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Höfisches Festspiel

Hoffeste Ludwigs XIV.

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Württemberg zur Zeit Herzog Carl Eugens (1728-1793)
Konkurrenzkampf und Prasserei: Absolutistische Repräsentation von Macht
Versailles in Schwaben: Ludwigsburg zur Zeit Carl Eugens
Höfische Festkultur zur Zeit Carl Eugens

In der • barocken höfischen Festkultur, vor allem in den Events der höfischen Festspiele bzw. Hoffeste, wurde der Topos vom • Theatrum mundi bis ins letzte Detail umgesetzt und kultiviert. Die Metapher für die Eitelkeit und Nichtigkeit der Welt verdeutlicht, wie Theater und Welt in dieser Zeit aufeinander zu beziehen sind, nämlich als "Theatralisierung des Lebens und in der Ausweitung des Theaters unter universalem Aspekt" (Fischer-Lichte 1993/21999, S.40)

Wo immer die höfischen Feste gefeiert wurden, überall wurde der Raum, in dem das Fest stattfand, zur Bühne: "Mitglieder des Hofes traten als Schauspieler auf, der König bzw. der Kaiser spielte die Rolle des herausragenden Helden – »Jupiters, »Apollons, der Sonne usw. – und die übrigen Hofleute wurden auch außerhalb des Bühnenraums nicht nach ihrem wirklichen Rang, sondern nach ihrer Rolle angesprochen." (Fischer-Lichte 1993, S.40f.))

Wo immer die höfischen Feste gefeiert wurden, überall wurde der Raum, in dem das Fest stattfand, zur Bühne: "Mitglieder des Hofes traten als Schauspieler auf, der König bzw. der Kaiser spielte die Rolle des herausragenden Helden – »Jupiters, »Apollons, der Sonne usw. – und die übrigen Hofleute wurden auch außerhalb des Bühnenraums nicht nach ihrem wirklichen Rang, sondern nach ihrer Rolle angesprochen." (Fischer-Lichte (ebd., S.40f.)) Und alles, ob reales und tatsächliches Ereignis oder Fantasie und Fiktion konnte zum Gegenstand der Theatralisierung der Welt werden.

Alewyn (1957a, S.104) betont, dass jedes barocke Fest eine ausgedehnte und ausgewogene Komposition aus vielen Elementen sei. Auch wenn jede Stunde eines solchen Festes ihren eigenen Charakter habe und jeder Tag der mehrtägigen Festveranstaltung unter einem anderen Motto stehe, sei das Ganze stets durch eine leitende Idee miteinander verbunden. Die von den einzelnen, in vergleichsweise schneller Abfolge inszenierten Elemente und Attraktionen ausgehenden Reize sollten dabei auch dafür sorgen, dass das Publikum keine Langeweile, Übersättigung und Übermüdung empfand.

Im Rahmen seiner prunkvollen Hoffeste hat »Ludwig XIV.(1638-1715) in seinem »Schloss Versailles dabei unermesslich teure theatrale Großprojekte (»Fêtes à Versailles) veranstaltet, die an allen Höfen Europas für Bewunderung und Gesprächsstoff sorgten. Dabei waren seine  Hoffeste stets ein "»Gesamtkunstwerk«", ein "Zusammenspiel von Drama. Musik, Tanz, Feuerwerk und Maskenspielen" (Brauneck 2012, S.163) in einem monumentalen, phantastischen Arrangement, das  zum Glanz und der Größe des königlichen Souverän beigetragen sollte, auch wenn "der sich mit der Veranstaltung solcher Feste oftmals in den finanziellen Ruin treiben ließ." (ebd.)

Les Plaisirs de d'Ile enchantée" (1664)

Eines der legendären »Fêtes à Versailles) im »Schloss Versailles waren die einwöchigen "Les Plaisirs de d'Ile enchantée" (1664) (= "Freuden der verzauberten Insel"), die »Ludwig XIV.(1638-1715) vom 7. bis 13. Mai 1664 für 600 Gäste veranstalten ließ. Anlass war wohl die Absicht des Königs, seinem Hof »Françoise-Louise de La Baume Le Blanc (1644-1710), seine seit 1661 bevorzugte »Mätresse, vorzustellen.

