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Schreibentwicklung

Überblick


Mit dem Begriff Schreibentwicklung wird im Allgemeinen das Schreiben bezeichnet, das sich an den Schriftsprachenerwerb (Erstlesen und Erstschreiben) anschließt. (vgl. Fix 2006/2008, S.50)

Am Anfang steht der Schriftsprachenerwerb und das Erstlesen

Die Fähigkeit, beim Schriftsprachenerwerb Gesprochenes oder Gedachtes in schriftliche Zeichen zu überführen, stellt eine sehr komplexe Leistung in verschiedenen Bereichen dar. Neu sind dabei auch die Bedingungen, unter denen sich die davon geprägte Kommunikation vollzieht.
So gilt es beim Schreiben z. B. "eine Schreibaufgabe in einen Text umzusetzen, der nicht mehr auf einen unmittelbar gegebenen Handlungszusammenhang angewiesen ist, sondern über eine unmittelbar gegebene Situation hinausweist" (Baurmann 2002/2008, S. 13). Und erschwerend kommt dazu:  Solches Schreiben muss dabei auf die direkte Rückmeldung eines Kommunikationspartners verzichten. (vgl. Fix 2006/2008, S.50) Ziemlich neu das Ganze also für Kinder, die sich bis dahin nur mündlich oder mittels körpersprachlicher Signale verständigt haben. Es lohnt sich jedenfalls genauer hinzusehen, wie wir uns beim Lernen und Anwenden des Schreibens entwickeln und wovon es abhängt, dass wir damit so oder anders umgehen können. "Geborene Schreiber" gibt es jedenfalls wohl nur wenige, der Rest hat sein Schreiben gelernt.

"Ich konnte noch nie was Vernünftiges schreiben" - Die individuelle Schreibentwicklung ein Rätsel?

Wie sich das Schreiben des einzelnen nach dem Schriftsprachenerwerb weiter entwickelt, ist dagegen für viele Menschen ein Rätsel, dem man mit unterschiedlichen Alltagshypothesen zu Leibe rückt. Dass die Schreibentwicklung für einen großen Teil der Schülerinnen und Schüler trotz langjährigen Aufsatzunterrichts ein Mysterium bleibt, zeigen Untersuchungen, wonach etwa ein Drittel der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I angeben, dass sie das Schreiben von Aufsätzen für nicht lernbar halten. (vgl. Merz-Grötsch 2001, S.168ff., zit. n. Baurmann 2002/2008, S. 7)

Rezepte aus der Mottenkiste

Feilke (1995, S,278ff.) hat drei Vorstellungen herausgearbeitet, die, obwohl sie wenig taugen, heute immer noch in den Köpfen der Menschen herumgeistern, wenn es um das Schreiben geht. Und selbst Lehrkräfte, die es eigentlich besser wissen müssten, sind oft nicht dagegen gefeit, weil sie sich in Ihrer Unterrichtspraxis wenig von neueren Ergebnisse der Schreibforschung  leiten lassen.

Falsche Vorstellungen über das Schreiben senken die Motivation, das Schreiben zu lernen

Die moderne Schreibforschung weiß um die mehr oder weniger tragischen Folgen, die solche Alltagshypothesen haben.
Sie fördern und festigen die Vorstellungen von Schülerinnen und Schülern, dass man Schreiben eben nicht lernen kann. Wer das glaubt, hat natürlich auch keine Lust "sinnlose" Übungen zu machen, die ihm erfahrungsgemäß ja doch nichts "bringen".
Jede Lehrkraft kennt die Aussagen von eher schreibschwachen Schülerinnen und Schülern, die z. B. bei der Abgabe einer Klassenarbeit oder nach einem weiteren Misserfolg ratlos daherkommen und sagen: "Ich habe mich dieses Mal doch so angestrengt ...". Was die Schüler in der Regel nicht wissen, ist, woran es liegt, dass ihnen solches immer wieder passiert. Die Deutschnote wird dann zu einem unentrinnbaren Schicksal, gegen das aufzubegehren wenig Sinn macht.
Und: Werden sie erst am Ende einer langen Schreibentwicklung, die sich unter z. T. fragwürdigen methodisch-didaktischen Vorzeichen auch und vor allem in der Schule vollzogen hat, mit der Komplexität des Schreibens konfrontiert, können sie damit aus verschiedenen Gründen oft nicht mehr viel anfangen.
Wenn der "gesunde Menschenverstand" mit seinen Alltagshypothesen zur Schreibentwicklung lange triumphiert hat, ist guter Rat eben manchmal teuer. Der erste Schritt, da ist sich Baurmann (2002/2008, S. 8) sicher: Die Ergebnisse der Schreibforschung müssen stärker Eingang finden in die Schule. Nur dann sei die Vorstellung, dass "das auf mysteriösen Vorgängen zu beruhen" scheint, "die sich unzugänglich im Kopf der Schreiber abspielen und sich - wie in einer 'Blackbox' - jedem Zugriff entziehen". 

Es gibt moderne Konzepte zum Thema Schreiben

Wissenschaftliche Ansätze in der Schreibforschung zeigen im Gegensatz zu den Alltagshypothesen auf, dass die Schreibentwicklung einen komplexen Prozess darstellt, der in in Teilprozessen erfasst und beschrieben werden kann. Wichtige Anstöße neben anderen geben dazu die schreibtheoretisch fundierten Konzepte von Carl Bereiter (1980) , Michael Becker-Mrotzeck (1997)  und Helmuth Feilke (1996, 1996b), die jeder für sich jedoch unterschiedliche Schwerpunkte und Akzente setzen. (vgl. Baurmann 2002/2008, S.26f.)

Carl Bereiter

Stadien der Scheibentwicklung im Integrationsmodell

  • Hierarchisierung bestimmter, allgemein geltender Teilfähigkeiten des Schreibens in einem integrativen Stufen-/Stadienmodell
Helmuth Feilke

Entwicklung textbezogener Schreibkompetenzen

Michael Becker-Mrotzeck

Entwicklungsniveaus und ihre Dimensionen

  • Schreiben als Handlung, die sich immer mehr entfaltet und sich dabei ausdifferenziert

  • Schriftsprachlicher Kompetenzerwerb als Prozess der Vervollkommnung von vorhandenen Fähigkeiten

Kompetenzorientierung verlangt neue schreibdidaktische Konzepte

Die maßgeblichen Konzepte zur Schreibentwicklung, von den Baurmann (2002/2008, S.27) ausdrücklich sagt, dass sie sich "weder fundamental widersprechen noch beziehungslos nebeneinander stehen, sondern jeweils als Fortentwicklungen bereits erarbeiteter Versuche aufeinander bezogen werden können", haben in die schulischen und curricularen Konzepte des kompetenzorientierten Deutschunterrichts in unterschiedlicher Art und Weise Eingang gefunden. Die KMK-Bildungsstandards für das Fach Deutsch für den Mittleren Abschluss (Jahrgangsstufe 10) (4.12.2003) geben gerade im  Kompetenzbereich Schreiben darüber Aufschluss. In diesen Kompetenzbereich fallen Kompetenzen in den drei Teilbereichen ins Gewicht:

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 23.01.2017
 

                 
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