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Friedrich Schiller: Lyrische Werke

Würde der Frauen

(nach der Fassung der Gesamtausgabe von Schillers Werken zum Schillerjahr 1859)

 
FAChbereich Deutsch
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Literaturepoche Weimarer Klassik (1786-1805)
Historischer Hintergrund

Das Lebens- und Liebeskonzept der bürgerlichen Ehe

Die hier dargebotene Fassung, behutsam an die Regeln moderner Rechtschreibung angepasst, folgt im Satzspiegel und bei der Stropheneinteilung der Jubiläumsausgabe von Schillers Werken zum Schillerjahr 1859 (S.69-70). Daneben gibt es aber auch eine deutlich andere und längere Fassung des Gedichts, die in »Friedrich Schiller »Musen-Almanach für das Jahr 1796, S. 186 - 192 abgedruckt ist und auch als »wikisource verfügbar ist.

Die Würde der Frauen
  Ehret die Frauen! sie flechten und weben
  Himmlische Rosen ins irdische Leben,
  Flechten der Liebe beglückendes Band,
  Und in der Grazie züchtigem Schleier
5 Nähren sie wachsam das ewige Feuer
  Schöner Gefühle mit heiliger Hand
   
     Ewig aus der Wahrheit Schranken
     Schweift des Mannes wilde Kraft;
     Unstet treiben die Gedanken
10    Auf dem Meer der Leidenschaft;
     Gierig greift er in die Ferne,
     Nimmer wird sein Herz gestillt;
     Rastlos durch entlegne Sterne
     Jagt er seines Traumes Bild
   
15 Aber mit zauberisch fesselndem Blicke
  Winken die Frauen den Flüchtling zurücke,
  Warnend zurück in der Gegenwart Spur
  In der Mutter bescheidener Hütte
  Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte,
20 Treue Töchter der frommen Natur
   
     Feindlich ist des Mannes Streben,
     Mit zermalmender Gewalt
     Geht der wilde durch das Leben,
     Ohne Rast und Aufenthalt
25    Was er schuf, zerstört er wieder,
     Nimmer ruht der Wünsche Streit,
     Nimmer, wie das Haupt der Hyder
     Ewig fällt und sich erneut
   
  Aber zufrieden mit stillerem Ruhme,
30 Brechen die Frauen des Augenblicks Blume,
  Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß,
  Freier in ihrem gebundenen Wirken,
  Reicher, als er, in des Wissens Bezirken
  Und in der Dichtung unendlichem Kreis
   
35    Streng und stolz, sich selbst genügend,
     Kennt des Mannes kalte Brust,
     Herzlich an ein Herz sich schmiegend,
     Nicht der Liebe Götterlust,
     Kennet nicht den Tausch der Seelen,
40    Nicht in Tränen schmilzt er hin;
     Selbst des Lebens Kämpfe stählen
     Härter seinen harten Sinn
   
  Aber wie leise vom Zephyr erschüttert,
  Schnell die äolische Harfe erzittert,
45 Also die fühlende Seele der Frau
  Zärtlich geängstigt vom Bilde der Qualen
  Wallet der liebende Busen, es strahlen
  Perlend die Augen von himmlischem Tau
   
     In der Männer Herrschgebiete
50    Gilt der Stärke trotzig Recht;
     Mit dem Schwert beweist der Scythe,
     Und der Perser wird zum Knecht
     Es befehden sich im Grimme
     Die Begierden wild und roh,
55    Und der Eris raue Stimme
     Waltet, wo die Charis floh
   
  Aber mit sanft überredender Bitte
  Führen die Frauen den Zepter der Sitte,
  Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht,
60 Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,
  Sich in der lieblichen Form zu umfassen,
  Und vereinen, was ewig sich flieht

 

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Literaturepoche Weimarer Klassik (1786-1805)
Historischer Hintergrund

Das Lebens- und Liebeskonzept der bürgerlichen Ehe

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 27.02.2020

     

   Arbeitsanregung
  1. Geben Sie den Inhalt des Gedichts in Form einer knappen Inhaltsangabe wieder.

  2. Arbeiten Sie heraus: Welche Vorstellungen das Gedicht enthält über

  • die bürgerliche Ehe

  • Frauen- und Männerrolle

  • Erziehung

  1. Vergleichen Sie das Männer- und Frauenbild mit dem von Schillers Ballade "Lied von der Glocke". 

  2. Untersuchen Sie Anspruch und Wirklichkeit der Aussagen des Gedichtes unter Berücksichtigung sozialhistorischer Aspekte zur Geschichte der bürgerlichen Ehe.

  3. Nehmen Sie zu dem Männer- und Frauenbild Stellung.

 

 

     
 
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