teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


Soldatenleben im preußischen Militärstaat des 18. Jahrhunderts

Kasernendienst und militärischer Drill

Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) « « Soldatenleben Einzelne Aspekte

 
GESCHICHTE
Grundbegriffe der Geschichte Europäische Geschichte Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) Zeitalter der Renaissance (ca.1350-1450) Reformation und Glaubenskriege (1517-1648) Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) Beginn des bürgerlichen Zeitalters Aspekte und Rahmenthemen Überblick Verschiedene Aspekte Rahmenthemen Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Überblick Bevölkerungsentwicklung Landleben Stadtleben Familienleben Frauenleben KinderlebenLeben der Alten Berufsleben SexuallebenLeben des Adels Soldatenleben Überblick Einzelne Aspekte Überblick [ Soldatenleben im preußischen Militärstaat des 18. Jahrhunderts Überblick Rekrutierung im Kantonatssystem Die soziale Lage der Soldaten Kasernendienst und militärischer Drill Die Kadettenanstalt als Kaderschmiede des adeligen Offizierskorps Zwangseinquartierungen Textauswahl Quellen Bausteine Links ins Internet ] Söldnerleben im niederländischen Batavia im 17. und 18. Jh. Soldatenhandel und -verkauf im 18. Jh. QuellenBausteine Fragen und Antworten (KI) Studentenleben Klosterleben Räuberleben Mode und Kleidung Reisen Kranke und Gesunde Lesen Deutsche Geschichte
 

 

Das • Soldatenleben in den Garnisonsstädten Preußens im 18. Jahrhundert war geprägt von den • Zwangseinquartierungen einer sehr großen Anzahl von Soldaten in den Haushalten von bürgerlichen Familien, Handwerkern und bei Gastwirten.

Die Unterbringung der Garnisonssoldaten

Die Unterbringung der Garnisonssoldaten war ein großes Problem, denn im Gegensatz zu den temporären Feldlagern des Sommers und den unkoordinierten Winterquartieren des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die systematische Einquartierung in zivilen Haushalten zum Regelfall für die stehenden Regimenter des ständig wachsenden preußischen Heeres. Die • Zwangseinquartierungen, die den Bürgerhaushalten auferlegt wurde, bedeutete eine erhebliche Belastung für die betroffenen Haushalte, da die Hausbesitzer verpflichtet waren, den Soldaten eine zur Straße gelegene Stube zu überlassen, damit sie von den Meldegängern direkt anrufbar waren. (vgl. Guddatt 2011, S.68)

Insbesondere die Beherbergung verheirateter Truppenmitglieder stellte für die zivilen Wirte eine logistische und soziale Herausforderung dar. Als finanzielle Kompensation erhielten die Hauswirte eine monatliche Entschädigung, die für verheiratete Soldaten 14 Groschen und für ledige Mannschaften 10 Groschen betrug. Hausbesitzer, die von der physischen Einquartierung befreit waren, wurden stattdessen mit einer Ausgleichsabgabe belegt.

Kasernen nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763)

Kasernen zur dauerhaften Unterbringung der Soldaten gab es zunächst kaum.  Lediglich in den Festungsstädten »Magdeburg und »Kolberg waren vor dem »Siebenjährigen Krieg (1756-1763) Barackenlager errichtet worden.

Erst nach dem Krieg nahm der Bau von von Kasernen zu. In Berlin entstanden zunächst Kavallerieunterkünfte, die primär der Unterbringung verheirateter Soldaten und deren Familien dienten. Im Jahr 1767 folgte in Prenzlau der Bau der ersten Infanteriekaserne mit einer Kapazität von 240 Mann – ein Standard, der auch bei den nachfolgenden Kasernenbauten in strategischen Zentren wie Berlin, Spandau, Nauen, Neuruppin, Frankfurt an der Oder und Königsberg beibehalten wurde.

An manchen Stellen in Berlin, der mit etwa 120.000 Einwohnern größten Stadt Preußens und nach Wien größten Stadt in Deutschland, bildeten die Kasernen, in denen jeweils bis zu 800 Menschen, gemeine Soldaten ebenso wie Unteroffiziere und Offiziere lebten, einen eigenen "kleine(n) Staat [...], in welchem [...] doch Ordnung und Disziplin" herrschte. (Gaedicke 1806, S.101)

Die vorhandenen Unterbringungskapazitäten in Kasernen reichten dennoch bei weitem nicht aus, um das gesamte stehende Heer unterzubringen – ein Grund im Übrigen auch dafür, dass die meisten Soldaten in Friedenszeiten viele Monate als Freiwächter beurlaubt waren. Außerdem waren die Wohnverhältnisse in den Kasernen miserabel und eng.  Oft musste sich ein verheirateter Soldat mit Frau und Kindern die Stube mit zwei weiteren ledigen Soldaten teilen. Die Ehefrau des Soldaten kümmerte sich in der engen und muffigen Stube um den alltäglichen Haushalt der Stubenmitglieder, reinigte gegen ein geringes monatliches Entgelt der ledigen Soldaten, was zu reinigen oder sonst zu organisieren war. Nicht immer funktionierte das Zusammenleben der Personen auf engstem Raum problemlos. Im Grunde lagen wegen der erzwungenen Intimität auf engstem Raum ständig Konflikte in der Luft, die das nicht selten zu Gewalt führte.

