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Wahlkampf

Wahlkampf mit sozialen Medien

Soziale Netzwerke als Plattformen für den Wahlkampf

 
 
 

 

Die →Parteien in Deutschland haben mehr und mehr erkannt, dass der →Wahlkampf auch mit Hilfe von →sozialen Netzwerken geführt werden muss, wenn es darum geht, bestimmte Zielgruppen zu erreichen und zu mobilisieren. So wird ohne Ende "gepostet" und "getwittert", um die eigenen netzaffinen Anhänger möglichst direkt anzusprechen. Was der demokratische Präsidentschaftsbewerber »Barack Obama (*1961) in seinem Wahlkampf 2004 vormachte und bei seiner Wiederwahl 2013 erneut praktizieren ließ, hat längst auch in deutschen Landen Wirkung gezeigt. Dabei hat die Internetnutzung in Wahlkämpfen der USA schon eine lange Geschichte (Auflistung bei Jungherr/Schoen 2013, S.72-75) 
Die wissenschaftlich verlässliche Datenlage über die politische Internetnetzung in Deutschland ist dagegen wegen der sehr unterschiedlichen Art und Weise der Nutzung der User und der Innovationsgeschwindigkeit des Netzes noch vergleichsweise spärlich. (vgl. Jungherr/Schoen 2013, S.38f.) Eine vom Institut für Demoskopie durchgeführte Studie aus dem Jahr 2011 (Infosys-Studie 2011) ermittelte, dass sich etwa 26 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren mehrmals in der Woche über Politik im Netz informieren (Köcher und Bruttel 2011, S.16, zit. n. ebd., S.52). Insofern lässt sich sagen, dass das Internet ist "eine durchaus wichtige Quelle für politische Informationen" darstellt und zwar zunehmend auch auf Augenhöhe mit dem Fernsehen (ebd., S.52) Dahinter steht wohl ein gänzlich anderes Informationsverhalten, die sich als Information auf Knopfdruck darstellt. Politische Informationen werden von knapp der Hälfte der Internetnutzer inzwischen erst dann abgerufen, wenn sie in bestimmtes Thema oder Ereignis wirklich interessiert. Das Informationsverhalten insgesamt wird dadurch "stärker interessens- und ereignisgetrieben" und ist nicht mehr so sehr von festen Gewohnheiten, wie z. B. beim Fernsehen, geprägt. (vgl. Köcher und Bruttel 2011, S.16, zit. n. ebd., S.54) →Online-Partizipationsformen spielen indessen, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, noch keine größere Rolle.

Schon bei den Bundestagswahlen 2009 richtete man in den parteizentralen den Blick auf die Methoden des »viralen Marketings und hat die Anstrengungen in diesem Bereich für die »Bundestagswahl 2013 erhöht. Die neuen Kommunikationskulturen stellen dabei neue Herausforderungen dar.
Für die Wahlkampfstrategen der Parteien ist dabei klar, dass die Wahlen, zumindest noch nicht, im Internet entschieden werden. Das hat allein schon demographische Gründe. Was heute "Masse macht" unter den Wählerinnen und Wählern sind eben nicht primär die jungen netzaffinen Wahlberechtigten, sondern Altersgruppen, für die die E-Mail-Kommunikation vielleicht inzwischen eine gewissen Normalität erlangt hat, die aber den translokalen Kommunikationskulturen in sozialen Netzwerken heute noch fern stehen. Schließt man allerdings die mittlerweile schon als traditionell zu bezeichnende E-Mail-Kommunikation ein, dann ist die Reichweite sicherlich noch größer, auch wenn man berücksichtigt, dass ältere Internetnutzerinnen wahrscheinlich nicht unbedingt dazu neigen, Newsletter zu abonnieren oder ihre E-Mail-Adresse auf einer Internetseite einer Partei zu hinterlassen, sofern sie nicht echte Anhänger der jeweiligen Partei sind.
In den neuen Kommunikationskanälen zielen die Parteien auch nicht nur auf die eigene Anhängerschaft. Gerade die Nutzerinnen und Nutzer sozialer Netzwerke, die weder ein Parteibuch besitzen oder zur Stammwählerschaft der jeweiligen Partei zählen, haben für die Parteien besonderes Gewicht. Der Netzwerkeffekt führt nämlich gerade bei diesen dazu, dass damit bisher kaum erreichte Wählerinnen und Wähler direkt angesprochen werden können. So wird der "Schwarm" der "Liker" immer größer und, was seine Angehörigen jeweils für (politisch) gut und richtig halten, wird zudem mit dem ganzen persönlichen Gewicht des jeweiligen "Likers" in die Wagschale geworfen. Und vor allem, darauf hat der Mediensoziologe »Jan-Hinrik Schmidt (twitter) hingewiesen, beobachten die Parteien in den sozialen Netzwerken "die Alltagskommunikation der Menschen und versuchen, in sie einzudringen" (zit. n. Krause 2013)
Ganz unabhängig davon eignet sich das Internet in ganz außerordentlicher Weise dafür, Wahlkampfaktionen zu organisieren und zu koordinieren. Insbesondere aber kann man die Reichweite der Online-Kampagnen präzise erfassen. So kann ganz leicht ermittelt werden, wie viele Nutzer/-innen die Seiten aufrufen, wie lange sie auf der Webseite bleiben, welche Beiträge von ihnen angeklickt werden, woher sie auf die Internetseite gelangen, wo sie die Seite wieder verlassen ...etc. Und sie können sich natürlich leicht einen Überblick darüber verschaffen, was in den sozialen Netzwerken gerade diskutiert wird. Auch wenn viel mehr aufgrund der deutschen Datenschutzregelungen rechtlich nicht gestattet ist, zeigt die Praxis in den USA wohin es ganz leicht gehen kann. Denn »Barack Obamas (*1961) Kampagnenteam konnte mit Browser-Cookies persönliche Daten von rund 200 Millionen Bürgern sammeln und für die direkte Kommunikation mit ihnen nutzen. Zum Einsatz kam dabei "auch eine Handy-App, die den lokalen Wahlkämpfern verriet, in welchem Haus potenzielle Wähler wohnen." (Krause 2013)
Alles in allem gibt es aber bei der Nutzung des Internets für den Wahlkampf noch genügend Luft nach oben, denn außer den Piraten nutzen wohl nur die Grünen, allerdings in geringerem Umfang, die partizipativen Möglichkeiten, die das soziale Netz bieten. Auf den Seiten der beiden Parteien können z. B. Kommentare zu bestimmten Beiträgen gepostet werden, und zwar ohne dass man "vorher einen Account mit einem Klarnamen einrichten muss" (ebd.) Für die Piraten ist der Internetwahlkampf absolut selbstverständlich, weil sie aufgrund ihrer dezentralen Struktur ohnehin auf die Online-Interaktion der Mitglieder untereinander setzen.

SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)

Die →SPD hat auf der »Webseite der Bundespartei Wahlkampf virtuell) im Zusammenhang mit der »Bundestagswahl 2013 über den Umfang ihrer in sozialen Netzwerken erreichten Kommunikationspartner - darunter sind natürlich nicht nur Anhänger - ausgeführt (Stand 30. Juli 2013), dass ein erfolgreicher "Wahlkampf ohne das Internet (...) schlichtweg nicht mehr möglich (ist)." Das Internet biete die Chance vor allem Jung- und Erstwähler anzusprechen. Aus diesem Grund habe die SPD ihre Aktivitäten verstärkt und "im Internet eigene Kanäle aufgebaut, die eine große Reichweite erzielen". Nach SPD-Angaben habe die Facebook-Seite der Partei  - Stand 30.7.2013 -  41.000 Fans und stehe damit an erster Stelle der Bundestagsparteien. Die Reichweite der Facebook-Aktivitäten der Partei gehen dabei nach Angaben der SPD weit über diese 41.000 "Fans" hinaus. Mit der viralen Verbreitung hätten "einzelne auf Facebook gepostete Motive bereits mehr als 600.000 Facebook-Nutzer erreicht". Was da mit gemeint ist, ist allerdings nicht näher ausgeführt. Natürlich sind auch der SPD-Kanzlerkandidat 2013 »Peer Steinbrück (seit 2010) und der Parteivorsitzende »Sigmar Gabriel mit eigenen Facebook-Accounts aktiv. Auf der Facebook-Seite von »Peer Steinbrück (*1947) wurden Mitte August 2013 genau  27.195 "Gefällt mir"-Angaben ausgewiesen und 5.044 User, die darüber sprechen. (Stand:13.8.2013). Für den SPD-Vorsitzenden »Sigmar Gabriel (*1959) finden sich zum gleichen Zeitpunkt 17.086 "Likes" und 2.932 Konversationen. Was der »SPD-Parteivorstand "twittert", erreicht 37.306 Follower, bei »Peer Steinbrück sind es 41.019, bei »Sigmar Gabriel 30.432 Follower (Stand: 11.8.2013). Aber auch die Bloggerszene wird bedient. Mit dem "schwarzgelblog –  wir sehen jede „Merkelei!", den die Online-Redaktion der SPD betreibt, soll die Politik von der schwarz-gelben Koalition auf den Prüfstand gestellt und "entlarvt" werden. Der von der Partei eingerichtete »SPD-YouTube-Kanal: SPD:vision hat Mitte August 3.854 Abonnenten und 691 Videos. Wer den Suchbegriff "SPD" in das YouTube-Suchfeld eingibt, erhält etwa 666.000 (!) Ergebnisse, die allerdings von ganz unterschiedlicher Qualität sind und mit dem Suchbegriff "verschlagwortet" sind.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 21.12.2014
 

 
      
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