Im 18.
Jahrhundert gab es an den •
Höfen ebenso wie in den • Städten noch vergleichsweise wenige
• feste und dauerhafte
Spielstätten für das Theater. Es gab vor allem
• Wanderbühnen/-truppen,
die von Stadt zu Stadt und von Hof zu Hof zogen und eine geringe
Zahl von •
Hoftheatern, die neben
Theatervorführungen unterschiedlicher Art präsentierten.
Die •
Hoftheater waren zunächst
einmal eine Welt für sich. In ihnen wurden wie auch in den
Freilicht- oder Gartentheatern höfischer Gärten vor allem Opern
und Singspiele gezeigt, mit der sich die adelige Gesellschaft
vergnügte. Aber auch »Possen,
»Harlekin-
und »Hanstwurstiaden
verschmähte die feine Gesellschaft keineswegs. Gewöhnlich hatte
nur die höfische Gesellschaft Zugang zu den Veranstaltungen,
manche, vor allem Operngebäude, die für zum Teil für mehr als
2.000 Besucher ausgelegt waren, öffneten ihre Tore aber auch für
das gebildete Publikum der Residenzstädte.
Die
•
Wandertruppen spielten,
was beim Publikum ankam: Possen, Stegreifstücke, die vor allem
der Unterhaltung ihres Publikums dienten, von dessen
Eintrittsgeldern sie lebten. Aber nicht allen war danach, Zoten,
moralisch zweifelhafte Anzüglichkeiten und derbe Späße quasi vom
Band zu präsentieren. So gab es auch Wandertruppen, die ein
anspruchsvolleres Programm gestalteten (z. B. die
Ackermann'sche oder die
Neuber'sche Truppe), auch wenn sie immer wieder Konzessionen
an den Publikumsgeschmack machen mussten.
Gegen Ende des
18. Jahrhunderts öffneten manche •
Hoftheater oder eben
Theater, die sich dazu noch als Nationaltheater bezeichneten, ihre Pforten für
ein
breiterer bürgerliches Publikum (z. B. das »Königliche
Nationaltheater in Berlin auf dem
Gendarmenmarkt (1786). Es gab eine Art
Nationaltheaterbewegung, die bis zum Endes Jahrhunderts zur
Gründung etlicher Theater führte, die sich als »Nationaltheater
bezeichneten. Sie besaßen im Allgemeinen ein festes Theaterensemble,
das sich aus Mitgliedern der
• Wanderbühnen/-truppen
zusammensetzte, von denen meisten in den Hof- und
Nationaltheatern aufgingen.
Die Bezeichnung
Nationaltheater könnte dabei viel oder weniger bedeuten. Manche
verbanden damit ambitionierte Vorstellungen zur Entwicklung
einer vorwiegend deutschsprachigen Bühne und eine
Professionalisierung der Schauspielkunst, andere begnügten sich
damit nur gewisse Unterschiede zum herkömmlichen Theaterbetrieb
zu akzentuieren.
Das
Bestimmungswort "national" in der Wortzusammensetzung gab dem
Ausdruck zwar eine bestimmte Bedeutung, allerdings bedeutete
"national" in diesem Fall anderes als in unserem heutigen
Sprachgebrauch. National hieß nicht, dass das so bezeichnete Theater quasi eine Art Staatstheater für ganz
Deutschland darstellte. Als gewissermaßen gemeinsamer Nenner
stand das Wort national hier im Grunde dafür, dass das
Theater anderes auf die Bühne bringen wollte als italienische
Opern, Singspiele und französische Dramen, die sich vor allem im
Umfeld von Höfen größter Beliebtheit erfreuten.
In einer Zeit,
in der es noch lange keinen deutschen
Nationalstaat gab, betonte der Begriff damit aber die kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeit, der
unter der mehr oder weniger hohlen Klammer des ▪ "Heiligen Römischen Reiches",
auch Altes Reich genannt, lose zusammengehaltenen Vielzahl vor
allem kleinerer und mittlerer Territorien.

1766 übernahm Johann Friedrich Löwen nach dem Ende von
Ackermanns Theater die Hamburger Oper am Gänsemarkt und
versuchte, durch konzeptionelle und strukturelle Reformen eine
deutsche Nationalbühne zu schaffen. Vor allem setzte er auf ein
deutschsprachiges Theater. In seiner Geschichte des deutschen
Theaters (1766) kritisierte er Missstände, die einer solchen
Entwicklung entgegenstünden: ungebildete Prinzipale, unsittliche
Schauspieler, falsche Mittelverwendung, Operetteneinlagen,
mangelnde Unterstützung durch Fürsten und Städte, religiöse
Vorbehalte und das Fehlen guter Autoren. Als Reformen schlug er
u. a. eine staatliche oder städtische Leitung, eine
Schauspielerakademie, eine Pensionskasse, Autorenförderung und
die Einführung eines Dramaturgen vor. Unterstützt von Lessing (Hamburgische
Dramaturgie) wurden zahlreiche deutsche Stücke aufgeführt,
doch das Publikum bevorzugte bald vorwiegend nur Komödien. Hinzu
kamen finanzielle Probleme, des von Kaufleuten der Stadt
getragenen Theaterprojekts, und interne Konflikte, so dass das
Projekt bereits 1767 scheiterte.
Nach dem
Scheitern des Hamburger Nationaltheaterprojekts mit seiner
bürgerlichen Finanzierung wurde die Idee des Nationaltheaters ab
den 1770er Jahren von Höfen getragen. Hofbühnen wie in
Braunschweig, Mannheim oder Weimar ermöglichten die Uraufführung
zentraler Werke von Lessing, Schiller, Goethe und Kleist,
blieben jedoch stark von fürstlicher Kontrolle geprägt. Fürsten
und Intendanten bestimmten Repertoire und Besetzungen,
politische Themen blieben tabu, und im Sprechtheater dominierten
Rührstücke und Ritterspektakel.
Während
Peter-André Alt (2007) hierin eine teilweise Erfüllung
aufklärerischer Theaterziele sieht, betont Erika Fischer-Lichte
(1993) das vollkommene Scheitern der moralisch-didaktischen
Ansprüche der Aufklärer und die Instrumentalisierung des
Hoftheaters zur Stärkung fürstlicher Autorität. Gleichwohl
eröffnete dieses System Vorteile: Fürsten erhielten ein
Herrschaftsinstrument, Schauspieler sozialen Aufstieg, und das
Bürgertum die Unterhaltung, die es sich vorstellte.
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
03.09.2025