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Friedrich Schiller

Der leibliche Vater

Johann Caspar Schiller (1723-96)

 
 

Der Vater Friedrich Schillers, Johann Caspar, wird 1723 als mittlerer von drei Söhnen in einer Familie geboren, zu der noch fünf Schwestern zählen. Die Wurzeln der Familie väterlicher- wie mütterlicherseits liegen in Schwaben. Väterlicherseits stammt die Familie von Vorfahren ab, die als württembergische Weinbauern, Bäcker, Gastwirte und Küfer im Remstal leben, und von denen einige über mehrere Generationen hinweg das Schultheißenamt ausüben. Auch der Vater von Johann Caspar, Johannes Schiller (1682 - 1730) übt das Amt neben seinem Beruf als Bäcker aus. Dessen Frau, ist Eva-Maria Schatz (1690 - 1788), deren Vater als Uhrmachermeister in Alfdorf tätig ist. Die Verhältnisse, in der die Familie bei der Geburt Johann Caspars lebt, sind bescheiden, das Einkommen des Vaters sichert der vielköpfigen Familie aber den nötigen Unterhalt. Wegen seiner Begabungen darf Johann Caspar eine zeitlang am Lateinunterricht teilnehmen, muss aber dann nach dem frühen Tod seines Vaters (1773) mit zehn Jahren durch Feldarbeit zum Unterhalt der Familie mit ihren acht unversorgten Kindern beitragen. So bleibt seine weitere schulische Ausbildung auf der Strecke. Und eigentlich sieht alles so aus, als ob er künftig sein Leben als Tagelöhner fristen müsse. Später bemüht er sich wissensdurstig und vielfach interessiert wie er dennoch ist, als Autodidakt immer wieder darum, seine schulischen Defizite aufzuarbeiten. Die Zähigkeit und der Ehrgeiz, der ihn dabei antreibt, verleihen ihm eine besonders ausgeprägte Tatkraft und ein bemerkenswertes Durchsetzungsvermögen. Alles Eigenschaften, die er, wie Peter-André Alt (Bd. I, 2004, S. 60) betont, seinem Sohn Friedrich als "Willen zur beständigen Aktivität" und als "produktive Unruhe des Geistes" vererbt. In seiner Schrift "Die Baumzucht im Großen“, die Johann Caspar im reifen Alter verfasst,  erinnert er sich in einer Vorbemerkung wie folgt an diese Phase seiner Kindheit und Jugend:
"Welcher Stillstand folgte jetzt auf den so hoffnungsvoll angefangenen Lauf meines Lebens! Wie stürzte auf einmal der ganze Bau meiner kindischen Pläne, dereinst ein weiser Mann zu werden, zusammen! Vaterlos, dürftig, ohne Freude sank ich tief – mir wurde endlich viel verboten, meine Grammatik auszulernen, mein Ungehorsam mit Strafe geahndet … Zwanzig folgende Jahre verstrichen, in welchen ich von dem Schicksal wie ein Ball umhergetrieben wurde. Hang und Begierde, meine Seelenkräfte mehr anzubauen, die ich zu alledem fühlte, regten sich unaufhörlich mächtig, aber Unmöglichkeit stand der Ausführung ebenso mächtig entgegen. In Frieden und im Kriege, in Ost und Westen, wo der Zufall mich hinführte, hintrieb – immer Mangel an Gelegenheit, Mangel an Hilfsmitteln, Mangel an Freunden und an guter Gesellschaft … Du Wesen aller Wesen! Dich hab ich nach der Geburt meines einzigen Sohnes gebeten, dass du demselben an Geistesstärke zulegen möchtest, was ich aus Mangel an Unterricht nicht erreichen konnte, und du hast mich erhöret. Dank dir, gütigstes Wesen, dass du auf die Bitten der Sterblichen achtest!“ (zit. n. Buchwald 1959, S.40)

Mit 14 Jahren beginnt Johann Caspar eine Lehre als Wundarzt bei dem Klosterbarbier Fröschlin in Denkendorf, erwirbt dabei auch Kenntnisse in der Kräuter- und Arzneimittelkunde und begibt sich nach erfolgreicher Gesellenprüfung drei Jahre später, 1741, auf die übliche Wanderschaft, die ihn zwar "aus dem heimatlichen Herzogtum Württemberg, nicht aber aus Schwaben hinausführt." (Lahnstein 1981, S. 7) In Backnang bleibt er eine Weile bei dem Bader Scheffler, dann geht es nach Lindau am Bodensee zu dem Chirurgen Seeliger und mit zwanzig Jahren arbeitet er bei dem Wundarzt Cramer in Nördlingen. Sein Ehrgeiz und das Streben nach sozialem Aufstieg veranlassen ihn, während dieser Zeit Französisch und das Fechten zu erlernen, womit er "Elemente einer aristokratischen Bildungssozialisation" aufnimmt (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 60). Dennoch scheint Johann Caspar Schiller klar zu sein, dass an ein weiteres berufliches Fortkommen auf solche Weise nicht zu denken ist, 
Als er 1745 auf ein durchziehendes bayerisches Husarenregiment trifft, schließt sich der mittlerweile Zweiundzwanzigjährige dieser militärischen Elitetruppe, da keine Feldscherstelle frei ist, kurzerhand als Fourier  an. In seinen 1789 verfassten Erinnerungen notiert er selbst dazu: "1745 im September zog das in Bayern errichtete und nach dem Absterben des bayerischen Kaisers [Karl VII.] in holländische Dienste überlassene Graf von Frangipanische Husarenregiment nach den Niederlanden durch Nördlingen. Ich bekam Lust, unter demselben als Feldscher zu dienen, nahm meinen Abschied, ging diesem Regiment nach und holte es bei Rosenberg ein. Zwar traf ich keine ledige Stelle an, wurde aber doch en suite aufgenommen und konnte nicht allein frei bis in die Niederlande mitmarschieren, sondern auch von bezahlten Pferdrationen etwas ersparen. Den 11. November dieses Jahres rückte das Regiment in Brüssel ein. Ich hatte damals schon so viel gelernt, dass ich einige Galanteriekuren mit gutem Erfolg vornehmen konnte, die mich unterhielten." (zit. n. Lahnstein 1981, S. 7f.) Die Konditionen, zu denen er in das Regiment aufgenommen wird, sind also keineswegs schlecht: freie Verpflegung und "Pferderationen", von denen er, da er ohne Pferd marschiert, einiges sparen kann. Und dazu noch die Nebeneinnahmen bei der Behandlung von Geschlechtskrankheiten. Dass der gelernte Barbier am Ende Feldscher (Militärarzt) wird, erklärt sich aus den Umständen der Zeit. In Preußen war es z. B. seit dem späten 17. Jahrhundert verbrieft, dass Barbiere kleinere chirurgische Eingriffe an der Haut, Zahnbehandlungen und den rundum wirkungslosen, aber als Allheilmittel eingesetzten Aderlass vornehmen konnten. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 60) Barbiere und Bader unterhielten also auch "eine Art Sanitäterpraxis" und setzten ihren Patienten Blutegel an oder verwendeten ihr Schröpfeisen, um ihren Patienten so und soviel Blut abzulassen (vgl. Lahnstein 1981, S. 8) Es dauert in Preußen bis 1825, bis die ärztliche Ausbildung so geregelt wird, dass studierte Mediziner und einfache Wundärzte unterschiedliche Aufgabenbereiche erhalten. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 60) Auch wenn Johann Caspar in seinem Regiment zunächst nicht als Feldscher tätig sein darf, schafft er es wegen seines besonderen Geschicks doch schnell, sich zum regulären Militärarzt hinaufzuarbeiten. Besonderes Ansehen erwirbt er sich mit seinen "Galanteriekuren" bei der Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten, die den Soldaten offenkundig mehr Probleme bereiten als die Kriegshandlungen. (vgl. Safranski 2004, S.19)
Sein Soldatenleben spielt sich in den nächsten Jahren bis 1749 meist in den österreichischen Niederlanden, dem heutigen Belgien, ab, in dem während des »österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748) Schlachten und Scharmützel zwischen den verfeindeten Parteien um Frankreich auf der einen und Österreich auf der anderen Seite geschlagen werden. Auf der Seite der habsburgischen Österreicher kämpfend wird Caspar Schiller in militärischen Auseinandersetzungen mit den Holländern mehrfach verwundet und für seine Tapferkeit vor dem Feind mehrfach ausgezeichnet. Er gerät einmal sogar in französische Gefangenschaft, kämpft eine Weile unter Zwang auf ihrer Seite, kann aber schließlich flüchten und wieder Anschluss an sein eigenes Regiment finden. "Wer austeilt, muss auch wieder einnehmen.“ ist seine Devise, wie er später einmal über diese Zeit schreibt. (zit. n. Buchwald 1959, S.41)

Eine Reise führt ihn mit seinem Regimentskommandeur über Den Haag, Herzogenbusch, Amsterdam sogar nach England, wo er bis nach London kommt. In seiner Zeit im Dienst des bayerischen Husarenregiments lernt er so die "moderne Welt" kennen: Er kommt in "die großen Städte, [..] die neuen Manufakturen, die Steinkohlenbergwerke",  kann sehen, "wie man das Land aus dem Wasser gewinnt und Marmor mit einer Maschine zersägt". Und: Die Niederlande kommen ihm vor wie "das gelobte Land" (Safranski 2004, S.20), kein Wunder also, dass in seinen Erinnerungen die Zeit seiner niederländischen Abenteuer den größten Raum einnimmt. Darin bringt er seine Bewunderung darüber zum Ausdruck, wie in den Provinzen Holland und Seeland Fleiß und Arbeit der Menschen aus einem Chaos von Sand und Wasser beinahe ein irdisches Paradies gemacht hätten,  wie bei Bergen op Zoom die Torfbereitung vonstatten geht  und bei Namur und Charleroi prägt er sich die Merkmale ein, nach denen man dort auf Steinkohle gräbt; bei Lüttich fährt er in ein Steinkohlebergwerk ein und lernt dort auch die Vorteile der Steinkohle für die verschiedenen Gewerbe kennen. Die Niederlande, da gibt es keinen Zweifel, sind das große Erlebnis für ihn, weil er dort "nicht nur die abenteuerlichsten, sondern auch die lehrreichsten vier Jahre seines Lebens“ verbringt "und der Glanz, der in seiner Erinnerung darauf fiel, der liegt auch auf ihnen, sooft sein Sohn als Dichter und Geschichtsschreiber ihrer gedacht hat: »So viele reiche, blühende Provinzen! Ein kräftiges, ein großes Volk – und auch ein gutes Volk!«“ (Buchwald 1959, S.41f.)

