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Voltaire (1694-1778)

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GESCHICHTE
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Voltaire (François-Marie Arouet) (1694-1778) war ein bedeutender Vertreter der Aufklärung und prägte die philosophischen und sozialen Diskurse seiner Zeit maßgeblich mit.


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Die Ideen, mit denen »Voltaire (1694-1778) als • wichtiger Vertreter der • europäischen Aufklärung in Erscheinung getreten ist, beziehen sich auf verschiedene philosophische, politische und religiöse Gebiete, wie z. B. Toleranz und Religionskritik.

Voltaire kämpfte leidenschaftlich für die Toleranz, insbesondere im religiösen Bereich. Er kritisierte den religiösen Fanatismus und Dogmatismus der etablierten Kirchen scharf und forderte eine "Religion der Toleranz". Obwohl er die Existenz Gottes nicht leugnete, sondern die »deistische Auffassung vertrat, wonach Gott die Welt zwar geschaffen hat, aber keinen weiteren Einfluss mehr auf sie ausübt (»Deismus), wandte er sich gegen jegliche Form der institutionalisierten Religion, die zu Intoleranz, Aberglaube und Kriegen führte.

Allerdings war Voltaire, der im Religionspluralismus nur ein zeitweiliges Mittel zum Zweck sah, bis sich seine eigenen deistischen Vorstellungen einer Vernunftreligion durchsetzen würden, "weit von der liberalen Respekttoleranz entfernt" (Tricoire 2023, S.252). Davon legen auch seine Briefe Zeugnis ab, in denen er "sogar wiederholt zur Hinrichtung von Mitgliedern religiöser Gruppen auf, deren Lehren er ablehnte: »Wäre es für die Welt schlecht, würde man zwei oder drei Jesuiten mit den Eingeweiden von zwei oder drei »Jansenisten erwürgen?« (ebd., S.252f,)

Voltaires radikaler Deismus sah in "den Großen Uhrmacher, den Schöpfer einer wohlgeordneten Welt " und keine "Metaperson, mit der man durch Gebete oder Handlungen interagieren könne." (Tricoire 2023, S.236) Für diese deistische Position wurde er das Ziel massiver Anfeindungen und mit seinen weiteren Angriffen auf das Alte Testament und die Heilsgeschichte machte er sich eine große Zahl anderer Aufklärer in Europa zu erklärten Gegnern. Man hielt ihm völlig unzutreffend vor, Atheist zu sein, obwohl er wahrscheinlich auf seine Weise religiös war. (vgl. ebd., S.237) Das eine oder andere Mal bewahrte ihn nur die • Patronage von Ministern, Hochadeligen, Fürsten und Königen, die ihre schützende Hand über ihn hielten, vor der strafrechtlichen Verfolgung.

Die Vernunft war für Voltaire das zentrale Werkzeug zur Erkenntnis und zur Gestaltung einer gerechteren Welt. Er sah es als Aufgabe des Menschen, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen und sich nicht blind den Dogmen von Kirche und Staat zu unterwerfen. In diesem Sinne setzte er sich für die Meinungsfreiheit und die Redefreiheit ein. Der Voltaire zugeschriebene Satz, der als Bonmot in unterschiedlichen Übersetzungen kursiert, "Ich verabscheue, was Sie sagen, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie es sagen können." bringt seine Auffassung zu diesem Thema jedenfalls ziemlich genau auf den Punkt.

Voltaires Aufklärungserzählung, wonach "durch Philosophie ein moralisch-gesellschaftlicher Verbesserungsprozess seinen Anlauf genommen habe und sich weiter entfalten könne" (Tricoire 2023, S.129) ist zwar - auch für die Nachwelt - sehr wirkmächtig gewesen, ist aber wohl eher Teil der • Selbststilisierung der Philosophen und • Selbstinszenierung der Philosophen der Aufklärung gewesen. Allerdings hat Voltaire an der Verbreitung dieser Aufklärungserzählung, die den Philosophen eine führende Rolle im gesellschaftlichen Fortschritt zusprach, wohl den größten Anteil. Dabei war er selbst lange Zeit vor allem Dichter und Dramaturg und verfasste unterschiedliche Pamphlete, ehe er im Alter von 40 Jahren mit seinen Philosophischen Briefe (Lettres philosophiques, 1734) erstmals als Autor ausgesprochen philosophisches Terrain betrat. Was er darin in fiktiven Briefen formulierte, war indessen wenig Neues und zeichnete sich "vor allem durch einen respektlosen Ton gegenüber vielen Autoritäten und durch mondänen, unpedantischen Geist aus. Voltaire griff darin unter anderem die Universitäten und die Scholastik an. Er forderte mehr Ehrbezeugungen für Philosophen, die er als die eigentlichen großen Männer darstellte." (ebd., S.127)

Voltaire prangerte aber auch immer wieder soziale Ungerechtigkeiten und die Willkür der Herrschenden an. Im Rahmen seiner »Gesellschaftskritik kämpfte er für die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz und gegen die willkürliche Macht des Adels. Zugleich gehörte er aber auch zur gesellschaftlichen Elite des »Ancien Régime und der anderen absolutistischen Höfe Europas, die ihm ihre Gönnerschaft, Protektion und Patronage gewährten. Nicht nur, aber wohl vor allem auch deshalb, stellte er wie andere Aufklärer seiner Zeit, die absolutistische Herrschaft nicht grundsätzlich in Frage. Mit Aristoteles, den meisten Scholastikern und Humanisten teilte der die Überzeugung, "dass die Monarchie das beste Regime sei, solange der Herrscher tugendhaft sei" und setzte darauf, "den Fürsten und ihren Beratern die Prinzipien guter Herrschaft zu erläutern und diese somit zur Tugend zu bringen. Wie Petrarca und die meisten spätmittelalterlichen Humanisten nach ihm war ein Aufklärer wie Voltaire ein Realist, der Verbesserungen im Rahmen der vorhandenen Strukturen anstrebte." (ebd., S.178)

Ein bekanntes Beispiel für seinen Einsatz ist der Justizmord an dem protestantischen Kaufmann Jean Calas (1698-1762), dessen grausame Hinrichtung auf dem Rad in Toulouse er allerdings nicht verhindern konnte. Er setzte sich aber für dessen posthume Rehabilitation ein.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 19.08.2025

 
 

 
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