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Die Herrschaft Ludwigs XIV. (1638-1715)

Überblick

« Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650-1789) Repräsentation von Macht im höfischen Absolutismus Französischer Absolutismus und der Hof von Versailles

 
GESCHICHTE
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In seiner Kindheit erlebte der spätere »Ludwig XIV.(1638-1715) eine Reihe französischer Bürgerkriege, die durch Steuererhöhungen und Zentralisierung am Ende des  »Dreißigjährigen Krieges (1618-48) ausgelöst wurden. Als die so genannte »Fronde (1648–1653) Frankreich zu erschütterten begann, war Ludwig gerade mal 10 Jahre alt und doch seit sein Vater »Ludwig XIII. (1601-1643) schon seit er vier Jahre alt war offiziell König. Während seiner Unmündigkeit führten jedoch seine Mutter, »Anna von Österreich (1601-1666) als Regentin, und der Erste Minister, »Kardinal Mazarin (1602-1661), die Regierungsgeschäfte, bis er schließlich im Alter von 22 Jahren, am 10. März 1661 – am Tag nach dem Tod von Kardinal Mazarin – selbst die Regierung übernahm.

Was immer er von den gewalttätigen Auseinandersetzungen der »Fronde (1648–1653) mitbekommen hat, ist doch anzunehmen, dass der erbitterte Widerstand der Adeligen gegen den König eine nachhaltige psychologische Wirkung auf ihn gehabt hat, selbst wenn die Aufstände bis 1653 niedergeschlagen waren und im Endeffekt die königliche Gewalt in Frankreich nachhaltig gestärkt hat.

Eines seiner seine ganze Regierungszeit durchziehendes Ziel war damit aber auch gesetzt: Der neue König tat alles, um den Adel zu entmachten und ihm gefügig zu machen. Die zentrale Rolle in »seiner absolutistischen Herrschaftspraxis in Frankreich spielte für ihn dabei der königliche Hof. Statt seine hochadeligen Gegner immer wieder militärisch niederzuringen, verpflichtete er »Hochadel (noblesse d'épée), einen Großteil des Jahres an seinem Hof in in seinem »Schloss von Versailles zu verbringen. Wer dieser "Einladung" nicht folgte, wurde mit Gewalt gezwungen, ihr zu folgen, und wer nicht am Hof war, verlor die Gunst des Königs, was im Grunde so etwas wie ein politisches und soziales Todesurteil darstellte. Indem »Ludwig XIV.(1638-1715) damit die mächtigsten Herzöge und Grafen aus ihren Provinzen wegholte, entzog er ihnen auch ihre lokale Machtbasis, denn ohne ihre Anwesenheit vor Ort konnten sie keine regionalen Aufstände mehr anzetteln oder eigene Privatarmeen aufstellen.

Ein weiterer Pfeiler dieser Politik war auch die Entwicklung einer besonderen Hofkultur in Versailles, in der "der Hof die lebendige Mitte des ganzen Landes (war): [...] Fluchtpunkt der neuen [...] klar aufgebauten und rational disziplinierten Herrschafts- und Gesellschaftsordnung des Absolutismus." (Schilling 1994a, S.19)  Unter dem "Sonnenkönig", wie sich »Ludwig XIV.(1638-1715) gerne selbst inszenierte, wurde das Schloss Versailles zum zentralen Instrument des »Absolutismus in Frankreich und der königlichen Machtsicherung.

Der Versailler Hof wurde nach den zuvor lange dominierenden konfessionellen und politischen Auseinandersetzungen dabei zur "Bühne, wo Fürst und Adel die neue vom Herrscher bestimmte Einvernehmlichkeit inszenierten." (ebd.) Eine wesentliche Voraussetzung dieser Inszenierung war, dass die Rolle, der Rang und Status der Adeligen davon abhing, ob sie sich in die Hofgesellschaft einfügten, deren Spielregeln der König festlegte.

