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Die Kadettenanstalt als Kaderschmiede des adeligen Offizierskorps

Der Alltag in den Kadettenanstalten

Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) « Soldatenleben « Soldatenleben im preußischen Militärstaat des 18. Jahrhunderts

 
GESCHICHTE
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Das Alltagsleben in den • preußischen Kadettenanstalten des 18. Jahrhunderts (unter Königen »Friedrich Wilhelm I. (1688-1740), »Friedrich II. (1712-1786), dem Großen und »Friedrich Wilhelm II. (1774-1797) nach heutigem Verständnis ausgesprochen streng, spartanisch und  bis ins Kleinste reglementiert, wie es einem militärischen Verband der Zeit gleichkam. Bei der Erziehung der Zöglinge kam alles zum Einsatz, was, modern gesprochen, • "Schwarze Pädagogik" in ihrer extremsten Form kennzeichnet. Der Begriff, mit dem die Soziologin »Katharina Rutschky (1941-2010) eines ihrer Bücher betitelt hat, dient dabei zur Bezeichnung einer Pädagogik, die sich vorwiegend repressiver Mittel bei der Erziehung bedient. Darunter fallen alle intentionalen Handlungen, mit denen ein Kund unter Einsatz körperlicher oder seelischer Mittel zu bestimmten Handlungen bzw. zu einem bestimmten Verhalten gebracht werden soll.

Der Tagesablauf de adeligen Jungen, die oft schon im Alter von 10 bis 12 Jahren aufgenommen wurden, war von morgens bis abends auf die Minute durchgetaktet. Signalhorn und Trommel bestimmten jeden Schritt. Um fünf oder sechs Uhr morgens hieß es aufstehen, mit kaltem Wasser aus Schüsseln oder Trögen waschen, die Haare richten und sich in die und Uniform zwängen, dann das Morgengebet zu verrichten und den Stubenappell über sich ergehen zu lassen, den die sog. "Stubenältesten" gerne nutzten, um ihre Mitzöglinge, besonders wenn sie jünger oder neu in der Anstalt waren oder sich eben sonst als "Opfer" eigneten, zu schikanieren. Dann gab es Unterricht am Vormittag und Nachmittag in verschiedenen Fächern. Freizeit, wie wir sie heute verstehen, hatten sie im Grunde nicht, da "Müßiggang" als besonderes Laster und für die Aufrechterhaltung der Disziplin besonders gefährlich galt. So wurde in dieser Zeit die Uniform gepflegt, die Stiefel geputzt und die Frisur gerichtet. Um neun Uhr abends ging es nach dem Nachtgebet in den muffigen, oft gar nicht oder nur mangelhaft beheizten Stuben und Schlafsälen auf harten Betten zur Nachruhe, die streng überwacht wurde.

Was die Zöglinge neben Befehl und Gehorsam im Rahmen • "Schwarzer Pädagogik" und unter der auf sie angewendeten Kriegsartikel mit ihren Regeln und Strafen im Allgemeinen im 18. Jahrhundert zu lernen hatten. war hauptsächlich an dem Ziel, ihrer späteren Verwendung als Offiziere im preußischen Heer ausgerichtet. Wer irgendwie aus der Reihe tanzte, sich widersetzte oder sich irgendetwas zuschulden kommen ließ, wurde schon bei kleinsten Vorgehen mit körperlicher Züchtigung, mit tage- oder wochenlangem Arrest bei Wasser und Brot bestraft. Den Delinquenten zudem dem öffentlichen Spott seiner "Kameraden" auszusetzen, die offenbar daran nicht selten ihre fragwürdige Freude hatten, gehörten dazu, das ja auch der inneren Hierarchie der Kadetten entsprach, bei dem die älteren, wenn sie zu "Stubenältesten" oder Kadettenkorporale in der Rangordnung aufgestiegen waren, den die Aufsicht über ihre "Kameraden" übertragen worden war, ihre Untergebenen immer wieder systematisch schikanierten.

