▪»YouTube-Kanal
von teachSam Playlist »Sexistische
Werbungen
▪ Historische Aspekte
des Sexismus in der Werbung
▪
Dimensionen sexistischer Werbung
▪
Maßnahmen gegen den Sexismus in der Werbung
▪
Überblick
▪ Die öffentlichen
Rügen des Deutschen Werberats
Eine
allgemeinverbindliche Definition dafür, was unter •
sexistischer Werbung zu verstehen ist,
gibt es nicht. Was wir im Alltag darunter verstehen und wie
Sozialwissenschaften den Begriff definieren, geht dabei häufig
auseinander. Das dürfte vor allem daran liegen, dass wir im Alltag
ganz unteerschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein Geschlecht
diskriminiert und wo die Grenze zur Diskriminierung im alltäglichen
Geschlechterverhältnis überschritten werden. Zu verschieden scheinen
unsere Einstellungen und Werte sowie unser subjektives Empfinden zu
sein, als dass wir uns in solchen Fragen ohne weiteres einig sind.
So bleibt im Alltag wohl nur, sich dem Begriff dadurch anzunähern,
dass man bestimmte Merkmale benennt, für einen selbst sexistische
Werbung kennzeichnen und diese vernünftig kommuniziert. Sexistische
Werbung "arbeitet" heutzutage zwar mit Frauen und Männern, ihren
geschlechterdiskriminierendes Gesicht zeigt sie allerdings fast
ausschließlich bei Frauen.
Trotzdem "(ist)
nicht nur die Reduzierung des weiblichen Körpers auf ein sexuelles
Objekt (...) diskriminierend, sondern auch die klischeehafte Darstellung von
Frauen und Männern. Sie trägt dazu bei, dass Rollenbilder gefestigt,
Vorurteile reproduziert und die heteronormative Norm gefestigt werden. Diese
Normierung von Seiten der Gesellschaft kann von Einzelnen durchaus als eine
Form der Gewalt empfunden werden - insbesondere dann, wenn sie mit Abwertung
und Ausgrenzung verbunden ist und somit Machtverhältnisse reproduziert. So
stellt zum Beispiel das Nicht-Vorkommen von anderen Rollenbildern bzw. die
Nicht-Darstellung von anderen sexuellen Identitäten eine Form der
Ausgrenzung dar." (https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/frauenfeindliche-werbung)
Sexismus ist ein Problem, das sich nicht nur in den Beziehungen der
Menschen und in ihrem aufeinander bezogenen Handeln und Verhalten zeigt.
Denn außer dieser interaktionellen Ebene ist der Sexismus
auch tief in patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft verankert und ist also
immer auch ein strukturelles Problem. Entscheidend ist der
Faktor Macht, der hinzukommt. Berücksicht man ihn
mit, dann "(lässt sich) Sexismus (...) auf die plakative Formel bringen: Sexismus = geschlechterbasierte Vorurteile + ungleiche
Machtverteilung." (Schiff
2018, S.3)
Dabei ist es besonders wichtig zu verstehen, dass stereotype
Merkmalszuschreibungen für die Geschlechter
keineswegs immer mit einer
negativen Tönung daherkommen. Dies gilt in besonderer Weise für
Stereotype von Frauen. Sie erleben Sexismus oft auf der einen Seite
eindeutig diskriminierend, bekommen aber auch "positive
Gesamtbewertungen, häufig sogar positivere Gesamtbewertungen als Männer
(»women-are-wonderful«Effekt);" (Eckes
2010, S. 182) Aber: Sexistische Äußerungen sind eben keine
Komplimente.
Dieses "Diskriminierungs-Zuneigungs-Paradox"
(ebd.) ist aber nur die andere Seite der gleichen Münze, denn Vor- und
Rückseite der Münze ergeben zusammen "eine duale Bewertungsstruktur, die
sich aus ablehnenden, feindseligen (hostilen) Einstellungen und
subjektiv positiven, wohlmeinenden (benevolenten) Einstellungen
zusammensetzt." (ebd.,
S.183)
Wo Männer das Sagen
haben und die Strukturen entsprechend sind, findet der
hostile Sexismus ideale Bedingungen. Dazu
passen Äußerungen wie "Die meisten Frauen merken doch gar nicht mehr,
was Männer alles für sie tun" oder "Frauen sind einfach zu emotional ...
zu schnell beleidigt" etc.
Wenn Männer aber in engeren Beziehungen zu Frauen stehen, von denen sie
auf irgendeine Weise abhängig sind, zeigt sich eher der
benevolente
Sexismus. Typische Beispiele dafür sind Äußerungen wie "Frauen sollten
von Männern umsorgt und beschützt werden" oder "Frauen haben
einfach ein Gespür in moralischen Angelegenheiten."
Was man früher gerne als Ritterlichkeit oder Kavalierstum und
Kavalierverhalten bezeichnete, ist, trotzdem es männlichen Akteuren also
wohlmeinend vorkommt, sexistisch. Auch wenn dies auf den ersten Blick
nicht immer leicht zu durchschauen ist.
