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Errichtung fester Theaterspielstätten in Deutschland

Überblick

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Glossar
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Im Laufe des 17. Jahrhunderts waren überall in Europa und im deutschsprachigen Raum etliche Theater entstanden. Mal wurden dazu schon bestehende »Ballhäuser genutzt (z. B. in Hannover, Schleswig, Gotha, Innsbruck, Bern und Wien), mal wurden »Fechthäuser dazu umfunktioniert (z. B. in • Nürnberg, Ulm oder München) und zumindest zeitweise für Theateraufführungen genutzt.

An anderen Orten wurden auch ganz neue Theaterbauten errichtet, wie z. B. das »Ottoneum in Kassel (1603-1606). Für das • Musiktheater entstanden Opernhäuser in »Dresden (1664-67), »Wien (1666-68), »Hamburg (1677-78), »Hannover (1687-89), »Wolfenbüttel (1688) und »Leipzig (1693) sowie das Kleine Komödienhaus in Dresden (1697). (vgl. Fischer-Lichte 1993/21999, S.45)

Trotzdem gab es am Anfang des 18. Jahrhunderts noch immer nur wenige feste Spielstätten, die ausschließlich für Theatervorführungen gedacht waren und Theaterbauten, wie wir sie heute kennen, gab es in den Städten nicht und relativ selten an den Höfen der Aristokraten.

Hoftheater

An den Höfen der Fürsten waren dauerhafte Theater, die, wenn sie errichtet wurden, meist Teil der jeweiligen Schlossanlage waren, noch selten. Sie standen vor allem den Mitgliedern des Hofs offen und waren, so gesehen, "Privattheater des Königs oder seiner Familie" (Gerlach 2015, Kap. 1: Theater in Preußen)und wurden aus deren "privater" Kasse finanziert. In den Hoftheatern spielten als Liebhaberbühne die Adeligen selbst oder für eine gewisse Zeit engagierte Wandertruppen oder einzelne Berufsschauspieler. (Gerlach 2015, Kap. 1: Theater in Preußen)

Erst 1775 erhielt das »Gothaer Hoftheater als erstes deutsches Hoftheater ein festes Ensemble von Schauspielern. Dort hatte • Conrad Ekhof mit seiner Theatertruppe erreicht, wovon viele andere • Wandertruppen, die aus ihrer sozial geringgeschätzten Rolle als "ehrloses Volk" herauskommen wollten und nach bürgerlicher Reputation strebten, um einen sozialen Aufstieg machen zu können, noch längere Zeit nur träumen konnten. (vgl. Fischer-Lichte 1993, S.107)

Im 18. Jahrhundert bezeichnete "Hoftheater" nicht nur ein prunkvolles Theatergebäude, sondern jede Form von Theater am fürstlichen Hof, die vom Hof finanziert und verwaltet wurde. Geleitet von einem Hofintendanten, engagierte man meist befristet Schauspieler oder • Wandertruppen, die im Sommer oft im Freien, im Winter in großen Innenräumen spielten. Über Spielplan und Personal entschied letztlich der Fürst selbst. Das Hoftheater war Teil • höfischer Festspiele seit dem  • Barock (1600-1720) und diente wie Opern der Repräsentation absolutistischer Macht. Feste Ensembles waren selten; eine Ausnahme war das »Gothaer Hoftheater (1775) unter • Conrad Ekhof.

Häufig traten Hofangehörige als Amateurschauspieler in den Liebhabertheatern auf. Im Laufe des Jahrhunderts entstanden feste Theaterbauten an Residenzen, etwa in München, Schwetzingen, Ludwigsburg, Gotha, Detmold, Mannheim, Bayreuth, Wien und Dresden.

Hoftheater waren wichtige kulturelle Transferstellen, die internationale Künstler, Bühnenbildner, Musiker und Architekten zusammenbrachten. Im Wettbewerb der Höfe waren sie zugleich repräsentative Aushängeschilder und Instrumente zur Demonstration von Macht.

Privattheater und Theater unter städtischer Leitung

Im 18. Jahrhundert gab es auch den in Städten nur wenige feste Theaterbauten. Erste Versuche von Theaterprinzipalen, städtische Behörden zu Neubauten zu bewegen, scheiterten oft, allenfalls war man bereit, • wandernden Theaterkompagnien Räume zeitweise zu vermieten oder zu verpachten.

Ein frühes Beispiel für die Errichtung eines privat finanzierten und betrieben festen Theaters war das »Königsberger Theater (1755) von • Konrad Ernst Ackermann (1712–1771), das jedoch kriegsbedingt schnell schloss; 1765 errichtete er dann ein Komödienhaus in • Hamburg.

Der Kraftakrobat und Prinzipal »Johann Karl Eckenberg (1684-1748) erhielt ein königliches Privileg für Berlin und spielte zunächst erfolgreich im Theater am Stallplatz, verlor aber unter »Friedrich II., dem Großen (1712-1786). an Unterstützung, da dessen Geschmack der von »Johann Christoph Gottsched (1700-1766) propagierten • Literarisierung des Theaters entsprach. Die neue Vorliebe für  • französischen Klassizismus verdrängte Eckenbergs derbe »Stegreifstücke.

Weitere Theatergründungen waren das 1766 von »Heinrich Gottfried Koch (1703-1775) in Leipzig erbaute Comödienhaus sowie Umbauten bestehender Gebäude in mehreren Städten.

Private und städtische Theater waren auf Publikumszuspruch angewiesen und passten ihr Repertoire entsprechend an. Reformtheater wie das der Theaterprinzipalin »Friedrike Caroline Neuber (1697-1760) scheiterten am geringen Interesse des bürgerlichen Publikums, das lieber unterhaltsame Opern, Singspiele oder volkstümliche Darbietungen besuchte.

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 31.08.2025

   
 

 
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