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Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Max Brod)
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Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Malcom Pasley 1990)
Josef K. ist eine
sperrige Figur. Was er denkt und wie er handelt, macht es selbst einer
erfahrenen Leserin bzw. einem erfahrenen Leser nicht leicht, zu
verstehen, was ihn antreibt, wofür er steht und wie er sich und die Welt
erlebt.
Der wichtigsten Aspekte
des Charakters von Josef K. in
Franz Kafkas Roman "Der
Prozess" lassen sich mit folgender Strukturskizze
verdeutlichen:

Hans H.
Hiebel (2008, S.458) betont, dass Josef K. eine "widersprüchliche,
gespaltene Figur" sei, "in der bewusst Geäußertes und Unterdrücktes bzw.
unwillentlich Verratenes einander widersprechen." Daraus entstehe die
"Doppelung von bewusstem und unbewusstem Diskurs", die ständige
"Überlagerung von Bewusstem-Denotativem und Unbewusstem-Konnotativen".
Dieses entspringt, so Hiebel, einem spezifischen poetologischen
Verfahren, das sich als "traumanaloges Dichten" bezeichnen lässt, "als
ein nach der Logik des Traumes verfahrendes Komponieren": "Wie im Traum
werden (private wie öffentliche) Ereignisse in Metaphern übersetzt,
werden solche Metaphern miteinander verschaltet oder verdichtet, wenn
ihnen Analoges zu Grunde liegt, werden metonymische Verschiebungen und
Entstellungen zum Zweck der Chiffrierung vorgenommen, werden räumliche
und zeitliche Ordnungen umgestellt oder aufgehoben. Dieses primär
assoziative Verfahren - Freud hat es in der »Traumdeutung« gültig
festgehalten, prägt Kafkas suchendes, tastendes Schreiben." (ebd., S.
457)
"Zu Recht spricht Alt von der Inszenierung eines »Schuldgefühls«
und nicht von »Schuld«. So [...] sehr auch Josef K. Zeichen eines
Schuldigwerdens an sich trägt, so deutlich ist auch das >Schuldlose<
dieser Schuld Josef K.s, die Geringfügigkeit der Schuld, die im
Proceß (wie im Urteil oder im
Schlag ans Hoftor) exzessiv geahndet und abgestraft wird. Diese
Disproportion bestimmt alle Schuld-Erzählungen Kafkas. Es wäre
grundfalsch, in moralistischer Weise die minimalen Schuld-Indizien mit
dem - vor allem im Proceß - sich zeigenden Schuldgefühl zu
identifizieren; dieses ist eine in der Kindheit erzeugte Schuldangst,
ein Relikt des ödipalen Geschehens, der culpablisierenden Einschreibung
des Überich. Das (in moralischer Hinsicht) unbegründete Schuldgefühl ist
strikt von begründeter Schuld zu scheiden." (Hiebel
2008, S.458f.)
"Nichts als Angst verbirgt sich hinter den
Fehlleistungen, Symptomen, Verleugnungen und sonstigen Abwehrformen.
[...] Sie ist es, die hinter K.s »Komödie« erscheint, sie deckt im
Grunde der Proceß auf. Diese Angst ist identisch mit dem
unbewussten Schuldgefühl." (Hiebel
2008, S.462)
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Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Max Brod)
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Gesamttext (Kapiteleinteilung nach Malcom Pasley 1990)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
17.12.2023