Täglich ging es auf den Exerzierplatz, wo ab und ab in allen möglichen Formationen marschiert wurde und der kompetente Waffengebrauch gedrillt wurde. Daneben gab es Unterricht in Kriegswissenschaften (Fortifikation) (z. B. den Festungsbau), mit dem der Mathematikunterricht aufs engste verknüpft war, Geografie und Geschichte Da die Hofsprache der Zeit und der Diplomatie Französisch war, war das Erlernen dieser Sprache Pflicht und wurde gegen Ende des Jahrhundert unter »Friedrich Wilhelm II. (1774-1797) durch das Erlernen der deutschen Sprache ergänzt bzw. ersetzt. Hinzu kamen Fächer, die der körperlichen Ertüchtigung und dem Erlernen bestimmter höfischer Gesellschaftsformen dienen sollten wie Reiten, Fechten und Tanzen. Die Verpflegung, die die Kadetten erhielten, war einfach, oft mangelhaft und streng rationiert (z. B. Erbsen-, Kohl- oder Graupensuppe, manchmal mit etwas portionieren Fleisch darin, einfaches, aber lang haltbares Kommissbrot, dazu ein wenig Bier).

»Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) wollte die zu seiner Regierungszeit übers Land verstreuten Kadetten stärker seiner Kontrolle unterwerfen und ihre Ausbildung und Erziehung vereinheitlichen und professionalisieren. Sein entscheidender Hebel war die Errichtung einer Kadettenanstalt und eines Kadettenkorps in den Jahren 1717-21 in der Hauptstadt Berlin. (vgl. Crousaz 1857, S.51)

Dazu legte er zunächst einmal die beiden schon existierenden früheren Anstalten in Berlin zusammen, das sie aber an Zahl nicht die Kadetten brachten, die ihm vorschwebte, suchte er ihre Anzahl mit jungen Adeligen aus der Provinz erhöhen.

Als dann bis Ende August 1717 in Berlin 110 Kadetten zusammen waren konnte das neue "Königlich Kronprinzliches corps des cadet" am 1. September des gleichen Jahres mit seinem Kommandeur, zwei Hauptleuten, 4 Feldwebeln, 1 Capitain d'armes, drei Tambours, einem Pfeifer, einem Profoss und den Kadetten an den Start gehen. (ebd., S.52).

Auf die Frage des kriegsinvaliden Lieutenant von Bosse, des Kommandeurs der Anstalt, der mit dem Prinzen wegen der ihm auferlegten strengen Behandlung der Kadetten nicht immer einer Meinung war, sagte auf  dessen Frage anlässlich einer Musterung des Korps "»Was gehört dazu , um aus einem Kadetten einen guten Offizer zu machen?« hatte dieser geantwortet: »I. ein geschickter Leib, 2. solider esprit, 3. eine fertige Zunge und Feder, 4. ein ehrlich und brav Herz, 5. eine vorsichtige conduite." (Scharfenort 1889, S.10) Die vergleichsweise moderat formulierte Antwort des Kommandeurs änderte allerdings nichts daran, dass die Gesamtorganisation des Kadettencorps in allem den in der regulären Armee geltenden Regeln und Gepflogenheiten folgte und die Behandlung der Kadetten insgesamt äußerst streng war. Wer die Regeln nicht einhielt, z. B. etwas früher seinen Heimaturlaub antrat, als im bewilligt worden war, musste schon einmal 7 Wochen und mehr bei Wasser und Brot im »Stockhaus, einem Gefängnis absitzen (vgl. Crousaz 1857, S.65), das seinen Namen davon erhielt, dass die Gefangenen an einen schweren aus zwei Hälften gearbeiteten Holzblock ("Gefangenenstock) mit Händen und Füßen gekettet wurden. Die Räume des Stockhauses, waren zudem "stockdunkel".

Die Erziehung der Kadetten wurde unter dem Soldatenkönig immer stärker auf ihre militärische Verwendung hin fokussiert, alles andere, wie z. B. der lange übliche Tanzunterricht wurde schon 1727 abgeschafft. (vgl. ebd., S.67)

In dem eigens für das Kadettencorps errichtete Gebäude wurde auf dem ehemaligen »Hetzgartengelände, wo früher in der Barockzeit im Rahmen festlicher Ereignisse zur Ungerhaltung der Zuschauer*innen wilde Tiere aufeinander gehetzt worden waren oder Menschen gegen wilde Tiere gekämpft hatten, erbaut. Dort wurden die Kadetten in vierundzwanzig mit Nummern versehenen meist engen, muffigen und vor allem wegen der kleinen Fenster ziemlich dunklen Stuben untergebracht (ebd., S.55). Das zwei Stockwerke hohe Gebäude war, auch wenn es offenbar die aus der Provinz kommenden Zöglinge, wie alles, was sie von der Hauptstadt zu sehen bekamen, von außen sehr beeindruckte (vgl. Scharfenort 1889, S.14,  immer sehr reparaturanfällig. (Crousaz 1857, S.75) Daher wurde es 1776, nicht zuletzt um mehr Platz für die anwachsende Kadettenzahl zu schaffen, durch einen »Neubau in der »Neuen Friedrichstraße ersetzt.


