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Und morgen lauf ich wieder fort

Frühe Neuzeit (ca. 1350-1800) « Soldatenleben « Soldatenhandel und - verkauf im 18. Jahrhundert

 
GESCHICHTE
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  Soldatenleben im preußischen Militärstaat des 18. Jahrhunderts

"In den zwangsrekrutierten Heeren des 18. und zum Teil auch noch der ersten Hälfte des 19. Jh., die sich für die Interessen ihrer großen und kleinen Herren schlagen mußten, war der Deserteur eine charakteristische Erscheinung." (Steinitz 1972, S.151f.) Das Lied stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert.

Und morgen lauf ich wieder fort

(Ich hatte mich einmal unterschrieben)

1.
Ich hatte mich einmal unterschrieb'n,
Dem Könige von Preußen treu zu dien'n;
Ich dient' ihm kaum ein halbes Jahr,
Da ging das Desertieren an.

2.
Und wie ich hinter die Stadt 'naus kam,
Begegnete mir ein Bauersmann,
Der sprach: Mein Freund, wo kommt er her?
Er ist fürwahr ein Deserteur.

3.
Ich aber resolvierte1 mich
Und sprach: Mein Freund, glaub' er sicherlich,
Ich bin von Berlin ausmarschiert
Und hab' den rechten Weg verliert.

4.
Er führte mich vor des Scholzen 2 Haus,
Da kamen drei hübsche Burschen 'raus,
Die banden mich an Bein und Arm
Kreuzweise, daß es Gott erbarm'!

5.
Die führten mich vor den Offizier,
Der sprach: Mein Freund, wen bringet ihr?
Der sprach: Mein Freund, wen bringt ihr hier?
Wir bringen einen preuß'schen Deserteur.

6.
Man führte mich vor den General,
Da bat ich um das einzige Mal.
Der sprach: Bist du getreu?
Mußt zweimal laufen,3 bist wieder frei.

7.
Und als ich hinter die Stadt 'naus kam,
Schaut' ich mir die armen Preußen an:
Zweihundert Mann mit frischem Mut,
Die hieben mich bis auf das Blut.

8.
Und als ich in die Stadt 'nein kam,
Schaut' ich mir meinen Buckel an:
Gerechter Gott, bist du mir gut,
So lauf' ich morgen wieder fort.

(aus: Hoffmann-Richter, Schles. Nr. 251, S. 291. In Steinitz 1972, S.151f.)

Worterläuterungen und - erklärungen

1 resolvierte: beschließen, sich besinnen

2 Schulzen: Dorfschulze, Bürgermeister

3 zweimal laufen: Beim Spießrutenlauf bildeten unter Aufsicht von Offizieren ein- oder mehrere hundert Soldaten eine etwa zwei Meter breite Gasse (= Gassenlauf). Durch diese musste der bis zum Gürtel entblößte Verurteilte, dessen mit Hände auf seiner Brust zusammengebunden waren, mehrmals, und zwar langsam, bei Trommelschlag durchgehen. Hierbei erhielt er von jedem Soldaten mit einer Hasel- oder Weidenrute (Spießrute) einen Schlag auf den Rücken. Damit der Verurteilte nicht schnell gehen konnte, ging ihm ein Unteroffizier voraus, der ihm eine Säbelspitze vor den nackten Oberkörper hielt. Im Bildhintergrund ist das Stäupen eines Verurteilten zu sehen, das Auspeitschen am Pranger (Staupsäule), das aber als eine unehrenhafte Strafe für einen Soldaten angesehen wurde. In die dabei verwendeten Staupbesen (Zuchtpeitschen, Lederriemen oder Bündel aus Birkenreisig) konnten auch kantige Metallsplitter oder kleinere Steine eingearbeitet sein.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

 

 
Arbeitsanregungen zur historischen Einordnung in das Soldatenleben im 18. Jahrhundert – Arbeitsanregungen Arbeitsanregungen zur historischen Quellenanalyse  – Arbeitsanregungen zur sprachlich-stilistischen Analyse

