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Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Max Brod)
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Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Malcom Pasley 1990)
Leni
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ist
ein "junges Mädchen" mit "dunklen, ein wenig hervorgewälzten
Augen" (HL 70) und "reiche(m) dunkle(n), fast gedrehte(n) Haar"
(HL 77) und einer attraktiven Figur ("schöne(r) Wuchs ihres
Körpers" HL 140)
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ist
unverheiratet, lebt ohne ihre Familie allein im Haus des Advokaten
Huld, zu dem sie eine
besondere
Beziehung hat
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wirkt auf K.
sexuell sehr anziehend (K. hat nach der ersten Begegnung "nur noch Augen
für die Pflegerin", HL 75)
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hat einen
"körperlichen Fehler" (HL 78), ein "Verbindungshäutchen" zwischen dem
Mittel- und Ringfinger ihrer rechten Hand (HL 78)
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spielt, da sie
die Schlüssel des Hauses hat und Gäste (bestimmte Angeklagte und Klienten z.
B. Josef K. oder auch den Kaufmann Block) offenbar nach eigenem Ermessen
einladen und damit zum Advokaten und vorlassen kann, eine wichtige Rolle im
Umfeld des Gerichts.
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fungiert dabei als
eine Türöffnerin bzw. als "Türhüterin", die wie die meisten anderen der Frauen
in dieser Rolle, mehr als Josef K. über die Strukturen des Gerichts und
geeignete Vorgehensweisen im Umgang ihm Bescheid wissen und K. damit bestimmte
Zugänge oder Einsichten in seinen Prozess ermöglichen. (vgl.
Reck 2008, S.209)
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sorgt für den Zugang
der Angeklagten zum Advokaten und damit zum Gericht bzw. dem Gerichtswesen
(sorgt z. B. durch das Übernachten des Kaufmanns Block im "Dienstmädchenzimmer"
(HL 132), dafür dass Block auch zur Stelle ist, wenn er wegen
seines Falles vom Advokaten zu einer Unterredung aufgefordert wird)
oder sorgt dafür, dass K. sogar noch in den Nachtstunden von dem
Advokaten empfangen wird wird vom Onkel K.s, der in Leni die "Geliebte des Advokaten" (HL 79) sieht und
der
"sichtlich voreingenommen" ist (HL 71), von Anfang
an als "Hexe" (HL 72) abgelehnt
und nach dem von ihm unterstellten sexuellen Akt mit seinem Neffen als "kleine(s)
schmutzige(s) Ding" (HL 79) bezeichnet
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hat ein
besonderes
Verhältnis zum Advokaten Huld:
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Verhältnis zu dem
Advokaten ist nicht das zwischen einer Angestellten und ihrem Arbeitgeber
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ist
oder war u. U.
früher, vor dessen Krankheit, die "Geliebte des Advokaten" - so behauptet es
jedenfalls der Onkel (HL 79)
ist jetzt die Pflegerin, Haushälterin und Angestellte des Advokaten Huld
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Aber jetzt, da Huld
krank ist, betätigt sie sich, in einer durchaus zärtlichen Weise, als dessen
Pflegerin ("weit über den Kranken hingebeugt war und gerade das Leintuch an der
Wand glättete" , (HL 71); "mit der einen Hand streichelte sie, wie K. zu bemerken
glaubte, die Hand des Advokaten", (HL 71); "strich, tief zu seinem Gesicht
geneigt, über sein langes, weißes Haar", (HL 140)
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Trotz ihrer
sexuellen Beziehungen zu den Angeklagten hat Leni ein loyales Verhältnis zu
Huld, der offenbar ihre wichtigste soziale Beziehung darstellt.
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Die sexuellen
Beziehungen zu den Angeklagten werden von Huld toleriert ("Es ist eine
Sonderbarkeit Lenis, die ich ihr übrigens längst verziehen habe (…) diese
Sonderbarkeit besteht darin, dass Leni die meisten Angeklagten schön findet. Sie
hängt sich an alle, liebt alle, scheint allerdings auch von allen geliebt zu
werden; " HL 133)
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wird von den
Angeklagten aber nicht als Person geliebt, sondern als Mittel zum Zweck, um über
die Beziehung zu ihr Vorteile im Fortgang ihres Prozesses zu erlangen. So
erhoffen sie sich offenbar durch sie, häufiger mit dem Advokaten in ihren
Prozessangelegenheiten sprechen und diesen dadurch bewegen zu können, sich
intensiver als sonst um ihre Angelegenheit zu kümmern.