"Frauenfreundlich"
bleibt diese Selbstdarstellung von Männern aber nur solange die Frauen "mitspielen"
und die entsprechenden Rollenerwartungen erfüllen, z. B. als tüchtige
Hausfrau oder sonstwie typische Frau, aber nicht als "Karrierefrau", die
dafür den feindseligen (hostilen) Sexismus stets zu gewärtigen hat. (ebd.,
S.183)
Wer es
wissenschaftlicher haben will, kann sich am Begriff der Misogynie
orientieren. Sie "ist ein zentraler Teil sexistischer Vorurteile sowie
Ideologien und ist daher eine wichtige Grundlage für die
Unterdrückung von Frauen in männlich dominierten Gesellschaften.
Misogynie manifestiert sich auf vielfältige Weise, von Witzen über
Pornografie bis hin zur Beförderung eines Empfindens von
Selbstverachtung von Frauen und ihren eigenen Körper.“ (The
Blackwell Dictionary of Sociology: 2000, zit. n.
Wikipedia)
Als
Frauenfeindlichkeit verstanden steht Mysogenie für Hass, Verachtung
oder Vorurteile gegenüber Frauen oder Mädchen. Es ist eine Form des
»Sexismus,
die Frauen in einem niedrigeren sozialen Status als Männer halten
kann, wodurch die sozialen Rollen des Patriarchats erhalten bleiben.
Frauenfeindlichkeit ist seit Tausenden von Jahren weit verbreitet.
Es spiegelt sich weltweit bestimmten Gesellschaftsstrukturen, in Kunst, Literatur
und Ökonomie (z. B. frauenfeindliche Werbung), historischen Ereignissen, Mythologie,
Philosophie und Religion wider.
Mit ▪
erotischen Appellen
wird in der Werbung schon mehr als hundert Jahren
▪
Aufmerksamkeit erregt. Schon etwa 1880 hat man
nämlich in
den USA und in Europa damit begonnen, Werbetexte
auf unbekleidete Mädchenrücken zu platzieren, um so weibliche Reize für die Weckung von
Aufmerksamkeit einzusetzen. Und kaum 10 Jahre später wagte man auch schon
direkt weibliche Nacktheit in den Mittelpunkt von Anzeigen zu rücken (vgl.
Münzel 1963, S.360) Der kleine • Abstecher in die Geschichte
soll indessen nicht den Eindruck vermitteln, geschlechterdiskriminierende
Werbung gehöre einfach zu unserem Leben dazu.
Mit misogyner
sexistischer Werbung soll Profit gemacht werden, soll die
Aufmerksamkeit ihrer Rezipientinnen und Rezipienten auf die
Warenwelt gerichtet werden und Kaufanreize ausgelöst werden. Und mit
wohl keinem anderen Mittel als sexuellen Reizen lassen sich die
Konsumenten besser dazu bewegen ihr Geld für die mit einem
Sex-Appeal beworbenen Produkte auszugeben. Misogyne sexistische
Werbung zielt zwar auf den Unterleib, trifft aber den Geldbeutel,
lässt sich pointiert ohne Weiteres sagen.
Dabei ist solche Werbung keineswegs eine "Geschmacksfrage", wie Christiane Schmerl
(1981, S.170) in einer ihrer bahnbrechenden Publikationen betonte, als
geschlechterdiskriminierende sexistische Werbung mit Frauen noch
"frauenfeindliche Werbung" genannt wurde. "Wie einfach das nachzuweisen
ist," fährt sie an gleicher Stelle fort, "kann man sehen, wenn man in
abfällige Aussagen oder unterwürfige, sich prostituierende Posen auf
Frauenwerbebildern anstelle der Frauen andere Bevölkerungsgruppen einsetzt:
In Deutschland wäre es z.B. unmöglich, Werbung mit witzigen antisemitischen
Sprüchen und/ oder Abbildungen zu verkaufen — obwohl der Aufmerksamkeitswert
kein geringer sein dürfte, im Gegenteil. … Genauso wenig würde es als
Geschmacksfrage bezeichnet werden, wenn Behinderte in der Werbung veralbert
würden oder alte Leute. Und das, obwohl entsprechende negative
Vorurteile und Geringschätzung gegenüber diesen Gruppen nachweisbar in der
Bevölkerung vorhanden sind."
Werbung begegnen wir in
unserem Alltagsleben auf Schritt und Tritt. Oft ist sie also solche immerhin
gut gekennzeichnet oder aufgrund der Orte, an denen wir auf sie treffen, als
solche erkennbar. Aber oft auch nicht. Oft sind es nur Sekundenbruchteile,
in denen wir eine Werbung wahrnehmen und in der sie dennoch alles daransetzt
und oft auch schafft, ihre Werbebotschaft zu kommunizieren. Damit das
gelingt, Werbung nicht nur unbewusst überflogen, sondern auch bewusst wahrgenommen
oder sogar erinnert werden kann, muss sie überraschen, irritieren, die Gefühle
ansprechen, ärgern oder amüsieren.
Sex sells - lautet die einfache
Marketing-Weisheit, die jede/r verinnerlicht haben muss, der seine
Produkte an die Frau oder den Mann bringen will. Nacktheit ist dabei
das eine, schockierende Bilder das andere und auch Bilder, die
Frauen oder Männer so präsentieren, dass sie Unmut über die
Darstellung auslösen, sind wirksame Strategien, die sich ohne
weiteres mit misogyner sexistischer Werbung verbinden lassen.
Gegen sie mit
verschiedenen • Maßnahmen vorzugehen ist
eine gesellschaftliche und politische Aufgabe, der sich auch der •
Deutsche Werberat stellt, der auf der
Grundlage eigener Grundsätze öffentliche Rügen aussprechen kann.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
03.04.2026
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