  1. Die Rekrutierung (Strophe 1)
    Das lyrische Ich sagt, es habe sich „einmal unterschrieben“. Wie warben die preußischen Militärs damals neue Soldaten an? Geschah dies immer freiwillig?
    Wie lange dauerte der Dienst in der preußischen Armee im 18. Jahrhundert normalerweise?
  2. Das Phänomen der Flucht (Strophe 1 & 2)
    Warum riskierten so viele Soldaten trotz drakonischer Strafen die Flucht (Desertation)? Suchen Sie nach Gründen im damaligen Alltag der Soldaten.
    Warum floh der Soldat laut Text bereits nach „einem halben Jahr“?
  3. Die Rolle der Bevölkerung (Strophe 2 bis 5)
    Der Soldat trifft auf der Flucht einen Bauern und den Dorfschulzen (Bürgermeister). Warum lieferten die Landbewohner geflohene Soldaten in der Realität fast immer sofort an das Militär aus? Welche Rolle spielten dabei Belohnungen oder kollektive Strafen für das ganze Dorf?
  4. Das Strafsystem (Strophe 6 & 7)
    Der General verurteilt den Soldaten dazu, „zweimal zu laufen“. Wie genau lief die historische Strafe des „Spießrutenlaufens“ (auch Gassenlaufen genannt) ab?
    Warum schrieben die Militärgesetze vor, dass die eigenen Kameraden („zweihundert Mann“) die Strafe vollstrecken mussten, anstatt ein offizieller Scharfrichter? Welches psychologische Ziel hatte das? Warum wurde der Deserteur nach seiner Flucht ausgepeitscht und wieder in die Armee gesteckt, anstatt – wie bei anderen schweren Verbrechen üblich – hingerichtet zu werden? Welchen ökonomischen Wert hatte ein Soldat für den Staat?
  5. Das System Preußen (Strophe 8)
    Der Soldat beschließt am Ende, trotz der schweren Verletzungen am nächsten Tag sofort wieder wegzulaufen. Was sagt dieser unbedingte Wille über die Lebensbedingungen in der damaligen Armee aus?
    Der französische Denker Mirabeau sagte damals über Preußen: „Andere Staaten besitzen eine Armee, Preußen ist eine Armee, die besitzt einen Staat.“ Inwiefern zeigt das Lied, wie stark das Militär das gesamte alltägliche Leben (auch außerhalb der Kaserne) kontrollierte?

Erstellt unter Zuhilfenahme von KI

 

Arbeitsanregungen

Hintergrund: Das Lied beleuchtet das Schicksal eines Deserteurs im preußischen Heer des 18. Jahrhunderts. Es thematisiert die psychologischen und physischen Folgen der Zwangsrekrutierung und das drakonische Strafsystem der damaligen Zeit.

Teil 1: Inhaltliche Erschließung und Struktur (Einzelarbeit)

Der Handlungsverlauf: Rekonstruieren Sie den epischen (erzählenden) Verlauf des Liedes. Erstellen Sie eine knappe Chronologie der Ereignisse von der Unterschrift des Soldaten bis zum Ende der Handlung.

Die Figurenkonstellation: Identifizieren Sie alle im Text auftretenden Personen(gruppen) außer dem lyrischen Ich. Notieren Sie stichpunktartig, welche Rolle diese im Schicksal des Soldaten spielen (z. B. Helfer, Denunziant, Strafvollstrecker).

Teil 2: Sprachliche und formale Analyse (Partnerarbeit)

Das Spannungsfeld von Form und Inhalt:
Untersuchen Sie das Metrum und das Reimschema des Liedes. Fällt Ihnen eine Regelmäßigkeit oder ein bewusstes Abweichen (z. B. Unreine Reime, Rhythmuswechsel) auf?
Diskutieren Sie, welche Wirkung die fast schon schlichte, balladenhafte Form auf den Leser/Hörer hat, wenn man sie dem brutalen Inhalt (vor allem Strophe 7) gegenüberstellt.

Wortwahl und Stilistik:
Analysieren Sie den Kontrast zwischen der Beamtensprache (unterschrieb'n, resolvierte mich) und der emotionalen bzw. religiösen Sprache (daß es Gott erbarm'!, Gerechter Gott). Welche innere Haltung des Soldaten wird hier deutlich?
Erklären Sie das sprachliche Paradoxon in Strophe 7: Warum beschreibt das lyrische Ich die Soldaten, die es brutal zusammenschlagen, als Männer „mit frischem Mut“?

Teil 3: Historisch-politische Kontextualisierung (Kleingruppe)

Das preußische Strafsystem: In Strophe 6 und 7 wird das s ogenannte „Spießrutenlaufen“ (zweimal laufen) beschrieben.
Erläutern Sie anhand des Textes, wie diese Strafe ablief. Beurteilen Sie aus historischer Sicht, welches psychologische Ziel die Armeeführung verfolgte, indem sie die eigenen Kameraden (zweihundert Mann) als Schläger einsetzte.

Die Logik der Verzweiflung: Betrachten Sie die letzte Strophe und insbesondere den Titel des Liedes.

  • Analysieren Sie die psychologische Dynamik: Obwohl der Soldat „bis auf das Blut“ geschlagen wurde, kündigt er an, „morgen wieder [fortzulaufen]“.
  • Setzen Sie diese unnachgiebige Haltung in Bezug zur historischen Realität der preußischen Armee (Stichwort: Kantonssystem, lebenslanger Dienst, totale Institution).

Teil 4: Kritische Reflexion & Transfer (Wahlaufgabe)

Wählen Sie eine der folgenden Aufgaben zur schriftlichen Ausarbeitung:

Option A (Der Bericht des Scholzen): Verfassen Sie einen kurzen, offiziellen Bericht des Dorfschulzen (Strophe 4) an die preußische Militärverwaltung, in dem er die Festnahme des Deserteurs aus seiner Sicht schildert. Achten Sie auf den bürokratischen Tonfall des 18. Jahrhunderts.

Option B (Die historische Urteilsbildung): Erörtern Sie, inwiefern dieses Lied als historisches Dokument des Protests und Widerstands gewertet werden kann. Diskutieren Sie dabei auch, warum solche Lieder trotz strenger Zensur mündlich überliefert und gesungen wurden.

Erstellt unter Zuhilfenahme von KI

   

Arbeitsanregungen zur historischen Quellenanalyse

Historische Quellenanalyse: Das Lied vom Deserteur als Zeugnis des preußischen Militärsystems

Historischer Kontext: Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Preußen zu einem durchorganisierten Militärstaat. Da der Dienst im stehenden Heer lebenslang (oder bis zur Invalidität) dauerte, extrem brutal war und die ländliche Bevölkerung durch das Kantonssystem zwangsverpflichtet wurde, war Desertation (Fahnenflucht) ein Massenphänomen und eines der größten Probleme der Armeeführung.

Teil 1: Quellenkritische Einordnung (Einzelarbeit)

Äußere Quellenkritik: Klassifizieren Sie den vorliegenden Text als historische Quelle. Bestimmen Sie die Quellenart (Primär- oder Sekundärquelle? Überrest oder Tradition?), den potenziellen Urheber (Perspektive) sowie den historischen Entstehungshintergrund.

Die Rekrutierungspraxis: Analysieren Sie Strophe 1. Das lyrische Ich sagt, es habe sich „einmal unterschrieben“.

  • Recherchieren Sie die historischen Methoden der preußischen Werber (Stichwort: „Werbebetrug“, Pressen von Soldaten).

  • Diskutieren Sie, inwiefern das Wort „unterschrieben“ hier auf eine freiwillige Entscheidung oder auf eine moralische/physische Notlage bzw. Täuschung hindeutet.

Teil 2: Strukturelle Merkmale des absolutistischen Überwachungsstaates (Partnerarbeit)

Das Netz der Denunziation: Untersuchen Sie die Strophen 2 bis 5, in denen das lyrische Ich auf der Flucht dem „Bauersmann“ und dem „Scholzen“ (Dorfbürgermeister) begegnet.

  • Arbeiten Sie heraus, wie die ländliche Zivilbevölkerung in das militärische Kontrollsystem eingebunden war.
  • Ziehen Sie Ihr historisches Wissen hinzu: Warum hatten Bauern und Dorfgemeinschaften im Preußen des 18. Jahrhunderts ein massives Eigeninteresse daran, Deserteure zu fangen und auszuliefern? (Stichwort: Kollektivstrafen, Kantonspflicht, Kopfgelder).

