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Komödie der Aufklärung

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In der Zeit der • Aufklärung (1720-1785) als • Literaturepoche war die Theaterlandschaft  in Deutschland im Wesentlichen zweigeteilt.

So leitete in dieser Zeit »Johann Christoph Gottsched (1700-1766) mit seiner Literaturreform eine beispiellose Wende in der deutschen Theatergeschichte ein, die man als die • Literarisierung des Theaters bzw. vor allem als die • Literarisierung der Komödie bezeichnen kann. Sie basierte auf der aufklärerischen Vorstellung, dass das Theater eine Institution werden sollte, "von der aus »moralische Lehrsätze ... seinen Zuschauern auf sinnliche Art eingeprägt« werden sollten." (Brauneck 2012, S.199)

In der Blütezeit der • deutschen Komödie der Aufklärung Gottschedscher Prägung zwischen 1740 und 1760 bestimmte sie mit ihrer • moralischen und didaktischen Ausrichtung, ihrer Vernunftorientierung, ihrer plausiblen Handlungsführung, ihren bestimmten Regeln folgenden Strukturen, mit ihrer • Tendenz zur Typen- statt der Charakterkomödie, ihrer • Ablehnung des "Hanswurst" und des derben Humors, ihrer • Fokussierung auf die bürgerliche Lebenswelt bei Beachtung der sog. Ständeklausel und ihrer Art, • Konflikte durch rationale Einsicht und vernünftiges Handeln zu lösen, die Komödienproduktion der Zeit.

Was allerdings, angesichts der Tatsache, dass die Ausläufer der Aufklärungskomödie bis ins 19. Jahrhundert hinein reichen, schwierig zu sein scheint, ist die Zuordnung einzelner Stücke, die doch sehr verschiedene Autoren wie »Luise Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762)  (die "Gottschedin"), »Johannes Elias Schlegel (1719-1749), »Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) , »Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)Christian Felix Weiße (1726-1804, »August von Kotzebue (1761-1819), »August Wilhelm Iffland (1759-1814) etc. haben.


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Hauptmerkmale

Die • Komödien der Aufklärung in Deutschland weisen, wie Horst Steinmetz (1996a, S.1) betont, eine sehr ähnliche dramaturgisch-technische Anlage auf und stellen gewöhnlich keine besonders hohen Anforderungen an ihre Interpretation.

Statt tiefgründiger, individueller Charaktere präsentierte die Komödie der Aufklärung oft Typen (z.B. der geizige Bürger, der prahlerische Soldat, der verschwenderische Edelmann). Diese Typen verkörperten bestimmte Laster oder Tugenden und dienten als Beispiele, von denen man lernen sollte. Psychologische Tiefe war weniger wichtig als die exemplarische Darstellung.

Auch wenn die Orientierung insbesondere am • klassizistischen französischen Drama zu einer spürbaren Verbesserung des Niveaus der fortan produzierten Komödien führte, fühlten sich schon bald etliche namhafte Dichter, darunter vor allem »Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), von der "starre(n) Regeldogmatik Gottscheds und seiner Freunde" (Stephan 1992, S.135) in ihrer Gestaltungsfreiheit eingeengt, so dass die vom Ehepaar Gottsched geprägte aufklärerische Komödie in Deutschland vergleichsweise schnell ihren herausragenden Platz und ihre literarische Bedeutung verlor. (vgl. Steinmetz 1996a, S.1)

Gottscheds Reform zielte explizit darauf ab, die derbe Stegreifkomödie der Wanderbühnen, insbesondere die Figur des "Hanswurst", zu eliminieren. Stattdessen wurde ein geistreicherer, verstandesbetonter Humor angestrebt, der auf Dialogwitz, Situationskomik und der Überführung von Lastern basierte, nicht auf bloßen Zoten oder Slapstick.

Die Komödien spielten zunehmend im bürgerlichen Milieu. Während Tragödien den Adel vorbehalten waren (Ständeklausel), bot die Komödie dem Bürgertum eine Bühne. Sie thematisierte ihre Probleme, Erfolge und Werte. Die Sprache war gehobener und geordneter als zuvor, aber dennoch verständlich und oft in Prosa oder gereimten Alexandrinern verfasst.

Die Lösungen für die in den Stücken dargestellten Konflikte wurden in diesen Komödien, entsprechend der Bedeutung, die sie der Sprache generell gaben, selten durch dramatische Zuspitzungen, sondern eher durch vernünftige Argumente, Überzeugungen oder die Einsicht der Figuren gelöst. Am Ende stand oft eine moralische Läuterung oder eine harmonische Versöhnung, die den triumphierenden Verstand feierte.

Die Bedeutung der Sprache für die Komödie der Aufklärung

Die Sprache hat für das Lustspiel der Aufklärung eine zentrale Bedeutung. Sie ist das Mittel, das dazu dient, das außersprachlich Komische, wie es die • Wanderbühnen oft in recht derber Form ihrem Publikum zu Erheiterung und Unterhaltung darboten, zurückzudrängen und auf diese Weise zu einer Geschmacksveränderung des Publikums beizutragen. Aus diesem Grund wird die Sprache im Lustspiel der Aufklärung auch selbst zum Gegenstand diskursiver Auseinandersetzung und damit metasprachlicher Reflexion "und berührt damit ein Thema, das noch die Komödien von • Kleist, Büchner und Hofmannsthal wesentlich beherrschen wird." (Alt 2007, S.246)

Die Sprache hat aber in den Stücken auch eine dramaturgische Funktion, weil sie das Mittel ist, mit dem die entstehenden Konflikte letzten Endes durch Kommunikation und Argumentation gelöst werden.

Die Komödie der Aufklärung neigte zwar generell dazu, der Sprache unbedingt zu vertrauen. Allerdings zeigt ihr Spiel, das sich immer wieder um Irrtümer, moralisch zweifelhafte Haltungen und Täuschungen aller Art dreht, dass ihre Komik, die "den Menschen, geprägt durch vielfältige Identitäts- und Rollenkonflikte, im Widerstreit von sinnlichen und moralischen Strebensrichtungen vorführte" (ebd.) auch auf eine so gar nicht typisch aufklärerische "Ahnung von der Macht des Unbewussten jenseits des Logos besaß." (ebd.)

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 06.09.2025

   
 

 
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