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Errichtung fester Theaterspielstätten in Deutschland

Privattheater und Theater unter städtischer Leitung

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FAChbereich Deutsch
Glossar
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Im 18. Jahrhundert gab es an den • Höfen ebenso wie in den Städten noch vergleichsweise wenige • feste und dauerhafte Spielstätten für das Theater.

Erste Versuche einzelner »Prinzipale, wie man die Leiter*innen der • Wandertruppen bezeichnete, die städtischen Magistrate zur Errichtung fester Spielstätten zu bewegen, scheiterten in den 1730er Jahren in Hamburg und 1751 in Frankfurt.

Später kam es aber durchaus vor, dass Prinzipale, das Bürgerrecht erwerben und auf eigene Kosten Komödienhäuser nach höfischem Vorbild als »Logen- und Rangtheater mit einer »Guckkastenbühne als Spielstätten errichten durften. Anderswo wurden ihnen von der jeweiligen Stadt geeignete Räumlichkeiten vermietet oder verpachtet. (vgl. Fischer-Lichte 1993, S.109) Oftmals wurden solche Theater auch von Aktiengesellschaften geführt.

In den privat finanzierten, öffentlichen Theatern hatten im Gegensatz zum • Hoftheater alle Personen Zutritt, die den Eintritt bezahlen konnten, aus dem sich das Theaterunternehmen finanzierte.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts öffneten auch manche Hoftheater oder eben Theater, die sich als solche bezeichneten, ihre Pforten für das breite Publikum (z. B. das »Königliche Nationaltheater in Berlin auf dem Gendarmenmarkt (1786).

Erst in der Mitte und zum Ende des 18. Jahrhunderts entstanden  die ersten »Nationaltheater mit festen Theaterensembles, in welchen die meisten der deutschen Wanderbühnen/-truppen  mit der Zeit aufgingen. Mit „national“ meinte man eine kulturelle, sprachliche Gemeinsamkeit in dem noch durch Kleinstaaterei zersplitterten deutschen Sprachraum.


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Das Theater in Breslau (1677)

Im habsburgischen »Breslau, das schon früh eine ausgeprägte Theaterkultur entwickelte, wurde 1677 ein »erstes feststehendes Theater eröffnet, das von einem Privatier erbaut worden ist. Es diente als überdachtes Ballhaus, das für Ballsport, als Reitbahn und Schauspielbühne genutzt werden konnte. 1742 erteilt Breslau  dem aus Wien stammenden Schauspieler »Franz Schuch dem Älteren (1716-1763) das Theaterprivileg (privilegium privativum) für seine Schauspieltruppe. (vgl. Maurer-Schmoock 1982, S. 7 und 14f.) Zugleich konnte der das Breslauer Bürgerrecht und ein Grundstück in der Stadt erwerben, worauf er  ein Theater errichten ließ, in dem seine Truppe von 1755 bis 1764 auftrat.

Nachdem Preußen Schlesien 1742 erobert und 1763 endgültig in Besitz genommen hatte, wurde es allerdings jahrelang als Mehlspeicher der Armee verwendet.

In dem später wieder als Spielstätte genutzten Gebäude traten danach bis in 18. Jahrhundert hinein verschiedene • Wandertruppen auf. Im Jahr 1782 wurde ein neues Schauspielhaus eröffnet, das von der Theaterprinzipalin »Maria Barbara Wäser (1749-1797) weitgehend auf eigene Kosten errichtet worden ist. 1797 wurde das Theater nach dem Tod der Witwe Wäser von einer Aktiengesellschaft übernommen. (vgl. Gerlach 2015, Kap. 1: Theater in Preußen)

Das erste Privattheater in Königsberg (1755)

Das erste größere Privattheater mit mehr als 800 Plätzen wurde von dem Theaterprinzipal • Konrad Ernst Ackermann (1712–1771) 1755 in »KönigsbergKönigsberger Theater) eröffnet, wurde aber schon ein Jahr danach nach dem Ausbruch des »Siebenjährigen Krieges (1756-1763) und der Besetzung der Stadt durch russische Truppen wieder aufgeben.1765 schließlich konnte er das Bürgerrecht der Stadt Hamburg erlangen und die Erlaubnis, ein Komödienhaus zu errichten, das 1765 fertig gestellt wurde.

Das Theater des "starken Mannes" Johann Karl Eckenberg

Auch der Kraftakrobat und Theaterprinzipal »Johann Karl Eckenberg (1684-1748), der 1731 ein • General-Privileg des »preußischen Königs »Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) erhielt, das ihn als Hofkomödianten zu Auftritten seiner aus Artisten und Schauspielern bestehenden • Wandertruppe im Herrschaftsgebiet des Königs berechtigte, durfte sich ab 1732/33 in Berlin niederlassen und mit seiner Truppe das 1700 erbaute kleine Hoftheater am Stallplatz in der »Breiten Straße nutzen in einem Saal über dem königlichen Reitstall (Marstall) nutzen, das auf Betreiben der Kurfürstin von Brandenburg »Sophie Charlotte von Hannover (1668-1705), ab 1701 erste »preußische Königin, errichtet worden war. Sie hat auch in ihrer »Sommerresidenz in Lützenburg (dem späteren »Schloss Charlottenburg) ein kleines Opernhaus bauen lassen, welche das erste brandenburg-preußische Schlosstheater war. (vgl. Gerlach 2015, Kap. 1: Theater in Preußen).

Neben diesem Schlosstheatersaal soll um 1700 ein erstes privates Theater einer französischen Truppe in der Poststraße errichtet worden sein. (vgl. ebd.

»Johann Karl Eckenberg (1684-1748) dürften die Räumlichkeiten im Marstall als Pferdehändler am Hof sicherlich genau bekannt gewesen sein, als er die Erlaubnis erhielt, mit seiner Truppe den Saal (vorübergehend) als dauerhafte Spielstätte zu nutzen, bis sein eigener Theaterneubau fertiggestellt war.

Vorausgegangen war seine dem König gegenüber abgegebene Versicherung, die dort erzielten Einnahmen auch wieder in Berlin auszugeben. Zugleich verpflichtete er sich, einen eigenen Theaterbau in Berlin zu errichten. Wann dieser Theaterneubau fertig war, lässt sich nicht ermitteln, auf jeden Fall hat das Gebäude noch um 1850 existiert, als dort die ersten öffentlichen Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden. (vgl. Schneider 1850, S.45)


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Solange Eckenberg die Gunst des Königs besaß, zählte auch dieser immer wieder einmal zu den Besuchern in seinem Theater. Da Eckenberg und seine Truppe aber finanziell einen schweren Stand hatten und unter der preußischen Abgabenlast stöhnten, begaben sie sich immer wieder auf Tournee, konnten aber auf Dauer ihren zunehmenden Popularitätsverlust nicht verhindern. So konnte Eckenberg auch seine herausragende Position gegen die aufkommende Konkurrenz durch die Theatertruppe von »Johann Friedrich Schönemann (1704-1782) am "Theaterschauplatz" Berlin nicht verteidigen.

Was der Kraftakrobat und Theaterprinzipal, der wohl einer der "letzten Repräsentanten der »Haupt- und Staatsaktion, sowie der niedrigen Possenreißerei" (Schneider 1850) gewesen ist, seinem Publikum unverdrossen präsentierte, war andernorts wegen ihrer "Thorheit und Niederträchtigkeit" und der Fülle von Zoten (vgl. »Haude- und Spener’sche Zeitung aus dem Jahr 1742, zit. n. Wikipedia) längst schon in die Kritik geratenen. Und seine "lustige(n) und gruselige(n) Stegreifspiele wie Die artige Grundsuppe der Welt oder Doktor Faustus Höllenfahrt" und dazu noch weitere "verblüffende Jongleur- und Eskamoteur-Kunststücke" (Fischer-Lichte 1993, S.100), seine »Tricks und Kunststücke waren in Berlin und Umgebung außer Mode gekommen, auch wenn sie offenbar andernorts, auch wenn die Zuschauerzahlen sanken, noch immer ein dankbares Publikum fanden.

Als sich Eckenberg gegenüber dem neuen König »Friedrich II., dem Großen (1712-1786) auf sein Privileg berief, wurde im erklärt, dass dies ein solches Privileg nicht exklusiv erteilt worden sei und ihm damit keine Monopolstellung zustand. Neben anderen Gründen dürfte diese Art von "Gnadenentzug" durch den neuen König auch darauf zurückzuführen sein, dass er der Vorführungen des "letzten Repräsentanten der »Haupt- und Staatsaktion, sowie der niedrigen Possenreißerei" (Schneider 1850) einfach überdrüssig war, zumal er seinen Vater in seiner Jugendzeit schon eher widerwillig ins Eckenbergsche Theater begleitet hatte.

Der Geschmack, den er ausgebildet hatte, passte zu der von »Johann Christoph Gottsched (1700-1766) ausgegebenen Literatur- und Bühnenreform und seinem Konzept  • Literarisierung des Theaters. Seine Vorlieben für Stücke des • französischen Klassizismus, vor allem die Komödien von Molière (1622-1673), die Schönemann im Repertoire hatte, machte diesen zu seinem Günstling, auch wenn dessen Versuch, ein eigenes Theater in Berlin zu errichten, 1741 scheiterte.

Zugleich ist es auch ein Indiz dafür, dass die von Gottsched und der Theaterprinzipalin »Friedrike Caroline Neuber (1697-1760) angestrebte, beim breiten bürgerlichen Publikum aber weitgehend erfolglose • Geschmacksveränderung, die es vom "primitiven Pöbeltheater" und seiner »Hanswurst-Figuren der »Stegreifkomödie befreien sollte, eher den Geschmack des Adels verändert hat (vgl. Fischer-Lichte 1993, S.99), der wie das • Beispiel Berlin in der Regierungszeit »Friedrich II., des Großen (1712-1786) zeigt, das höfische Theater in die seine Lebenswelt fest integrierte.

