Zu den ▪ sonstigen
sozialgeschichtlichen Aspekten, die ▪
gesellschaftlichen, politischen und
kulturellen Rahmenbedingungen der ▪
Literaturepoche
des ▪
Barock (1600-1720)
mitgeprägt haben, zählen u. a. ▪
Literarische Gesellschaften,
die Themen ▪
Liebe und Erotik, die ▪
barocke höfische Festkultur,
die ▪
barocke höfische Gartenkultur, das ▪
Reisen im Barockzeitalter, ▪
Krankheit und Tod,
die ▪
Hexenverfolgung und das ▪
Studentenleben.
Literarische Gesellschaften
und Sprachgesellschaften, in denen sich Adelige, Bürger, Gelehrte
und bürgerliche Dichter zusammentaten, hatten einen großen
Anteil an der Entwicklung von Sprache und Literatur in der Frühen
Neuzeit.
Das Thema ▪
Liebe und Erotik im Barock
ist unter der Perspektive des historischen Wandels von Scham,
Nacktheit und Sexualmoral vom Barock bis in die Moderne zu
betrachten. Es lässt sich im Sinne von Norbert Elias ihm Rahmen
eines fortschreitenden Zivilisationsprozess beschreiben. Die
Sexualmoral dieser Zeit bewegte sich in einem Spannungsfeld: Obwohl
drakonische Gesetze wie die Todesstrafe bei Ehebruch in der Realität
selten vollzogen wurden, standen vor- und außereheliche Beziehungen
unter massivem sozialem, religiösem und gesundheitlichem Druck. Die
Angst vor sozialer Ächtung, religiöser Verdammnis und grassierenden
Geschlechtskrankheiten war allgegenwärtig, und Verstöße gegen die
herrschende Ordnung wurden oft durch öffentliche Schandstrafen
drakonisch sanktioniert. Dennoch waren die Schamgrenzen im Alltag
anders gesteckt als heute; Nacktheit beim gemeinsamen Schlafen, in
öffentlichen Badehäusern oder bei höfischen Ankleideritualen vor
Untergebenen war weitgehend frei von der modernen, internalisierten
Peinlichkeit. Erst im Zuge der "Verhöflichung" der Oberschicht im
Absolutismus und der nachfolgenden gesellschaftlichen
Verbürgerlichung verschoben sich die Scham- und
Peinlichkeitsschwellen drastisch nach oben. Das Zusammenleben auf
engem Raum erforderte eine zunehmende Selbstkontrolle sowie eine
strikte Regulierung der Triebe. Diese Entwicklung gipfelte im extrem
prüden viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts, bevor im 20.
und 21. Jahrhundert – unter anderem durch die Emanzipationsbewegung
und eine omnipräsente mediale Aufmerksamkeitskultur – wieder eine
deutliche Lockerung der Schamgrenzen einsetzte.
Erotik und die Darstellung von Nacktheit in der Kunst des Barock –
die oft mythologisch bemäntelt wurde – dienten dabei keineswegs der
reinen Triebbefriedigung. Vielmehr fungierten sie als reglementierte
Kommunikationsform der Elite, die der bewussten Triebkontrolle und
der distinktiven Abgrenzung vom vermeintlich "animalischen"
Verhalten der unteren Schichten diente. Diese gesamte barocke
Gefühlskultur war jedoch strikt patriarchalisch organisiert: Sie
spiegelte ausschließlich die Perspektive einer dominierenden
Männlichkeit wider, während für Frauen Keuschheit als höchste Tugend
eingefordert und das selbstbestimmte Ausleben weiblicher Sexualität
als Verfall moralischer Sitten gebrandmarkt wurde.
Die ▪
barocke höfische Gartenkultur, verkörpert durch den
französischen Jardin à la française, diente absolutistischen Fürsten
als sichtbare Demonstration ihrer Macht über die Natur. Im Gegensatz
zum späteren, naturnahen englischen Landschaftsgarten basierte das
barocke Konzept auf vollkommener Symmetrie und mathematischer
Präzision. Davon zeugen bis heute Schlossanlagen wie Versailles oder
Schönbrunn. Entlang einer dominanten Hauptachse wurden flache
Parterres mit stickereiartigen Buchsbaumhecken (Broderien), farbiger
Kies sowie geometrisch in Form geschnittene Pflanzen (Topiari) und
Heckenwände (Boskette) arrangiert. Aufwendige hydraulische
Wasserspiele verdoppelten optisch die Architektur, während antike
Skulpturenprogramme die göttliche Legitimation des Herrschers
untermauerten. Diese streng geordneten Naturräume fungierten
zugleich als repräsentative Kulisse für prunkvolle Hoffeste, die das
barocke Welttheater (Theatrum mundi) inszenierten.
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Dreißigjähriger Krieg (1618-1648)
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Überblick
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Zeittafel
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Bevölkerungsverluste
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Alltag zwischen Krieg und Frieden
▪
Der Westfälische Friede 1648
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Quellenauswahl
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
24.05.2026