Das ▪
Soldatenleben in der Frühen Neuzeit (ca. 1350-1800) spielte sich
in einem Spannungsfeld zwischen staatlicher Disziplinierung,
wirtschaftlichen Zwängen und individuellen Handlungsmöglichkeiten
der Soldaten ab. Der Militärdienst bedeutete für viele Männer
Entbehrung, Unsicherheit und ein hohes Risiko, bot aber zugleich
regelmäßige Versorgung, soziale Gemeinschaft und in einzelnen Fällen
auch Chancen auf gesellschaftlichen Aufstieg. Wer in der
•
Frühen Neuzeit (ca.1350-1800) Soldat wurde, musste sich allerdings auf ein Leben mit
harter Disziplin, großer Unsicherheit und erheblichen körperlichen
Belastungen einstellen.
In diesem Arbeitsbereich kommen verschiedene Aspekte des
Soldatenlebens in der Frühen Neuzeit zur Sprache.
Immer wieder fällt dabei der Blick auch das Wesen, die Funktion und
die Formen militärischer Disziplin, die auf Techniken beruhte, die
eine lange Geschichte in der abendländischen europäischen Kultur
haben
Schon im
Hochmittelalter unterwarfen solche Disziplinartechniken das •
Klosterleben
von Mönchen und Nonnen strengen Verhaltensregeln und
einen bis ins Detail geregelten Tagesablauf. Die
mönchische Lebensform war dabei durch »Ordensregeln
bestimmt, zu denen z. B. die »Augustinusregel
(4./5. Jahrhundert) oder die »Regula
Benedicti (Benediktsregel, um 540) gehörten, die festlegten, wie die
Mönche "durch gemeinschaftliches und individuelles Gebet,
Einkehr, Stille, Kontemplation und Abgeschiedenheit von der
Welt, körperliche Arbeit, geistiges und geistliches Studium und
Gastfreundschaft" (Wikipedia)
ihr frommes Leben zu fristen hatten.
Mit dem Beginn
des 17. Jahrhunderts drangen einige Formen der schon aus dem
Hochmittelalter stammenden Disziplin des • Klosterlebens
von Mönchen und Nonnen auch
in das weltliche Leben ein. So entstand Mitte des 18.
Jahrhunderts die
Figur des
"im Drill abgerichtete(n)" Soldaten, der "zum Modell
einer neuen Machttechnologie" (Sarasin
2005/22006, S.135) wurde, die auch bei großen
Massen dafür sorgte, dass "die Gesten und Haltungen des
einzelnen Körpers bis ins Kleinste reguliert wurden". (ebd.)
Ähnlich wie die Soldaten wurden im frühen 19. Jahrhundert auch
Häftlinge in den Gefängnissen und Schüler in ihren Schulen in
ihrem Verhalten mit einer "algorithmischen, das heißt genau
regulierten Befehlskette" (ebd.,
S.136) gesteuert, deren einzelne Befehle nicht mehr mit
moralischen Maßstäben überprüft werden, sondern einfach "eine
durch Codes definierte Norm" (ebd.)
darstellen, die durch verschiedene Prozesse der Kontrolle, des
Vergleichs, der Differenzierung, Hierarchisierung,
Homogenisierung und von Ausschlussmechanismen wie
Foucault (1976, S.236) sagt "normend,
normierend, normalisierend" wirken. (vgl.
Sarasin 2005/22006, S.136)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
07.08.2026