teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


 

Sozialer Aufstieg in vielfältigen Patronagebeziehungen

Überblick

« Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650–1789) Aufklärung Aufklärer (Auswahl) Voltaire (1694-1778)

 
GESCHICHTE
Grundbegriffe der Geschichte Europäische Geschichte Frühe Neuzeit (1350-1789) Zeitalter der Renaissance (ca.1350-1450) Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531) Reformation und Glaubenskriege (1517-1648) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) ▪ Die Aufklärung Didaktische und methodische AspekteÜberblickswissen Begriff und Diskurs um Wesen und Bedeutung der Aufklärung Aufklärer (Auswahl) Überblick Aufklärer und Patronage Thomas Hobbes (1588-1679)  John Locke (1632-1704) Charles de Secondat Montesquieu (1689-1755)  Voltaire (1694-1778) Überblick [ Sozialer Aufstieg in vielfältigen Patronagebeziehungen Überblick ◄ • Patronage adeliger Gönnerinnen ] Jean-Jaques Rousseau /1712-1778) Denis Diderot (1713-1784) Immanuel Kant (1724-1804) • Aufklärerinnen (Auswahl) Aspekte der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Textauswahl Bausteine Fragen und Antworten (KI) Links ins Internet  Die Entstehung des frühmodernen Territorialstaates im Absolutismus Repräsentation von Macht im höfischen AbsolutismusDer Beginn des bürgerlichen Zeitalters mit der Französischen Revolution 1789Einzelne sozial- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte Bausteine Beginn des bürgerlichen Zeitalters ▪ Deutsche Geschichte
 

Aufklärer und Patronage

Voltaire (François-Marie Arouet) (1694-1778) war einer der erfolgreichsten europäischen Aufklärer und machte trotz seiner zum Teil sehr kritischen Äußerungen über die christlichen Offenbarungsreligionen, den Machtmissbrauch von Klerikern und Angehörigen der Aristokratie einen nahezu beispiellosen sozialen Aufstieg. Am Ende seines Lebens war er so reich geworden, dass er im Alter von 64 Jahren nach seiner Flucht aus Preußen in der Schweiz ein neues Schloss erbauen lassen konnte, in dem er ein privilegiertes Leben führte.

Dabei gelang ihm zu Beginn keineswegs ein Traumstart für den weiteren sozialen Aufstieg.

Zwar konnte er sich schon als junger Autor mit seinen oft witzigen und satirischen Gedichten in verschiedenen höfischen Gesellschaften profilieren, ging aber dann einmal zu weit und wurde von »Philipp von Orléans (1674-1723), dem Regenten für noch unmündigen »Ludwig XV. (1715-1774) aus Paris verbannt, weil er in einem seiner Gedicht eine Anspielung auf ein angebliches inzestuöses Verhältnis Philipps mit seiner Tochter »Marie Louise Élisabeth d’Orléans (1695-1719) gemacht hatte.

Nicht genug: Nachdem er auf eine eine Bitt- und Huldigungs-Epistel an Philipp hin, wieder nach Paris zurückkehren durfte, machte er in Anwesenheit eines Polizeispitzels wieder beleidigende Äußerungen über die hochadelige junge Frau und wurde dafür 1719 elf Monate lang in der Bastille, dem Pariser Stadtgefängnis, inhaftiert, wo er zunächst ein paar harte Wochen ohne Besuch von außen, ohne Tinte, Feder und Papier verbringen musste, ehe ihm in einem gewissen Rahmen Hafterleichterungen zuteil wurden. (vgl. Schirmacher 1898, S.142f.). Elf Monate nach seiner Verhaftung kam er durch die Fürsprache von Gönnern wieder frei, wurde aber, wie bei ehemaligen Häftlingen üblich, zunächst einmal erneut verbannt. Erst im Oktober 1718, nach fast anderthalb Jahren, konnte er wieder nach Paris zurückkommen. wo er, wahrscheinlich immer noch von seinem Vater finanziert, erstmals eine eigene Wohnung bezog. (vgl. Schirmacher 1898, S.133)

Und doch standen diese Vorkommnisse seinem weiteren Zugang zu den höchsten aristokratischen Kreise nicht lange im Weg.

Das Netzwerk kulturell engagierter aristokratischer Frauen als Mittel des sozialen Aufstiegs

Seinen weiteren sozialen Aufstieg mit Zugang zu den höchsten aristokratischen Kreisen haben ihm vor allem • weibliche aristokratische Gönnerinnen geebnet, von denen er mit der einen oder anderen ein Verhältnis unterhielt.

Sie protegierten den mittlerweile bekannten Dichter je nach ihren Möglichkeiten auf ihre Weise, verschafften ihm Zutritt zu den höchsten aristokratischen Kreisen, verhalfen ihm zu verschiedenen Ämtern und gewährten ihm auch Schutz in ihren Schlössern, wenn die Zensur ihn wieder einmal verfolgte.