 

An manchen Stellen in Berlin, der größten Stadt Preußens und der nach Wien der größten Stadt im deutschsprachigen, bildeten die Kasernen, in denen jeweils bis zu 800 Menschen, gemeine Soldaten ebenso wie Unteroffiziere und Offiziere lebten, einen eigenen "kleine(n) Staat [...], in welchem [...] doch Ordnung und Disziplin" herrschte. (Gaedicke 1806, S.101)

Die Exerzierplätze der Soldaten lagen zum Teil in der Stadt (Alexanderplatz, Wilhelmplatz, Dönhofscher Platz, Lustgarten), der größte aber, für den man eine halbe Stunde benötigte, um ihn zu umrunden, lag direkt beim Brandenburger Tor außerhalb der Stadt. (vgl. ebd. 1806, S.161) Der Alltag der einfachen Soldaten war, wenn kein Krieg geführt wurde, von einem eintönigen Kasernenleben geprägt, bei dem vor allem eine Maßnahme, den • "Müßiggang" der Soldaten bekämpfen sollte: Exerzieren, exerzieren, exerzieren, damit die ▪ "Pursche " untätiger Weise nicht "leicht auf böse Gedancken, als auf Stehlen, Rauben, und andere Leichtfertigkeiten" kamen. (Fleming 1726, S.124f.) Wie das unter dem Kommando gnadenloser Offiziere aussah, beschreibt der Freiherr »Johann „Hans“ Friedrich von Fleming (1670-1733) in seinem umfangreichen Handbuch »Der Vollkommene Teutsche Soldat (1726). Natürlich war das Exerzieren nicht nur ein Mittel gegen den Müßiggang und seine Folgen, sondern die dabei eingeforderte absolute Disziplin bei dem  "dauernde(n) Wiederholen von Handlungen und stundlange(n) Exerzieren war die Voraussetzung dafür, dass die Soldaten diese Handlungen auch unter den extremen Bedingungen einer Schlacht auszuführen imstande waren." (Oster 2010, S.145)

Der Alltag der Soldaten war von strenger Disziplin geprägt. Der Tagesablauf folgte einem festen Rhythmus aus Exerzieren, Waffenpflege, Wach- und Garnisonsdienst sowie militärischen Übungen. Besonders in den stehenden Heeren des 18. Jahrhunderts legten die Offiziere großen Wert auf Gleichschritt, Gehorsam und exakte Ausführung von Befehlen. Körperliche Züchtigungen gehörten in vielen Armeen zu den üblichen Disziplinarmaßnahmen. Historiker weisen jedoch darauf hin, dass das Ausmaß solcher Strafen regional unterschiedlich war und sich im Laufe des 18. Jahrhunderts teilweise verringerte. Ziel der militärischen Ausbildung war es, aus den einzelnen Rekruten eine möglichst geschlossene und zuverlässig funktionierende Kampfeinheit zu formen.

Das Leben in den Garnisonen unterschied sich erheblich vom Kriegsdienst. In Friedenszeiten wohnten viele Soldaten in Bürgerquartieren oder Kasernen und verrichteten neben ihrem militärischen Dienst handwerkliche oder landwirtschaftliche Nebentätigkeiten, um ihren geringen Sold aufzubessern. Manche heirateten und gründeten Familien, obwohl die Zahl der offiziell erlaubten Soldatenehen häufig begrenzt war. Frauen begleiteten die Truppen oftmals als Marketenderinnen, Wäscherinnen oder Köchinnen und trugen wesentlich zur Versorgung der Soldaten bei. Die Forschung betont daher, dass militärische Gemeinschaften keineswegs ausschließlich aus Männern bestanden.

Der Kriegsdienst selbst bedeutete für die Soldaten enorme Gefahren. Schlachten forderten hohe Verluste, doch starben weit mehr Soldaten an Krankheiten, Hunger oder schlechter Versorgung als durch feindliche Waffen. Marschleistungen von mehreren Dutzend Kilometern täglich, mangelhafte Ernährung und unzureichende medizinische Versorgung führten zu hoher Erschöpfung und einer erheblichen Sterblichkeit. Verwundungen konnten oft nur unzureichend behandelt werden. Gleichzeitig gehörten Plünderungen, Einquartierungen und die Versorgung der Truppen aus den besetzten Gebieten vielerorts zum militärischen Alltag und belasteten die Zivilbevölkerung erheblich.

 

Für Unfrieden zwischen den Bürgern und den Soldaten sorgte auch, dass die Soldaten einer eigenen Gerichtsbarkeit unterworfen worden und dies immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten mit den städtischen Behörden führte. Nicht selten missbrauchten Militärkommandeure auch ihre Macht, um eigenmächtig Vorräte zu requirieren oder Zivilisten zu zwangsrekrutieren.

Im Allgemeinen freilich "entwickelte sich eine bestimmte Art von Miteinander zwischen dem Militärpersonal und der städtischen Bevölkerung" (Clark 2008, S.186)

Spießrutenlaufen war aber nicht immer eine interne Militärstrafe für die Soldaten. Es wurde auch von Soldaten gegen andere Delinquenten angewendet. So berichtet

So berichtet Gallus (1805) S.81) als Augenzeuge davon, dass eine ganze Bauerngemeinde "worunter mehrere abgelebte Greise waren", Gassen laufen mussten."

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und ZeitmanagementKreative ArbeitstechnikenTeamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche KommunikationVisualisierenPräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 
 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz