Das 1773 eingeführte •
Kantonatssystem stellte im Vergleich zu
dem bis dahin üblichen •
Condottiere-Verfahren
zur Rekrutierung von Söldnertruppen, eine geradezu
revolutionär neue Art der Rekrutierung wehrfähiger
Männer dar.
Der
mächtige Landadel lebte im 18. Jahrhundert in Preußen
auf seinen nach feudalen herrschaftlichen Regeln der »feudalen
»Gutsherrschaft
und hatte wenig Interesse dar, sich einer monarchischen
Spitze unterzuordnen, wie es die absolutistischen
Monarchen in dieser Zeit anstrebten. So war er auch bis
zu Beginn des 18. Jahrhunderts gewohnt , dass seine Söhne,
die eine militärische Karriere anstrebten, dies dort tun
konnten, wo es ihm beliebte: in
Dänemark, Polen, in der Niederlanden oder eben in
Brandenburg. Die Personen, die als Offiziere dienten,
waren dabei "weder nach Ausbildung oder nach
Bildung noch nach Herkunft und Mentalität" (Schilling
1994a, S.436) so etwas wie ein eigener Stand dar.
Der
König aber strebte danach, um seine Machtposition nach
innen zu stärken und nach außen hin im Konzert der
Großmächte mitspielen zu können, den Staat unter dieser
Perspektive neu zu organisieren. Wollte der den
widerspenstigen Adel nicht mit Gewalt niederzwingen, wie
dies in den Wirren der Hugenottenkriege und
Fronde-Aufstände in Frankreich während der Unmündigkeit
»Ludwigs
XIV.(1638-1715) geschehen war, musste er ein anderes Konzept
entwickeln und durchzusetzen, mit dem es ihm gelingen
konnte, den Adel an sich und den eigenen Staat zu
binden. Statt wie »Ludwig
XIV.(1638-1715) in Frankreich den Adel von politischer Macht
fernzuhalten und ihn durch das Hofleben von sich
abhängig zu machen, setzten die preußischen Monarchen
einen anderen Hebel an, um ihr Ziel zu erreichen, den
Adel an sich und die von ihnen verkörperte Staatsräson
zu binden.
Das
Konzept, das die preußischen Könige im 18. Jahrhundert
dafür verfolgten, verband die
"Aristokratisierung des Kriegshandwerks" mit der
"Disziplinierung des Adels" (ebd.,
S.438). Die Disziplinierung der in Preußen oft sehr
eigenmächtig auftretenden adeligen Grußgrundbesitzer
(Junker) erfolgte im Kern dadurch, dass seine
gesellschaftliche Stellung, sein sozialer
Status an den Dienst für den Staat gekoppelt wurde, der
damit die Biografien der Adeligen mehr und mehr
bestimmte. Für Heinrich
Schilling
(1994a, S.439) war dieser Vorgang, der nicht ohne
Widerstand einflussreicher adeliger Gutsherren abging,
"die
krönende Komponente des Adelskompromisses", in dem
das adelige "Offizierskorps der Garant einer gelungenen
Versöhnung zwischen Krone und Adel" (ebd.)
wurde.
Anders als z. B. »Ludwig
XIV.(1638-1715) in Frankreich den Adel von politischer Macht
fernzuhalten und ihn durch das Hofleben von sich
abhängig machte, behielt der Adel in Preußen seine
gesellschaftliche Stellung, musste diese jedoch durch
treuen Dienst im Militär und in der Verwaltung
rechtfertigen. Der preußische Adel (die Junker) behielt
seine Stellung als Großgrundbesitzer, wurde aber er eng
in den Staatsdienst eingebunden, vor allem als Offiziere
im Heer und als Verwaltungsbeamte. Loyalität gegenüber
dem König war Voraussetzung für den Erhalt von Ansehen
und Einfluss. Der Adel wurde diszipliniert, indem seine
Karriere und sein sozialer Status an den Dienst für den
Staat geknüpft wurden.
Die
Offiziere im Preußen wurden 18. Jahrhundert parallel zur
•
Kantonatsverfassung von "Privatangestellten" der
Obristen (Condottiere), die als Kriegsunternehmer
Söldnertruppen aufstellten, zu "Staatsdiener(n) im
neuzeitlichen Sinne. Jeder, auch der rangniedrigste
Offizier war direkt vom König angestellt und ihm
unmittelbar eidlich verpflichtet." (vgl.
