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Barockdrama und Barocktheater
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Überblick
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Höfisches Festspiel
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Überblick
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Hoffeste
an den großen absolutistischen Höfen
Im Rahmen
seiner prunkvollen • Hoffeste hat »Ludwig
XIV.(1638-1715) in seinem »Schloss
Versailles unermesslich teure theatrale Großprojekte
(»Fêtes
à Versailles) veranstaltet, die an allen Höfen Europas für Bewunderung und
Gesprächsstoff sorgten.
Dabei waren seine Hoffeste stets ein
"»Gesamtkunstwerk«", ein "Zusammenspiel von Drama. Musik, Tanz,
Feuerwerk und Maskenspielen" (Brauneck
2012,
S.163) in einem monumentalen, phantastischen Arrangement, das
zum Glanz und der Größe des königlichen Souverän beigetragen sollte, auch wenn "der sich mit der Veranstaltung
solcher Feste oftmals in den finanziellen Ruin treiben ließ." (ebd.)
Im Juli 1678
veranstaltete Ludwig XIV. anlässlich der Eroberung der »Freigrafschaft
Burgund (1668) das legendäre Fest ›Divertissement de
Versailles‹, das die gigantische Summe von 117.000 Pfund verschlang,
was etwa ein Drittel dessen war, was er das ganze Jahr 1668 für
Versailles ausgegeben hat. Zugleich sollte es nach Ansicht des Königs
ganz anders verlaufen als das Fest von 1664.
Alewyn
(1957a, S.103f.) beschreibt den Festablauf der sich fünf Tage
hinziehenden Großveranstaltung in besonders anschaulicher Weise, die
wir hier mit geeigneten Links "Am Abend des ersten Tages genießt
man, nach einem Imbiß um Bosquet du Marais, in der festlich
illuminierten, mit Orangenbäumchen geschmückten Cour de Marbre unter
dem Nachthimmel die ›Alceste‹, zu der Quinault den Text und Lully
die Musik geschrieben hatte, mit Tänzen von Benserade. Danach ist
ein Souper de Medianoche im Schloß und anschließend Ball bis zum
Morgengrauen.
Am andern Tag ist im Garten des Trianon ein ›Salon de Verdure‹, eine
Architektur aus nichts als Laub, achteckig, mit offenem Dach und
einem Ausblick auf die Allee. Man spielt die ›Eglogue de
Versailles‹, ein Intermedium von Lully und Quinault. Danach ein
Souper auf einer schwimmenden Insel im Großen Kanal. die durch
dreiundzwanzig Wasserstrahlen wie durch ein Gitter abgeschirmt war.
Man speiste beim Licht von Fackeln, das der Widerschein des
Tafelsilbers vertausendfachte, beim Rauschen des steigenden und
stürzenden Wassers.... Am dritten Abend folgte dem Imbiß in der
Menagerie eine Spazierfahrt mut Lichtern und Musik. Dann wurde in
einem bizarren Grottenrahmen Molières ›Malade imaginaire‹
aufgeführt.
Am vierten Abend wurde der Imbiß im Wassertheater eingenommen. Auf
den drei Stufen, die das Rund umgaben, waren 160 Obstbäume, 120
Körbe mit Bäckereien und Konfitüren, 400 Schüsseln mit Eis, 1000
Karaffen mit Likören aufgestellt. Dazu rauschten die Wasserkünste.
An an einer anderen Stelle des Parks war ein Theater errichtet. Es
wurde gespielt, gesungen und getanzt: ›Die Feste des Amor und des
Bacchus‹, Daran schloß sich eine Rundfahrt durch den nächtlichen
Park mit Fackeln und Feuerwerk am Großen Kanal, und endlich wiederum
zum Abschluß eine ›Medianoche‹ im Marmorhof. Die Tafel war ein
Wunder von Speisen, Blumen und Steinen.
Am fünften Tag folgte der Aufführung von Racines ›Iphigénie‹ in der
Orangerie eine zauberhafte Illumination des Großen Kanals. Ihr
Schöpfer war der Hofmaler Le Brun. Mitten aus dem Wasser erhob sich,
getragen von goldenen Greifen, ein Obelisk aus Licht. Von seiner
Spitze strahlte eine Sonne. An seinem Fuße schlug ein Drache
majestätisch die Flügel. Man demütigte Gefangene und den
triumphierenden König. Plötzlich knallten 1500 Böller. Die Ufer des
Kanals, die Stufen des Wasserfalls strahlten auf, der Drache spie
Ströme von Feuer, blauen und roten Rauch aus Mund, Augen und
Nüstern, über die Wasseroberfläche zuckten Blitze, endlich stiegen
5000 Raketen zugleich in die Nacht, bildeten für einen Augenblick
einen Dom von Licht über dem Kanal und sanken in einem Sternenregen
zur Erde.
In der letzten Nacht - einer der dunkelsten und stillsten des
Sommers - erstrahlte um ein Uhr der ganze Park im Licht; die
Terrasse, die Geländer, die Becken der Kanal sind mit leuchtenden
Perlenketten umsäumt, die Fontänen schimmern geheimnisvoll. der
Kanal sieht aus wie ein ungeheurer kristallener Spiegel. An seinem
Ende leuchtet die Fassade eines Zauberpalastes. Der ganze Hof
besteigt Gondeln. Neptun kommt, von vier Seepferden gezogen seinen
Gästen über das Wasser entgegen. Der Palast trägt Figuren. Als die
Musik sich nähert, beginnen diese lieblich zu singen und zu tanzen
unter dem schwülen Himmel und den schweren Düften der Julinacht. So
endet das letzte der großen Feste von Versailles ..."
Dieses Hoffest
sollte "den Mythos vom goldenen Zeitalter konkretisieren und
allegorisch auf das Zeitalter Ludwigs XIV, beziehen. In dem
großen Aufmarsch in der Hauptallee der Gärten von Versailles,
der zu Beginn des Festes das Thema verdeutlichen sollte, zog
zwischen den Schauspielern der Truppe Molières als strahlenden
Mittelpunkt der König in einem griechischen Kostüm mit. Die
Maske verlieh seiner königlichen Person mythologische
Dimensionen, die Ludwig IV, mit seinen Taten noch nicht erreicht
hatte. Sie stellten eine Präfiguration dessen dar, was der König
werden wollte, die Imago des vollkommenen Herrschers. Es war die
Funktion der Verkleidung, zur gleichen Zeit ans Licht zu heben
und zu vernebeln; die Blendung zu schaffen, die der hervorrufen
muß, der – als Sonnengott – den Staat verkörpert." (Fischer-Lichte
1990/21999a, S.188)
Kaum ein Hof in
Europa konnte da mithalten.Lediglich in Wien und Dresden wurden
höfische Feste veranstaltet, die es zumindest künstlerisch mit denen
in Versailles aufnehmen konnten. (vgl.
Brauneck
2012, S.165) Die •
Heirat des Habsburgischen Kaisers »Leopold
I. (1640-1705) mit »Margarita
Theresa von Spanien (1651-1673) im Dezember 1666 war ein solches
theatrales Großprojekt, das sich die "totale Theatralisierung der
höfischen Lebenssphäre" (ebd.,
S.167) auf die Fahnen geschrieben hatte,
Insbesondere kleinere Höfe konnten
auf diesem Gebiet des •
internationalen Konkurrenzkampf um die beste
höfisch-absolutistische Machtentfaltung der Dynastien eigentlich
nur zusehen. Was sich indessen etliche Fürsten leisten konnten, waren
Hoftheater, die ebenfalls eine große Rolle bei der
absolutistischen Repräsentation von Macht spielten.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
07.08.2026