Nach dem »Aachener Frieden vom Oktober 1748 trifft in Den Haag, wo sich Johann Caspar zu diesem Zeitpunkt aufhält, die Nachricht ein, dass das frangipanische Husarenregiment bis auf zwei Eskadrons abgedankt werden würde. Ohne abzuwarten, ob er selbst unter den Entlassenen sein würde, quittiert er freiwillig den Dienst und bricht am 4. März 1749 in seine Heimat auf. Nach 10 Tagen erreicht er Marbach, wo er eine verheiratete Schwester besuchen will. Von dort aus will er seine Mutter besuchen, die zu diesem Zeitpunkt in Murr wohnt, und auch seinen Geschwistern in Ludwigsburg, Bittenfeld und Neckarrems einen Besuch machen. (vgl. Walter 1987, S.171)

So kehrt er 1749 dem Soldatenleben also für ein paar Jahre den Rücken und nimmt zunächst Quartier im "Goldenen Ochsen" in Marbach. Von dort besucht er seine Verwandten in der Umgebung und hält mit deren Hilfe Ausschau nach einer geeigneten Ehefrau. Seine Schwester  Christine in Neckarrems meint, er solle sich wieder der Wundarztkunst widmen und dazu möglichst die Tochter eines Arztes heiraten, "um dann nach Ablegung weiterer Examina dessen Praxis zu übernehmen und weiterzuführen." (ebd.) Vermeintlich hat Christine schon alles Nötige dazu eingefädelt und eine Heirat ihres Bruders mit der ihr bekannten Tochter des Chirurgius Rudolf in Neckarrems ins Auge gefasst. Ihr Plan erfüllt sich indessen nicht, da das Fräulein bei Schillers Ankunft schon anderweitig verlobt ist.

Schließlich entscheidet er sich für die sechzehnjährige Tochter des Löwenwirts in Marbach, Elisabeth Dorothea Kodweiß, erwirbt das Bürgerrecht und lässt sich als Wundarzt in der Stadt nieder. Es geht ihm finanziell gut, denn aus den Niederlanden hat er ein kleines Vermögen mitgebracht, das er sich selbst angespart hat.

Mit seiner Heirat, die am 22. Juli 1749 stattfindet, glaubt er zunächst eine gute Partie gemacht zu haben. Dorothea ist das einzige Kind von Georg Friedrich Kodweiß (1698-1771), der es als Bäcker und Wirt des Goldenen Löwen" zu Ansehen in der kleinen Stadt Marbach gebracht hat. Seine Frau Anna Maria Munz (1698-1773) ist eine Bauerntochter vom Röhracher Hof bei Rietenau.
Vor der Heirat werden die beiderseitigen Vermögensverhältnisse in einer Art Ehevertrrag niedergelegt. Elisabeth Dorothea die Braut besitzt hernach bei der Heirat zwar kein Bargeld, aber doch eine, alles in allem, ansehnliche Aussteuer: "Betten, Leinwand, einen 'schwarztüchenen Rock' und einen 'crepponenen' sowie einen 'seidenzeugenen', dazu drei Hauben, eine aus schwarzem Samt mit silbernen Spitzen, eine mit Goldspitzen und eine aus schwerem Damast mit Gold, ferner ein Perlen- und Granaten-Nuster, das war ein zur Tracht gehöriger Halsschmuck, noch ein solches Nuster mit drei Reihen Granaten und ein weiteres von 'Agathsteinen' und Perlmutt und sogar einen 'Belzschlupfer' (Muff). Unter der Rubrik 'Schreinwerk' stand '1 gut gehimmelte Bettlade, 1 gut doppelter Kleiderkasten, 1 älterer dito, 1 Frisur, 1 guter Tisch von hartem Holz, 2 dergleichen Stühl, 1 Hang-Wiegen samt dem Bank, so noch anzuschaffen' und '2 ohngelehnt Beschl. Sessel'. Dazu kamen Immobilien: ein Stück Acker- und Gartenland; insgesamt betrug die Mitgift genau 385 Gulden und 40 Kreuzer." (Walter 1987, S. 172f.)
Der Bräutigam Schiller besitzt zu diesem Zeitpunkt 200 Gulden, die er aus den Niederlanden in die Heimat mitgebracht hat. Er besitzt einen "stahlfarbentüchenen Rock", einen silberbeschlagenen Stock, den er von seiner Mutter hat, einen bordierten dreieckigen Hut, seidene Strümpfe, ein Manschettenhemd aus feinstem holländischen Tuch, verschiedene chirurgische Instrumente und allerlei Tinkturen, ferner 8 Bücher, "sechs für Werktage, d. h. medizinische Schriften, und zwei für Sonntage, d. h. ein Württembergisches Gesangbuch und eine geistliche Erbauungsschrift mit dem Titel 'Erkentnusz sein selbst', und dazu noch einen ungarischen Sattel samt Reitzeug. (vgl. ebd.)
Aber ziemlich schnell stellt sich heraus, dass der vermeintlich vermögende Schwiegervater als  Besitzer des Gasthauses "Zum goldenen Löwen" vor dem finanziellen Ruin steht. Als herzoglicher Kommissar für das Floßbauwesen und den in dieser Gegend einträglichen Holzhandel hat er sich nämlich gründlich verspekuliert und muss schließlich mit seinem ganzen Privatvermögen haften. Doch davon weiß sein Schwiegersohn zunächst nichts. Als er davon erfährt, verschafft er seinem Schwiegervater durch den Kauf eines Anteils am Goldenen Löwen zwar eine gewisse Zeit lang noch einmal etwas finanzielle Luft, doch auch dieser Kredit kann dessen Konkurs nur hinauszögern.

Als 1752 der endgültige Ruin des Schwiegervaters feststeht, kann Johann Caspar gerade noch seine Anteile am goldenen Löwen verkaufen, ehe die Gläubiger seines Schwiegervaters auch sein verbleibendes Vermögen der Konkursmasse zuschlagen. Johann Caspar setzt sich für seinen Schwiegervater beim Magistrat ein und will bewirken, dass man "diesen vor den Jahren alt und elend gewordenen Mann nicht vollends unter der Last seines Jammers ersticken lasse.“ (zit. n. Buchwald 1959, S.43) Doch ihm fehlen einfach auch die Mittel, die persönliche Katastrophe des Schwiegervaters abwenden zu können. Um also nicht noch weiter in die Probleme seines Schwiegervaters in Marbach hineingezogen zu werden, tritt Johann Caspar im Januar 1753 mit nicht ganz dreißig Jahren wieder in den Militärdienst, in das neu aufgestellte württembergische Regiment Prinz Louis, ein und arbeitet sich binnen kurzer Zeit wieder zum Regimentsmedicus hoch. Seine Garnison befindet sich in Ludwigsbug, das nicht weit weg von Marbach gelegen ist. Soldatisches Pflichtgefühl und seine Fahnentreue bringen ihm 1758 die Beförderung zum Leutnant und ein paar Jahre später die zum Hauptmann ein. Und doch sind die 23 Jahre, die Johann Caspar im württembergischen Heer Dienst leistet, "eine erbärmliche Zeit". (Lahnstein 1981, S. 16), denn das Verhalten, das sein Landesherr Herzog Carl Eugen ihm gegenüber zeigt, ist empörend: "er lässt den wackeren Mann nach und nach avancieren, bleibt ihm aber über viele Jahre das Gehalt schuldig;" (ebd.)
Im Sommer 1757 wird auch das Regiment, in dem Johann Caspar dient, zu den Waffen gerufen und zieht über Geislingen nach Günzburg, auf der Donau bis Linz und dann durch Böhmen nach Schlesien gegen die Preußen »Friedrichs II.(1712-1786) zu Felde. Im Frühjahr 1758 kehrt der mittlerweile zum Leutnant beförderte Schiller für kurze Zeit zu seiner Familie nach Marbach zurück, die sich von dem kargen Sold aber nur mühsam über Wasser halten kann. Dann wird Schiller in ein neues Regiment, das General von Romannsche Regiment versetzt, wo er zunächst für die Ausbildung von Rekruten zuständig ist. Im September des gleichen Jahres muss er auf Befehl nach Hessen marschieren, wo sein Regiment bei Lutternberg in ein kriegsstrategisch unbededeutendes Gefecht verwickelt wird, bei dem es den Württembergern sogar gelingt, ein paar preußische Truppenteile zurückzuschlagen.  Dann marschiert man in der Gegend von Kassel ziemlich ziel-, zumindest aber ergebnislos, umher, ehe die Truppen am Ende des Jahres zurück nach Württemberg geführt werden, wo sie in Winnenden Winterquartier beziehen. Da Winnenden nahe bei Marbach liegt, kann sch Johann Caspar an dienstfreien Tagen mit seiner Frau treffen, sei es, dass er selbst nach Marbach kommt oder dass seine Frau zu Fuß nach Winnenden geht. (vgl. Walter 1987, S.174ff.)
Im Oktober 1759 ist er mit den anderen württembergischen Soldaten im Sammellager in der Nähe von Ludwigsburg dabei, als sich Herzog Carl Eugen entschließt, den für den Herbst des Jahres geplanten Feldzug in Hessen als Oberkommandierender selbst anzuführen. Dieser trifft am 28. Oktober in glänzender Uniform "mit einem zahlreichen und ebenso glänzenden Tross" bei seinen Truppen ein, "als gelte es eine Lustfahrt". Das Lager, das er sich und seinem Hof errichten lässt, ist eine eigene Zeltstadt in der großen Zeltstadt, in der die Soldaten kampieren. Es gibt "Wohnzelt, Schlafzelt, sogar ein Ankleidezelt, dazu weitere Zelte für Garderobe, Bälle, Tafel, Kaffee, ein Audienzzelt und zahllose andere für Kanzleien, Diener, Pagen, Adjutanten." (ebd., S.176)  Im und um das Sammellager herum werden Paraden veranstaltet, die alles andere als den Eindruck von zum Militärdienst gepressten Soldaten hervorrufen sollen. Aber auch als Befehlshaber bei seinen "Kriegsspielen" (Wagner 2001, S. 77ff.) verwechselt Carl Eugen das militärische Lager offenkundig mit einem Lustlager, in dem er Sing- und Schäferspiele abhalten lässt. Als die württembergischen Truppen von einer verhältnismäßig kleinen Schar preußischer Soldaten unter dem Befehl des Erbprinzen Karl von Braunschweig in der Nähe von Fulda fast im Handstreich überrumpelt werden und die ersten Schüsse in unmittelbarer Nähe des württembergischen Hauptquartiers fallen, verlustiert sich Carl Eugen dort auf einem Ball "in den Armen der mit ins Lager gereisten Damen" (ebd.) und ist Zuschauer eines dabei aufgeführten Schäferspiels. Natürlich verstummt der Festlärm augenblicklich und die Musik bricht abrupt ab und in heilloser Panik macht sich der Herzog davon, um der schmählichen Gefangennahme zu entgehen. (vgl. ebd.,vgl. Walter 1987, S.183)
Ganz anders fallen die Erfahrungen aus, die Johann Caspar in den Tagen des Siebenjährigen Krieges macht. Die Seiten des Soldatenlebens und des Krieges, die Johann Caspar dabei zu Gesicht bekommt oder auch nur die Wahrnehmung derselben, unterscheiden sich offenkundig von seinem abenteuerlichen Husarenleben in den Niederlanden. Das liegt zum einen an den Soldaten selbst. Die meisten von ihnen sind brutal zum Kriegsdienst gezwungen, gepresst worden, wie man sagt. Einer der Taufpaten Friedrich Schillers ist in Württemberg dafür sogar berühmt berüchtigt: Oberst Rieger, ein enger Berater des Herzogs. Mit brutalen und groß angelegten Menschenjagden auf Bauern, kleine Handwerker und Tagelöhner, stampft er die 6.000 Mann zählende Truppe aus dem Boden, die der Herzog im Rahmen seines Subsidienvertrags mit Frankreich 1752 zugesagt hat. Dem preußischen Vorbild folgend greifen seine Werbeoffiziere Männer besonders gern in Wirtshäusern oder bei Dorffesten und sonstigen Tanzveranstaltungen auf, wenn sie betrunken sind. Dann werden sie kurzerhand eingesperrt und so lange ohne jegliche Nahrung festgehalten, bis sie sich "freiwillig" anwerben lassen. Wer danach desertiert, und Desertationen sind eine fast massenartige Erscheinung, wird mit einer Denunziationsprämie von 18 Gulden der Öffentlichkeit zur Treibjagd präsentiert. Zum Teil entzündet sich daraus ein regelrechtes "Jagdfieber": Glocken rufen zur Treibjagd auf den Verdächtigen auf, Wege werden versperrt, Brücken bewacht und Heuhaufen werden mit Heugabeln durchstochert. (vgl. (Safranski 2004, S.19) Dass Johann Caspar in seinen Lebenserinnerungen "die Scheußlichkeiten der damaligen rechtswidrigen und gewalttätigen Werbungen und die Meutereien der ausziehenden Truppen“ kaum erwähnt und wenn, dann Revolten dagegen als "aus einer von Übelgesinnten ausgestreuten Furcht vor einem Religionskrieg“ (Johann Caspar Schiller) abtut, resultiert offenbar aus seiner unbedingten Loyalität als Offizier gegenüber seinem Landesherrn, die bis in solche privaten Aufzeichnungen hinein zu spüren ist. Wie groß der Unterschied dabei zu den Auffassungen seines Sohnes Friedrich ist, macht dessen frühes Drama "Kabale und Liebe“ deutlich, in der dieser den Soldatenhandel entschieden kritisiert. Dies jedoch als schlichten Generationenkonflikt zu verstehen (vgl. Buchwald 1959, S.44f.), wie dies mitunter gesehen worden ist, greift gewiss zu kurz.
Zu solchen, unter Soldaten wie auch unter der Bevölkerung verhassten Praktiken kommt noch, dass die gepressten Soldaten, selbst überwiegend Protestanten, jetzt auf der Seite des katholischen Frankreichs und Österreichs sowie für ihren katholischen Regenten gegen die preußischen Glaubensbrüder Krieg führen müssen (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 38) . So wundert es nicht, dass die Motivation solcher gewaltsam zum Kriegsdienst gepresster Soldaten sehr gering gewesen ist. Und selbst die Gefahr, das eigene Leben bei einer Festnahme zu verlieren, kann nicht verhindern, dass bei den Gefechten in Böhmen mehr als die Hälfte von ihnen vor den anrückenden preußischen Truppen in einer Massendesertation das Weite sucht. Johann Caspar, der in der Schlacht bei Leuthen ( 5. Dezember 1757) sein Pferd verliert, kommt beinahe in einem Morast um, muss wie die anderen noch bei der Fahne verbliebenen Soldaten zehn Tage ohne Zelt über dem Kopf im Freien campieren. In einem Brief an seinen Sohn und die Schwiegertochter berichtet er später einmal davon: "Da geschah es, dass ich mich auf eben die Seite [wo ihm vordem in Holland die Kugel herausgeschnitten worden war] zum Feuer legte und einschlief. Indessen hellte sich der Himmel auf, und alles fror zusammen. Als ich aufwachte, war mein Fuß bis über die Knie in den Morast eingefroren, und, die Stiefel zu schonen, musste ich mich mit warmem Wasser losmachen lassen.“ (zit. n. Buchwald 1959, S.45)
Johann Caspar dagegen hält der Fahne die Treue. Mehr noch: Er veranstaltet, da auch der Militärpfarrer desertiert ist, sogar Feldgottesdienste, um die angeschlagene Moral der Truppe zu wieder zu heben. Doch auch solche individuellen Taten nützen nichts. Johann Caspar kämpft auf der Seite der Verlierer. Die schlecht vorbereiteten, ungenügend ausgestatteten und von inkompetenten Offizieren geführten württembergischen Truppen werden geschlagen. Da hilft es auch nicht weiter, dass der Herzog die Truppenstärke auf 12.000 Mann erhöhen lässt und sogar selbst den Oberbefehl über sein Heer übernimmt. Nach der vernichtenden Niederlage seiner Husaren gegen die preußische Infanterie im Oktober 1760 an der Elbe ziehen sich die Württemberger ins Winterquartier zurück. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 39)
Zum anderen zeigt auch der Krieg selbst für Johann Caspar ein grausameres Gesicht als zu Husarenzeiten. Als sich sein Regiment 1757 ins böhmische Winterquartier zurückzieht, ist nur noch die Hälfte der ehemals 6.000 Mann dabei, denen, wie Johann Caspar später berichtet, "ein bösartiges Faulfieber" zusetzt. Die Lazarette, in denen der Feldscher Schiller seinen Mann steht, stinken zum Himmel, die Toten bleiben einfach liegen, weil sich die vom Faulfieber Verschonten ständig besaufen, in der Hoffnung der Alkohol könne sie vor Ansteckung bewahren. Lazarette sind so etwas wie "wahre Vorhöllen", die auch Johann Caspar berühren, als er schreibt: "Aus dem Lazarett in Saaz sind manchen Tag fünfzehn bis zwanzig Tote aus Wagen ausgeführt und ohne Bahren zusammen in große Gruben verscharrt worden." (zit. n. Lahnstein 1981, S. 17)
Im Frühjahr 1758 wird das württembergische Korps, dabei Johann Caspar, in die Heimat zurückgeführt, muss aber noch im Sommer des gleichen Jahres, im Herbst des darauf folgenden Jahres und im Sommer 1760 noch einmal, in Sachsen und Thüringen, in die Kampfhandlungen des »Siebenjährigen Krieges (1756-63), wenngleich ohne Erfolge, eingreifen.

