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Thematisches Projekt: Lesen
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Geschichte des Lesens
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Überblick
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Lesen im 18. Jahrhundert
Die
•
Literaturepoche
des • Aufklärung
(1720-1785) muss auf dem Hintergrund des
• historischen Kontextes
und der
• gesellschaftlichen, politischen und
kulturellen Rahmenbedingungen, von denen sie geprägt worden und die sie
mitgestaltet hat, betrachtet werden.
Im Zuge des Adressaten- und
Funktionswandels der Dichtung, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts einsetzte
und der Abkehr von der höfisch verankerten Dichtung, war ein Strukturwandel
der Öffentlichkeit zustande gekommen und in dessen Gefolge ein neuer
literarischer Markt entstanden, der auch für die Schriftsteller und ihre
gesellschaftliche und materielle Stellung bedeutende Konsequenzen hat.
Statt
als besoldete Hofdichter mussten die meisten von ihnen ihr Glück als so
genannte freie Schriftsteller suchen, um ihren Unterhalt zu sichern. Diese
neuartige schriftstellerische Existenz, die ihnen zwar eine geistige
Unabhängigkeit von ihren adeligen und fürstlichen Mäzenaten ermöglichte,
stürzte allerdings die meisten, die sich darauf einließen, in eine prekäre
materielle Situation, da kaum einer von ihnen im 18. Jahrhundert angesichts
der geringen Auflagenhöhe und der geringen Honorare, die ihnen ihre Verleger
bezahlten, von ihrer Arbeit leben konnte.
Wer nicht zu den wenigen Ausnahmen
wie »Christoph
Martin Wieland (1733-1813), »Friedrich
Gottlieb Klopstock (1724-1803) oder auch •
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781 gehörte, die als
Spitzenverdiener der Zeit von ihren Einkünften als Schriftsteller leben
konnte oder von Hause aus vermögend genug war, musste sich, "nach
Nebeneinkünften umsehen, sich als Hofmeister, Beamter usw. verdingen oder
sich doch wieder um adelig-höfische Gönner bemühen" (vgl.
Stephan 1989/1992,
S.125) oder musste auf andere Weise für seinen Unterhalt sorgen, was die
Zeit zum Schreiben natürlich beträchtlich einengte. Manchmal ließ sich auch
etwas als Herausgeber von Zeitschriften oder für journalistische Arbeiten
hinzuverdienen.
Aber nicht nur die
wirtschaftlich prekäre Situation machte denen, die fortan als freie
Schriftsteller lebten, zu schaffen, sondern auch die in den meisten
deutschen Staaten herrschende Zensur. Sie sollte, wie ein Mitglied der
Wiener Bücherkommission 1761 betonte, die Aufsicht darüber führen, "daß
sowohl im Lande keine gefährlichen und schädlichen Bücher gedrucket, als
auch, daß dergleichen Bücher nicht aus andern Landen eingeführet und
verkaufet werden" (zit. n.
Stephan 1989/1992,
S.125) Zudem sollte sie dafür sorgen, dass nur solche Bücher gedruckt
werden, die nichts Gefährliches vor die Religion, nichts zu offenen Verderb
der Sitten, und nichts wider die Ruhe des Staats, und wider die, denen
Regenten schuldige, Ehrerbietung sich enthalten." (zit. n.
ebd.)
Die Zensur nahm
in der •
Frühen Neuzeit (1350-1789) erst im Zusammenhang mit
der •
Konfessionalisierung (Reformation) nahm die •
Zensur im Gebiet des
Heiligen
Römischen Reich Deutscher Nation richtig Fahrt auf.
Aber auch im •
18. Jahrhundert hatte sie maßgeblichen
Einfluss auf das politische Leben und.
Verschiedene prominente Fälle (Lessing, Schubart, •
Wekhrlin etc.) können dies
eindrucksvoll verdeutlichen.
Während der •
Befreiungskriege gegen Napoleon
(1813-1815) lockerten einige deutsche Staaten, insbesondere im
Südwesten, eine Zeitlang ihre Zensurgesetze bzw. milderten ihre Handhabung,
behielten sich aber ihre Wiedereinführung vor.
Allerdings war für freie
Meinungsäußerung im »Metternichschen System der Restauration nach den
Befreiungskriegen kein Platz mehr. Das Attentat auf »Carl
Ludwig Sand (1795-1820) war dabei nur der
willkommene Anlass um mit den »Karlsbader Beschlüssen vom 20.9.1819 das
geistige, künstlerische und politische Leben abzuwürgen und mit schärfsten
Zensur- und Verfolgungsmaßnahmen gegen politische Gegner vorzugehen.
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
11.08.2025