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lockt K.
mit dem Tellervorfall (HL 75) aus dem Zimmer des Advokaten, um ihn zu verführen
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bezeichnet
sich selbst als "eitel" und "unzufrieden" (HL 76), solange sie den Eindruck hat,
sie gefalle K, nicht
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küsst und beißt ihn,
ehe sie K. zu sich auf den Boden zieht ("jetzt, da sie ihm so nahe war, ging ein
bitterer, aufreizender Geruch wie von Pfeffer von ihr aus, sie nahm seinen Kopf
an sich, beugte sich über ihn hinweg und biss und küsste seinen Hals, biss
selbst in seine Haare." HL 78)
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behauptet nach der
Verführung K.s ("Jetzt gehörst du mir", HL 78), dass K. sie damit gegen Elsa
"eingetauscht" habe (HL 78)
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gibt K. den
Hausschlüssel zum Haus des Advokaten, damit er jederzeit zu ihr kommen kann
("»Hier hast du den Hausschlüssel, komm, wann du willst«, waren ihre letzten
Worte, und ein zielloser Kuss traf ihn noch im Weggehen auf den Rücken." HL 78)
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beteiligt sich am
Beispiel des Bildes, das einen Richter auf einem hohen Thronsessel darstellt (HL
76) nicht daran, diesen, die Richter und das Gerichtswesen als Ganzes unnötig zu
überhöhen ("‘Er ist Untersuchungsrichter (…) in Wirklichkeit sitzt er auf einem
Küchensessel, auf dem eine alte Pferdedecke zusammengelegt ist" HL 76)
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will K. dazu
bewegen, möglichst bald ein "Geständnis" (HL 77) zu machen, um aus der Sache
herauszukommen, betont aber zugleich, dass das allein noch keine Garantie dafür
sei, sondern nur mit "fremde(r) Hilfe" (HL 77) möglich sei, die sie ihm aber
leisten werde (HL 77)
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trifft bei den
wiederholten Unterredungen K.s mit dem Advokaten immer wieder auf K. und tauscht
mit ihm zärtliche Gesten aus ("ließ im Geheimen ihre Hand von K. erfassen", der
ihre Hand drückt und "Leni wagte es manchmal, K.s Haare sanft zu streicheln" HL
88)
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wird von K. bei
seinem nächsten Besuch, bei dem er dem Advokaten seine Vertretung entziehen
will, offenbar "in flagranti" bei sexuellen Handlungen mit dem Kaufmann Block überrascht ("im
Hemd davonlief", HL 121), rechtfertigt dies aber gegenüber K. als bedeutungslos
und allein davon motiviert, einem bedeutenden Kunden des Advokaten zu Gefallen
zu sein ("Ich habe mich seiner ein wenig angenommen, weil er eine große
Kundschaft des Advokaten ist", HL 123)
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versichert K.
zugleich, dass er die kommende Nacht mit ihr verbringen könne (HL 123)
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erklärt gegenüber
K., dass sie für ihre Dienste von ihm erwarte, dass er sie lieb habe ("Ich will
keinen anderen Dank und brauche auch keinen andern, als dass du mich lieb hast."
HL 131)
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spürt unter
Umständen heraus, dass sich K. durch die Kündigung "nicht
nur vom Advokaten, sondern auch von Leni und dem Kaufmann befreien" will (HL
132)
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gerät außer sich,
als sie von Block erfährt, dass K. dem Advokaten seine Vertretung entziehen will
("Leni wollte gleich auf K. losfahren"
(HL 132) "noch mit den zu Fäusten geballten
Händen lief sie dann hinter K." HL 132)
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will nach dem
Gespräch Josef K.s mit dem Advokaten über die Kündigung Genaueres wissen und
versucht, mit Zärtlichkeiten K.s Zuneigung zu ihr zu erhalten, wird aber von K.
zurückgewiesen ("Sie störte ihn von nun ab, indem sie sich über die Sessellehne
vorbeugte oder mit den Händen, allerdings sehr zart und vorsichtig, durch sein
Haar fuhr und über seine Wangen strich. Schließlich suchte K. sie daran zu
hindern, indem er sie bei einer Hand erfasste, die sie ihm nach einigem
Widerstreben überließ." HL 138)
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spürt, dass die Art
und Weise wie K. ihre Hand festhält, "
nicht der Druck der Liebe (war) (…) sie
seufzte auch öfters und suchte ihm die Hände zu entwinden." (HL 139)
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entzieht sich nach
der Demütigung des Kaufmanns Block durch den Advokaten K., ("Leni, indem sie
sich von K.s Händen befreite: ‚Du machst mir Schmerzen. Lass mich. Ich gehe zu
Block.‘" HL 140)
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will den Advokaten
mit zärtlicher Geste zur weiteren Vertretung des Kaufmanns Block bewegen, der
von ihr auf Nachfrage des Advokaten ("Wie hat er sich heute verhalten?" HL 141)
ein "günstiges Zeugnis"(HL 141) ausgestellt bekommt (»Er war ruhig und fleißig.«
HL 141)
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ruft K., der sich
auf dem Weg zum Dom befindet, an, und will wissen, wie es ihm geht ("Leni
wünschte ihm guten Morgen und fragte nach seinem Befinden, K. dankte eilig und
bemerkte, er könne sich jetzt unmöglich in ein Gespräch einlassen, denn er müsse
in den Dom." HL 148)
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teilt K. mit, dass
er gehetzt werde ("sagte Leni plötzlich: »Sie hetzen dich.« Bedauern, das er
nicht herausgefordert und nicht erwartet hatte, vertrug K. nicht, er
verabschiedete sich mit zwei Worten, sagte aber doch, während er den Hörer an
seinen Platz hängte, halb zu sich, halb zu dem fernen Mädchen, das es nicht mehr
hörte: »Ja, sie hetzen mich.«" HL 148)
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Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Max Brod) •
Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Malcom Pasley 1990)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
17.12.2023
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