Johann Caspar ist demzufolge seiner Heimat während des Krieges nicht immer fern. Und wenn sein Regiment in Württemberg von Garnison zu Garnison zieht, ist seine Frau Dorothea meist in der Nähe. Ansonsten wohnt sie, nachdem der goldene Löwe unter den Hammer gekommen ist, in Marbach, wo ihr Vater nun als schlecht bezahlter Stadttorwächter sein Leben fristet, ehe er, daran zerbrochen, 1771 stirbt. Nach 1756 lebt Dorothea drei Jahre in der Nachbarschaft des Goldenen Löwen, im Beck-Schmid'schen Haus, ab 1759 zur Miete im Erdgeschoss des Hauses eines Ledergebers namens Ulrich Schölkopf. In Marbach kommt am 4. September 1757, während der Vater Johann Caspar im Krieg in Schlesien steht, das erste Kind, Friedrich Schillers ältere Schwester, Christophine, eigentlich Elisabeth Christophine Friederike, zur Welt. Zwischen ihr und ihrem Bruder Friedrich wird zeitlebens ein innig-vertrauensvolles Verhältnis bestehen. Im Herbst 1759 erwartet Dorothea ihre nächste Niederkunft. Als die ersten Wehen einsetzen, ist sie gerade zu Besuch im Militärlager ihres Mannes in der Nähe von Ludwigsburg. Schleunigst wird sie, Johann Caspar kann sie aus militärischen Gründen nicht begleiten, noch Marbach zurückgebracht und entbindet in der Erdgeschosswohnung des Schölkopf'schen Hauses am 10. November 1759 ihr zweites Kind, das tags darauf auf den Namen Johann Christoph Friedrich getauft wird. Friedrich, so der Rufname, bleibt der einzige Sohn von Johann Caspar und Dorothea Schiller, die aber noch insgesamt fünf Töchter haben. Drei von ihnen sterben aber früh, zwei davon sind Opfer der hohen Kindersterblichkeit der Zeit. Seine Schwester Maria Charlotte (geb. 20.11.1768) stirbt mit fünf Jahren an einer Lungenentzündung (29.3.1774), die Schwester Beata Friederike (geb. 4.5.1773) schon als 7 Monate alter Säugling an einer Genickstarre (22.12.1773), noch ehe sie von ihrem Bruder, der zu dieser Zeit schon an der Karlsschule ist, gesehen wird. Friedrich Schillers jüngste Schwester Nanette (eigentl. Karoline Christiane, geb. 8.9.1777) stirbt 18-jährig am 23. März 1796 an einem Nervenfieber, wenige Monate vor dem Tod ihres Vaters (7.9.1796).
Johann Caspar freut sich offensichtlich über die Geburt eines männlichen Stammhalters. Er dankt Gott in einem Gebet, das zugleich zeigt, dass er an die weitere Entwicklung des Sohnes bestimmte Erwartungen knüpft. Von Anfang an wird das Baby damit zum Objekt der Phantasien des Vaters: "Du Wesen aller Wesen! Dich hab ich nach der Geburt meines einzigen Sohnes gebeten, dass du demselben an Geistesstärke zulegen möchtest, was ich aus Mangel an Unterricht nicht erreichen konnte, und du hast mich erhöret. Dank dir, gütigstes Wesen, dass du auf die Bitten der Sterblichen achtest!“ (zit. n. Buchwald 1959, S.40)

