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Höfische Festkultur unter Carl Eugen

Geburtstagsfeste

 
 

Die mit Pomp und Prunk jährlich begangenen Geburtstagsfeste des Herzogs gehören zu den prachtvollsten und am längsten andauernden Festen, die Carl Eugen im Rahmen der von ihm entfalteten höfischen Festkultur veranstalten lässt. Ausführlich beschreibt Ute Christine Berger (1997) den Ablauf der Veranstaltungen von 1762 bis 176, worüber detaillierte zeitgenössische Festbeschreibungen vorliegen. (→Albert Pfister: Geburtstagsfeier des Herzogs 1763 (1907))
Schon zwei Jahre bevor die Stadt offizielle Residenz des Herzogs wird (1764), beginnt die lange Reihe von Festveranstaltungen in Ludwigsburg, die den Hof von Stuttgart aus vor allem zu den Geburtstagsfesten und den von Carl Eugen eingeführten Karnevalsveranstaltungen zwischen 1762 und 1764 immer wieder nach Ludwigsburg führt. Gewöhnlich beginnen diese Ludwigsburger Tage am 6. Januar und finden am Geburtstag Carl Eugens, am 11. Februar, der mit Hofzeremoniell, Ballett- und Opernaufführungen begangen wird, ihren ersten Höhepunkt. Am 15. und 16. Februar folgen dann weitere Festveranstaltungen. Bis 1764 zählt man schließlich 23 aneinander gefügte Veranstaltungen, von denen Carl Eugens Hofbibliothekar Joseph Uriot (1713-1788) behauptet, sie schüfen einen handfesten wirtschaftlichen Nutzen für die Bürger, förderten die Kunst und machten den Namen des Herzogs unsterblich. (vgl. Sting 2005, S. 211f.) Viele dieser Feste werden von Carl Eugen bis in die Details mitgeplant. 1762 hat er die Idee, seine Gäste in der Orangerie in Ludwigsburg zu überraschen. Er macht sich ein Vergnügen daraus, die Gäste, die von Stuttgart in Ludwigsburg ankommen, "mitten im Februar durch sommerliche Gärten zu geleiten und mit ihnen zwischen Orangenbäumen und exotischen Pflanzen zu tafeln." (Berger 1997, S.70) Irgendwo in seinem Privatgarten ist eigens für die Veranstaltung eine "Erimitage" (Einsiedelei) eingerichtet, die in einer teils wilden, teils kultivierten Ideallandschaft steht, die von Schäferinnen und Schäfern bevölkert ist, die von Tänzerinnen und Tänzern des herzoglichen Balletts gespielt werden. Und nach solchen Vorführungen geht es an die Tafel, in die Orangerie, wo für 750 Personen festlich gedeckt ist und aufgetischt wird. (vgl.) Immer wieder sind es Anspielungen auf antike Bauwerke, die sich in den prachtvollen Festdekorationen finden. An ihnen findet der Herzog besonderen Gefallen, zumal er auf seinen Italienreisen das eine oder andere wohl selbst zu Gesicht bekommen hat. 1764 lässt er sich als Kontrast zu der im hinteren Schlosshof gestalteten wilden Naturlandschaft, das größte seiner für die Festveranstaltungen konzipierten Bauwerke errichten. Es ist dem Kolosseum von Rom nachempfunden, trägt im Plan den Namen Colisée, und erstreckt sich mit seinem Durchmesser von 190 Fuß beinahe über den gesamten Ehrenhof vor dem Neuen Corps de logis. Mit seiner ovalen Form entspricht es dem antiken Vorbild. Die im Zentrum des Gebäudes befindliche Arena misst ca. 23 m Durchmesser und in der Mitte steht ein Obelisk. Nach Uriots Angaben sollen bis zu 4.000 Personen in dem völlig überdachten Amphitheater Platz gefunden haben. Da aber wohl nur die Logen beheizbar sind, hält man sich Mitte Februar wohl nicht allzulange im Kolosseum auf. Ob es bei den Vorführungen auch zu Kämpfen mit Tieren gekommen ist, ist nicht überliefert. Uriot erwähnt das Ganze eher beiläufig, so dass davon auszugehen ist, dass das dortige Geschehen nicht wirklich Furore macht. (vgl. ebd., S. 101f., vgl. Sting 2005, S.215)
Im Großen und Ganzen entspricht der Hang zur Antike einem Trend der zeitgenössischen Architektur, die stark von der seit der Renaissance wieder entdeckten Antike mit ihren idealischen Gestaltungskonzepten beeinflusst ist. (vgl. Berger 1997, S.121). Darüber hinaus sind auch die mit großem Aufwand hergestellten Naturdekorationen bei den Festen Carl Eugens bemerkenswert, die der höfischen Gesellschaft eine verklärte Traumwelt vor Augen führen, in der "Natur, Kunst und Liebe zu einem mystisch-irdischen Paradies ewiger Jugend, Anmut und verklärter Sinnlichkeit" verschmelzen. (Bauer 1992, zit. n. Berger 1997, S.125) Bei diesen kulissenartigen Naturinszenierungen spielen die beiden Strömungen der Gartenkunst des 18. Jahrhunderts miteinander: der französische Barockgarten und der englische Landschaftsgarten. Die strenge Geometrie, Symmetrie und Anbindung der Ludwigsburger Schlossanlage oder des Schlosses Solitude mit ihren schnurgerade gezogenen Alleen spiegeln dabei den Macht- und Repräsentationsanspruch des Fürsten. Andere Teile des Gartens werden für Feste als eine regellos wirkende Landschaft mit Weide- und Wiesenflächen gestaltet, die mit zahlreichen Teichen und Seen und pittoresken Ruinen so wirken, wie es dem Konzept des englischen Landschaftsgartens entspricht. Einen in diese Richtung gehenden Garten lässt Herzog Carl Eugen im englischen "Dörfle" bei »Schloss Hohenheim in den Jahren 1776 bis 1789 anlegen.(vgl. Berger 1997, S. 127) Auf den nachgebildeten Trümmern des antiken Rom will der Herzog dort den "Triumph tugendhaften Landlebens über die Sittenverderbnis des untergegangenen Roms" in Szene gesetzt sehen. Zu Festveranstaltungen zeigt sich das "Dörfle" den Gästen belebt. Dann wird nämlich eine intakte Dorfgemeinschaft gespielt, bei der unter Mitwirkung des Hofstaates Untertanen des Herzogs als Hirten, Bauern oder Schulmeister das tugendhafte Landleben inszenieren. Nach 1797 verfällt die ganze Anlage ziemlich schnell.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 25.03.2016
 

 
   
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