Der Titel des Fests ist inspiriert von einer Episode aus dem »Versepos »Der rasende  Roland (Orlando furioso) von »Ludovico Ariosto (1474-1533), in der die Zauberin Alcine den Ritter Roger und seine gefangenen Gefährten auf ihrer Insel festhält.

Eine Woche lang wurde der Hofgesellschaft vorgeführt, was sich die beiden Haupthandwerker des Fests, »Moliere (1622-1673) und »Jean-Baptiste Lully (1632-1687), ausgedacht und zur Unterhaltung des Publikums in Szene gesetzt hatten: Karussell, Ringrennen, Kopfrennen, Theater, Ballett, Feuerwerk, Snacks, Spaziergänge, Lotterie usw. Eine 58-seitige Broschüre erstellte ein detailliertes Programm (vgl. »Übersicht auf der Seite der frz. Wikipedia).


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Während der Veranstaltung ließ der französische Sonnenkönig den gesamten Schlosspark von Versailles für den sich über mehrere Tage hinziehenden "Kampf des Guten gegen das Böse" (Brauneck 2012, S.164), bespielen. Auch vier Komödien von »Moliere (1622-1673) wurden an unterschiedlichen Spielorten vorgeführt: In der Mitte der »königlichen AlleeDie Prinzessin von Elide‹, eine galante Komödie mit Musik und »Balletteingängen, im Vorraum des Schlosses die »BallettkomödieLes Fâcheux‹ (Die Unglücklichen), ›Tartuffe ou l'Imposteur‹ (Tartuffe) und die »BallettkomödieLe mariage forcé‹ (Die Zwangsheirat) mit Musik von von »Jean-Baptiste Lully (1632-1687)

Christan Biet (2013, S.70-71) hat die Eröffnung des Festes beschrieben, die wir hier in der von DeepL angebotenen Übersetzung und hinzugefügten Links zur deutschen Version der Online-Enzyklopädie wiedergeben:

"Trotz des trüben Wetters und der Kälte des Frühlings am 7. Mai begeisterten die Parade am ersten Abend und das Divertissement des Saisons den Hofstaat. Vorausgegangen von einem antik gekleideten Herold, drei Pagen, darunter der des Königs, M. d'Artagnan, acht Trompetern und acht Paukenisten, zeigte sich der König ganz er selbst, in einer griechischen Verkleidung, auf einem Pferd mit einem mit Gold und Edelsteinen besetzten Zaumzeug. Die Prinzen, Herzöge, Grafen und Marquis folgten dem Helden. Die Menge war hingerissen, und trotz einiger Unfälle aufgrund des Schlamms und der Baustellen, die das im Bau befindliche Schloss übersäten – nur die fertiggestellten oder dekorierten Bereiche waren beleuchtet –, konnte die privilegierte Menge die Großen bewundern, die sich unter die Schauspieler mischten und den Garten mit ihrer hochmütigen Prahlerei erhellten. Die Schauspieler der Truppe von Molière wurden besonders bewundert. Der Frühling, dargestellt von La Du Parc, erschien auf einem spanischen Pferd. Man wusste, dass sie sehr schön war, man liebte sie als Kokette, sie war großartig. Ihre hochmütigen Manieren und ihre gerade Nase begeisterten die einen, ihre Beine, die sie gekonnt zur Schau stellte, und ihr weißer Hals versetzten die anderen in Aufruhr. Der dicke Du Parc, ihr Ehemann, hatte seine grotesken Rollen aufgegeben, um den Sommer auf einem mit einem prächtigen Sattel bedeckten Elefanten zu spielen. La Thorillière, als Herbst verkleidet, ritt auf einem Kamel vorbei, und alle bewunderten, wie dieser stolze Mann dem exotischen Tier seine natürliche Präsenz aufzwang. Schließlich schloss der Winter, dargestellt von Louis Béjart, den Zug auf einem Bären. Böse Zungen behaupteten, dass nur ein ungeschickter Bär sich an das Hinken des Dieners anpassen könne. Ihr Gefolge bestand aus achtundvierzig Personen, deren Köpfe mit großen Schüsseln für den Imbiss geschmückt waren. Die vier Schauspieler der Truppe Molières rezitierten dann unter dem Schein von Hunderten von grün und silbern bemalten Kerzenleuchtern, die jeweils mit vierundzwanzig Kerzen bestückt waren, Komplimente für die Königin." (Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Dieses Hoffest sollte "den Mythos vom goldenen Zeitalter konkretisieren und allegorisch auf das Zeitalter Ludwigs XIV, beziehen. In dem großen Aufmarsch in der Hauptallee der Gärten von Versailles, der zu Beginn des Festes das Thema verdeutlichen sollte, zog zwischen den Schauspielern der Truppe Molières als strahlenden Mittelpunkt der König in einem griechischen Kostüm mit. Die Maske verlieh seiner königlichen Person mythologische Dimensionen, die Ludwig IV, mit seinen Taten noch nicht erreicht hatte. Sie stellten eine Präfiguration dessen dar, was der König werden wollte, die Imago des vollkommenen Herrschers. Es war die Funktion der Verkleidung, zur gleichen Zeit ans Licht zu heben und zu vernebeln; die Blendung zu schaffen, die der hervorrufen muß, der – als Sonnengott – den Staat verkörpert." (Fischer-Lichte 1990/21999a, S.188)