Es waren gebildete adelige Frauen, die im kulturellen Bereich mit ihren »literarischen Salons Netzwerke angesehener Personen, von Künstler und Schriftstellern aufbauten und pflegten, während ihre Männer an verschiedenen Stellen des frühneuzeitlichen Staates als Minister, Militärs oder Höflinge Dienst taten.

Voltaire als Testfall für die Bedeutung von Patronagebeziehungen der Aufklärer

Nicht nur die Patronagebeziehungen zu diesen meist hochadeligen Damen, sondern selbstredend auch zu mächtigen männlichen Personen der absolutistischen Ständegesellschaft machen den erfolgreichen Dichter Voltaire zu einem "gute(n) Testfall für die Bedeutung von Patronagebeziehungen in der Ideengeschichte" (Reinhardt 2022, S.88)

Das große Prestige, das Voltaire besaß, verschaffte ihm im Vergleich zu anderen "Hommes de Lettres" mehr Möglichkeiten,  die von ihm eingegangenen Patronagebeziehungen "flexibler auszulegen" als andere. So kam es sogar vor, dass er "einen (potentiellen) Beschützer gegen den anderen ausspielen oder schlicht den Patron wechseln" (Tricoire 2023, S.80) konnte, wenn es ihm angeraten erschien.

Allerdings wusste er auch, dass nicht jeder mögliche Patron ihm die gleichen Vergünstigungen und die gleiche Protektion bieten konnte, so dass er auch immer wieder Zielpersonen suchte, die ihm zum größten Vorteil gereichten. Allerdings hatte dies auch seinen Preis, denn ihre Patronate hinterließ auch in seinen poetischen wie politischen Schriften markante und tiefe Spuren: "Seine Schriften waren in mehrfacher Hinsicht von seinen Beziehungen zu Hochadligen und Herrschern geprägt: Er wählte bestimmte Gattungen und lancierte Themen, um seinen Patronen zu gefallen. Er verteidigte ihre politische Linie und förderte ihr Ansehen in seinen gedruckten Texten. Seine Patrone schrieben sogar bisweilen an seinen Werken mit, so dass viele Zeilen aus einer anderen Feder stammen dürften." (ebd.)

Auch wenn er es am Ende seines sozialen Aufstiegs bis an den Hof des Königs in Versailles schaffte und mit der Übernahme verschiedener Ämter ein bestens versorgter Höfling und Hofdichter wurde, ging er 1750 Frankreich auf Einladung des »preußischen Königs »Friedrichs II. (1712-1786), des Großen, nach Berlin, weil er glaubte, dort seiner bis dahin schon glänzenden Karriere noch etwas obendrauf zu setzen zu können.

Seine Zeit als hochdotierter Kämmerer am preußischen Hof von »Sanssouci in Potsdam währte indessen nicht lange. 1753 musste er Preußen nach seinen Angriffen auf den Philosophen und Naturwissenschaftler »Pierre Louis Moreau de Maupertuis (1698-1759), den der König persönlich protegierte, geradezu fluchtartig wieder verlassen und kehrte nach Frankreich zurück, wo sein früher geknüpftes und zuverlässiges Netzwerk zu einflussreichen Granden wegen seiner Tätigkeit in Preußen inzwischen aber nicht mehr bestand. In vergleichsweise kurzer Zeit gewann er aber wieder die Protektion führender Adeliger am Hof wieder und konnte nach einigen Jahren unter ihrer Protektion wieder religionskritische Schriften veröffentlichen. Mitte der 1760er Jahre erwarb er sogar die  Patronage der Kaiserin »Katharina II. von Russland (1729-1796), der Großen, die in einem vertrauten Briefwechsel mit ihm stand. vertraut mit ihm korrespondierte. Auf diese Weise gelang es ihm, sich "mit einem Netz hochrangiger Patrone [zu ]umgeben, das ihn auch dann vor einem Sturz bewahrte, wenn ein Faden riss." (ebd.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 22.08.2025

    
   Arbeitsanregungen
  1. Welche Gründe führten zu Voltaires erster Verbannung und seiner Inhaftierung in der Bastille?
  2. Welche Rolle spielten aristokratische Frauen und ihre literarischen Salons für Voltaires gesellschaftlichen Aufstieg?
  3. Warum gilt Voltaire als „Testfall“ für die Bedeutung von Patronagebeziehungen in der Ideengeschichte?
  4. Inwiefern beeinflussten Patronagebeziehungen Voltaires literarische und politische Schriften?
  5. Warum musste Voltaire Preußen nach seiner Zeit am Hof Friedrichs II. verlassen?
  6. Wie gelang es Voltaire, trotz Rückschlägen, immer wieder Protektion einflussreicher Persönlichkeiten zu gewinnen?
 
 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und Zeitmanagement Kreative Arbeitstechniken Teamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche Kommunikation Visualisieren PräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz