Ein Ansatz, der die
wahrnehmungs- und kognitionspsychologischen Prozesse beim Text-
und Bildverstehen miteinander verbindet, ist in dem nachfolgenden
integrativen Modell des Text- und Bildverstehens von
Schnotz 2002 bzw.
Schnotz/Bannert 2003 gestaltet.

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Der linkseitige
Zweig, der den Weg der kognitiven Verarbeitung von Text (=
deskriptionale Beschreibungen) zeigt, umfasst den (äußeren) Text sowie seine (innere)
mentale Repräsentation der ▪
Oberflächenstruktur des Textes und der
(internen) propositionalen Darstellung des semantischen Inhalts,
deren Interaktion auf Symbolen beruht.
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Der rechtsseitige Zweig,
der den Weg der kognitiven Verarbeitung von visuellen Bildern (=
depiktionale Darstellungen) zeigt, umfasst das (äußere) Bild oder Diagramm, die (innere) visuelle Wahrnehmung oder das
innere Bild der grafischen
Darstellung und das (innere) mentale Modell des dargestellten
Themas. Das Zusammenspiel dieser bildlichen Darstellungen basiert
auf Verfahren der analogen Strukturabbildung aufgrund von
Strukturkorrespondenzen.
Nach dem Modell, das
sich an dem kognitionspsychologischen ▪
Construction-Integration-Model (CI-Modell)
von
Walter Kintsch und
»Teun van
Dijk orientiert, konstruiert der Leser eines Textes eine
mentale Repräsentation der Textoberflächenstruktur, generiert eine propositionale Repräsentation der
semantischen Inhalts (▪
Textbasis)
und konstruiert schließlich aus der Textbasis ein mentales Modell (▪
Situationsmodell) des im Text beschriebenen Themas.
Dabei
verlaufen die Konstruktionsprozesse auf der Grundlage der Interaktion
von ▪
Bottom-Up- und
▪
Top-Down-Aktivierung
(= ▪
konzeptgesteuerte Verarbeitung) bestimmter ▪
kognitiver Schemata mit ihrer "große(n) Bandbreite hierarchisch
ablaufender, regelgeleiteter kognitiver Prozesse" (Philipp
2015b, S.217).
Im Zuge der
Top-Down-Aktivierung werden in einem absteigenden Verstehensprozess "von
oben nach unten" aufgabenrelevante Aufgaben ausgewählt und als kohärente
mentale Darstellung der ▪
Oberflächenstruktur des Textes
organisiert. Dies löst dann die weitere Konstruktion
eines mentalen Modells aus.
Diese mentale Modellkonstruktion
beinhaltet auch einen Übergang von einer intern
beschreibenden
(deskriptionalen) zu einer
intern
bildlichen Darstellung
(depiktionalen Darstellung), zumal ja auch angenommen wird, dass
propositionale Repräsentationen und mentale Modelle im Zuge des
Konstruktionsprozesses in einer anhaltenden
Wechselwirkung miteinander interagieren und eine kontinuierliche
Überwachung und Überprüfung der konstruierten mentalen Modelle durch die kognitiven Schemata
erfolgt.
Dabei
stellen die ▪
kognitiven Schemata keine starren kognitiven Strukturen dar,
sondern besitzen ihre eigene ▪
Dynamik, die als Prozesse des ▪
Wissenszuwaches,
der
▪
Feinabstimmung,
von ▪
Umstrukturierung und ▪
Integration ihre Weiterentwicklung und ihren fortwährenden "Umbau" ermöglichen,
und sind auch Ergebnisse von
Top-down-Informationsverarbeitungsprozessen.
Basierend auf den propositionalen
Informationen und den ▪
Standardwerten der Schemata wird das mentale
Modell durch gestaltgesteuerte Komposition aus einigen darstellenden
Grundelementen in einer Weise konstruiert, die eine
typische Instanz dessen darstellt, was im Text beschrieben wird.
Nachdem ein mentales Modell
erstellt wurde, kann es in einem vom Schema angeleiteten Prozess zum
Auslesen neuer Informationen aus dem Modell verwendet werden. Diese Informationen werden in einem propositionalen Format
codiert und das wiederum ermöglicht, dass
die propositionale Repräsentation
auch verbal
geäußert werden kann. Diese "Versprachlichung"
stellt damit "Abschluss der Entnahme von Informationen aus dem Diagramm,
die dabei insbesondere eine Übersetzung von einer depiktionalen zu einer
deskriptionalen Repräsentation darstellt. Die bei der
Diagrammverarbeitung aktivierten Diagrammschemata können somit als
Grundlage dieses Übersetzungsprozesses von Diagramm zu Text angesehen
werden." (Lachmayer 2008,
S.30)