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In den Stuben der Kadetten des alten Kadettenhauses befanden sich ein Kachelofen, sechs "zweischläfrige hölzerne Bettgestelle" (Scharfenort 1889., S.15), ein Holztisch für sechs Personen mit einem Wasserkrug sowie eine Bank ohne Lehne für drei bis vier Mann. Über den Betten waren Gewehre und Patronentaschen an Nägeln aufgehängt

Die Kadetten erhielten dreimal pro Tag in ihrem mit Talglichtern dürftig erhellten Speisesaal etwas zu essen und durften mittags und abends so viel von dem einfachen und besonders haltbaren »Commissbrot essen, wie sie wollten. Auf der Speisekarte des festgelegten Speiseplans gab es u. a. Reissuppe mit einem Stück Schweinebraten,  Graupen-, Erbsen- und Kohlsuppe mit etwas Hammelfleisch und Backobst. (vgl. Scharfenort 1889, S.17). Und "1 Quart gutes Speisbier" gab es obendrauf. (Crousaz 1857, S.77) Ihre Wäsche wurde von den Frauen der Aufwärter gegen eine monatliche Vergütung von 16 Groschen pro Kopf gereinigt und gerichtet.

In der in Berlin gegründeten Kadettenanstalt "(trugen) die Kadetten (...) Uniformen und Waffen, sie hatten [...] ihren eigenen Feldwebel, sowie ihre Pfeifer und Tambours, und es ergiebt sich aus zahlreichen Notizen, daß sie bei feierlichen Gelegenheiten, welche militärisch begangen wurden, immer mit der übrigen Garnison zusammen als militärische Truppe öffentlich erschienen." (ebd., S.36). Damit das habe möglichst reibungslos funktionieren können, hätten sich die Kadetten viel mit dem üblichen Militärdienst zu beschäftigen gehabt und seien auch den "in der Armee gültigen Dienstvorschriften, natürlich mit manchen Modifikationen" unterworfen gewesen. (vgl. ebd.)

Die Kadetten selbst hatten eine militärische Rangordnung, die denen der Infanterie glich. Es gab ein an ihren Uniformen erkennbares zehnköpfiges Unteroffizierkorps aus, deren Mitglieder die Kadetten-Korporalschaften befehligten, deren Dienst gewöhnlich mit dem Morgengebet um 5 Uhr begann und um 19 Uhr endete. Die Kadetten wurden in Religion, Geografie, Fortification (eigentliche Kriegswissenschaft) mit Mathematik, Französisch, Rechnen, Schreiben und Fechten und bis zu seiner Abschaffung auch im Tanzen unterrichtet. (vgl. ebd.,S.80)

Am wichtigsten aber war stets der praktische Militärdienst, für den nach dem Lektionsplan von 1717 Mittwoch und Samstag in der Woche von ganztägig von 10 Uhr bis 18 Uhr, an den anderen Tagen von 10 Uhr bis 14 Uhr vorgesehen war. Die Hälfte dieser Zeit dürfte dabei allerdings für Essen und Erholung vorgesehen gewesen sein. (ebd.,S.82) Zu diesen militärischen Lektionen, vor allem dem Exerzieren, kamen noch Wachdienste, zu denen stets einige Kadetten eingeteilt waren.


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Um den steigenden Offiziersbedarf der • expandierenden Armee zu decken, wurden im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts durch »Friedrich II. (1712-1786), den Großen zusätzliche Voranstalten in den Provinzen, wie im »hinterpommerschen »Stolp (1769) und im westpreußischen Kulm (1776) errichtet, in die jüngere Zöglinge kamen, die dann später an die Hauptkadettenanstalt in Berlin gingen. Die vom König  gestiftete Kadettenanstalt in Stolp hatte zunächst 48 Kadetten, vergrößerte sich bis 1779 auf 96 Kadetten, die in sechs Klassen unterrichtet wurden. In Kulm waren es 1787 100 Kadetten (vgl. Wutstrack 1793, S. 691–693). 1793 gab es in Berlin 260 Kadetten, die in vier Anstalten untergebracht waren, und in Potsdam 40 Kadetten. (vgl. Gallus 1805, S. 274).1793 wurde eine weitere Kadettenanstalt in Kalisch (1793) eingerichtet.

