Das •
Soldatenleben
in den Garnisonsstädten Preußens im 18. Jahrhundert war
geprägt von den •
Zwangseinquartierungen einer sehr großen
Anzahl von Soldaten in den Haushalten von bürgerlichen
Familien, Handwerkern und bei Gastwirten.
Die
Unterbringung der Garnisonssoldaten war ein großes
Problem, denn im Gegensatz zu den temporären Feldlagern
des Sommers und den unkoordinierten Winterquartieren des
17. Jahrhunderts entwickelte sich die systematische
Einquartierung in zivilen Haushalten zum Regelfall für
die stehenden Regimenter des ständig wachsenden
preußischen Heeres. Die •
Zwangseinquartierungen, die den
Bürgerhaushalten auferlegt wurde, bedeutete eine
erhebliche Belastung für die betroffenen Haushalte, da
die Hausbesitzer verpflichtet waren, den Soldaten eine
zur Straße gelegene Stube zu überlassen, damit sie von
den Meldegängern direkt anrufbar waren.
(vgl. Guddatt
2011, S.68)
Insbesondere
die Beherbergung verheirateter Truppenmitglieder stellte
für die zivilen Wirte eine logistische und soziale
Herausforderung dar. Als finanzielle Kompensation
erhielten die Hauswirte eine monatliche Entschädigung,
die für verheiratete Soldaten 14 Groschen und für ledige
Mannschaften 10 Groschen betrug. Hausbesitzer, die von
der physischen Einquartierung befreit waren, wurden
stattdessen mit einer Ausgleichsabgabe belegt.
Kasernen zur dauerhaften
Unterbringung der Soldaten gab es zunächst kaum.
Lediglich in den Festungsstädten »Magdeburg und
»Kolberg
waren vor dem »Siebenjährigen
Krieg (1756-1763) Barackenlager errichtet worden.
Erst
nach dem Krieg nahm der Bau von von Kasernen zu. In Berlin entstanden
zunächst Kavallerieunterkünfte, die primär der
Unterbringung
verheirateter Soldaten und deren Familien
dienten. Im Jahr 1767 folgte in Prenzlau der Bau der
ersten Infanteriekaserne mit einer Kapazität von 240
Mann – ein Standard, der auch bei den nachfolgenden
Kasernenbauten in strategischen Zentren wie Berlin, Spandau, Nauen, Neuruppin, Frankfurt an der Oder und
Königsberg beibehalten wurde.
An manchen Stellen
in Berlin, der mit etwa 120.000 Einwohnern größten Stadt Preußens
und nach Wien
größten Stadt in Deutschland, bildeten
die Kasernen, in denen jeweils bis zu 800 Menschen, gemeine Soldaten
ebenso wie Unteroffiziere und Offiziere lebten, einen eigenen "kleine(n)
Staat [...], in welchem [...] doch Ordnung und Disziplin" herrschte.
(Gaedicke
1806, S.101)
Die
vorhandenen Unterbringungskapazitäten in Kasernen
reichten dennoch bei weitem nicht aus, um
das gesamte stehende Heer unterzubringen – ein Grund im
Übrigen auch dafür, dass die meisten Soldaten in
Friedenszeiten viele Monate als
Freiwächter beurlaubt
waren. Außerdem waren die Wohnverhältnisse
in den Kasernen miserabel und eng. Oft musste sich
ein verheirateter Soldat mit Frau und Kindern die
Stube mit zwei weiteren ledigen Soldaten teilen. Die
Ehefrau des Soldaten kümmerte sich in der engen und
muffigen Stube um den alltäglichen
Haushalt der Stubenmitglieder, reinigte gegen ein
geringes monatliches Entgelt der ledigen Soldaten, was
zu reinigen oder sonst zu organisieren war. Nicht immer
funktionierte das Zusammenleben der Personen auf engstem
Raum problemlos. Im Grunde lagen wegen der erzwungenen Intimität auf engstem Raum
ständig Konflikte in der Luft, die das
nicht selten zu Gewalt führte.
An manchen Stellen
in Berlin, der größten Stadt Preußens und der nach Wien der
größten Stadt im deutschsprachigen, bildeten
die Kasernen, in denen jeweils bis zu 800 Menschen, gemeine Soldaten
ebenso wie Unteroffiziere und Offiziere lebten, einen eigenen "kleine(n)
Staat [...], in welchem [...] doch Ordnung und Disziplin" herrschte.
