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Aufklärung

Begriff und Diskurs um Wesen und Bedeutung der Aufklärung

Frühe Neuzeit (1350-1789 Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650–1789)

 
GESCHICHTE
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Literaturepoche Aufklärung 1720-1785
»Der Begriff Aufklärung (Wikipedia)

Aufklärung war ursprünglich ein Begriff, der "eine rationale Operation (bezeichnet), die – als ›Aufklärung des Verstandes‹ – zur Klärung von Begriffen, Behebung von Unwissenheit usw. führen soll (rationalistischer Aufklärungsbegriff); dann aber bezeichnet Aufklärung auch eine emanzipative Aktion, die – z. B. als ›Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit‹ – zur Befreiung von Fesseln aller Art führen soll (emanzipatorischer Aufklärungsbegriff). Entsprechend heißt auch die geschichtliche Bewegung, die mehr oder weniger programmatisch auf solche Aufklärung im systematischen Sinne des Wortes abzielte, Aufklärung im historischen Sinne des Wortes; und da sie wesentlich ins 18. Jahrhundert fällt, heißt dieses (mit einer gewissen zeitlichen Unschärfe) das ›Zeitalter der Aufklärung‹." (Schneiders 1997/42008, S.7)

Der Aufklärungsbegriff kann dabei als "doppelter Reflexionsbegriff" (Meyer 2018, S.13) aufgefasst werden. Auf der einen Seite beschreibt er einen Wahrnehmungswandel, der Gott und die Welt nicht mehr durch die Brille religiös verordneter Wahrnehmungs- und Erklärungsschemata betrachtet.

Auf der anderen Seite steht er seit den 1770er-Jahren für ein "Programm", das "manchmal sogar zur Vorstellung einer naturhaft ablaufenden Programmierung der Menschheitsgeschichte, erhoben", gewöhnlich aber in seiner praktischen Auslegung für ein "Wissenschafts-, Erziehungs- und Bildungsprojekt". (vgl. ebd.)

Die Entstehung einer kohärenten Aufklärungserzählung

Es gibt sie "die Erfinder der Aufklärung – Le Clerc, Shaftesbury, Leibniz oder auch Voltaire" (Tricoire 2023, S. 129), die unterschiedliche Aufklärungserzählungen schufen. Maßgeblich sei dabei Aufklärungserzählung von • Voltaire (1694-1778), der die in seiner Zeit schon vorhandenen Vorstellungen über die führende sozialen Rolle des Philosophen und den Fortschritt durch Philosophie über aufgegriffen und zu einer kohärenten Erzählung zusammengefügt habe (vgl. (ebd., S127)) , die besagt, "dass durch Philosophie ein moralisch-gesellschaftlicher Verbesserungsprozess seinen Anlauf genommen habe und sich weiter entfalten könne." (ebd., S.129)

Was die Philosophen der Aufklärung bei allen Unterschieden miteinander verband, war vor allem ihr "gemeinsames aristotelisch-scholastisches Menschen- und Weltbild. Diesem Weltbild zufolge war es möglich, durch eine Entwicklung sowohl des Verstands als auch des Gefühls moralisch-gesellschaftlichen Fortschritt zu bewirken. Im 18. Jahrhundert wurden deshalb intensiv die 'großen Männer' gefeiert, die Genies, die den Fortschritt hervorgebracht hätten", auch wenn sie "durchaus verschiedene Fortschrittsvisionen" vertraten. Dessen ungeachtet lassen, wie Tricoire (2023, S. 129, Kindle Edition) betont, "die Ideen einer großen Mehrheit der Autoren jenseits dieser unbestreitbaren Pluralität eine gewisse Kohärenz erkennen [...]. Diese Kohärenz macht es überhaupt erst möglich, von Aufklärung zu sprechen."

Die Frankfurter Schule und die Dialektik der Aufklärung

Angestoßen von »Max Horkheimers (1895-1973) und »Theodor W. Adornos (1903-1969) Essay »Dialektik der Aufklärung (1947, die in ihrem Werk, der so genannten »Kritischen TheorieFrankfurter Schule), die "Selbstzerstörung der Aufklärung" (Horkheimer/Adorno 212013, S.3) und "die Kehrseite der Rationalisierung der Welt zum Analysemuster des Faschismus" (Meyer 2018, S.18) machten, hat sich die Diskussion über die Aufklärung weiter fortgesetzt.

Ihre »Grundthese ist, dass das Scheitern der Aufklärung, das sie als "spezifisch abendländischen, auf Selbsterhaltung und Herrschaft abzielenden Rationalitätstypus" (Hetzel 2011, S.390) verstehen, von ihren Anfängen in der Antike in der "Einheit von formaler und instrumenteller Vernunft" ihres Denkens angelegt ist.

Schon zu Beginn der Menschheitsgeschichte habe sich mit der Selbstbehauptung des Subjekts gegenüber einer bedrohlichen Natur eine »instrumentelle Vernunft durchgesetzt, die sich als Herrschaft über die äußere und innere Natur und schließlich in der institutionalisierten Herrschaft von Menschen über Menschen verfestigte.

Horkheimer und Adorno reagierten mit ihrer Schrift auf die ›rätselhafte Bereitschaft der technologisch erzogenen Massen, in den Bann eines jeglichen Despotismus zu geraten‹ (Horkheimer/Adorno 212013, S.5) und ihren totalitären Ideologien zu folgen.

Dieses Verhalten werten sie als ›Rückkehr der aufgeklärten Zivilisation zur Barbarei‹ (ebd., S.6). Ihrer Auffassung nach sind Faschismus, »Stalinismus und der ›Massenbetrug‹ der ›Kulturindustrie‹ (ebd., S.128ff.) "nicht etwa barbarische Abirrungen vom Weg der Aufklärung dar, sondern deren direkte Konsequenz." (Sandkaulen 2017)

Foucaults Sicht der Aufklärung

Insbesondere »Michel Foucaults (1926-1984) philosophischer Abhandlung »Ordnung der Dinge (1966) befeuerte dabei die Debatte, Indem er die Kritik an der Aufklärung des 18. Jahrhunderts nicht mehr nur auf die Instrumentalisierung der Welt durch den Menschen, sondern auch auf die "Vergegenständlichung des Menschen seiner selbst" ausdehnte, öffnete er auch den Blick auf eine Sicht, welche "die problematische Rolle der Aufklärung, die sie für die kulturelle und politische Identität der westlichen Welt und ihren – nach innen und außen gerichteten – imperialen Herrschaftsanspruch gespielt hatte." (Meyer 2018, S.18)

Literaturepoche Aufklärung 1720-1785
»Der Begriff Aufklärung (Wikipedia)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 16.08.2025

   
 

 
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