Wenn die neuen Kadetten in der Hauptkadettenanstalt ankamen, wurden ihnen nach ihrer Ankunft, bevor sie ihren Eid auf den König ablegten, in der Anstalt die Kriegsartikel verlesen, denen sie sich fortan zu unterwerfen hatten. Der ihnen abverlangte bedingungslose Gehorsam sah für Zuwiderhandelnde körperliche Züchtigung und Arrest im »Stockhaus bei Wasser und Brot vor. In schweren Fällen des Ungehorsams kam eine Meldung an den König hinzu. Wer sich duellierte und dabei seinen Gegner tötete, wurde selbst mit dem Tode bestraft. War bei dem Duell der Gegner nur schwer verletzt worden, drohten dem Delinquenten neben Köperstrafen auch harte Festungsarbeit. (vgl. Scharfenort 1889, S.22) Das Spielen (Kartenspielen oder Würfeln) war laut Artikel 8 der Kriegsartikel ebenso streng verboten, wie "Gelderpressungen, Tauschen, Verkaufen, Versetzen und Geldborgen, Branntwein trinken, Tabak Rauchen, Saufen und Schmausen" (ebd., S.23) Sehr hart ging man gegen Diebe vor, ein Verhalten, das als besonders "unadelig" galt. Wer seinen Wachposten verließ oder sich irgendwo hinbegab, wo es nicht erlaubt war, wurde ohne Ansehen der Person arrestiert (Art.12) Ausdrücklich wurden die Kadetten unter Strafandrohung angehalten, ihren Lehrern im Unterricht den nötigen Respekt zu erweisen (Art. 17).(vgl. ebd., S.24) Aber auch das Schwänzen von "Lehr-. Lern- und Exerzitienstunden" sowie nicht zu duldende Faulheit führten dazu, dass man für eine längere Zeit in Arrest bei Wasser und Brot kam (Art.16) und mit dem Rohrstock nach einem grausamen Ritual bestraft wurde: "Der »Renommist«, dem Alle die zuerkannte Strafe gönnten (I)" (ebd., S.38), wurde "von einem Gefreiten und zwei Mann auf den Fechtboden geführt, wo die Strafe unter Aufsicht eines Feldwebels [...] in nachdrücklichster Weise vollzogen. Während des Junkers Schmerz- und Wuthgebrüll im Hof seinen Widerhall fand, ging das Strafgericht seinen unheilvollen Gang." (ebd.)

Die Neuorganisation und Neuausrichtung der Kadettenanstalten

Als »Friedrich II. (1712-1786), der Große, die Regierung übernahm, sorgte er für die weitere Professionalisierung der Erziehung und Ausbildung des Kadettenkorps, straffte die Verwaltung, stärkte eine humane Behandlung der Kadetten und förderte im Gegensatz zu seinem Vater wieder die geistige Ausbildung der jungen Männer. (vgl. ebd., S.101) In seiner Zeit seit 1740 bis 1786 insgesamt 3.258 Zöglinge zum Berliner Kadettenkorps. (vgl. ebd., S.163)

Als er im Juni 1740 in Charlottenburg das Corps de cadets in Augenschein nahm, erteilte der dem Kommandeur die folgende Instruktion: "Ambition und Diensteifer sollen den Zöglingen anerzogen, die das Ehrgefühl kränkenden Strafen abgeschafft, und durch einen verschiedenartig gestuften Arrest ersetzt werden; bei den praktischen Dienstverrichtungen der Kadetten soll deren höhere Bestimmung stets im Auge sein. Morgens und abends finden militärische Stubenvisitationen statt; jeder Kadett soll bezüglich seiner kleinen Montirungsstücke ein Abrechnungsbuch, und jeder Compagnie-Chef ein Hauptbuch führen; die Rechnung des Corps soll alljährlich mit Anfang October, durch einen Staboffizier, abgenommen werden. Die Küche soll zu guten Leistungen angehalten und an einen bestimmten, neu zu entwerfenden Speiseplan gebunden sei; und während der Mahlzeit der Kadetten ist ihnen irgend ein Abschnitt der vaterländischen Geschichte oder der Kriegskunst vorzulesen. Die Kadetten werden, je nach dem Stande ihrer Ausbildung, in Klassen getheilt, und 4 neu anzunehmende Lehrer der Logik sollen die über die Elemente hinausgeschrittenen Zöglinge zur Ordnung und Vernünftigkeit des Denkens anleiten. Der Commandeur faßt die natürlichen Gaben und unterschiedenen Geistesrichtungen der Zöglinge scharf ins Auge, und wendet der Förderung hervorstechender Talente seine besondere Aufmerksamkeit zu. Die höchste Reinlichkeit ist im Interesse des Anstands und der Gesundheit aufrecht zu halten. Die bisherigen Feldwebels, mit denen man unzufrieden ist, sind anderweitig zu placiren, während ihrer noch dauernden Anwesenheit im Corps aber, rücksichtlich ihres Benehmens gegen die Kadetten, welches stets anständig sein muß, streng zu überwachen. Auch den Compagnie-Chefs wird eine humane Behandlung zur Pflicht gemacht. Der König behält sich die öftere persönliche Einsicht in die Verhältnisse der Anstalt, und ebenso, bei regem Eifer für die Verordnungen, eine volle Anerkenntniß, als in Contranventionsfällen ein strenges Angehen des dafür verantwortlich Commandeurs vor." (zit. in:  Crousaz 1857, S.103)