Teil 3: Die Militärjustiz und das System der Abschreckung (Kleingruppe)

Analyse des Spießrutenlaufens: In den Strophen 6 und 7 wird das „Gassenlaufen“ (zweimal laufen) durch „zweihundert Mann“ geschildert.

  • Erläutern Sie die Funktionsweise und die Grausamkeit dieser spezifischen Militärstrafe anhand der Quelle.

  • Beurteilen Sie die strategische Absicht der Armeeführung hinter dieser Strafe: Welches Signal sollte an die Truppe gesendet werden, indem die eigenen Kameraden („mit frischem Mut“) als Vollstrecker eingesetzt wurden?

  • Fokussieren Sie hierbei das Konzept der „totalen Institution“ und der systematischen Brechung des Individuums.

Wirtschaftlicher Wert des Soldaten: Der General begnadigt den Mann nach der Strafe und sagt: „bist wieder frei“ (Strophe 6). Erklären Sie aus ökonomischer und militärischer Sicht, warum der Staat Deserteure im 18. Jahrhundert peitschte, aber im Regelfall – anders als bei Diebstahl – nicht hinrichtete.

Teil 4: Historische Urteilsbildung und Transfer (Einzelarbeit)

Die Grenzen der staatlichen Disziplinierung: Die Quelle endet mit einer klaren Trotzreaktion: „So lauf' ich morgen wieder fort“ (Strophe 8).

  • Formulieren Sie ein historisches Sachurteil: Inwiefern offenbart diese letzte Zeile das inhärente Scheitern des preußischen Disziplinierungssystems durch reine Gewalt?
  • Wägen Sie ab, ob das Lied eher als Zeugnis totaler Ohnmacht oder als Dokument des passiven politischen Widerstands gegen den absolutistischen Staat zu werten ist.

Teil 5: Produktive Transferaufgabe

Wählen Sie eine der folgenden Perspektiven für eine schriftliche Ausarbeitung (ca. 1–2 Seiten):

  • Option A (Die Akte der Militärjustiz): Verfassen Sie das offizielle Vernehmungsprotokoll des Regiment-Auditeurs (Militärrichters), nachdem der Soldat nach seinem zweiten Fluchtversuch erneut gefasst wurde. Nutzen Sie die Argumente des Soldaten aus dem Lied und kontrastieren Sie diese mit der preußischen Kriegsartikel-Gesetzgebung.

  • Option B (Das historische Gutachten): Schreiben Sie ein kurzes geschichtswissenschaftliches Gutachten zu der These: „Preußens Armee war keine Armee, die einen Staat hatte, sondern ein Staat, der eine Armee hatte (Mirabeau).“ Nutzen Sie das Lied als Kernbeweis für die Durchdringung der gesamten Gesellschaft durch das Militär.

Erstellt unter Zuhilfenahme von KI

 

Arbeitsanregungen zur sprachlich-stilistischen Analyse

Sprachliche Textanalyse: Erzählstruktur und Rhetorik des Deserteursliedes

Untersuchen Sie die sprachlichen, stilistischen und formalen Mittel des Liedes „Und morgen lauf ich wieder fort“, um herauszuarbeiten, wie das Trauma der Flucht, die Brutalität der Justiz und der unbezähmbare Widerstand des Individuums sprachlich inszeniert werden.

Teil 1: Form, Metrik und die Ästhetik des Einfachen (Einzelarbeit)

Form- und Reimanalyse:

  • Untersuchen Sie das Reimschema und das Metrum (Versmaß) des Liedes. Achten Sie besonders auf die auffälligen Unregelmäßigkeiten (z. B. Waisen, unreine Reime wie unterschrieb'n / dien'n in Strophe 1 oder fort / gut in Strophe 8).

  • Formulieren Sie eine Hypothese, warum das Lied sprachlich so „unperfekt“ und schlicht gestaltet ist. Inwiefern spiegelt diese formale Roheit die Perspektive des lyrischen Ichs wider?

Der balladenhafte Ton: Das Lied pendelt zwischen Lyrik (Lied) und Epik (Erzählung). – Analysieren Sie die Erzählgeschwindigkeit und den Textfluss. Wie schafft es der Text, eine komplexe Kette von Ereignissen (Flucht, Gefangennahme, Verhör, Strafe, Entschluss) auf so engem sprachlichen Raum zu verdichten?