Divertissement de Versailles (1668)

Im Juli 1678 veranstaltete Ludwig XIV. anlässlich der Eroberung der »Freigrafschaft Burgund (1668) das legendäre Fest ›Divertissement de Versailles‹, das die gigantische Summe von 117.000 Pfund verschlang, was etwa ein Drittel dessen war, was er das ganze Jahr 1668 für Versailles ausgegeben hat. Zugleich soll es nach Ansicht des Königs ganz anders verlaufen als das Fest von 1664.

Alewyn (1957a, S.103f.) beschreibt den Festablauf der sich fünf Tage hinziehenden Großveranstaltung in besonders anschaulicher Weise, die wir hier mit geeigneten Links "Am Abend des ersten Tages genießt man, nach einem Imbiß um Bosquet du Marais, in der festlich illuminierten, mit Orangenbäumchen geschmückten Cour de Marbre unter dem Nachthimmel die ›Alceste‹, zu der Quinault den Text und Lully die Musik geschrieben hatte, mit Tänzen von Benserade. Danach ist ein Souper de Medianoche im Schloß und anschließend Ball bis zum Morgengrauen.
Am andern Tag ist im Garten des Trianon ein ›Salon de Verdure‹, eine Architektur aus nichts als Laub, achteckig, mit offenem Dach und einem Ausblick auf die Allee. Man spielt die ›Eglogue de Versailles‹, ein Intermedium von Lully und Quinault. Danach ein Souper auf einer schwimmenden Insel im Großen Kanal. die durch dreiundzwanzig Wasserstrahlen wie durch ein Gitter abgeschirmt war. Man speiste beim Licht von Fackeln, das der Widerschein des Tafelsilbers vertausendfachte, beim Rauschen des steigenden und stürzenden Wassers.... Am dritten Abend folgte dem Imbiß in der Menagerie eine Spazierfahrt mut Lichtern und Musik. Dann wurde in einem bizarren Grottenrahmen Molières ›Malade imaginaire‹ aufgeführt.
Am vierten Abend wurde der Imbiß im Wassertheater eingenommen. Auf den drei Stufen, die das Rund umgaben, waren 160 Obstbäume, 120 Körbe mit Bäckereien und Konfitüren, 400 Schüsseln mit Eis, 1000 Karaffen mit Likören aufgestellt. Dazu rauschten die Wasserkünste. An an einer anderen Stelle des Parks war ein Theater errichtet. Es wurde gespielt, gesungen und getanzt: ›Die Feste des Amor und des Bacchus‹, Daran schloß sich eine Rundfahrt durch den nächtlichen Park mit Fackeln und Feuerwerk am Großen Kanal, und endlich wiederum zum Abschluß eine ›Medianoche‹ im Marmorhof. Die Tafel war ein Wunder von Speisen, Blumen und Steinen.
Am fünften Tag folgte der Aufführung von Racines ›Iphigénie‹ in der Orangerie eine zauberhafte Illumination des Großen Kanals. Ihr Schöpfer war der Hofmaler Le Brun. Mitten aus dem Wasser erhob sich, getragen von goldenen Greifen, ein Obelisk aus Licht. Von seiner Spitze strahlte eine Sonne. An seinem Fuße schlug ein Drache majestätisch die Flügel. Man demütigte Gefangene und den triumphierenden König. Plötzlich knallten 1500 Böller. Die Ufer des Kanals, die Stufen des Wasserfalls strahlten auf, der Drache spie Ströme von Feuer, blauen und roten Rauch aus Mund, Augen und Nüstern, über die Wasseroberfläche zuckten Blitze, endlich stiegen 5000 Raketen zugleich in die Nacht, bildeten für einen Augenblick einen Dom von Licht über dem Kanal und sanken in einem Sternenregen zur Erde.
In der letzten Nacht - einer der dunkelsten und stillsten des Sommers - erstrahlte um ein Uhr der ganze Park im Licht; die Terrasse, die Geländer, die Becken der Kanal sind mit leuchtenden Perlenketten umsäumt, die Fontänen schimmern geheimnisvoll. der Kanal sieht aus wie ein ungeheurer kristallener Spiegel. An seinem Ende leuchtet die Fassade eines Zauberpalastes. Der ganze Hof besteigt Gondeln. Neptun kommt, von vier Seepferden gezogen seinen Gästen über das Wasser entgegen. Der Palast trägt Figuren. Als die Musik sich nähert, beginnen diese lieblich zu singen und zu tanzen unter dem schwülen Himmel und den schweren Düften der Julinacht. So endet das letzte der großen Feste von Versailles ..."

