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Höfisches Festspiel

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Die • höfischen Festspiele des Barock sind immer auch Theaterfeste und dies in einem doppelten Sinne. Sie setzen den Topos vom »Theatrum mundi bis ins letzte Detail um und kultivieren ihn auf verschiedene Art und Weise, machen den Raum, in dem sie stattfinden, zur Bühne. Zum anderen finden während dieser Feste auch immer wieder Theateraufführungen statt, die als Teil des "Gesamtkunstwerks" (Brauneck 2012, S.163) höfisches Fest inszeniert werden. In einer gattungsorientierten Betrachtung des • Barockdramas und des Barocktheaters gehört das höfische Fest als eine besondere "Mischform" zu dem Kreis der wichtigsten • Theaterformen der • Literaturepoche. (vgl. Niefanger 2000/32012, S.151, S.186)

Wo immer die höfischen Feste gefeiert wurden, überall wurde der Raum, in dem das Fest stattfand, zur Bühne: "Mitglieder des Hofes traten als Schauspieler auf, der König bzw. der Kaiser spielte die Rolle des herausragenden Helden – »Jupiters, »Apollons, der Sonne usw. – und die übrigen Hofleute wurden auch außerhalb des Bühnenraums nicht nach ihrem wirklichen Rang, sondern nach ihrer Rolle angesprochen." (Fischer-Lichte 1993, S.40f.) Und alles, ob reales und tatsächliches Ereignis oder Fantasie und Fiktion konnte zum Gegenstand der Theatralisierung der Welt werden.

Europaweit wurde der Topos vom »Theatrum mundi zur Grundlage des Lebens der adeligen Gesellschaft an den Höfen, deren Leben, ob mit dem »spanischen Hofzeremoniell oder dem französischen »Lever, "wie eine Theateraufführung inszeniert (wurde)." (ebd.) In der • barocken höfischen Festkultur, vor allem den Events der höfischen Festspiele bzw. Hoffeste, wurde der Topos bis ins letzte Detail umgesetzt und kultiviert, da die höfische Gesellschaft, wie Fischer-Lichte (ebd., S.40f.) betont, erst im Fest "ihre gültigste Form (erreicht)."

In katholischen Ländern stand die kirchliche Selbstinszenierung mit ihren mit großem Pomp veranstalteten Heiligsprechungen, Reliquienüberführungen und prachtvoll ausgestatteten Prozessionen dem Schauspiel, das die höfischen Feste boten, kaum nach, wenn sie als mehrtägige theatralische Events durchgeführt wurden. (vgl. ebd., S.41)

Alewyn (1957a, S.104) betont, dass jedes barocke Fest eine ausgedehnte und ausgewogene Komposition aus vielen Elementen sei. Auch wenn jede Stunde eines solchen Festes ihren eigenen Charakter habe und jeder Tag der mehrtägigen Festveranstaltung unter einem anderen Motto stehe, sei das Ganze stets durch eine leitende Idee miteinander verbunden. Die von den einzelnen, in vergleichsweise schneller Abfolge inszenierten Elemente und Attraktionen ausgehenden Reize sollten dabei auch dafür sorgen, dass das Publikum keine Langeweile, Übersättigung und Übermüdung empfand.

Die großen Hoffeste im Barock waren dabei stets ein "»Gesamtkunstwerk«", das auf einem "Zusammenspiel von Drama. Musik, Tanz, Feuerwerk und Maskenspielen" (Brauneck 2012, S.163) in einem monumentalen, phantastischen Arrangement beruhte. Es sollte zum Glanz und der Größe des königlichen Souveräns beigetragen, auch wenn "der sich mit der Veranstaltung solcher Feste oftmals in den finanziellen Ruin treiben ließ." (ebd.)

Die großen • Hoffeste die »Ludwig XIV.(1638-1715) in seinem »Schloss Versailles sorgten an allen Höfen Europas für Bewunderung und Gesprächsstoff und waren, auch wenn sie nicht zu kopieren waren, beispielgebend für zahlreiche Feste dieser Art im höfischen Absolutismus dieser Zeit.

Kaum ein Hof in Europa konnte da mithalten. Lediglich in Wien und Dresden wurden höfische Feste veranstaltet, die es zumindest künstlerisch mit denen in Versailles aufnehmen konnten. (vgl. Brauneck 2012, S.165) Die Heirat des Habsburgischen Kaisers »Leopold I. (1640-1705) mit »Margarita Theresa von Spanien (1651-1673)im Dezember 1666 in Wien war ein solches theatrales Großprojekt, das den Vergleich mit denen des französischen Sonnenkönigs nicht zu fürchten brauchte. Nicht nur, dass sich die Feiern fast über das ganze Jahr nachfolgende Jahr erstreckten, auch das eigens dafür errichtete Opernhaus (»Theater auf der Cortina) Wien (1666-68) verschlang die Unsumme von 100.000 Gulden. Die Oper »"iIl Pomo d'oro" (Der goldene Apfel), die »Marc Antonio Ceristi (1623-1669) zu diesem Anlass im Auftrag des Kaisers komponierte, war eine Oper der Superlative: ca. 5.000 Plätze, 1.300 Akteure, 23 verschiedene Bühnenbilder, 67 verschiedene Auftritte, Einsatz spektakulärer  Bühnenmaschinen, darunter Schiffswracks und einstürzende Türme und dazu mit einer Gesamtspieldauer von bis zu 10 Stunden so dass die Vorstellung auf zwei verschiedene Nachtmittage verteilt wurde. (vgl. Schüssel 1960, S. 124; vgl. Schmidt 1976, S.384, vgl. Brauneck 2012, S.165)


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Der Holzbau der Oper wurde schon wenige Jahre später, 1683, wieder abgerissen, weil er  direkt im Schussfeld der die Stadt belagernden Türken lag und man befürchtete, dass er durch den Beschuss allzu leicht in Brand gesetzt werden konnte.

Insbesondere kleinere Höfe konnten auf dem Gebiet des • internationalen Konkurrenzkampfs um die beste höfisch-absolutistische Machtentfaltung der Dynastien eigentlich nur zusehen. Was sich indessen etliche Fürsten leisten konnten, waren Hoftheater, die ebenfalls eine große Rolle bei der absolutistischen Repräsentation von Macht spielten.

Einzelne, auch nicht so bedeutsame Fürsten versuchten sich aber doch in diesem internationalen Konkurrenzkampf positiv zu positionieren. So versuchte Carl Eugen (1728-1798), der Herzog von Württemberg, der seine Residenz in Ludwigsburg zu einem "Versailles in Schwaben" ausbaute, in gewisser Weise gleichzuziehen und etablierte eine höfische Festkultur, die eine große Strahlkraft an den anderen Höfen entfaltete.

Die sich an den Höfen überall in Europa manifestierende ▪"Genusskultur des Rokoko" besitzt darüber hinaus einen gemeinsamen Nenner, der noch zu den typischen Vorstellungen der ▪ Barockzeit während und nach dem ▪ Dreißigjährigen Krieg zählt: "Das Verlangen nach gleichnishaftem künstlerischem Bezwingen der Weltfülle, die man sehen, hören, erleben und tanzen wollte, war unbändig. Verschwendung bedeutete nicht nur Genusssucht und Verantwortungslosigkeit, sondern im tiefsten eine ruhelose und gehetzte Jagd nach der Unerschöpflichkeit des Daseins, einen Protest gegen Tod und Vergänglichkeit." (Wagner 1968, zit. n. Berger 1997., S.9f.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 02.08.2025

 
 

 
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