Wie das Eheleben von Johann Caspar und Dorothea Schiller während ihrer über 47 Jahre dauernden Ehe (Heirat am 27.7.1749) im einzelnen ausgesehen hat, lässt sich nicht mit letzter Bestimmtheit sagen. Dorothea, die als sanft, fromm und liebevoll gilt und im Haushalt sicher und zuverlässig Regie führt, fühlt sich auf öffentlichem Parkett nicht sonderlich wohl, zeigt sich dort eher schüchtern und ängstlich (vgl. Safranski 2004, S.24). Keine Frau also unbedingt zum Repräsentieren oder Angeben im gesellschaftlichen Leben des Offiziers, auch wenn sie im wesentlichen das Leben führt, das von einer Frau ihrer sozialen Lage gesellschaftlich verlangt ist. Sie arbeitet unentwegt im Haushalt, hält dem Mann, dessen Leben sich vor allem außer Hauses abspielt, den Rücken frei, versorgt die Kinder, muss sich ihrem Mann unterordnen und sich ihm auch sexuell willfährig verhalten, hat dadurch zahlreiche Schwangerschaften und sechs Geburten. Sie muss sich dem Willen ihres Mannes, so wie es in der patriarchalischen Gesellschaft der Zeit üblich ist, unterwerfen und entwickelt keine über die konventionelle Rollenbiographie hinausgehenden Vorstellungen von einem eigenen Leben. Und auch da, wo sie eigene Vorstellungen über die Zukunft ihrer Töchter artikuliert, scheitert sie an andersgearteten Vorstellungen ihres Mannes. Dieser findet ihre Wünsche nach einer höheren Bildung und Teilnahme der Töchter am gesellschaftlichen Leben nämlich gleichermaßen unschicklich wie finanziell zu teuer und unnötig (vgl. ebd., S.25)
Auch die zum Pietismus neigende Frömmigkeit der Mutter bleibt dem Vater fremd, wenngleich gemeinsame Morgen- und Abendandachten, für die er hin und wieder eigene Gebetstexte verfasst (vgl. Buchwald 1959, S.68ff., vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 71), ein gerade von ihm streng eingehaltenes Ritual der Familie darstellen. In diesen Texten, die er zum größten Teil in ein Gebetbuch einträgt, das im Jahre 1791 bei Cotta in Stuttgart erscheint, kommt seine dankbare Anerkennung göttlicher Allmacht ebenso deutlich zum Ausdruck wie  sein Selbstverständnis, das eigene, persönliche Schicksal göttlicher Fügung zu verdanken. (vgl. Buchwald 1959, S.70f.) Das ist aber auch keineswegs außergewöhnlich in einer Zeit, in der der regelmäßige Kirchgang ebenso selbstverständlich ist wie die Tatsache, dass das Kirchenleben überhaupt Motor gesellschaftlicher und kultureller Aktivität ist. Trotzdem: Johann Caspar ist keiner der frommen Pietisten, die, z. B. den Lehren Johann Albrecht Bengels folgend, mit gemeinsamer Bibellektüre, mit Gesang und Erbauungsstunden ihre privatisierende Frömmigkeit und Frömmelei kultivieren. Derart religiöse Gefühlsgemeinschaften passen gewiss nicht in das Selbstverständnis und die Männerbündelei der württembergischen Offiziersgemeinschaft. Aber da auch die protestantische Landeskirche schon 1733 erklärt hat, dass pietistische Auffassungen mit denen der protestantischen Amtskirche vereinbar sind, gibt die unterschiedliche protestantische Glaubensauffassung offenbar keinen Anlass für Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten. "Sich dem Willen Gottes hinzugeben, sich ihm würdig zu zeigen, um von ihm angenommen zu werden und dafür Verzicht auf die Genüsse des Lebens zu üben" (Aufenanger 2006, S.17) ist ihr gemeinsames religiöses Fundament, das sie auch an ihre Kinder weitergeben. Allerdings greift Vater Johann Caspar, da auch schon mal zu etwas  seltsamen Methoden. Er soll, "wie erzählt wurde, während des Essens, gerade dann, wenn es am besten schmeckte, plötzlich aufgehört haben zu essen, und habe von der Familie, also auch von Friedrich, verlangt, seinem Beispiel zu folgen." (ebd.)
Mutter Dorothea jedenfalls liest gerne in pietistischen Andachtsbüchern von Bengel und lebt ihrem Sohn eine Frömmigkeit vor, die, auch wenn sie dem Vater übertrieben vorkommt, Friedrich in seiner Jugend stark beeinflusst. Die religiösen Neigungen Friedrichs werden auch durch die  Sammlung von Erbauungs- und Gesangbüchern gefördert, die zu der bescheidenen Büchersammlung der Familie gehören. Zu ihnen zählt auch das populäre Evangelien-Predigtbuch (1758) des schwäbischen Pietisten Immanuel Gottlob Brastberger (1716-1764), der 1738 auch für einige Zeit Garnisonsprediger in Ludwigsburg gewesen ist. Auch die gemeinsame Bibellektüre, die ein in der Familie wiederkehrendes und niemals in Frage gestelltes Ritual darstellt (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 71), zeigt, dass sich die Eheleute über alle Unterschiede ihrer religiösen Auffassungen hinweg, doch in religiösen Dingen im Grundsatz einig waren. So bringt es offenbar wenig Probleme, dass sich Dorothea eher  vom Empfindsamen und Poetischen der Religion angezogen fühlt, während Johann Caspar eher "an einen Gott, der für die Menschen sorgt, wenn sie den Mut haben, für sich selbst zu sorgen" glaubt (Safranski 2004, S.18). Für ihn ist Religion im Grunde "Sanktionierung einer gesellschaftlichen Ordnung" (ebd., S.30). Auf diese Weise vermittelt der Vater seinen Kindern "eine Religion des Verstandes, die Mutter eine des Herzens" (ebd.) Insbesondere bei seinem im Familienkreis gesprochenen Morgengebet kann sich der Vater stets auf einen konzentriert zuhörenden Sohn verlassen, wie dessen ältere Schwester später berichtet. Alles passt in die Zukunftspläne, die der Vater mit seinem Sohn hat. Er soll einmal Pfarrer werden und damit das erreichen, was Johann Caspar wegen des frühen Todes seines eigenen Vaters verwehrt geblieben ist. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 74)
Erst sehr viel später, 1796, als Johann Caspar vor seinem Tod daniederliegt, beklagt sich Mutter Dorothea in einem Brief vom April bei ihrem Sohn Friedrich über den Ehemann und Vater und hält ihm vor, dass er sich stets nur um sein eigenes Wohlergehen kümmere;  ja, "eine Magd", schreibt sie, "würde ihm alles versehen, was eine Frau tun könnte." (zit. n . Safranski 2004, S.25)

Christophine und Fritz, wie Friedrich gerufen wird, lernen jedenfalls in den ersten Jahren ihres Lebens, als der Vater im Krieg oder mit seinem Regiment unterwegs ist, kein geordnetes Familienleben kennen. Sein Regiment zieht, oft wohl ohne rechten Plan, von Garnison zu Garnison, mal ist man in Urach, dann in Cannstatt, dann wieder in Ludwigsburg. Und Dorothea reist mit ihren Kindern, wann immer es geht, hinterher und bezieht mal hier mal da, immer in der Nähe des Regiments, Quartier. Im Alltag bedeutet dies, ständig das Nötigste zur Unterbringung zu organisieren, sich mit Provisorischem, räumlicher Enge und hygienischen Unzulänglichkeiten in einem tristen, kaum Anregungen bietenden Leben zufrieden zu geben, physisch und psychisch zurechtzukommen mit einer insgesamt "misslichen Lebenssituation, die Ruhe und Intimität nie aufkommen lässt." (Alt Bd. I, 2004, S. 68)
Nach vier Jahren, in denen Frau Schiller mit den beiden Kindern dem Vater von Garnison zu Garnison hinterher zieht, wird Johann Caspar im Dezember 1763 zum Werbeoffizier in Schwäbisch Gmünd ernannt. Zuständig für die Aushebung von Rekruten und ihre Ausbildung übt er sein neues Amt pflichtbewusst, aber ohne jene Skrupellosigkeit und Menschenverachtung aus, die so manchem seiner Mitoffiziere nachgesagt werden. Von nun an kann sich im benachbarten Dorf Lorch, wo sich die Schillers wegen der dort wesentlich geringeren Lebenshaltungskosten niederlassen, so etwas wie ein normales bürgerliches Familienleben entwickeln. Man richtet sich in Lorch zunächst im Gasthof zur Sonne ein und zieht dann in eine Wohnung über der Schmiede des Schmiedemeisters Molt (vgl. Lahnstein 1981, S. 24). Dort kommt am 24. Januar 1766 auch das dritte Kind, Tochter Luise Dorothea Katharina zur Welt. Wenn Johann Caspar zu Hause ist, sitzen auch die beiden ihm unterstellten Unteroffiziere am Tisch, die der Hauptmann zu verköstigen hatte. (vgl. Lahnstein 1981, S. 24)
Jetzt im Alter von vier Jahren findet der junge Friedrich eine Umgebung, die ihn noch im Erwachsenenalter zum Schwärmen bringt. Sein Vater nimmt ihn hin und wieder auf seinem Fußmarsch zur Arbeit nach Schwäbisch Gmünd mit und beschreibt ihm unterwegs die Landschaft und erzählt ihm allerlei Sagen und Geschichten, bei denen der Junge gespannt zuhört.

Johann Caspar ist als Vater das unumstrittene Oberhaupt der patriarchalisch organisierten Familie, der sein eigenes Verständnis von Pflicht auch Frau und Kindern abverlangt. Seine Rolle als Vater lebt er kompromisslos autoritär, mitunter auch cholerisch aus (vgl. Lahnstein 1981, S. 11). Nicht dass er seine Aufgabe als Erzieher unreflektiert ausübt. Er macht sich seine Gedanken darüber, hat sogar vor, diese einmal in einer »eigenen Betrachtung« über »die gute Auferziehung der Jugend« niederzulegen, wobei ihm die körperliche Zucht und Abhärtung als Schutz vor drohender Verweichlichung offenbar besonders am Herzen liegt. (vgl. Buchwald 1959, S.73) Doch von der in dieser Zeit in gehobeneren Schichten kultivierten Empfindsamkeit, die emotional tiefer gehende Beziehungen zu den Kindern wie auch der Eheleute untereinander allmählich entstehen lässt (vgl. Demel 2005, S.90 f.), ist bei den Schillers, auch wenn Karoline von Wolzogen in ihrer Biographie (1830) das wahrscheinlich im Lichte solcher emotionalisierter familiärer Beziehungen anders sieht und idealisiert, sicher nur wenig zu spüren. Seine Ehe mit Dorothea hat Johann Caspar wohl positiv gesehen, auch wenn sie für seine Frau Dorothea eine "entsagungsvolle Aufgabe" darstellt, "für sie das Opfer ihres persönlichen Lebensglücks" bedeutet und sich in den letzten Jahren der Ehe "zu einem wahren Martyrium" auswächst. (vgl. von Wiese 1959/63, S.5)

Sein Verhältnis zu den Kindern ist im Großen und Ganzen so "unsentimental, kurz, streng, distanziert, von Disziplin und Gehorsam, Arbeit und Prügel bestimmt" (Nipperdey 4. Aufl. 1987, S. 117), wie es eben im traditionellen Familientypus üblich ist. Zugleich zeigt die strenge Fürsorge, mit er sich um die schulische Ausbildung seines Sohnes kümmert, dass er ein bürgerliches Erziehungsinteresse entwickelt, das für die sich gesellschaftlich gerade entwickelnde moderne bürgerlichen Familie typisch ist. Insofern sind auch in seinem Erziehungshandeln Tendenzen des Wandels zu erkennen, wenn er sich darum müht, aus seinen Kinder, insbesondere aus seinem Sohn, "»gesittete«, vernünftige Menschen zu bilden" (Demel 2005, S. 90) Allerdings führt die damit einhergehende stärkere Orientierung auf die Kinder, zumindest die männlichen, auch zu Problemen und "Freigabe und mehr sich kümmernde Sorge, Zuwendung und mehr Erziehung, Kontrolle und Autorität" (ebd., S. 121) gehen stets miteinander einher und stehen in einem fortwährenden Spannungsverhältnis zueinander. Ohne tyrannisch zu sein, ist es für Johann Caspar selbstverständlich, dass Kinder zu gehorchen haben und ihr unbändiger Freiheitsdrang durch Zucht und Ordnung in Schranken zu halten ist. Grenzen zu setzen, wie wir es heute gerne nennen, aus Fürsorge für die Kinder, ist für ihn eine der Maximen seines erzieherischen Handelns, eine andere sein ausgeprägter, ja strenger und pedantischer Ordnungssinn, mit dem er seine Arbeit wie auch seine Familie zu organisieren pflegt (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 74). Es ist nicht einfach dem Erziehungshandeln von Johann Caspar aus heutiger Perspektive gerecht zu werden. Benno von Wiese (1959/63, S.4 ) hat ihn einen "Karl Eugen im Kleinformat" genannt und betont, dass sich die diesen prägenden Eigenschaften sowohl im familiären als auch außerfamiliären Bereich gezeigt hätten: "Manche Eigenschaften verraten den geborenen Tyrannen. In seinem Hause herrschte er unumschränkt, und jeder Widerstand gegen seine aus dem kraftvollen Bewusstsein der väterlichen Autorität und Weisheit getroffenen Entscheidungen ist schon darum ausgeschlossen, weil er die Quelle seiner Autorität in einem von Gott gegebenen Auftrag sieht. Er kann hart und gewalttätig sein und zeigt im Umgang mit Untergebenen und mit seiner Familie Unberechenbarkeit und Rechthaberei. Auffallend ist die Unempfindlichkeit, mit der er den Nöten und Leiden gerade der ihm am engsten verbundenen Menschen gegenüberstehen kann. Der Maßstab, nach dem er die Menschen beurteilt, ist die Leistung und die Bewährung, die ein jeder bei der Erfüllung des Pflichtgebots zeigt, das ihm im Schöpfungsplan zugedacht ist. (von Wiese 1959/63, S.4)

