Es ist vor allem der
Topos vom »Theatrum
mundi, dem großen Welttheater, der als
Metapher für die
Eitelkeit und Nichtigkeit der Welt verdeutlicht, wie Theater und
Welt in dieser Zeit aufeinander zu beziehen sind, nämlich als
"Theatralisierung des Lebens und in der Ausweitung des Theaters
unter universalem Aspekt" (Fischer-Lichte
1993/21999, S.40)
Europaweit wurde dieser Topos zur Grundlage des Lebens der adeligen
Gesellschaft an den Höfen, deren Leben, ob mit dem spanischen
Hofzeremoniell oder dem französischen Lever, "wie eine
Theateraufführung inszeniert (wurde)." (ebd.)
In der • barocken höfischen
Festkultur, vor allem den Events der
•
höfischen Festspiele
bzw. Hoffeste wurde der
Topos vom »Theatrum
mundi, dem großen Welttheater, bis ins letzte Detail umgesetzt
und kultiviert. Die
Metapher für die Eitelkeit und Nichtigkeit der Welt
verdeutlicht, wie Theater und Welt in dieser Zeit aufeinander zu
beziehen sind, nämlich als "Theatralisierung des Lebens und in der
Ausweitung des Theaters unter universalem Aspekt" (Fischer-Lichte
1993/21999, S.40)
Wo immer die höfischen Feste gefeiert wurden, überall wurde der
Raum, in dem das Fest stattfand, zur Bühne: "Mitglieder des Hofes
traten als Schauspieler auf, der König bzw. der Kaiser spielte die
Rolle des herausragenden Helden – Jupiters, Apollons, der Sonne usw.
– und die übrigen Hofleute wurden auch außerhalb des Bühnenraums
nicht nach ihrem wirklichen Rang, sondern nach ihrer Rolle
angesprochen." (ebd.)
Im Rahmen
seiner prunkvollen •
Hoffeste hat »Ludwig
XIV.(1638-1715) in seinem »Schloss
Versailles dabei unermesslich teure theatrale Großprojekte
veranstaltet, die an allen Höfen Europas für Bewunderung und
Gesprächsstoff sorgten. Sein legendäres •
Theaterfest
"Les Plaisirs de d'Ile enchantée" (1664) (= Die großen
Vergnügungen des Königs), bei dem der französische Sonnenkönig den gesamten Schlosspark von Versailles als
Spielort für den sich über mehrere Tage hinziehenden "Kampf des
Guten gegen das Böse" (Brauneck
2012, S.164), war, wie seine anderen Hoffeste auch, ein
"»Gesamtkunstwerk«", ein "Zusammenspiel von Drama. Musik, Tanz,
Feuerwerk und Maskenspielen" (ebd.,
S.163) in einem monumentalen, phantastischen Arrangement, das
zum Glanz und der Größe des königlichen Souverän beigetragen sollte, auch wenn "der sich mit der Veranstaltung
solcher Feste oftmals in den finanziellen Ruin treiben ließ." (ebd.)
Dieses Hoffest
sollte "den Mythos vom goldenen Zeitalter konkretisieren und
allegorisch auf das Zeitalter Ludwigs XIV, beziehen. In dem
großen Aufmarsch in der Hauptallee der Gärten von Versailles,
der zu Beginn des Festes das Thema verdeutlichen sollte, zog
zwischen den Schauspielern der Truppe Molières als strahlenden
Mittelpunkt der König in einem griechischen Kostüm mit. Die
Maske verlieh seiner königlichen Person mythologische
Dimensionen, die Ludwig IV, mit seinen Taten noch nicht erreicht
hatte. Sie stellten eine Präfiguration dessen dar, was der König
werden wollte, die Imago des vollkommenen Herrschers. Es war die
Funktion der Verkleidung, zur gleichen Zeit ans Licht zu heben
und zu vernebeln; die Blendung zu schaffen, die der hervorrufen
muß, der – als Sonnengott – den Staat verkörpert." (Fischer-Lichte
1990/21999a, S.188)
Kaum ein Hof in
Europa konnte da mithalten. Insbesondere kleinere Höfe konnten
auf diesem Gebiet des •
internationalen Konkurrenzkampf um die beste
höfisch-absolutistische Machtentfaltung der Dynastien eigentlich
nur zusehen. Was sich indessen etliche Fürsten leisten konnten, waren
Hoftheater, die ebenfalls eine große Rolle bei der
absolutistischen Repräsentation von Macht spielten.
Einzelne, auch
nicht so bedeutsame Fürsten versuchten sich aber doch in diesem
internationalen Konkurrenzkampf positiv zu positionieren. So
versuchte ▪
Carl Eugen (1728-1798),
der Herzog von Württemberg, der seine •
Residenz in Ludwigsburg zu einem "Versailles in Schwaben"
ausbaute, in gewisser Weise gleichzuziehen und etablierte eine
•
höfische Festkultur, die eine große Strahlkraft an den
anderen Höfen entfaltete.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
23.08.2025