(Gaedicke
1806, S.101)
Die Exerzierplätze der Soldaten lagen zum Teil in
der Stadt (Alexanderplatz, Wilhelmplatz, Dönhofscher Platz,
Lustgarten), der größte aber, für den man eine halbe Stunde
benötigte, um ihn zu umrunden, lag direkt beim Brandenburger Tor
außerhalb der Stadt. (vgl.
ebd. 1806, S.161) Der Alltag der einfachen Soldaten war, wenn
kein Krieg geführt wurde, von einem eintönigen Kasernenleben
geprägt, bei dem vor allem eine Maßnahme, den • "Müßiggang"
der Soldaten bekämpfen sollte: Exerzieren, exerzieren, exerzieren,
damit die ▪ "Pursche
" untätiger Weise nicht "leicht auf böse Gedancken, als auf
Stehlen, Rauben, und andere Leichtfertigkeiten" kamen. (Fleming
1726, S.124f.) Wie das unter dem Kommando gnadenloser Offiziere
aussah, beschreibt der Freiherr
»Johann
„Hans“ Friedrich von Fleming (1670-1733) in seinem umfangreichen
Handbuch »Der
Vollkommene Teutsche Soldat (1726). Natürlich war das Exerzieren
nicht nur ein Mittel gegen den Müßiggang und seine Folgen, sondern
die dabei eingeforderte absolute Disziplin bei dem "dauernde(n)
Wiederholen von Handlungen und stundlange(n) Exerzieren war die
Voraussetzung dafür, dass die Soldaten diese Handlungen auch unter
den extremen Bedingungen einer Schlacht auszuführen imstande waren."
(Oster
2010, S.145)
Der Alltag der Soldaten
war von strenger Disziplin geprägt. Der Tagesablauf folgte einem
festen Rhythmus aus Exerzieren, Waffenpflege, Wach- und
Garnisonsdienst sowie militärischen Übungen. Besonders in den
stehenden Heeren des 18. Jahrhunderts legten die Offiziere großen
Wert auf Gleichschritt, Gehorsam und exakte Ausführung von Befehlen.
Körperliche Züchtigungen gehörten in vielen Armeen zu den üblichen
Disziplinarmaßnahmen. Historiker weisen jedoch darauf hin, dass das
Ausmaß solcher Strafen regional unterschiedlich war und sich im
Laufe des 18. Jahrhunderts teilweise verringerte. Ziel der
militärischen Ausbildung war es, aus den einzelnen Rekruten eine
möglichst geschlossene und zuverlässig funktionierende Kampfeinheit
zu formen.
Das Leben in den Garnisonen
unterschied sich erheblich vom Kriegsdienst. In Friedenszeiten
wohnten viele Soldaten in Bürgerquartieren oder Kasernen und
verrichteten neben ihrem militärischen Dienst handwerkliche oder
landwirtschaftliche Nebentätigkeiten, um ihren geringen Sold
aufzubessern. Manche heirateten und gründeten Familien, obwohl die
Zahl der offiziell erlaubten Soldatenehen häufig begrenzt war.
Frauen begleiteten die Truppen oftmals als Marketenderinnen,
Wäscherinnen oder Köchinnen und trugen wesentlich zur Versorgung der
Soldaten bei. Die Forschung betont daher, dass militärische
Gemeinschaften keineswegs ausschließlich aus Männern bestanden.
Der Kriegsdienst selbst bedeutete
für die Soldaten enorme Gefahren. Schlachten forderten hohe
Verluste, doch starben weit mehr Soldaten an Krankheiten, Hunger
oder schlechter Versorgung als durch feindliche Waffen.
Marschleistungen von mehreren Dutzend Kilometern täglich,
mangelhafte Ernährung und unzureichende medizinische Versorgung
führten zu hoher Erschöpfung und einer erheblichen Sterblichkeit.
Verwundungen konnten oft nur unzureichend behandelt werden.
Gleichzeitig gehörten Plünderungen, Einquartierungen und die
Versorgung der Truppen aus den besetzten Gebieten vielerorts zum
militärischen Alltag und belasteten die Zivilbevölkerung erheblich.

Für Unfrieden
zwischen den Bürgern und den Soldaten sorgte auch, dass die Soldaten
einer eigenen Gerichtsbarkeit unterworfen worden und dies immer
wieder zu Kompetenzstreitigkeiten mit den städtischen Behörden
führte. Nicht selten missbrauchten Militärkommandeure auch ihre
Macht, um eigenmächtig Vorräte zu requirieren oder Zivilisten zu
zwangsrekrutieren.
Im Allgemeinen
freilich "entwickelte sich eine bestimmte Art von Miteinander
zwischen dem Militärpersonal und der städtischen Bevölkerung" (Clark
2008, S.186)
Spießrutenlaufen war aber nicht immer eine interne Militärstrafe für
die Soldaten. Es wurde auch von Soldaten gegen andere Delinquenten
angewendet. So berichtet
So berichtet
Gallus (1805) S.81) als Augenzeuge davon, dass eine ganze
Bauerngemeinde "worunter mehrere abgelebte Greise waren", Gassen
laufen mussten."
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
07.08.2026
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