapellen. Der 70x20 Meter große Festsaal wird dabei auf Kosten des Herzogs von vielen Öfen geheizt und Tausende von Wachslichtern sorgen für eine märchenhaft wirkende Beleuchtung. Der Herzog selbst gibt dabei das Beispiel, wie auf dem Fest mit den Maskierten umzugehen ist. "Das Ceremoniel that hier der Freyheit keinen Zwang", notiert sein Hofbliothekar Joseph Uriot (1713-1788) in einer Festbeschreibung und fährt fort: "Der Fürst machte und unterhielt durch Seine Gegenwart diese bewunderungswürdige Übereinstimmung, und Seine Achtung zeigte sich gegen alle Masken ohne Unterschied, aus Furcht, daß sonst diese Ergözlichkeit nicht unter allen Anwesenden gleich seyn möchte." (Uriot, zit. n. Berger 1997, S.53)
Während der Redouten amüsieren sich die Besucherinnen und Besucher mit verschiedenen "Commerzspielen", versuchen ihr Glück an den aufgestellten Würfeltischen, beim Kartenspiel und in einer Lotterie, bei der Silbergeschirr, Galanteriewaren und Stoffe als Preise winken. (vgl. Berger 1997, S. 53)
Im Rahmen der Festkultur Carl Eugens gibt es darüber hinaus auch noch andere Anlässe, an denen sich die aristokratische Rokokogesellschaft maskiertem Vergnügen hingeben kann. Während der venezianischen Messen, die Carl Eugen ab 1768 in Ludwigsburg, später in Stuttgart veranstalten lässt, erscheint der Adel auf venezianische Art maskiert, mit weißer Halbmaske, schwarzem Schulterkragen oder Umhang mit Kapuze und mit schwarzem Dreispitz, abends im Stadtzentrum von Ludwigsburg, um entlang der zahlreichen Boutiquen zu flanieren.

© Gert Egle, teachSam - 25.03.2016

 

 
   
   Arbeitsanregungen
  1. Erarbeiten Sie einen Kurzvortrag bzw. eine Präsentation zum Thema "Höfische Festkultur unter Carl Eugen".

  2. Stellen Sie einen WebQuest zu einem, mehreren Aspekten oder zum gesamten Thema zusammen.
     

     
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