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Klassifikationsmodelle von Textsorten

Textinterne und textexterne Kriterien

Linke/Nussbaumer/Portmann 1994


Wie und nach welchen Kriterien einzelne Texte bestimmten Textsorten wissenschaftlich zugeordnet werden können, ist umstritten. Dennoch lassen sich Kriterien finden, die zur Textsortenklassifikation (= Zuordnung von Texten zu Textsorten) herangezogen werden können.

Der kommunikationsorientierte Ansatz von Linke/Nussbaumer/Portmann rückt den alltäglichen Umgang mit Texten und Textsorten in den Blickpunkt seines Interesses. Seine pragmatische Forschungsperspektive geht davon aus, dass wir beim Umgang mit Texten über ähnliche Kompetenzen und Intuitionen verfügen wie beim Umgang mit Sätzen.

Daraus wird gefolgert:

  • Textsortenbestimmungen werden im alltäglichen Leben automatisch (häufig auch intuitiv) vorgenommen.

  • Jeder hat ein bestimmtes Wissen über bestimmte Textbaumuster und Textstrukturen.
    (vgl. Linke u .a. 1994,S. 248)

     

Klassifikationskriterien für Textsorten - Textsortenmerkmale

textinterne Kriterien

textexterne Kriterien

 

an die Textoberfläche gebunden

an die Text-Tiefenstruktur gebunden

lautlich-paraverbale bzw. graphische Ebene

  • Signale, die die Zugehörigkeit zu einer Textsorte erkennen lassen (z. B. Nachrichten oder Morgenpredigt im Radio; Handschrift oder Maschinenschrift)

Themenbindung und Themenverlauf

  • unterschiedliche Erwartungen über die Entfaltung des Themas in verschiedenen Textsorten (z. B. wissenschaftlicher Vortrag oder Liebesbrief)

Textfunktion

  • Informations-, Appell-, Obligations-, Kontakt- und Deklarationsfunktion  (z. B. Zeitungsnachricht, Werbeanzeige, Vertrag, Kondolenzbrief, Testament (Brinker 2001, S. 108-124)

Wortwahl

  • bestimmte "Schlüsselwörter" für bestimmte Textsorten (z. B. "strichweise Niederschläge" = Wetterbericht; Adjektive bei einer Heiratsanzeige u. ä.)

Thema

  • unterschiedliche Themen, z. T. im Titel von Texten (z.B. Kriegsbericht, Abenteuerroman, Geburtsanzeige)

Trägermedium

  • z.B. Brief, Telegramm, Zeitung, Webseite,

Art und Häufigkeit von Satzbaumustern

  • Tendenz zu Nominal- und Partizipialkonstruk-tionen (z. B. in Gesetzestexten)

Textstrukturmuster

  • textsorten-spezifische Gliederungs- oder Baustruktur

Kommunikationssituation
(auch: Textkonstellation)

  • Zeit, Ort, aktuelle Umstände

  • Öffentlichkeitscharakter der Situation

  • sozialer Status der Kommunikationspartner

  • Vorwissen der Kommunikationspartner

  • Bekanntheitsgrad der Kommunikationspartner

  • ...

(nach: Linke u .a. 1994,S. 248ff., ergänzt)

 

      
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