Mit großer Strenge kontrolliert er die schulischen Arbeiten seines Sohnes, in dem er, wie in dieser Zeit üblich, weniger das Kind als den künftigen Erwachsenen" sieht, lässt den ehrgeizigen Jungen Gedächtnisübungen machen und nötigt ihn zu ersten Schreibversuchen.
Seinem Sohn Friedrich jedenfalls scheint das väterliche Erziehungshandeln und die von ihm repräsentierte "Welt, auch wenn man darunter litt [...], ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit" zu vermitteln (Safranski 2004, S.23).  Er liebt seinen Vater, aller von ihm ausgehenden psychischen und physischen Härten zum Trotz. Er bringt ihm sogar, wie Safranski (2004, S.24) betont, "lebenslang eine fast kindliche Verehrung" entgegen. (vgl. von Wiese 1959/63, S.3 u. a.) Das scheint nur auf den ersten Blick verwunderlich. Psychologisch gesehen, handelt es sich dabei um die in autoritären Vater-Sohn-Beziehungen oft stattfindende Reaktionsbildung. Dieser Abwehrmechanismus des Ich macht den übermächtigen Vater, dem eigentlich Aggressionen und Hassgefühle entgegengebracht werden, zu einem Objekt der Liebe, um dem aussichtslosen Kampf mit ihm ausweichen zu können. Das aus der Reaktionsbildung entstehende ambivalente Gefühl Friedrichs seinem Vater gegenüber hat Safranski (2004) so beschrieben: "Gewiss fürchtete Friedrich seinen Vater, aber da er ihn auch liebte, wurde aus Furcht Ehrfurcht." (Safranski 2004, S.23)
Im Gegensatz zu ihrem Ehemann strahlt Dorothea, die Mutter, komplementär dazu, die emotionale Wärme aus, die ihre Kinder beim Aufwachsen erfahren.

1766 wird Johann Caspar auf eigenen Wunsch in die Residenzstadt Ludwigsburg versetzt, wo er, im Range eines Hauptmanns, ab 1770 eine eigene Kompanie führt. Der eigentliche Grund für seinen Versetzungswunsch ist allerdings seine Hoffnung, jetzt in der Nähe des herzoglichen Hofes, endlich wieder regelmäßig bezahlt zu werden. Seit seinem Umzug nach Schwäbisch Gmünd hat er drei volle Jahre lang nur von seinen Ersparnissen gelebt, mit dem Verkauf eines kleinen Weinbergs in Marbach seine letzten Reserven mobilisiert und davon sogar noch zwei ihm untergeordneten Unteroffizieren aus eigener Tasche den Sold bezahlt. Es gehört zu den Pflichten des Hauptmanns, seine Unteroffiziere an seinem Tisch zu verköstigen (vgl. Lahnstein 1981, S. 23)  Das Ganze wegen eines angeblichen Buchungsfehlers, der allerdings erst neun Jahre später durch Zahlung des ihm amtlich zugesprochenen Geldes bereinigt wird. Nicht zuletzt aus dieser Erfahrung nährt sich das ausgeprägte Versorgungs- und Sicherheitsdenken von Johann Caspar, das später auch seine Kritik an dem aus Württemberg geflohenen Sohn kennzeichnet (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 69). Es ist indessen nicht allein seiner unbedingten Loyalität zum Herzog geschuldet, was ihn diese herabwürdigende Behandlung erdulden lässt. Es bleibt ihm schlicht keine andere Wahl, zumal die Zahlungsmoral des Herzogs auch sonst nicht in besonders gutem Ruf steht. Und Johann Caspar ist auch kein Einzelfall. Wer als Offizier wegen nicht erhaltener "Gage" dienstunwillig ist oder gar die Dienste verweigert, wird entlassen, wie ein Beispiel aus dem Jahre 1766 zeigt, das sich in Ludwigsburg zugetragen hat. (vgl. Sting 2005, S.195) Das Soldatenleben im Heer Carl Eugens ist eintönig. Die Soldaten, die sich der Herzog weiterhin im Stil eines absoluten Herrschers in seinem stehenden Heer hält, sind, wenn sie nicht selbst zum Wegebau oder zum Anlegen von Gärten oder Alleen eingesetzt werden, seit dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1763) "nur noch Mittel zur Unterhaltung und zur Freude im Anschauen der wohlgeordneten Soldaten beim Paradieren und Manövrieren zu Fuß und zu Pferd in ihren prächtigen, vielfarbigen Uniformen." (ebd.,S.218)
Über die Art, wie Johann Caspar seine Soldaten in Ludwigsburg behandelt, ist nichts bekannt. Dass er aber, sich dabei so verhalten hat, wie es gemeinhin üblich ist, zeigt sein Vorgehen gegen fronende Bauern am Monrepos, über die sogar ein Gerichtsprotokoll existiert. (vgl. Sting 2005, S.462f.)  Als Führer eines Arbeitskommandos lässt er, so das Protokoll, "unter lauten Fluchen, Schwören und Schelten, wie wenn jene nur Hunde gewesen wären“, auf sie einprügeln. (vgl. Buchwald 1959, S.49)
Als die Familie im gleichen Jahr 1766 nach Ludwigsburg zieht, ist dies weitaus mehr als ein einfacher Umzug. Es ist ein "jähe(r) Wechsel von der Natur in die Kultur"  (Safranski 2004, S.26) "von der idyllischen Weltabgeschiedenheit" Lorchs (ebd., S.26) mitten hinein in das städtische Treiben der Residenzstadt des Herzogs von Württemberg. Für seinen Sohn Friedrich ist das Ganze wie eine Vertreibung aus dem Paradies.
Zunächst wohnt die Familie Schiller in der Hinteren Schlossgasse 26 (im »Maucler'sches Haus«, heute:  Mömpelgardstraße 26) in einer Wohnung, die zum Haus des herzoglichen Leibarztes Reichenbach gehört und sonst eigentlich nur Adeligen vorbehalten ist. So sind die Schillers in den wenigen Wochen, während denen sie dort wohnen, auch keine Mieter, sondern gelten als Hausbesuch, zumal der Bruder des Hausherrn als Feldscher in Johann Caspars Regiment dient und beide miteinander befreundet sind (vgl. Lahnstein 1981, S. 30) Zu Beginn des Jahres 1767 ziehen die Schillers innerhalb von Ludwigsburg erneut um. Mit der Offiziersfamilie des Hauptmanns von Hoven ziehen sie in ein neu errichtetes Haus ein, das zum Besitz des Hofbuchdruckers Christoph Friedrich Cotta zählt. In der Wohnung im Quartier an der Stuttgarter Straße in der Karlsstadt lebt die Familie bis zum Umzug in die kleine Dienstwohnung in der Solitude, dem Jagd- und Repräsentationsschloss des Herzogs, im Dezember 1775. Von dem Cotta'schen Haus aus geht auch Friedrich in den folgenden sechs Jahren zur Lateinschule im sog. Tübinger Amtshaus in der Oberen Marktstraße 1, das bis 1767 21 Jahre lang als Rathaus gedient hat. (vgl. Sting 2005, S. 82) Im Cotta'schen Haus lebt Friedrich, bis er am 16. Januar 1773 als Dreizehnjähriger auf Geheiß des Herzogs Carl Eugen in die Karlsschule eintreten muss. Vom Cotta'schen Haus aus kann man auf den Exerzierplatz der 1767 knapp 3.000 Soldaten zählenden Garnisonsstadt (vgl. Sting 2005, S. 616) sehen und Kommandorufe, Trommeln und Pfeifen den ganzen Tag herüberhören. Wahrscheinlich, dass Friedrich Schiller, dem die Begeisterung fürs Militärische gänzlich abgeht, auch hier jene Vorliebe für Marschmusik entwickelt, die sein Leben lang währt. (vgl. ebd., S.40)  Was sich sonst noch auf dem Exerzierplatz gegenüber abspielt, mag der junge Friedrich mit eigenen Augen auch nicht gesehen haben, gehört aber auch zum Alltag: Exekutionen und »Spießrutenlaufen (Gassenlaufen)

Das Familienleben in Ludwigsburg folgt zunächst bewährten Mustern. Die Familie hat zunächst, seit der 1766 noch in Lorch geborenen Tochter Luise Dorothea Katharina drei Kinder, zu der im Jahr 1768 Maria Charlotte (stirbt sechsjährig 1774) und die 1773 geborene und im selben Jahr schon im Säuglingsalter verstorbene Tochter Beata Friederike dazukommen. Die Tochter Caroline Christiane (Nanette) wird erst 1777 geboren. Auch in Ludwigsburg sind die mehr oder minder täglichen Morgen- und Abendandachten festes Familienritual, sitzt man im Familienkreis zur gemeinsamen Bibellektüre zusammen und rezitiert christliche Oden. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 78)
Johann Caspar bleiben schon in dieser Zeit die besonderen Talente seines Sohnes nicht verborgen. Als dieser 1769 ein Neujahrsgedicht an die Eltern verfasst, zu dem er eine Übersetzung in lateinischer Prosa anfügt, überrascht er seinen Vater. Ebenso müssen den Vater die ersten lateinischen Gedichte mit Stolz erfüllt haben, die sein Sohn Friedrich mit gerade mal zehn Jahren verfasst oder die von ihm geschriebenen lateinischen Gedichte, die er zwei Jahre später zu bestimmten offiziellen Anlässen in der Lateinschule gestaltet. Und in Erinnerung ist seinem Vater noch 1790, wie sein Sohn mit dreizehn Jahren ein Trauerspiel schreibt mit dem Titel "Die Christen", dessen Text aber später verloren gegangen ist. Wenn dem Vater freilich der Ausdruck eines Gedichtes von Friedrich allzu frömmelnd daherkommt, hält er auch mit seiner Kritik nicht hinterm Berg. So bezeichnet er ein Gedicht, das Friedrich zu seiner Konfirmation in der Ludwigsburger Garnisonskirche verfasst, schlicht weg als "närrisch", weil er mit dieser eher seiner Frau und damit den Frauen zugeordneten religiösen Empfindsamkeit seines männlichen Sprosses als Mann offenbar nicht anders umzugehen versteht. Hin und wieder scheint er seinem Sohn auch einen gewissen Einblick in seine berufliche Arbeit gegeben zu haben, ohne allerdings im Geringsten zu beabsichtigen, diesen auf eine Militärlaufbahn hin zu orientieren. So nimmt er den Siebenjährigen im Sommer 1767 einmal mit in das große Musterungslager. Aber auch zu anderen Anlässen darf der Junge seine Eltern hin und wieder begleiten. So besucht er als Neunjähriger mit ihnen erstmals die 1765 in Ludwigsburg eröffnete pompöse Oper, zu der die Offiziere der württembergischen Regimenter, wie auch alle anderen in der Regel adeligen Zuschauer freien Zutritt haben. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 46, 49).
Die ausgezeichneten Leistungen seines Sohnes Friedrich bei den ersten drei Landesexamen, die dieser während der Zeit in der von autoritären und repressiven Unterrichtspraktiken geprägten Lateinschule jährlich ablegen muss, machen auch seinen Vater Johann Caspar stolz, wenngleich ihm die mangelnde Sorgfalt und mangelnde Ordnungsliebe, die man seinem Sohn zuletzt vorhält, angesichts seinem eigenen Hang zur Pedanterie gewiss missfallen hat.