In den verlustreichen »Schlesischen Kriegen (1740-1763) »Friedrichs II. (1712-1786), des Großen, mussten die Kadettenanstalten den dauernden Verlust von Offizieren im Kampf ausgleichen. (vgl. Crousaz 1857, S.105) Der in diesen eingetretenen Verrohung, die natürlich auch vor dem Offizierkorps nicht haltmachte, wollte der König auch durch bestimme Gnadenerweise entgegenwirken. So wertete er mit seinem persönlichen Besuch die Kadettenanstalt wieder auf, in die nach und nach die im Krieg gefangenen Kadetten zurückkehrten. (vgl. Crousaz 1857, S.126) Zugleich nahm er 1765 verschiedene administrative Änderungen, die den pädagogischen Zuschnitt des Unterrichts verbesserten. (vgl. ebd.,S.127) Dabei kam es ihm im Allgemeinen darauf an, dass die kognitven Fähigkeiten der Schüler nicht nur mit memorienden Gedächtsschulungen gefördert, sondern in einem umfasssenderen Sinne der Verstand als Ganzes geschult wurde. Zudem sollten die Art und Weise, wie die Lehrer den Schülern im Lehrervortrag Wissen eintrichterten, zumindest so aussehen, dass es das Interesse der Kadetten wecken konnte. (vgl. ebd., S.128)

Nach dem Tod Friedrichs des Goßen ließ sein Nachfolger »Friedrich Wilhelm II. (1774-1797) das Kadettenkorps neu organisieren. 1791 setzte er dazu 16 Candidaten als beamtete Gouverneure der Kadettenanstalten ein, die dem Kompaniechef und seinen Offizieren der Anstalt untergeordnet waren. Sie waren überwiegend Theologen, aber auch Philologen, Philosophen oder Kameralisten. (vgl. ebd., S.176) Für diese Gouverneure wurde am 10.7.1791 eine vorläufige Instruktion erlassen, die die Aufgaben und die Amtsführung der Gouverneure ebenso beschrieb wie das Programm, nach dem die Kadetten zu erziehen waren. So sollten die Gouverneure ihre Zögling im Lesen, Schreiben, Rechnen und der Deutschen Sprache (!) unterrichten. Sie sollten mit den Kadetten mittags und abends gemeinsam essen und dafür sorgen, dass das Essen gesittet vonstatten ging. Sie hatten sich ferner um die im Lazarett befindlichen Zöglinge zu kümmern, mussten die Aufsicht auf den Spielplätzen übernehmen und sich um die ganze weitere Erziehung der Kadetten kümmern. Sie durften für ihren Anschauungsunterricht hin und wieder mit ihren Klassen Exkursionen machen, hatten abends die Hefte ihrer Schüler durchzusehen und mussten auffällige Schüler dem Kompaniechef melden, der bei Verstößen die entsprechenden militärischen Maßregelungen ergreifen konnte.

Im Kulmer Kadettenhaus, das seit 1776 als Voranstalt für die Berliner Kadettenanstalt fungierte, wurden die Zöglinge, die im Alter von 8 und 10 Jahren in die Einrichtung kamen, in 10 Brigaden eingeteilt, von denen einige von Hofmeistern unterrichtet wurden, die ihnen Schreiben, Lesen und Rechnen beibringen und ihnen geographische, historische und Kenntnisse in der Mythologie vermittelten. Der Direktor stellt den Schülern zeitweise irgendwelche Materialien zur Verfügung, die der moralischen Erziehung dienen sollen. Diese mussten von den Zöglinge dann gelesen und von den älteren Schülern in freien (Besinnungs-)Aufsätzen verarbeitet werden.