Dieses Hoffest sollte "den Mythos vom goldenen Zeitalter konkretisieren und allegorisch auf das Zeitalter Ludwigs XIV, beziehen. In dem großen Aufmarsch in der Hauptallee der Gärten von Versailles, der zu Beginn des Festes das Thema verdeutlichen sollte, zog zwischen den Schauspielern der Truppe Molières als strahlenden Mittelpunkt der König in einem griechischen Kostüm mit. Die Maske verlieh seiner königlichen Person mythologische Dimensionen, die Ludwig IV, mit seinen Taten noch nicht erreicht hatte. Sie stellten eine Präfiguration dessen dar, was der König werden wollte, die Imago des vollkommenen Herrschers. Es war die Funktion der Verkleidung, zur gleichen Zeit ans Licht zu heben und zu vernebeln; die Blendung zu schaffen, die der hervorrufen muß, der – als Sonnengott – den Staat verkörpert." (Fischer-Lichte 1990/21999a, S.188)

Kaum ein Hof in Europa konnte da mithalten. Lediglich in Wien und Dresden wurden höfische Feste veranstaltet, die es zumindest künstlerisch mit denen in Versailles aufnehmen konnten. (vgl. Brauneck 2012, S.165) Die • Heirat des Habsburgischen Kaisers »Leopold I. (1640-1705) mit »Margarita Theresa von Spanien (1651-1673) im Dezember 1666 war ein solches theatrales Großprojekt, das sich die "totale Theatralisierung der höfischen Lebenssphäre" (ebd., S.167) auf die Fahnen geschrieben hatte,

Insbesondere kleinere Höfe konnten auf diesem Gebiet des • internationalen Konkurrenzkampf um die beste höfisch-absolutistische Machtentfaltung der Dynastien eigentlich nur zusehen. Was sich indessen etliche Fürsten leisten konnten, waren Hoftheater, die ebenfalls eine große Rolle bei der absolutistischen Repräsentation von Macht spielten.

Hoffeste Carl Eugens von Württemberg (18729-1788): "Versailles in Schwaben"

Einzelne, auch nicht so bedeutsame Fürsten versuchten sich aber doch in diesem internationalen Konkurrenzkampf positiv zu positionieren. So versuchte Carl Eugen (1728-1798), der Herzog von Württemberg, der seine Residenz in Ludwigsburg zu einem "Versailles in Schwaben" ausbaute, in gewisser Weise gleichzuziehen und etablierte eine höfische Festkultur, die eine große Strahlkraft an den anderen Höfen entfaltete.


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Die Elemente, die die Komposition der Feste württembergischen Herzogs Carl Eugen zu einem Gesamtkunstwerk werden lassen, sind nach Berger (1997):

Dazu kommen Veranstaltungen wie die ▪ Geburtstagsfeste des Herzogs, ▪ Gondelfahrten auf dem Bärensee und die ▪ venezianischen Messen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 23.08.2025

 
 

 
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