In der Wohnung im Quartier an der Stuttgarter Straße lebt die Familie bis zum Umzug in die kleine Dienstwohnung in der Solitude, dem Jagd- und Repräsentationsschloss des Herzogs, im Dezember 1775. Grund für den erneuten Umzug ist die Ernennung Johann Caspar Schillers zum Intendanten (= Leiter) der Hofgärtnerei Anfang Dezember 1775. Gerade vierzehn Tage ist es zu diesem Zeitpunkt her, dass die Karlsschule, in der sein Sohn der Erziehungstyrannei des Herzogs ausgesetzt ist, von der Solitude nach Stuttgart verlegt worden ist. Ein klares Kalkül des Herzogs, wie Peter-André Alt (Bd. I, 2004, S. 87) betont, demzufolge allzu enge private Bindungen der Karlsschüler (Eleven), auch zu den Eltern, unerwünscht sind und die Vorstellung der symbolischen Adoption der Eleven durch den Herzog stören.
Als Friedrich vom württembergischen Herzog 1773 in seine "Militär-Pflanzschule", die Karlsschule, beordert wird, wo ein Theologiestudium nicht möglich ist, lösen sich die beruflichen Zukunftspläne von Vater und Sohn bald in Luft auf. Trotzdem versucht der Vater alles, um seinem Sohn das Kommende zu ersparen. Er wird zweimal beim Herzog vorstellig, um die Sache seines Sohnes, ohne Erfolg freilich, zu vertreten. Gegen seinen und den Willen seines Sohnes muss er Friedrich schließlich an der Karlsschule in die Hände des Herzogs geben. Was sich im Vorfeld seines Einritts in die Karlsschule ereignet, hat das Bild Friedrichs von seinem Vater stark beeinflusst und dieses Bild im Laufe der Zeit immer mehr verklärt. (vgl. Safranski 2004, S.23) Dabei hat Friedrich die väterliche Autorität indessen nie in Frage gestellt. Die ehrfürchtige Verehrung, die er seinem Vater zeitlebens entgegenbringt, rührt aber auch daher, dass sich sein Vater, als der Herzog nach ihm greift, schützend vor seinen Sohn stellt. Friedrich will nämlich seit seinem Lateinunterricht bei dem von ihm bewunderten Pastor Moser in Lorch Theologie studieren und wird in diesem Wunsch von seinem Vater und seiner Mutter entschieden unterstützt, so dass sein Weg vorgezeichnet zu sein scheint: "Klosterschule, Stift, ein geistliches Amt" (Lahnstein 1981, S. 41) Das entspricht dem ausgeprägten ökonomischen Versorgungsdenken des Vaters und ist in einer Zeit, in der das kulturelle und gesellschaftliche Leben noch stark von kirchlichen Einflüssen geprägt ist, nichts Außergewöhnliches. Was auf den ersten Blick der Soldatennatur des Vaters zu widersprechen scheint, erklärt sich doch aus der Tatsache, dass Johann Caspar eine geistliche Karriere in seiner Jugend auch angestrebt haben mag. Ebenso wichtig jedoch ist auch die Tatsache, dass das Erreichen eines statusträchtigen geistlichen Amtes dem gleichen sozialen Aufstiegswillen entspricht, dem der Vater stets gefolgt ist. In diesen Kreisen pflegt man, insbesondere in  Württemberg, einen Standesstolz und ein Elitebewusstsein, das auf dem hohen intellektuellen Niveau der Klosterschulen und Predigerseminare des Landes basiert. Und: "Bei der Vergabe von Kirchenämtern entschieden nicht allein Herkunft und Tradition, sondern auch Leistungskriterien wie Examensnoten, Begutachtungen und Qualität der besuchten Lehrinstitute." (Alt Bd. I, 2004, S. 51) Diese bürgerliche Sicht der Dinge muss dem Emporkömmling bürgerlicher Herkunft Johann Caspar umso mehr gefallen, je mehr er sich im Warten auf seinen noch immer ausstehenden Sold innerlich in Groll verzehrt und dabei täglich die Prasserei und Verschwendungssucht des adeligen Hofes vor Augen hat. Dazu erbittert ihn noch die Arroganz mancher adeliger Offiziere, die er gerne als "vornehmen Pöbel" bezeichnet (vgl. Lahnstein 1981, S. 31)
Friedrichs erzwungener Eintritt in die Karlsschule zieht nicht nur einen Schlussstrich unter die beruflichen Zukunftspläne von Eltern und Sohn, sondern entzieht den Dreizehnjährigen fortan ganz bewusst dem elterlichen Einfluss. Gerade in den oft kritischen Jahren seines Heranwachsens in der Adoleszenz, in der die Kinder in der Pubertät zu Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen reifen, gerät Friedrich damit in eine Anstalt, die den "totalen Freiheitsentzug" zum Erziehungsprinzip erklärt (vgl. ebd., S.48). Was sich am 16. Januar 1773, dem Tag seiner Übergabe an den Intendanten der Karlsschule, die in einem Nebenflügel des Karlsschlosses untergebracht ist, nach dem tränenreichen Abschied von der Mutter, in dem Jungen vorgegangen sein mag, ist unschwer zu ergründen. Es fällt ihm schwer, in seiner traurigen Benommenheit, jene  "männliche Fassung" zu bewahren, die ihm das herrschende Modell von Maskulinität eigentlich abverlangt. In jedem Fall erlebt der Junge diesen Tag wie im Schock, in einem Wechselbad der Gefühle zwischen Angst und verstohlenem Trotz (vgl. ebd., S.52, vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 89). Der Vater, der der gesellschaftlichen Konvention entsprechend, das Kommende wohl eher emotionslos betrachtet haben mag oder nur innerlich verärgert über den Willkürakt des Herzogs gewesen sein mag, hat mit dem militärischen Drill der Erziehungsdiktatur, die auf den Sohn in den folgenden Jahren zukommt, als Soldat sicher wenig Probleme. Auch wenn er den Sohn fortan kaum mehr zu Gesicht bekommen soll, weiß er ihn doch, gesellschaftlich betrachtet, in den besten Händen. Und solange der soziale Aufstieg des Sohnes als Absolvent der Karlsschule für die Zukunft gesichert zu sein scheint, ist es auch für ihn zu ertragen, dass sich Herzog Carl Eugen in einem symbolischen Adoptionsakt zum "neuen" oder zumindest zweiten Vater Friedrichs wie aller anderen Karlsschüler erklärt. "Kein Cavalier noch Eleve", so steht es in einem herzöglichen Befehl dieser Zeit, " wird aus dem Hauss gelassen, es wäre denn, dass Vater oder Mutter tödtlich wäre, alsdann selbiger mit einem Offizier und einem Aufseher dahin zu schicken ist." Und einem Schüler, der selbst zu seinem im Sterben liegenden Vater nicht reisen darf, erklärt er unumwunden: " Tröst Er sich, Ich bin sein Vater -" (zit. n. vgl. Lahnstein 1981, S.48) Herzog Carl Eugen lässt sich diese Praxis auch durch den  Geheimrat und Staatsrechtler Gottfried Daniel Damm von der Universität Tübingen bestätigen, der dem Herzog mit staatsrechtlicher Begründung bescheinigt, "dass die Freiheit des Souveräns, die Bildungswege seiner jüngsten Untertanen zu steuern, möglich Ansprüche der Eltern aufhob". (Alt Bd. I, 2004, S. 137) Dem privaten bürgerlichen Erziehungskonzept wird damit durch das öffentliche, vom Konzept staatlicher Vormundschaft über die Untertanen ausgehende Erziehungsprivileg des Herzogs die Legitimationsgrundlage entzogen.
Wie von den Eltern aller Karlsschüler verlangt, erklären Friedrichs Eltern am 23.9. 1774 daher schriftlich in einem Revers, der in diesem Jahr erstmalig den Eltern der Karlsschüler zur Unterschrift vorgelegt wird,  dass sie ihren Sohn zum Dank für die ihm zuteil gewordene Ausbildung ganz den herzöglichen Diensten überlassen. Als Gegenleistung ist in dem Revers eines Anstellungsgarantie in herzöglichen Diensten festgeschrieben (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 83, 91, s. Abb.)
Die bewusste Entfremdung der Eleven von ihren Eltern durch das herzogliche Erziehungskonzept führt in der Folge dazu, dass Friedrich Schiller in den Karlsschuljahren seine Eltern, insbesondere aber seinen Vater,  nur wenig zu Gesicht bekommt. Die Regeln, die für solche Kontakte vorgesehen sind, verlangen, vor einem Besuch einen schriftlichen und gut begründeten Antrag der Eltern. So bekommt Friedrich vom weiteren Familienleben mit seinen Höhen und Tiefen nur noch per Brief etwas mit oder bei Besuchen der Mutter, die wie die anderen Mütter der Zöglinge offenbar auch, so Karoline von Wolzogen in ihrer Schiller-Biographie aus dem Jahre 1830, sonntags mit den jüngeren Schwestern Friedrichs zu Besuch kommen darf. Für den jungen Schiller bedeutet diese erzwungene und zugleich abrupte Ablösung von seinem Elternhaus und seiner vertrauten Umgebung eine traumatische Erfahrung, die, literarisch verarbeitet, an vielen Stellen seines späteren Werkes als Motiv der verlorenen Kindheit wiederkehrt. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 89)
Vielleicht ist Johann Caspar aber auch erst dann innerlich wieder mit seinem Herzog versöhnt, als er drei Jahre nach dem Eintritt Friedrichs in die Karlsschule zum Intendanten der Hofgärtnerei befördert wird. Sein Interesse an Ökonomie und und seine Kompetenz in land- und forstwirtschaftlichen Dingen, das sich schon in den 1767 beim Hofbuchdrucker Cotta erschienenen "Betrachtungen über Landwirtschaftliche Dinge" niederschlägt, ist dem Herzog, der ein ausgesprochener Liebhaber großer Parklandschafen ist, natürlich nicht verborgen geblieben. (vgl. ebd., S. 34, 74) Hier in der Baumschule findet "dieser Mann die Erfüllung seines Lebens" (Lahnstein 1981, S. 16) Endlich, mit 52 Jahren, scheint Johann Caspar gefunden zu haben, was ihn wirklich interessiert. Zugleich ist er auch an der Stelle angelangt, an der er seinem Herzog, der wegen seiner barocken Verschwendungssucht chronisch in Geldnöten ist, am besten dienen bzw. nützlich sein kann. Vor allem seine erfolgreiche Baumschule bringt nämlich dem Herzog erkleckliche Geldsummen ein. Mit Stolz weist er nach, dass er Zehntausende von Bäumen für Chausseen und Parks herangezogen und geliefert hat, und seine rationelle Art Obstbäume heranzuzüchten, die er auch zum Teil publizieren kann, macht ihn weit über die Grenzen hinaus bekannt (vgl. Buchwald 1959, S.55) So erwirbt sich Johann Caspar mehr und mehr die Gunst seines Landesherrn, der seinem stets loyalen und pflichtergebenen Diener auch in schwierigeren Zeiten, nach der späteren Flucht Friedrichs nach Mannheim (1782), die Gunst nicht mehr entzieht, die ihn spätestens nach seinem Wechsel auf die Solitude 1775 zu einem seiner Favoriten gemacht hat. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 137, 139) In den Jahren auf der Solitude, die nun folgen, tritt Johann Caspar auch wieder als Autor von Fachbüchern in Erscheinung, in denen er sich mit Ackerbau, Viehzucht und Weinkultur beschäftigt. Für seinen Ansatz kennzeichnend ist dabei eine rein ökonomischen Kriterien unterworfene Betrachtung der Natur. Darauf liegt auch der Schwerpunkt seiner Schriften über die Baumpflege und Baumzucht, darunter die erst auf Vermittlung seines Sohnes Friedrich bei Salomo Michaelis in Neustrelitz herausgegebene, systematisch angelegte Abhandlung "Die Baumzucht im Großen aus zwanzigjährigen Erfahrungen im Kleinen". Mit der ihm eigenen pedantischen Akribie beschreibt Johann Caspar darin die Zucht und Kultivierung von Obstbäumen verschiedenster Art, listet die Erlöse auf, die bei ihrem Verkauf zu erzielen sind, befasst sich mit Düngungs- und Bewässerungsmethoden und der Schädlingsbekämpfung. (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 74)
Bis zu seinem Tod am 7. September 1796 erfüllt Johann Caspar Schiller die Aufgaben seines Amts mit eiserner Disziplin und - seiner hinlänglich bekannten Pedanterie.  Er ist zuständig für Personal und Organisation des ganzen Betriebes, überwacht Gärtner, Tagelöhner und Handwerker, kontrolliert z. B. Düngung und Bewässerung, inspiziert die Treibhäuser in der Orangerie, macht die Buchführung und berichtet dem Herzog in regelmäßigen Abständen über alles. Wenn es ihm nötig erscheint, setzt er sich auch mit aller Macht durch. So ist sein Verhalten als Vorgesetzter der Hofgärtnerei gegenüber den Fronarbeit leistenden Bauern häufig auch von der gleichen Rücksichtslosigkeit gekennzeichnet, die er schon als Kompaniechef gezeigt hat. Ohne daran zu denken, dass die Bauern auch ihre eigenen Felder bewirtschaften müssen, fordert er von Mensch Tier oft mehr als diese zu leisten in der Lage sind. (vgl. Buchwald 1959, S.56f.)