Normalerweise erfolgte der Übergang nach Berlin frühestens mit 13 Jahren. Wer auf Grund seiner geistigen und physischen Entwicklung mehr Zeit brauchte, konnte aber länger bleiben. Stellte sich aber heraus, dass der Zögling ganz und gar durch das gewünschte Raster fiel, musste er die Kadettenanstalt verlassen und wurde wieder nach Hause geschickt.

Alle Kadetten, bei denen alljährlich die Körpergröße gemessen wurde, hatten um 6 Uhr morgens aufzustehen und an vier Tagen der Woche von 8 bis 11 Uhr und von 14 bis 15 Uhr wissenschaftlichen Unterricht, mittwochs und samstags gab es morgens Religions- und Tanzunterricht, während die Nachmittage Gelegenheit zum Spielen boten und mit verschiedenen Reinigungstätigkeiten verbracht wurden. Die Zeit zwischen 6 Uhr und 8 Uhr morgens diente zum Waschen, Anziehen, Beten und zur allgemeinen Unterrichtsvorbereitung.  (vgl. ebd.,S.127) Allein das Herrichten der Frisuren, das so genannte Haarkräuseln und die Pflege der Perücken konnte schon einmal eine Stunde in Anspruch nehmen. Die Haare wurden dabei zu Zöpfen gebunden "mit Talg und Wachs so eingeschmiert und mit dem Kammrücken geglättet wie ein Flintenlauf." (Scharfenort 1889, S.16)

Um Viertel vor 12 Uhr ging es zu einem Parade-Appell, zu dem alle Kadetten antreten mussten, danach gab es Mittagessen. Am Sonntagmorgen ging es um 8.30 Uhr im Marsch in die Kirche und nach der Kirche durften sich die Zöglinge bis zum mittäglichen Appell in ihren Stuben besuchen. Am Nachmittag ging es dann brigadeweise zum gemeinsamen Spaziergang, im Sommer wurde in dieser Zeit auch gebadet. In den Stuben hatten die Kadetten Handtücher, Waschschüsseln und -becken, Wasserkannen, Stiefelknechte etc. In den Fluren gab es Vorrichtungen zur Reinigung von Kleidung. An jedem Samstag musste einer der Kadetten einen schriftlichen Bericht über die Ereignisse der Woche verfassen und vorlegen. Jeden Monat beurteilten und bewerteten die Lehrer Fleiß, Sittlichkeit und Ordnung ihrer Zöglinge. Körperliche Züchtigungen werden zwar verhängt, aber "nur" wegen Aufsässigkeit, Bettnässerei oder anderer nächtlicher Verunreinigungen der Betten oder wenn es zu Prügeleien unter den Kadetten kam. Wenn es nicht so schwere Vergehen zu ahnden galt, bekam der Delinquent keinen Braten mehr beim Essen, musste bei Tisch stehen oder er wurde dazu verdammt, vor seinen Kameraden eine "Eselsmütze" zu tragen. Der Direktor stellt den Schülern zeitweise irgendwelche Materialien zur Verfügung, die der moralischen Erziehung dienen sollen. Diese mussten von den Zöglinge dann gelesen und von den älteren Schülern in freien (Besinnungs-)Aufsätzen verarbeitet werden. (vgl. Crousaz 1857, S.179)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

  
   Arbeitsanregungen:
  1. Beschreiben Sie den Tagesablauf eines Kadetten in einer preußischen Kadettenanstalt des 18. Jahrhunderts.
  2. Erläutern Sie, was im Text unter dem Begriff „Schwarze Pädagogik“ verstanden wird und wie sich diese Erziehungsmethode im Alltag der Kadetten zeigte.
  3. Analysieren Sie, mit welchen Mitteln Gehorsam und Disziplin in den preußischen Kadettenanstalten durchgesetzt wurden. Beziehen Sie dabei sowohl den Tagesablauf als auch das Strafsystem ein.
  4. Vergleichen Sie die Erziehungsziele und die Organisation der Kadettenanstalten unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II.. Arbeiten Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
  5. Beurteilen Sie, inwiefern die Ausbildung in den Kadettenanstalten auf die spätere Verwendung der Zöglinge als Offiziere vorbereitet hat. Begründen Sie Ihr Urteil anhand des Textes.
  6. Erörtern Sie, welche Auswirkungen die geschilderten Erziehungs- und Lebensbedingungen auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kadetten gehabt haben könnten. Berücksichtigen Sie dabei sowohl mögliche Vorteile als auch Nachteile.
 

 
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