Ein
anonymer Verfasser bzw. eine anonyme Verfasserin, der/die das Theater
der Neuber'schen Truppe schätzen gelernt hat, verteidigt »Friederike
Caroline Neuber (1697-1760) in einem Beitrag für
eine Hamburger Zeitung gegen das vom Hamburger Magistrat wegen des
Nachspiels ( • Abschied der Neuberschen Theatergesellschaft aus
Hamburg, 1740)
verhängten Auftrittsverbots.
Verfasse diesen Text in zeitgenössischer Sprache.
"Ein Wort zur Verteidigung der Frau Neuber und ihrer
Schauspielgesellschaft
Es ist mit Bedauern zu vernehmen, daß der Hochlöbliche Magistrat
dieser Stadt jüngst ein Verbot über die Auftritte der
Gesellschaft der Frau Neuber verhängt hat. Der Grund soll ein in
ihren Stücken vorgetragenes Wort sein, welches man für anstößig
erachtet.
Doch frage ich: Ist es rechtens, eine redliche Frau, die mit
großem Fleiße und Tugend das deutsche Schauspiel zu heben bemüht
ist, dergestalt zu strafen? Wer die Aufführungen der
Neuber’schen Truppe besucht hat, weiß wohl, daß hier nicht
liederlicher Spott noch zotige Possen geboten werden, sondern
vielmehr Kunst, Anstand und Lehrreiches.
Frau Neuber hat es gewagt, den schädlichen Hanswurst von der
Bühne zu verjagen und an seine Statt ein wahrhaft kunstreiches
Schauspiel zu setzen. Damit hat sie der ganzen deutschen Nation
einen Dienst erwiesen, denn lange genug ist das Theater als ein
Ort des Gelächters und der Schande verschrieen gewesen. Nun aber
konnte man unter ihrer Leitung sehen, wie ernsthafte und
zugleich ergötzliche Stücke die Gemüter erbauen und die Sitten
bessern.
Sollte ein solcher Eifer mit Verboten belohnt werden? Ist es
nicht vielmehr Pflicht der Obrigkeit, die Künste zu schützen, wo
sie redlich und nützlich sind? In Frankreich und England blüht
das Schauspiel; warum sollte Deutschland zurückstehen?
Ich bitte daher die ehrwürdigen Herren des Magistrats, ihre
Entscheidung zu überdenken. Die Gesellschaft der Frau Neuber
verdient nicht Bann, sondern Unterstützung. Möge man ihr den
Platz auf der Hamburger Bühne nicht verwehren, auf daß Kunst und
Tugend gedeihen und unser deutsches Theater den Glanz erhalte,
der ihm gebührt."
Ein Freund des Theaters"
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
28.08.2025