Die strenge Präsenz- bzw. Residenzpflicht des hohen Adels am Hof des Königs dem Hochadel die Machtbasis in den Provinzen. Die Adligen wurden finanziell und politisch von königlichen Privilegien abhängig und verloren ihre frühere Eigenständigkeit. So wurde die Zahl der am Hof von Versailles in der Hofgesellschaft lebenden Personen immer größer. Zugleich wurde der Hoch- und Hofadel damit auch der Kontrolle »Ludwigs XIV. (1638-1715) unterworfen, zumal er jeden, der sich weigerte, seinen ständigen Aufenthalt in Versailles zu nehmen, missachtete und gänzlich ignorierte.

Das höfische Leben war durch eine rigide • Etikette und rituelle Zeremonien wie das öffentliche Aufstehen und Schlafengehen des Monarchen (»Lever und Coucher) organisiert. Die Teilnahme an diesen Ritualen und kleine Vorrechte bestimmten den Rang und den Einfluss bei Hofe. Zudem diente die prachtvolle Architektur, die barocke Gartenkunst sowie kostspielige • Hoffeste des Sonnenkönigs  der • Repräsentation von Frankreichs Größe und dem Ruhm des Königs. Durch diese Mischung aus ritueller Hierarchie, ständiger Konkurrenz untereinander und finanzieller Belastung funktionierte der Hof als • effektive soziale Kontrolle, die den Adel band. Zudem war Strahlkraft der Hofkultur in Versailles so enorm, dass französische Mode, Sprache und Lebensart zum europaweiten Vorbild für höfische Kultur wurden.

Wo so viele Menschen so eng zusammenlebten, entwickelten sich auch neue Elemente der sozialen Kontrolle, die vergleichsweise unabhängig von dem direkten Eingreifen des Königs dieses soziale System "bei Hofe" stabilisierten. Man beobachtete sich gegenseitig und die Verbote wurden "differenzierter und differenzierter, umfassender, vielfältiger". (Elias 1939/1976., Bd. 2, S.415) Das betraf dabei auch das, worüber man sich schämen musste und das, was man an anderen als peinlich empfand (vgl. ebd.), wie auch am Beispiel des   höfischen Ankleiderituals des Fürsten (Lever) sichtbar wird.

Das Leben in Versailles war auch so kostspielig, dass es die finanziellen Möglichkeiten etlicher Adeliger von Rang überstieg. Allein die Ausgaben für eine höfische Kleidung und für die Ausrichtung unterschiedlicher Festivitäten u. v. m., überstiegen oft das Budget der Adeligen, die in Versailles, sieht man von gelegentlichen Gewinnen beim Glücksspiel ab, keine eigenen Einkünfte erwirtschaften konnten. Viele von ihnen mussten sich erheblich verschulden und waren dann um so mehr von den verschiedenen Gunsterweisen des Königs abhängig und konkurrierten zum Teil erbittert um die von diesem vergebenen Pensionen, Ämter oder Geschenke.

Um den Adel politisch endgültig zu entmachten, besetzte  »Ludwig XIV.(1638-1715) die wichtigsten Regierungsämter und die Verwaltung nicht mit Vertretern aus dem alten Hochadel, sondern mit loyalen Männern aus dem Bürgertum (noblesse de robe). Diese bürgerlichen Beamten verdankten ihren Aufstieg allein dem König und waren ihm daher auch absolut ergeben.  Auch wenn der Hochadel seine prestigeträchtigen Titel und die Steuerbefreiung behielt, besaß aber im • Absolutismus in Frankreich kaum noch echte politische Entscheidungsgewalt mehr.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

  
   Arbeitsanregungen
  1. Erläutern Sie, welche Erfahrungen aus der Fronde die Herrschaftspraxis Ludwigs XIV. geprägt haben und welche Ziele er daraus für seine Regierung ableitete.
  2. Analysieren Sie, mit welchen politischen und gesellschaftlichen Maßnahmen Ludwig XIV. den Hochadel an den Hof von Versailles band und ihn seiner eigenständigen Macht beraubte.
  3. Beurteilen Sie, inwiefern der Hof von Versailles als Instrument der politischen Herrschaft und der sozialen Kontrolle des Adels angesehen werden kann. Begründen Sie Ihr Urteil anhand des Textes.
 

 
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