Als Friedrich nach Abschluss seiner Militärakademiezeit im Dezember 1780 nur als Regimentsmedicus in Feldscheruniform dem Grenadierregiment Augé zugeteilt wird, das in Stuttgart kaserniert ist, erleben Vater und Sohn eine bittere Enttäuschung. Sowohl Vater wie Sohn waren sich der Sympathie und Gunst des Herzogs sicher und schenkten seinem Versprechen, eine gute "Versorgung" Friedrichs zu schaffen, Glauben. Nun müssen sie enttäuscht zur Kenntnis nehmen, dass der frischgebackene Absolvent der Hohen Karlsschule, wie die Akademie nach ihrem Umzug nach Stuttgart genannt wird, seinen Dienst bei dem Militärregiment anzutreten hat, das in dem Ruf steht, "der erbärmlichste Haufen unter dem ohnedies wenig ansehnlichen württembergischen Militär" zu sein und in dem, wie man sagt, nur Leute dienen, "die man anderswo hatte los werden wollen" (Lahnstein 1981, S.84) Das Ganze gar für den miserablen Lohn von gerade mal 18 Gulden pro Monat, von denen man kaum leben kann. Es lohnt sich diese Zahl ins Verhältnis zu setzen: Europa berühmtester Tänzer Gaetano Vestris erhält für sein Dreimonatsengagement in Ludwigsburg 12.000 Gulden, ein einziges, der dauernden Feuerwerke, die Herzog Carl Eugen abfeuern lässt, kostet allein 50.000 Gulden, eine Liste, die sich angesichts der Verschwendungssucht des Herzogs beliebig erweitern ließe (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 35)
Nicht nur dass Friedrich damit auch weiterhin auf die finanzielle Unterstützung seines Vaters angewiesen ist, resultiert daraus, sondern dass der Sohn am Ende seiner Ausbildung in einer der angesehensten Schulen ihrer Art in Deutschland, beruflich gerade mal das erreicht, was der Vater als einfacher Klosterbarbiergeselle erreicht, lastet auf Vater wie Sohn gleichermaßen, vielleicht sogar auf dem Vater noch mehr. Er fürchtet, dass seine eigene, im Großen und Ganzen doch erfolgreich verlaufene Aufsteigerbiographie dem Sohn versperrt bleiben könnte. Und der Sohn: Seine Hoffnungen, den Vater einstmals zu übertreffen, scheinen ein für alle Mal zerplatzt. Mehr noch: Beide empfinden es wohl schon als eine Art Demütigung, dass sie für einen solchen Platz im herzöglichen Staatsgebilde, gegen den ein Einspruch oder gar Widerrede nicht möglich ist, dem Herzog zur Danksagung dafür sogar noch ihre Aufwartung machen müssen. (vgl. Safranski 2004, S.122)
Immerhin nach Jahren der erzwungenen Entfremdung kommt es jetzt wieder häufiger zu persönlichen Begegnungen Friedrichs mit seiner Familie, die etwa Stunden Fußmarsch von ihm entfernt auf der Solitude wohnt. Aber auch für solche Besuche muss er um Urlaub nachsuchen. Johann Caspar, seine Frau Dorothea und die Schwestern erhalten in den folgenden knapp eineinhalb Jahren häufiger einmal Besuch von ihrem Sohn, der nicht selten Freunde mitbringt. Gemeinsam genießen sie den unbegrenzten Blick von ihrer Wohnung über den Orangengewächshäusern in die weite Umgebung und den Duft der Orangenblüten. Sämtliche Freunde sind dabei von der warmen Gastfreundschaft von Friedrichs Mutter Dorothea angetan, erleben aber auch seinen Vater Johann Caspar als durchaus angenehmen und wissbegierigen Gastgeber, insbesondere dann, wenn er die Gelegenheit nutzt, aus seinem abenteuerlichen Leben zu erzählen. (vgl. Lahnstein 1981, S.87)
Im Sommer 1782 wird Friedrich Schiller wegen seiner nicht genehmigten zweiten Reise nach Mannheim, wo mittlerweile sein Drama "Die Räuber" seit dem 13. Januar des gleichen Jahres auf dem Spielplan des Theaters steht, zum Herzog zitiert, dem man erst im Juni die Angelegenheit zugetragen hat. Von der ersten heimlichen Reise zur Uraufführung weiß er indessen nichts. Es ist zugleich die letzte persönliche Begegnung Friedrich Schillers mit dem Herzog. Sicherlich weiß auch Johann Caspar davon. Was sich genau in dieser Audienz abgespielt hat, weiß man nicht. Was die Quellen darüber hergeben, ist sehr widersprüchlich, gut möglich allerdings, dass der Herzog auch mit der Amtsenthebung von Johann Caspar gedroht hat. (vgl. Damm 2004, S.166)
Wegen dieses Vorfalls wird Friedrich Schiller zwei Wochen inhaftiert und bekommt vom Herzog zudem ein Schreibverbot erteilt, Grund genug für Schiller sich zur Flucht aus Württemberg zu entscheiden. Dabei st er sich klar, dass der Herzog Himmel und Hölle in Bewegung setzen wird, um des Deserteurs wieder habhaft zu werden. Zugleich muss er auch damit rechnen, dass der Herzog, der für seine persönliche Rachsucht in solchen Fällen bekannt ist (vgl. Alt Bd. I, 2004, S. 29) seinen Vater dafür ebenso in Ungnade fallen lassen wird. Um dem Vater wenigstens die Möglichkeit zu lassen, reinen Gewissens jede Mitwisserschaft an der Flucht seines Sohnes zu bestreiten, weiht er im Vorfeld nur seine Schwester Christophine in sein Vorhaben ein, ehe er am 22. September 1782 mit seinem Freund Andreas Streicher von Stuttgart nach Mannheim flieht. (vgl. Safranski 2004, S.139) Es ist wohl eine Mischung aus Eigennutz, Gnadenerweis und Begünstigung sowie Anerkennung der unzweifelhaften Loyalität Johann Caspars, dass der Herzog dem Vater des Deserteurs auch weiterhin gewogen bleibt. (vgl. ebd. S. 137, 139) Nach der Flucht seines Sohnes zeigt sich der Vater in mehreren Briefen nach Mannheim und Leipzig so hart, wie er es manchmal sein kann, wenn er den Eindruck hat, dass "sein Streben nach materieller Sicherheit und geordneten Lebensverhältnissen" missachtet wird. (Alt Bd. I, 2004, S. 69) Dass Friedrich aus Württemberg flieht und sich den Theaterleuten anschließt, geschieht ausdrücklich gegen den erklärten Willen des Vaters, "der ihm rät, in der vom Herzog vorgezeichneten Laufbahn eines Mediziners zu bleiben." (Safranski 2004, S.24) So spürt der Vater wohl auch kaum heraus, dass er damit Schuldgefühle bei seinem Sohn erzeugt, der sich, seiner eigenen Auffassung nach, gerade erst anschickt, mit dem gleichen Ehrgeiz seine Ziele zu verfolgen, wie es auch Johann Caspar selbst stets getan hat und tut. Unter diesen Vorzeichen fällt es dem Sohn natürlich schwer, seinem Vater zu beweisen, dass mehr als nur ein schlecht bezahlter Regimentsmedicus in ihm steckt. Johann Caspar Schillers Skepsis, was die Zukunft seines Sohnes anbetrifft, ändert sich so schnell nicht. Die massiven Vorwürfe, die er seinem Sohn macht, werden noch schlimmer als sich die finanziellen Verhältnisse des Sohnes noch verschlechtern. "Ich hab ihn treulich dafür gewarnt," lässt er seinen Sohn in einem seiner Briefe wissen, "ihm die beste Anweisung gegeben, allen Aufwand, der sein Einkommen übersteigt, zu vermeiden, um sich in keine Schulden zu verwikeln ..." (zit. n. Damm 2004, S.170) Das Leben eines freien Schriftstellers, für den Sohn "ein Experiment mit ungewissem Ausgang", stellt sich für den Vater als zu laxer Umgang mit Geld, als anhaltendes Über-seine-Verhältnisse leben dar und Friedrichs "selbstverständliche Annahme, der Vater werde für ihn gegenüber seinen Stuttgarter Gläubigern eintreten" ist für Johann Caspar mehr als eine reine Geduldsprobe. (vgl. Damm 2004, S.170) Hier sieht er sein Lebensmodell mit seiner Geradlinigkeit angegriffen, die ihn als Mensch und Offizier auszeichnet. Aber immerhin: Ein paar Jahre später kann er seine Haltung zu seinem Sohn ändern und neu definieren. Als Friedrich zur Freude seiner Eltern 1783 wieder nach Mannheim zieht, wo er einen Ein-Jahres-Vertrag als Theaterdichter unterschrieben hat, ist Johann Caspar, auch wenn ihm Theaterstücke seines Sohnes gefallen, zwar weiterhin der Meinung, dass er damit nur in England sein Glück machen könne, in Deutschland aber derentwegen ständig auf der Hut sein müsse, "um nicht in die Nachstellung  eines oder des anderen Fürsten ... zu fallen" (zit. n. Safranski 2004, S. 184), zeigt er sich wieder verständnisvoller und gibt damit , wie Sigrid Damm (2004, S.170) meint, eine "berührende Solidaritätserklärung" ab. Ob Friedrich, der sich zu diesem Zeitpunkt sehr optimistisch zeigt, seinen Vater wirklich beruhigen konnte, lässt sich nicht sagen, immerhin: er versucht es. An eine persönliche Begegnung mit den Eltern auf heimischem Boden ist zu dieser Zeit, da Friedrich Schiller als Deserteur gilt, natürlich nicht zu denken. Dennoch nimmt der Vater aus der Distanz noch in Grenzen Anteil am Leben seines Sohnes. Als diesem z. B. 1783 nachgesagt wird, er wolle die Schauspielerin Katharina Baumann heiraten, will er wissen, wie ernst Friedrich das ist. Und als Ende August 1784 Friedrichs Vertrag in Mannheim ausläuft und ihm sogar der Schuldturm droht, versucht ihm sein Vater noch einmal unter die Arme zu greifen, ist aber dafür finanziell überfordert. Friedrich hat zu diesem Zeitpunkt noch beträchtliche Schulden, die aus den Druckkosten des im Selbstverlag herausgegebenen Dramas "Die Räuber" und des "Almanachs" entstanden waren. Hinzu kommt noch, dass man ihn verdächtigt, mit bei der Kreditaufnahme mit unsauberen Geschäften zu tun gehabt zu haben. Auch besteht für Johann Caspar durchaus die Gefahr, auch noch in die Angelegenheit hineingezogen zu werden, da er auch für seinen Sohn gebürgt hatte. In Briefen an Friedrich verschafft er sich Luft und macht ihm desshalb heftige Vorwürfe. Von den entschuldigenden Einlassungen Friedrichs will er nichts wissen und hält diesem unumwunden vor, "dass er in alle seine Verlegenheit nicht gekommen wäre, wenn er hier geblieben wäre, und dass er überhaupt glücklicher, mit sich selbst zufriedener und in der Welt brauchbarer wäre, wenn er mehr in der Mittelstraße hätte bleiben und nicht Epoche hätte machen wollen." (zit. n. Safranski 2004, S. 200) Folgerichtig lehnt Johann Caspar, der auf einen Hilferuf seines Sohnes nur 2 Louisdor schickt, am 23.9.1784 jede weitere finanzielle Unterstützung seines Sohnes ab. (vgl. Wais 2005, S. 61). Trotzdem reißt das Band zwischen Vater und Sohn nicht gänzlich ab. Ende der achtziger/Anfang der neunziger Jahre überwindet Johann Caspar die Vorwurfshaltungen gegenüber seinem Sohn. In seinem Brief zum 32. Geburtstag seines Sohnes Friedrich im November 1791 bekennt der Vater, "dass er zu wenig Vertrauen in den Weg seines Sohnes gehabt habe; mehr Furcht als Hoffnung sei in ihm gewesen. [...] Bringt die Sorge um die Gesundheit des Sohnes den Vater dazu, sind es andere Gründe? Was immer es sei, es ist ein erstaunlicher Brief, weil der autoritäre, in seinen eigenen Lebensbahnen gefangene Mann über seinen Schatten springt, dem Sohn gegenüber eine Art Abbitte leistet, um Versöhnung bemüht ist.
Er gesteht offen ein - das ist das Kernstück des Briefes - , dass die Absichten des Sohnes über seinen horizont hinausgegangen seien. Das heißt, er respektiert dessen anderen, von seinem eigenen so verschiedenen Weg." (Damm 2004, S.170f.) Auch wenn sich darin Johann Caspars Fähigkeit zur selbstkritischen Reflexion zeigt, belastet ihn das Ganze auch emotional. Zu wissen, dass er dem Sohne lange nicht vertraut hat, ihn mitunter vor den Kopf gestoßen und auch zurückgestoßen zu haben, macht ihm zu schaffen, auch wenn er sich selbst für schuldlos hält, und dies, wie er selbst sagt, "vornehmlich deswegen, weil ich ihn zur Erreichung seiner über meinen horizont gegangenen Absichten, niemals unterstützen konnte." (zit. n. Damm 2004, S.171)