Schilling 1994a, S.436) In den eigens zur •
Nachwuchssicherung
und Professionalisierung des Offizierskorps, •
Sozialdisziplinierung und Integration
des Landadels und •
standesgemäßen sozialen
Absicherung des Offiziernachwuchs (Versorgungsanstalt)
errichteten Kadettenanstalten und dem von ihnen
gebildeten Kadettenkorps sorgte der selbst dafür, dass
sich die, durchaus auch mit gewaltsamen Mitteln
systematisch in das Offizierskorps gedrängten jungen
Adeligen mit ihrer gesellschaftlichen Bedeutung als
Offizier identifizierten. (Büsch 1962,
S.82)
Als
Mittel der Sozialdisziplinierung banden die
Kadettenanstalten und das Berliner Kadettenkorps, die
nur Kinder von Adeligen aufnahmen, die künftigen
militärischen Eliten an den preußischen König, wurden
quasi zu einer "Pflanzschule", in der alle Kadetten auf
den König eingeschworen und auf Loyalität ihm gegenüber
erzogen. Das machte den oft widerspenstigen junkerlichen
Landadel endlich so gefügig, wie das der König
erwartete. Zugleich trugen die Kadettenanstalten zur
Entstehung einer kollektiven Identität des Offizierkorps
bei, die auf einer "spezifische(n) Wetläufigkeit"
beruhte, "die ihre militärische Herkunft nicht leugnen
wollte" und geprägt war "durch Pflichtbewusstsein und
militärische Tugend", die "eine enge Verbindung
eingingen." (vgl.
Schilling 1994a, S.438)

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Während des ganzen 18. Jahrhunderts bestand das preußische
Offizierkorps zu 90 % und mehr aus Adeligen.
(vgl. Büsch 1962,
S.93)
Da die preußische Armee zwischen 1713 und 1806 von 40.000 Mann auf
235.000 Mann wuchs, musste auch der Adel immer mehr Offiziere
stellen (1740 = 3116, 1786 = 5511, 1806 = 7000 bis 8000 Offiziere).
(vgl.
ebd.) Allerdings war die
Bereitschaft, quasi "Berufssoldat auf Lebenszeit" in der
preußischen Armee zu werden, "besonders bei Besitzern und Erben
großer traditioneller Reichtümer aus fürstlichen, gräflichen und
freiherrlichen Häusern sowie anderen wohlhabenden Familien des
höheren Adels, die man im Besitz vieler Dörfer und Güter antraf"
(ebd.,
S.96), im Allgemeinen nicht sehr ausgeprägt und diese Kreise waren
darum auch immer wieder darauf aus, ihre Selbständigkeit gegenüber
dem preußischen Monarchen zu behaupten.
Für die meisten junkerlichen Landadeligen, die ihrer "Pflicht zur Offiziersgestellung"
(ebd.,
S.83) in der preußischen Armee nachkamen, änderte sich ihr
Leben grundlegend. Wer die Offizierslaufbahn einschlug, diente
gewöhnlich jahrzehntelang und erreichte am Ende den Kapitäns-,
Majors- oder Oberstenrang, wer nur Lieutenant wurde, blieb eben in
diesem Rang. Wer sich höher hinaufdiente, konnte nach etwa 15
Kapitän werden, acht Jahre darauf für 6 Jahre Major, ungefähr 2
Jahre lang Obristleutnant und etwa 6 Jahre Obrist werden. Wenn der
Offizier dann mit etwa 50 Jahren als Hauptmann oder Obrist auf sein
Gut zurückkehrte, war er nach den Verhältnissen seiner Zeit ein
alter Mann und hatte, wenn man berücksichtigt, dass vom 16. bis 18.
Jahrhundert •
Schätzungen zufolge nur 5-10% der Gesamtbevölkerung über 55 Jahre
alt wurden (vgl.
Schorn-Schütte
2009, S.26), nur noch wenige Jahre zu leben. Hatte er ausgedient,
musste er aber im Kriegsfall als Offizier bei den Landmilzen
antreten.
(vgl.
ebd., S.83)
Zu den Maßnahmen, die die Attraktivität des Offiziersberufs für die
Adeligen erhöhte, gehörte es auch, dass der Offizier
gesellschaftlich im Vergleich zu anderen mit zivilen Ämtern
"bediente" Personen stets
absoluten Vorrang genoss. So war es, wenn es zum Streit zwischen
einem Fähnrich und einem Legationsrat kam, selbstverständlich, dass
der junge Offizier bevorzugt wurde, auch wenn beide Personen dem
Adelsstand angehörten. Offiziere unterstanden zudem, abgesehen von
einigen wenigen juristischen Bereichen, einer eigenen
Gerichtsbarkeit. Und: Es war ihnen untersagt, "irgendwelchen
gesellschaftlichen Verkehr mit anderen Ständen als dem Adelsstand zu
unterhalten".
