|
Die • indirekte Figurenrede
/indirekte Gedankenrede
stellt neben der • erlebten Rede
eine der Formen der •
transponierten Rede bei der • Darstellung von Gedanken durch den Erzähler
in einem • erzählenden Text dar. In
gewissem Sinne referiert sie, was eine Figur denkt. Dabei kann sich der
Erzähler "an deren Wortlaut halten,
häufiger jedoch zusammenfassend verkürzen und nur besonders markante
Wendungen [...] hervorheben." (Vogt
1990, S.150)
Die
indirekte Figurenrede fügt sich in den
Erzählfluss ein, "ihr Tempo kann vom Erzähler jederzeit verändert
werden. Andererseits ist ihre Intensität geringer; die grammatische
Verschiebung in den Konjunktiv und die Dritte Person bewirkt eine
Distanzierung des Erzählers wie der Leser von der Person und ihrer Rede."
(ebd.,
S.151)

Für größere Ansicht bitte anklicken!
Die nicht autonome indirekte Figuren- bzw. Gedankenrede wird vom
Erzähler mit einer entsprechenden
Inquit-Formel bzw. geeigneten Verben als Wiedergabe von
Bewussteinsinhalten einer Figur markiert.
Dabei kann der Erzähler bzw. die Erzählinstanz
in drei verschiedenen Formen Bewusstseinsinhalte einer Figur
wiedergeben, und zwar narratorial indirekt,
figural indirekt oder als
freie indirekte Figurenrede.
(vgl. Schmid
32014, S.260ff. Kindle Edition)
In narratorial indirekter Form
versieht der Erzähler die Wiedergabe der Gedanken einer Figur mit
eigenen Wertungen und nähert diese stilistisch dem Erzählertext an.
In figural indirekter Form
behält die Wiedergabe die stilistischen und syntaktischen Merkmale
der direkten Figurenrede bei.
Als freie indirekte Figurenrede
sprengt die Personalisierung die sprachlichen Normen der •
indirekten Rede. Das kann dann zur Übernahme von Wiedergabeindices der wörtlichen
Rede führen, indem Wörter oder Formulierungen in Anführungszeichen
gesetzt werden oder auch verschiedene Möglichkeiten einer ironischen
Distanzierung des wiedergebenden Erzählers genutzt werden. (vgl.
Schmid
32014, S.260ff. Kindle Edition)
Auf diese verschiedene Art und Weise kann der Erzähler im Gegensatz zur
direkten Figurenrede bei der Gedankenwiedergabe (Gedankenzitat, Innerer
Monolog) eine gewisse Distanz zu dem Wiedergegebenen aufbauen und wird
als Vermittler des Geschehens deutlich erkennbar. Zugleich weiß der
Leser jedoch nicht, wie die "wirklichen" Gedanken der Figur aussehen.
(vgl.
Martínez /Scheffel 112019, S.55)
Bei der • Darstellung von Gedanken durch den Erzähler besonders auch im
Wechsel
mit der direkten Rede (Fluktuation) die indirekte Rede
verwendet.
"Der Erzähler zitiert nicht, sondern
referiert oder
erzählt die Personenrede. Er kann sich an deren Wortlaut halten,
häufiger jedoch zusammenfassend verkürzen und nur besonders markante
Wendungen [...] hervorheben." (Vogt
1990, S.150) Indirekte Rede fügt sich in den
Erzählfluss ein, "ihr Tempo kann vom Erzähler jederzeit verändert
werden. Andererseits ist ihre Intensität geringer; die grammatische
Verschiebung in den Konjunktiv und die Dritte Person bewirkt eine
Distanzierung des Erzählers wie der Leser von der Person und ihrer Rede."
(Vogt 1990,
S.151)
Wie die
oben genannten unterschiedlichen Formen der Bewusstseinswiedergabe von
Figuren durch den Erzähler verdeutlichen, können auch die grammatischen
und syntaktischen "Spielregeln", mit denen diese Textpartien gestaltet
sind, sehr verschieden ausfallen.
Dies gilt
im Übrigen auch für die grammatische und sprachlich-stilistische Form
der Rede- bzw. Gedankenwiedergabe, die eine ganze Reihe von •
Varianten möglich macht. Die • indirekte Figurenrede
in einem • erzählenden Text folgt dabei im
Allgemeinen den Regeln der (grammatischen)
• indirekten Rede. Diese stellt eine Wiedergabe von Gesagtem oder
Gedachtem
in der 3. Person
Konjunktiv I
Präsens (bei der
Ich-Erzählung:
1.Pers. Konj. Präs.).
Bei
der ▪
indirekten
Rede kann es leicht zu Missverständnissen kommen, wenn bestimmte
Formen eines ▪
Verbs im
▪
Indikativ
und ▪
Konjunktiv I
gleichlauten. In solchen Fällen
signalisiert der Konjunktiv I nicht mehr eindeutig, dass es sich um
eine indirekte Wiedergabe handelt. Um also Missverständnisse zu
vermeiden, werden dafür meistens die so genannten
▪
Ersatzformen
aus dem ▪
Konjunktiv II
verwendet.
Grundsätzlich spielen bei der indirekten Rede bestimmte
▪
Verschiebungen
und Umformungen, das
▪
Tempus und
zeitliche Verhältnis und der
▪
Konjunktiv I und seine Ersatzformen eine wichtige Rolle.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
21.04.2025
|