Ein
allgemeinverbindlicher Begriff der •
Komödie existiert nicht.
Selbst das • Komische oder
das Happy End werden nicht immer als konstitutiv anerkannt. Dies
trifft auch auf andere Merkmale zu wie, die die Rezeption dieser
Stücke ausmachen wie z. B. das Überlegenheitsgefühl des
Rezipienten über die komisch verblendeten Figuren, die Gefühle
von Schadenfreude und von Entlastung vom Druck als gemeinsam
angesehenen Zwängen, die Erwartungen eines Happy Ends, das
heitere Gefühl, das sie aus der Distanz zum Geschehen erzeugen
und das Bewusstsein, dass es sich um ein Spiel handelt. (vgl.
Profitlich/Stucke (2007, S.309)
Natürlich kann auch die
Unterscheidung der "Hauptformen des Dramas", die Ivo
Braak (31969,
S.232-252) vorgenommen hat, an dieser Stelle nur eine vorläufige Orientierung darstellen, zumal solche Typologien zu
Recht umstritten sind und auch die dahinter stehenden
Gattungskonventionen längst in Auflösung begriffen sind.
Wie auch immer von
• Gattungsbegriffen im Literaturunterricht Gebrauch gemacht wird,
Gattungsfragen und -zuordnungen sind nie Selbstzweck, sondern •
sollten
vor allem der Verständigung über Literatur dienen.

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Was sich auf der
Ebene der dramatischen Texte schon schwierig gestaltet, wenn es
um die Gattungsmerkmale der Komödie geht, gilt um so mehr für
die Gattungstypologie der Komödie selbst, die, je nach Ansatz,
in verschiedene Untergattungen eingeteilt werden kann.
Profitlich/Stucke (2007,
S.309) haben dazu sieben Ansätze mit einem ihnen zugrunde
liegenden Hauptkriterium zusammengestellt, die wir hier mit
Ergänzungen wiedergeben.

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|
Kriterium |
Beispiele und
Merkmale |
|
Wirklichkeitsnähe-/
-bezug |
•
antike griechische
Komödie:
in hohem Maße gesellschaftskritisch:
Aristophanes
(zwischen 450 v. Chr. und 444 v. Chr. - um 380 v.
Chr.)
entpolitisierte neue Form »Menander
(342/341 v. Chr.- 291/290 v. Chr.), »Molíére
(1622-1673) |
|
Zahl der Angriffspunkte |
(auf der Grundlage der
Unterscheidung von satirischer Typenkomödie und
rührenden bzw. empfindsamen •
Lustspielen in der Zeit der •
Aufklärung)
monomische Komödie:
Doppelung des Lasters mit scharfer
Gesellschaftskritik
binomische Komödie:
Gestörtes Verhältnis zwischen lasterhaftem Typ und
vernünftiger Umwelt aufgrund eines individuellen
Fehlers des Helden, aber auch eines allgemeineren
gesellschaftlich-moralischen Missstandes (z. B. »Luise
Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762) »Pietisterey im Fischbein-Rocke
(1736) (vgl.
Steinmetz (1996a) |
|
Individualisierungsgrad
der Akteure |
Typenkomödie
»Molíére
(1622-1673):
Le précieuses ridicules (Die lächerlichen
Preziösen) 1659,
L'Avare (Der Geizige) 1668;
Ludvik Holberg (1684.1754):
Den politiske kandestøber (Der politische
Kannengießer) 1722;
Charakterkomödie:
Heinrich von Kleist (1777-1811), •
Der zerbrochne Krug (1811) (Dorfrichter
Adam);
Gerhart Hauptmann (1862-1946),
Der Biberpelz (1893) (Mutter Wolffen) |
|
Quelle des Komischen |
in der Figur begründet:
Charakter-, Typenkomödie (z. B. »Molíére
(1622-1673):
Le précieuses ridicules (Die lächerlichen
Preziösen) 1659,
L'Avare (Der Geizige) 1668;
Ludvik Holberg (1684.1754):
Den politiske kandestøber (Der politische
Kannengießer) 1722;
in der Situation, dem
Geschehen begründet: Situationskomödien wie »Farce,
»Burleske,
»Posse,
»Klamotte,
Volksstück
(»Schwank) |
|
Anteil des Komischen |
Anteil des Komischen in
Verbindung mit anderen Eigenschaften; Lachkomödie,
rührendes Lustspiel, schwarze Komödie,
Tragikomödie,
Groteske etc. |
|
Rang des Komischen |
Gegenüberstellung einer
hohen und einer niederen Komödie; niedere Komödie z.
B. »Farce,
»Burleske,
»Posse,
»Klamotte,
Volksstück
(»Schwank),
»Boulevardstück,
Situations- statt Charakterkomik, »Slapstick,
Klamauk, Gaga |
|
Lebensgefühl und Haltung
gegenüber den komischen Figuren |
satirische Komödie
(oft mit Verlachen und Auslachen verbunden)
humoristische
Komödie (von einer gelösten Grundheiterkeit
getragen) |
Ivo
Braak (31969,
S.232-252) unterscheidet in seiner globalen
Übersicht über die Hauptformen
des Dramas (s.o.) Komödie und Lustspiel voneinander. Diese
Unterscheidung, die seiner Ansicht nach dadurch begründet ist,
dass die Komödie "aus der Haltung der Komik" erwachse(ebd.,
S.239), das Lustspiel hingegen aus der "Haltung des Humors"
(ebd.,
S.242), ist normativ wenig überzeugend, kann aber im
literaturdidaktischen Umfeld durchaus zur Reflexion genutzt
werden.
Ob und inwieweit diese Unterscheidung in der schulischen Kommunikation
über Literatur brauchbar ist und einen Nutzen für das Erschließen und
Verstehen von Texten an einem konkreten
Beispieltext unter Beweis stellen kann, wird im Einzelfall
unterschiedlich sein.
Hier geben wir Ivo Braaks Untergattungen des Lustspiels mit
seinem Bestreben "heiter zu vereinigen, was feindlich sich
flieht"
(ebd.,
S.242) mit Beispielen (z.T. ergänzt) wider.
-
»Comédie
larmoyante: Rührstück, "weinerliches Lustspiel"
(Lessing); z. B. »Gellerts
(1715-1769) aufklärerische Rührstücke »Die
Betschwester,
1745, »Die
zärtlichen Schwestern, 1747; »Lessings
(1729-1781) »Miß
Sara Sampson, 1755;
-
Unterhaltungslustspiel:
z. B. »Ifflands
(1759-1814), »Die
Hagestolzen, 1793; »Kotzebues(1761-1819),
»Die
deutschen Kleinstädter, 1803
-
Romantisches Lustspiel:
z. B. »Tieck
(1773-1853), »Der
gestiefelte Kater, 1797; ders., »Die
verkehrte Welt,1799; »Büchner
(1813-1837), »Leonce
und Lena, 1836; »Grillparzer
(1791-1872), »Weh
dem, der lügt, 1840
-
Konversationslustspiel:
»Schnitzler
(1862.1931), Das Abenteuer seines Lebens, 1888);
ders., »Zum
großen Wurstl,1901; »Hofmannsthal
(1874-1929), »Christinas
Heimreise, 1910; ders. Die Heirat wider Willen,
1910
-
Dramatischer Schwank: »Franz
und Paul von Schönthan, »Der
Raub der Sabinerinnen, 1885
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
07.09.2025
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