(ebd.,
S.92) Auf diese Weise wurde "die Zugehörigkeit zu einem
solchen Stand von entsprechenden Voraussetzungen des Denkens und
Handelns des einzelnen Mitgliedes abhängig gemacht"
(ebd.)
Das Konzept, mit dem die gesellschaftliche
Stellung und der soziale Status des Offiziers an den Dienst für
den Staat gekoppelt wurde, war die "Ehre". Während der französische
Absolutismus den Adel vor allem durch höfische Abhängigkeit
disziplinierte, beruhte das preußische Modell auf einem Ehr- und
Dienstethos, das den Adel eng mit Monarchie, Heer und Staat verband.
Ehre war dabei nicht nur ein persönlicher Wert, sondern ein
politisches Herrschaftsinstrument.
Schon der Soldatenkönig
»Friedrich
Wilhelm I. (1688-1740) hatte seinem Offizierskorps zur Auflage
gemacht, dass bei allen seinen Handlungen die Ehre, deren Gesetze
edem Adeligen schon von Haus aus aufgrund seines Standes bekannt
seien, an erster Stelle stehen müsse. Dass dieses Konzept für alle
Offiziere gleichermaßen galt, brachte auch die Uniform der Offiziere
zum Ausdruck. Sie unterschied sich von denen, die keine Offiziere
waren, aber
"zum Zeichen der Exklusivität fehlten innerhalb des Offizierkorps
vom Fähnrich bis zum Obristen alle äußeren Rangabzeichen, so dass
die gesellschaftliche Gleichheit aller Ränge bestätigt war, das
Offizierkorps zugleich aber tatsächlich zu einem besonderen Stand,
einem Berufsstand von eigenen inneren Gesetzen gestaltet wurde, der
obendrein dadurch zum ersten Stand der Gesellschaft überhaupt erhöht
war, dass der König — Friedrich Wilhelm I. wie alle seine Nachfolger
— den einfachen Offiziersrock trug und Wert darauf legte, in erster
Linie als Offizier angesehen zu werden. (ebd.,
S.91)
Die Adeligen verstanden das Konzept der Ehre, worauf Friedrich
Wilhelm referierte, von Haus als ihr Standesideal, das insbesondere
für die adligen Junger auf ihren Gütern eng mit ihren Vorstellung
über ihre eigene soziale Identität verknüpft war. Was für einen
Adeligen zählte war, zumal viele von ihnen alles andere als reich
waren, weniger sein vorhandenes Vermögen, als seine Geburt und
Herkunft. In seiner "Ehre", die sich aus verschiedenen Elementen
zusammensetzte, wie zum Beispiel sein persönlicher Mut, seine
Loyalität gegenüber dem König und seine Fähigkeit, ein Offiziersamt
würdig auszuüben, fand er die sozialen Leitplanken, die ihm ein
standesgemäßes Leben ungeachtet seiner finanziellen Lage in
Abgrenzung zu allen Nicht-Adeligen ermöglichte.
Indem
»Friedrich
Wilhelm I. (1688-1740) und sein Sohn »Friedrich
II. (1712-1786), der Große,
die adelige Ehre eng an den Dienst für den Staat banden, wurde
der Monarch zugleich auch mit seinen Gnadenerweisen zum Ursprung der
Ehre der Adeligen. Er verlieh die Positionen im Staat, die Ehre
machen konnten, und stattete die so "Bedienten" mit ihrem
gesellschaftlichen Ansehen aus, das ihren gesellschaftlichen Rang
und letztlich auch sozialen Status im preußischen Staat bestimmte.
Er ernannte Offiziere und beförderte sie, verlieh ihnen Orden und
Auszeichnungen ebenso wie den Befehl über ganze Regimenter und wurde
damit zum eigentlichen Garanten jedweder adeliger Reputation. Wer
seine Loyalität verlor, riskierte nicht nur seine Karriere, sondern
auch seine gesellschaftliche Existenz.