1764 wurde am »Monbijouplatz in Berlin ein weiteres Privattheater eröffnet, das Andreas Bergé, der Prinzipal einer französischen Truppe errichten ließ und dort Stücke französischer Autoren in Originalsprache präsentierte. Im gleichen Jahr kam ein weiteres privates Theater an der Behrenstraße hinzu, das von »Carl Theophil Döbbelin (1727-1793), der früher Mitglied der • Neuberschen Truppe und dann der • Ackermannschen Gesellschaft gewesen war, geleitet wurde (Döbbelinsches Theater). Es hat sich mit seinen Uraufführungen von »Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) »Götz von Berlichingen (1774) und »Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) Nathan der Weise (1783) in die Theatergeschichte eingeschrieben. (vgl. Gerlach 2015, Kap. 1: Theater in Preußen)

Das Komödienhaus Heinrich Gottfried Kochs in Leipzig (1766)

In Leipzig wurde 1766 auf Initiative des Prinzipals »Heinrich Gottfried Koch (1703-1775, der ursprünglich Mitglied der • Neuberschen Truppe gewesen war, dann aber seine eigene Theatertruppe (Kochsche Truppe) gegründet hatte, mit Unterstützung von »Gottlieb Benedict Zemisch (1716-1789), einem wohlhabenden Rauchwarenhändler und Kunstmäzen, das »Comödienhaus an der Rannischen Bastei errichtet, das bis 1796 im Privatbesitz der Witwe Zemisch blieb, ehe es die Stadt, allerdings ohne ein Konzept zur weiteren Nutzung oder für die Einrichtung eines festen Ensembles, erwarb. (vgl. Fischer-Lichte 1993, S.108, vgl. Wikipedia)

Im preußischen Magdeburg  wurde 1795 das erste feststehende Theater eröffnet, das von der dortigen Kaufmannschaft durch Aktien finanziert worden ist. Es war zunächst im Besitz einer Aktiengesellschaft, gehörte später aber einem Kaufmann, der alle Aktien aufgekauft hatte.

(vgl. Gerlach 2015, Kap. 1: Theater in Preußen)

Die Finanzierung der privaten und öffentlichen Theater

Aber nicht immer wurden Neubauten errichtet. Oft wurden auch bestehende Gebäude umgebaut wie z. B. das 1675/76 erbaute »Ballhaus in Frankfurt an der Oder (1769), ein ehemaliges Hospital in Mannheim (1766) oder auch eine ehemalige Schulkirche wie in Halle (1776). Erst im Jahr 1782 zog auch Frankfurt am Main mit der Eröffnung eines Schauspielhauses nach. (vgl. Fischer-Lichte 1993, S.109)

Privattheater und Theater unter städtischer Verwaltung waren zu ihrer Finanzierung auf den Zuspruch des zahlenden Publikums angewiesen und mussten sich daher auch bei ihrer Stückauswahl nach dem richten, was vom Publikum gerne gesehen wurde.

Dies bekamen auch die Theaterreformer der Frühaufklärung, darunter vor allem »Friedrike Caroline Neuber (1697-1760) zu spüren. Sie setzte bei ihrer Abwendung von den Hanswurstiaden der anderen Wandertheater mit ihren neuartig professionalisierten Schauspielkunst und ihrer Hinwendung zum literarisierten Theater auf die auch von • Johann Christoph Gottscheds (1700-1766) Theaterreform erhoffte Geschmacksveränderung des Publikums.

Am Ende scheiterte sie mit ihrem ambitionierten Programm an dem mangelnden Interesse des breiten bürgerlichen Publikums an einem literarisch anspruchsvollen Theater. Während ihres letzten Gastspiels in Hamburg im Winter 1739/40 blieben die Ränge während ihrer Theateraufführung nahezu leer, weil das Publikum mit den Füßen abgestimmt hatte und sich lieber in der Oper mit Singspielen und Ballett unterhalten lassen wollte oder sogar "in die Bude des »starken Mannes«" (ebd., S.100) »Johann Karl Eckenberg (1684-1748) strömte. Dort konnte der Kraftakrobat und Theaterprinzipal sein in Berlin und Umgebung offenbar schon uninteressant gewordenes Programm von »Haupt- und Staatsaktion noch immer einem dafür zu begeisternden Publikum präsentieren.

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 03.09.2025

    
   Arbeitsanregungen
  1. Welche Schwierigkeiten hatten Theaterprinzipale im 18. Jahrhundert bei der Errichtung fester Spielstätten in Städten wie Hamburg und Frankfurt?
  2. Warum musste Konrad Ernst Ackermann sein 1755 eröffnetes Königsberger Theater bereits nach einem Jahr wieder schließen?
  3. Welche Rolle spielte das königliche Privileg für Johann Karl Eckenberg, und warum verlor er später die Unterstützung Friedrichs II.?
  4. Welche Ziele verfolgten Gottsched und Neuber mit ihrer Theaterreform, und warum scheiterten sie beim breiten bürgerlichen Publikum?
  5. Welche Arten von Gebäuden wurden neben Neubauten auch für Theaterzwecke genutzt, und wie wurden private und städtische Theater finanziert?
 
   
 

 
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