Teil 2: Stilistik, Wortwahl und Sprachebenen (Partnerarbeit)

Das Spannungsfeld der Soziolekte: Im Text prallen verschiedene Sprachebenen aufeinander. – Analysieren Sie den Kontrast zwischen der Amts- und Justizsprache (unterschrieb'n, resolvierte mich) und der religiösen Alltagssprache des Soldaten (daß es Gott erbarm'!, Gerechter Gott).

Rhetorische Paradoxien und Ironie:

  • Untersuchen Sie das Oxymoron (die Verknüpfung widersprüchlicher Begriffe) in Strophe 7: „Zweihundert Mann mit frischem Mut, / Die hieben mich bis auf das Blut.“ Welche bittere Ironie liegt in der Zuschreibung von „frischem Mut“ für die brutale Züchtigung durch die eigenen Kameraden?

  • Analysieren Sie den Begriff „frei“ in Strophe 6 („Mußt zweimal laufen, bist wieder frei“). Welche semantische (bedeutungsmäßige) Verkehrung erfährt das Wort „Freiheit“ im Mund des Generals?

Teil 3: Dialogführung und Perspektive (Kleingruppe)

Die Dynamik der direkten Rede: Das Lied besteht zu großen Teilen aus Dialogen (Strophe 2, 3, 5, 6).

  • Untersuchen Sie die Syntax (Satzbau) und die Pronomen in den Dialogen. Wer spricht wen wie an (z. B. das Erzen: „wo kommt er her?“ vs. das Duzen: „Bist du getreu?“)?

  • Zeigen Sie auf, wie die sprachliche Dominanz der Autoritäten (Bauer, Offizier, General) die totale Ohnmacht des Soldaten widerspiegelt.

Die Anatomie des lyrischen Ichs:

  • Verfolgen Sie, wie das lyrische Ich seinen eigenen Körper sprachlich wahrnimmt (Strophe 4: „an Bein und Arm“, Strophe 7: „bis auf das Blut“, Strophe 8: „meinen Buckel“).

  • Erklären Sie, wie durch diese anatomischen Bezeichnungen das abstrakte Verbrechen der „Desertation“ sprachlich in eine zutiefst körperliche, schmerzhafte Realität geerdet wird.

Teil 4: Textinterpretation und rhetorische Zuspitzung (Einzelarbeit)

Die zyklische Struktur und der Schlussakkord:

Analysieren Sie die sprachliche Verbindung zwischen der ersten Zeile des Titels/Refrains („Und morgen lauf ich wieder fort“) und der allerletzten Zeile des Liedes.

Interpretieren Sie die Klimax (Steigerung) der Verzweiflung: Warum führt die sprachliche Einsicht in den zerstörten Körper („Schaut' ich mir meinen Buckel an“) nicht zu Resignation, sondern mündet in einem konditionalen Schwur („bist du mir gut, / So lauf' ich...“)?

Beurteilen Sie die rhetorische Wirkung dieses abrupten, trotzigen Endes.

Teil 5: Kreativer Sprach-Transfer (Wahlaufgabe)

Wählen Sie eine Aufgabe zur schriftlichen Umsetzung:

  • Option A (Der innere Monolog): Verfassen Sie einen inneren Monolog des Soldaten in moderner, ausdrucksstarker Prosa, der genau im Moment zwischen Strophe 7 und Strophe 8 ansetzt. Machen Sie die sprachlichen Leerstellen des Liedes – das, was der Soldat fühlt, während er seinen blutigen Rücken betrachtet – explizit.

  • Option B (Die sprachliche Dekonstruktion): Schreiben Sie das Lied in ein kurzes, modernes Sprechgedicht oder ein Rap-Skelett um. Ersetzen Sie die veralteten Begriffe durch zeitgemäße Metaphern für Systemzwang, Flucht und körperliche Züchtigung, aber behalten Sie die repetitive, kompromisslose Struktur des Originals bei.

Analyse-Tipp: Nutzen Sie bei Ihrer Ausarbeitung konsequent die literaturwissenschaftlichen Fachbegriffe wie Oxymoron, Klimax, Ellipse, direkte/indirekte Rede, Metrum, Endreim, Soziolekt und Erzählperspektive.

Erstellt unter Zuhilfenahme von KI

 

 
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