Die unbedingte Bevorzugung des Adels hat
»Friedrich
II. (1712-1786), der Große, auf die Spitze getrieben, da er
"zumindest in den Hauptwaffengattungen seiner Armee kein 'unadelig
Geschmeiß' dulden wollte, 'weil der Adel gewöhnlich Ehre hat' und
ihm keine andere Zuflucht bliebe als sich durch den Degen
auszuzeichnen; verliere er seine Ehre, so würde er selbst im
väterlichen Hause nicht mehr aufgenommen; hingegen der Bürgerliche
sich durch begangene 'Gemeinheiten' nicht entehrt glaube." (Büsch 1962,
S.92) Die im Konzept der Ehre gebündelten Erwartungen des Königs
hoben sich dabei von den Konzepten ab, die gemeine Soldaten zu
tapferem Verhalten im Krieg zwingen sollten: Drill und eine überaus
harte Militärstrafen für alle, die sich sonst aus "Feigheit" und
blanker Angst auf dem Schlachtfeld erschossen, von Kanonen zerfetzt,
erschlagen oder niedergemetzelt werden, immer wieder davonmachten
und dem König als Feldherrn somit die Loyalität aufkündigten.
In den Augen des Monarchen waren die Offiziere damit die einzigen in
seiner Armee auf die er sich verlassen konnte. Voraussetzung dafür
aber war, dass das Konzept der militärischen Ehre als
wirkmächtiges Disziplinierungsinstrument funktionierte. Sein
Ehrenkodex forderte Tapferkeit als höchste Tugend ein. Feigheit zog
den Ehrverlust nach sich und alle Pflichtverletzungen waren als
soziale Schande diskriminiert und wurden dazu noch mit harten
Militärstrafen belegt. Wer Offizier war, musste alles tun, um seine
Ehre durch vorbildliches Verhalten zu wahren. Dabei war die hohe
Wertschätzung der kriegerischen Tugenden der Offiziere natürlich
auch Resultat der Tatsache, dass längere Friedenszeiten im 18.
Jahrhundert, in dem die Machtpolitik alles andere dominierte, nicht
unbedingt zu erwarten waren. Um so wichtiger erschien es daher auch
»Friedrich
II. (1712-1786), dem Großen, seinen Offizieren auch dann, wenn
die Waffen schwiegen, das ihnen gebührende Ansehen zu geben.
Dabei brachten viele Adelige von Hause aus alles mit, was sie zu
einem idealen Instrument in der militärischen Hierarchie machten.
Ihre adelige Familie war, ob begütert oder verarmt, ebenso von einem
ständischen Ehrenkodex geprägt. In der im weiten Land herrschenden »feudalen
»Gutsherrschaft
der Adelsfamilien waren sie schon hineingewachsen "in eine Sphäre
des herrschaftlichen Befehlens auf dem Gut und die Gewohnheit,
Gehorsam zu empfangen, garantierten für die Durchsetzungsfähigkeit
des adeligen Offiziers, zu der die Ausbildung im Rechnen und
Wirtschaften kam, die in der Gutswirtschaft erworben werden konnte
und in der 'Kompaniewirtschaft'" des Heeres den adeligen Offizier
schließlich auch zum Kompaniechef vorzüglich geeignet machte." (Büsch 1962,
S.92) Die adligen Gutsbesitzer übten auf ihren Rittergütern
dieselben Formen von Autorität, Disziplin und wirtschaftlicher
Leitung aus wie später als Offiziere im Heer. Im Heer begegneten die
als • enrollierte
Kantonisten zum Militär eingezogenen gemeinen Soldaten dem
selben Adeligen, der ihn auch bei irgendwelchen Vergehen willkürlich
bestrafen konnte und ihn auf seinen Gütern in einer ähnlichen Weise
wie beim Heer herumkommandierte. Was der in der Kadettenanstalt
erzogene und geformte Zögling und in seiner darauf folgenden
Karriere als preußischer Offizier lernte, brachte er, wenn er
nach Jahren des Militärdienstes auf sein Gut zurückkehrte, an der
Stelle wieder ein, wo seine gesellschaftlichen Wurzeln ursprünglich
gewesen waren. Dadurch "erfuhr der altpreußische Adelige durch
seine militärisch-zivile Doppelrolle eine Erziehung, die seinen
Lebensstil bestimmte und ihn zu einem Menschentyp von besonders
ausgeprägter und selbstverständlicher Einstellung zur Macht und zur
Wahrung seiner Interessen prägte."(ebd.,
S.97)
Auf diese Weise beeinflussten sich Erfahrungen aus der Verwaltung
des Gutes und der Führung von Soldaten dabei gegenseitig und prägten
das Verhalten der Adligen nachhaltig. In ihrer Doppelrolle als
Gutsherr und Militär erhielt der preußische Adel damit eine
umfassende politische, soziale und wirtschaftliche Erziehung.