Erst 11 Jahre nach der Flucht Friedrich Schillers wird es,  zum 70. Geburtstag seines Vaters (1793),  ein persönliches Wiedersehen mit dem Vater geben, der in Begleitung von Friedrichs jüngerer Schwester Luise mit offizieller Genehmigung des Herzogs in die Freie Reichsstadt Heilbronn reist und seinen Sohn vom 9. bis 10. August 1793 im Gasthof "Zur Sonne" besucht. Vom  September des gleichen Jahres an kann Friedrich, der in Begleitung seiner hochschwangeren Ehefrau bis zum 6. Mai 1794 im württembergischen Ludwigsburg, vom 15. 3.94 an in Stuttgart wohnt, die elterliche Familie häufiger sehen. Eine bemerkenswerte Vision der Begegnung von Vater und Sohn lässt Sigrid Damm in ihrer einzigartigen Schiller-Biographie vor ihren und unseren Augen als Leser entstehen. "Ich sehe," notiert sie, " Vater und Sohn auf der Solitude Seite an Seite durch Gewächshäuser, Gartenanlagen und Obstplantagen gehen. Den fast Siebzigjährigen und den Dreiunddreißigjährigen, den kleinen, rundlich gewordenen Vater, neben ihm den schlanken, hochgewachsenen Sohn, sechs Fuß zwei Zoll, 1 Meter 81 Zentimeter groß. Was haben sie sich zu sagen nach den elf Jahren?[...] Spricht der Vater vom Okulieren, vom Baumschnitt, Bewässerungs- und Düngungstechniken, von seinen Publikationen zu diesem Thema? [...] Ein möglicher Gesprächsstoff zwischen Vater und Sohn. Der Vorteil ist auf seiten des Vaters, denn von organischen Dingen, von Pflanzen versteht der Sohn nicht viel; nie hat er sich dafür interessiert;
Aber er engagiert sich verlegerisch für seinen Vater. Im Jahr des Wiedersehens lässt er eine kleine Denkschrift Johann Caspars über Techniken der Baumpflege auf eigene Kosten in Jena drucken und durch seinen Leipziger Verleger Göschen vertreiben. [...]
Vater und Sohn verlassen die Wege durch die Baumreihen, haben die Weite vor sich. Ihr Blick von der auf einer Anhöhe liegenden Schlossanlage Solitude hinunter nach Ludwigsburg.
Vielleicht hier die Erinnerung an jenen 16. Januar 1773." (Damm 2004, S. 172f.)
Friedrich Schillers enthusiastische Begrüßung durch vierhundert Schüler der Hohen Karlsschule im November 1793, die nach dem Tod Herzog Carl Eugens von Württemberg am 24. Oktober 1793 vor der Auflösung steht, mag dabei auch dem Vater eine späte Genugtuung gewesen sein. (vgl. Safranski 2004, S.379)
Als sein Sohn, von seiner langwierigen Krankheit längst gezeichnet, im Frühjahr 1794 vor dem herannahenden Krieg mit seiner kleinen Familie, die ihn begleitet, überstürzt aus Ludwigsburg abreisen will, wird das Vorhaben durch eine Nachricht unterbunden, die das weitere Schicksal der väterlichen Familie zwar nicht existenziell bedroht, die psychische Gesundheit des Vaters jedoch sehr anzugreifen scheint: Der neue Herzog beabsichtigt eine Zeit lang, die Baumschule auf der Solitude, und damit das Lebenswerk Johann Caspar Schillers aufzugeben und zu beseitigen. Aus diesem Grund verschiebt sein Sohn Friedrich die Abreise und zieht stattdessen am 15. März 1795 für weitere zwei Monate nach Stuttgart, um der Dinge zu harren, die sich aber dann doch letzten Endes wieder zum Guten wenden: Sein Vater kann weitermachen und wird sogar noch zum Major befördert. (vgl. ebd., S.380) Am 6. Mai des gleichen Jahres reist Friedrich mit seiner Frau Lotte und seinem etwa halbjährigen ersten Sohn Karl Friedrich Ludwig (geb. 14.9.1793 in Ludwigsburg) nach Jena zurück, wo er am 14. Mai 1795 wieder eintrifft. Als er sich von seinen Eltern verabschiedet, ahnt er schon, dass es kein Wiedersehen mehr geben wird, auch wenn sich der Vater fürs kommende Jahr vornimmt, auf eigenem Pferd zu seinen Kindern nach Meiningen und Jena zu reiten. Doch daraus wird nichts: Am 29. Februar 1796, einen Monat vor ihrem eigenen tragischen Tod, teilt die Schwester Christiane (=Nanette) ihrem Bruder Friedrich Schiller in einem Brief die schwere Erkrankung des Vaters mit (vgl. Wais 2005, S.211), an der Johann Caspar am 7. September 1796 stirbt, ohne seinen Sohn noch einmal gesehen zu haben. (vgl. Safranski 2004, S.382) Friedrich erfährt dies erst zwölf Tage später und verzichtet zugunsten seiner Mutter Dorothea aus sein Erbteil (vgl. Wais 2005, S. 220) Dorothea darf mit ihrer noch unversorgten Tochter danach ab der Jahreswende 1796/97 im Leonberger Schloss wohnen. Dort erhält sie freie Wohnung und eine Pension von hundert Gulden, halb in Bargeld, halb in Naturalien. (vgl. Sting 2005, S.547)
Auch im späteren Leben bleibt der Vater Johann Caspar eine der wichtigsten Personen für Friedrich Schiller. Vielleicht liegt dies, sieht man einmal von den (früh-)kindlichen Prägungen ab, auch daran, dass Johann Caspar, wie sein Biograph Buchwald (1959, S.56) betont, sein Leben lang Irrtümer habe zugeben können. In der Familie Schiller seien nach der Flucht des Sohnes alle Bedingungen zu einem dauerhaften und nicht mehr lösbaren Vater-Sohn-Konflikt gegeben gewesen. Der Vater habe seinem Sohne damals vorgeworfen, dass er durch eigene Schuld sich nicht herausfinde. Wie er das tat und wie er später offen darüber gesprochen hat, dass der Sohn im Rechte gewesen war, […]“ (ebd., S. 58), zeige seine Fähigkeit zur selbstkritischen Reflexion auf. Und diese sei zugleich die Voraussetzung dafür gewesen, "dass das Verhältnis zu einem so ganz anders gearteten Sohn so schön ausklang, wie dies geschehen ist.“ (Buchwald 1959, S.56)

In einem Brief an seine Schwester Christophine notiert er am 19. Juni 1780 unter dem Eindruck des Todes eines seiner engsten Freunde, August von Hoven: "Ich habe das Glück vor vielen Tausenden, (das unverdiente) Glück den besten Vater zu haben." (zit. n. Safranski 2004, S.24). Von ihm, der sich ehrgeizig und beharrlich stets nach oben gearbeitet hat, so sieht er es bald, rührt auch sein Ehrgeiz. Ihn zu übertreffen; höher zu steigen als er, ist einer seiner Antriebe. Und doch geschieht dies im Bewusstsein der Achtung vor dem, was der Vater erreicht hat, gerade deshalb "will er ihn überbieten", will er triumphieren in der väterlich bestimmten Welt, deren Ordnung er internalisiert hat. (vgl. ebd., S.23f.)

© Gert Egle, teachSam - 29.09.2013

  
   
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