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Johann Christoph Gottsched: Von Comödien oder Lustspielen (1730,
Auszüge)
Die Abkehr
vom "Pöbeltheater" der Wandertruppen, die »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) zusammen mit mit •
Caroline Neuber (1697-1760)
maßgeblich voranbrachte, wurde auch durch die literarische
Produktion von »Luise
Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762) geb. Kulmus,
der Ehefrau des Leipziger Philosophen, gefördert.
Während
»Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) durch eigene Stücke wie z.
B. »"Sterbender Cato" Pionierarbeit für das Trauerspiel leistete,
nahm sich seine Frau »Luise
Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762) geb. Kulmus,
die zu den bekanntesten schreibenden Frauen im 18, Jahrhundert
gehört, die Komödie vor. Die "Gottschedin" kann mit Fug und
Recht zu den •
Aufklärerinnen im 18. Jahrhundert Zeit gezählt werden.
"Ihre »Pietisterey im Fischbein-Rocke
(1736), die wie Gottscheds »Cato auf ausländischen Vorbildern
basiert, zeugt wie ihre anderen Lustspiele (Die ungleiche Heyrath; Die Hausfranzösin; Das Testament; Der Witzling) von
‹einer bemerkenswerten satirischen Ader, von Witz und insgesamt
von einem dichterischen Talent‹, wie in der neueren Forschung
zunehmend bemerkt wird." (Stephan
1992, S.134)
Allerdings gibt
es dazu auch andere Stimmen. So halten
Klotz/ Mahler/Müller/Nitsch/Plocher (2013, S.396 Kindle
Edition) "die moralsatirischen Lustspiele, die Gottscheds
Ehefrau Luise Adelgunde nach den Leitlinien des Gatten schrieb",
für zwar "gut gemeint", aber "nur mäßig gelungen", da sich ihre
"Spaßigkeit" eigentlich im Titel erschöpfe. Es seien im Grunde
genommen "auf Rollen verteilte milde Pamphlete, worin
Vernünftigkeit und uneitle Tugend – voraussehbar und pünktlich –
über frömmlerische und geistreichelnde Anmaßung die Oberhand
gewännen. Verglichen mit den Lustspielen ihres
dänisch-norwegischen Vorbildes »Ludvik
Holberg (1684-1754), verkümmerten sie "zu kleinlich
provinzieller Moralisiererei" (ebd.),
bei der eigentlich nirgends eine irgendwie geartete
Bühnenkomödiantik spürbar sei. (vgl.
ebd.)
Dessen
ungeachtet ist die »Pietisterey im Fischbein-Rocke
(1736) der "Gottschedin" dabei, wie
Stephan weiter betont, nicht nur wegen ihrer unter formalen
Aspekten neuen Komödienform wichtig, "sondern auch als ein
Dokument des antiklerikalen Kampfes der Frühaufklärung. Mit
Spott zieht sie gegen den Pietismus ihrer Zeit zu Fehde und
brandmarkt alle obskurantistischen und mystischen Züge, die sie
in dieser Bewegung vorzufinden glaubt. In Herrn und Frau
Glaubeleicht, in Magister Scheinfromm, im jungen Herrn von
Muckersdorff und zahlreichen anderen Personen mit sprechenden
Namen spießt sie die falsche Frömmigkeit und religiöse
Schwärmerei auf und formuliert eine Kritik am Pietismus" (ebd.),
die sogar dazu führte, dass das Lustspiel in das Visier der •
Zensur
geriet und per Kabinettsordre von dem »preußischen
König »Friedrich
Wilhelm I. (1688-1740) 1737 in Berlin, aber auch in
Königsberg verboten wurde. Buchhändler, die es vertrieben,
wurden zeitweilig festgesetzt und verhört und zahlreiche
Buchexemplare wurden beschlagnahmt.
Die Verfasserin
des Stücks, das von ihrem Mann besonders deshalb hochgeschätzt
wurde, weil es klar der »Gegenaufklärung
der Zeit den Kampf ansagte, sorgte dennoch dafür, dass das Stück
seine Leserinnen und Leser fand. Unbeeindruckt von dem
Gegenwind, der ihr entgegenblies, ließ sie es, um der seit 1530
geltenden •
Impressums-Pflicht zumindest nach außen hin Genüge zu
leisten, anonym und mit falscher Verleger- und Ortsangabe
drucken. (vgl.
ebd.,
S.135)
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
06.09.2025