So beruhte die strenge Disziplin, die in der preußischen Armee von
unten bis oben gefordert war, beim Offizierskorps letztlich auch auf
der Angst vor öffentlichem Ehrverlust innerhalb der adeligen
Offiziersgesellschaft. Dabei dürfte die symbolische Bindung des
Adels durch Rang, Auszeichnungen, Ehrvorstellungen und die
Identifikation mit dem monarchischen Staat aber mindestens ebenso
wichtig gewesen sein, wie sozialen Sanktionen die bei einem
Ehrverlust drohten.
Allerdings hatte die Orientierung an der Ehre hatte auch seine
Schattenseiten, die andere Probleme nach sich zogen. So erschwerte
das damit kultivierte adelige Standesbewusstsein den den Aufstieg
bürgerlicher Offiziere in der Armee. Zudem führte der
verabsolutierte Ehrenkodex immer wieder zu übersteigerter Härte und
überzogenen Anforderung an die Disziplin der Offiziere und der ihnen
untergebenen Soldaten.
Indem es dem preußischen Staat gelang, persönliche und staatliche
Interessen miteinander zu verbinden und ein System zu etablieren, in
dem ein adeliger Offizier seine Ehre nur bewahren und vermehren
konnte, wenn er dem König treu diente, machte er die traditionelle
Standesehre zu einem Instrument seiner Herrschaft. Die dadurch
entstehende enge Loyalitätsbeziehung garantierte dem Adel seine
privilegierte Stellung, der dafür den Großteil des Offizierskorps
und der höheren Verwaltung stellte. Dass die Loyalität der Offiziere
in erster Linie dem König galt und nicht einer mehr oder weniger
abstrakten Nation markiert dabei einen wichtigen Unterschied zum
Nationalismus des 19. Jahrhunderts.
Das
Konzept der preußischen Könige im 18. Jahrhundert mit
"Aristokratisierung des Kriegshandwerks"
und "Disziplinierung des Adels" (Schilling
1994a, S.438) jenen historischen "Adelskompromiss"
(ebd.,
S.439) zu installieren und für ihre Herrschaft zu
instrumentalisieren, so "daß in der Person des Junkers
das Agrarsystem im Militärsystem auch auf diesem Weg
aufging" (Büsch 1962,
S.98), war am Ende auch der Tatsache geschuldet, "dass
die politische Macht des Junkertums in seinen sozialen
Bereichen und damit gegenüber der Krone beziehungsweise
dem Staat garantiert wurde" (ebd.,
S.98). Bis zur so genannten Bauernbefreiung (»Oktober-Edikt
von 1807) im Rahmen der
Stein-Hardenbergschen Reformen zwischen 1807–1815,
die die Grundlage für den Wandel Preußens vom
absolutistischen Stände- und Agrarstaat zum aufgeklärten
National- und Industriestaat schufen, blieb die feudale
Herrschaft über die gutsuntertänigen Bauern
unangetastet.
Für Büsch (1962,
S.168) "(baute) das preußische Heer seit den
ersten Regierungsjahren
»Friedrich
Wilhelm I. (1688-1740), im wesentlichen seit
der gesetzlichen Einführung der •
Kantonverfassung nach 1733,
(..)
seine Sozialstruktur auf die des Landes auf, glich sich ihr an und
war auf Gedeih und Verderb mit ihr verbunden. Diese Verflechtung und
soziale Identifizierung verwandelte das zivile Dasein des adeligen
und bäuerlichen Landbewohners in ein zugleich militärisches. Die
Folge war die Militarisierung der Agrargesellschaft. Sie wirkte sich
aus in der Formung des Lebensstils dieser zu jener Zeit
überwältigenden Mehrheit der Nation; sie wurde die Grundlage der Menschenerziehung im alten Preußen, der sozialen Verhaltensweisen,
der Einstellung zum Staat; sie schuf so geistig und sozial die
'preußische'" Lebensform. Das alte Preußen entstand erst recht mit
der Errichtung dieses Systems; es endete mit seinem unvermeidlichen
Zerfall."
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
07.08.2026
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