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Sonstige sozialgeschichtliche Aspekte

Barocke Gartenkultur

« Barock (1600-1720)  – Historischer Hintergrund Gesellschaftliche, politische und kulturelle Rahmenbedingungen


FAChbereich Deutsch
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Die barocke Gartenkultur ist ein wesentlicher Teil der ▪ gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Rahmenbedingungen der ▪ Literaturepoche des ▪ Barock (1600-1720).

Das Ideal des barocken Gartens verkörpert der französische Barockgarten (oder Jardin à la française). Dieser stellt einen radikalen Gegenentwurf zur unberührten Natur, die z.B. im Konzept des »englischen Landschaftsgartens auf vielfältige Art und Weise inszeniert wird.

Der französische Garten war eines der Elemente zur Repräsentation fürstlicher, oft absolutistischer Macht. Er machte weithin sichtbar, dass der absolutistische Fürst, der von Gottes Gnaden herrschte, nicht nur über seine Untertanen, sondern auch über die Natur herrschte. Somit entsprang dieses Gartenkonzept dem Gleichklang mit der vorherrschenden Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts.

Es gibt zahlreiche bedeutende »Beispiele der barocken Gartenkultur in Europa, die bis heute erhalten sind. Die bekanntesten Beispiele dürften der Park von »Schloss Versailles bei Paris, der Park von »Schloss Schönbrunn in Wien, der Park von» Schloss Peterhof bei Sankt Petersburg sowie der Schlosspark von »Het Loo bei Apeldoorn (Gelderland) sein. Die Liste der Barockgärten In »Deutschland ist selbst aber auch sehr lang. Hier sind neben vielen anderen wohl die Gärten des »Park Sanssouci (Brandenburg), der Garten der »Würzburger Residenz (Bayern), Schlosspark Nymphenburg in München Bayern), der »Schlosspark Ludwigsburg (Baden-Württemberg), der »Barockgarten Großsedlitz bei Dresden (Sachsen), der »Große Garten in Hannover-Herrenhausen (Niedersachsen) besonders herausragende Beispiele.


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Die französischen Gärten an den Residenzen absolutistischer Fürsten und Könige waren immer wieder Orte und Kulissen großer höfischer Feste und waren eingebunden in die • barocke höfische Festkultur, vor allem in den ▪ Events der höfischen Festspiele bzw. Hoffeste, in denen der Topos vom • Theatrum mundi bis ins letzte Detail umgesetzt und kultiviert wurde.

Im Rahmen seiner ▪ prunkvollen Hoffeste hat »Ludwig XIV.(1638-1715) in seinem »Schloss Versailles und dem Schlosspark dabei unermesslich teure theatrale Großprojekte (»Fêtes à Versailles) veranstaltet, die an allen Höfen Europas für Bewunderung und Gesprächsstoff sorgten. Und auch in "Versailles in Württemberg", der • Residenz des württembergischen Herzogs Carl Eugen (1728-1798) in Ludwigsburg, etablierte sich eine höfische Festkultur mit einer großen Strahlkraft an den anderen Höfen, in denen der »Schlosspark immer eine zentrale Rolle spielte.

Merkmale barocker Gartenkunst

Barocke Gartengestaltung und und Gartenkunst zeichnet sich vor allem durch die folgenden Merkmale aus.

1. Strenge Geometrie und Symmetrie

  • Ein Barockgarten basiert auf mathematischer Präzision. Alles wird einer klaren Ordnung unterworfen.

  • Die Hauptachse: Das Schloss bildet das Zentrum. Von ihm geht eine dominante Mittelachse aus, die den Garten teilt und sich oft bis zum Horizont erstreckt, um Unendlichkeit vorzutäuschen.

  • Spiegelung: Die linke und die rechte Gartenhälfte sind exakt spiegelbildlich aufgebaut.

2. Das Parterre und die "Broderie"

  • Direkt am Schloss befindet sich der flache, völlig baumfreie Gartenteil – das Parterre. Es war so angelegt, dass es von den Fenstern der Beletage (den fürstlichen Prunkräumen im ersten Stock) wie ein riesiger Teppich wirkte.

  • Die Beete wurden mit niedrigen Buchsbaumhecken so kunstvoll geschwungen bepflanzt, dass sie an feine Stickereien erinnerten (Broderieparterre).

  • Die Zwischenräume füllte man mit buntem Kies, Sand oder Kohlenstaub, um starke Farbkontraste zu erzeugen.

3. Topiari – Die gezähmte Pflanze

  • Natur durfte nicht einfach wachsen. Bäume und Sträucher wurden mittels Formschnitt (Topiari) in geometrische Körper verwandelt: Würfel, Pyramiden, Kegel oder ganze Wände aus perfekt getrimmten Alleen.

  • Beliebt waren auch Boskette – dichte, wie Wände beschnittene Waldstücke, in denen sich versteckte Räume (Salons im Grünen) für höfische Feste oder Theaterstücke befanden.

4. Wasserspiele als Inszenierung

  • Wasser war das dynamische Prunkelement des Barockgartens. Da es damals noch keine elektrischen Pumpen gab, waren die komplexen hydraulischen Systeme für Springbrunnen, Kaskaden (Wasserfälle) und riesige Kanäle meisterhafte Ingenieursleistungen. Wasserflächen dienten zudem als Spiegel, um die Architektur des Schlosses optisch zu verdoppeln.

5. Das ikonographische Programm

  • Ein Barockgarten war auch ein begehbares Bilderbuch. Überall fanden sich Marmor- und Bronzestatuen, Grotten und Pavillons. Diese zeigten meist Motive aus der antiken Mythologie. Ein Fürst verglich sich im Gartenprogramm beispielsweise gern mit dem Sonnengott Apollo, um seine göttliche Legitimation zu unterstreichen.


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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 24.05.2026

 
 

 
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