»Aristophanes
(zwischen 450 v. Chr. und 444 v. Chr.- um 380 v. Chr.), über
dessen »Leben
wenig bekannt ist, wurde in Athen geboren und verbrachte
wohl die meiste Zeit in dieser Stadt. Er ist neben »Kratinos
(um 490 v. Chr.- 420 v. Chr.) wohl der bedeutendste
Vertreter der »alten
Komödie im antiken Griechenland im 5. Jahrhundert v. Chr.
Er
soll etwa 40 verschiedene Werke verfasst haben. Elf seiner
Komödien sind bis heute vollständig erhalten. Leider kann man
das von vielen anderen Komödienautoren vor und nach ihm nicht
sagen, deren Werke, abgesehen von denen »Menanders
(342/341 v. Chr.- 291/290 v. Chr.), dessen •
neue Komödien allerdings einen anderen Charakter haben, wenn
nicht gänzlich verloren gegangen, bestenfalls als Fragmente
überliefert worden sind. In der Zeit der alten Komödie in
den etwa hundert Jahren zwischen ca. 470 v. Chr. und 380 v. Chr. wurden zwischen 500 und 600 Komödien
aufgeführt und heute sind noch über 50 Autoren bekannt. (vgl.
Zimmermann 2011, S.671f.)
Aristophanes
verstand es, "aus sprichwörtlichen Redensarten oder
Sprachbildern Geschichten zu generieren." (Hose
2012, S.183) Mal zeigte die Komödie von Aristophanes auf,
wie einfach Frieden geschlossen werden kann, wenn ein einfacher
Bürger »Athens
einen Privatfrieden mit dem im »Peloponnesischen
Krieg (431 V. Chr. - 404 v. Chr.) verfeindeten
Sparta schließt (»Acharner,
425 v. Chr.), mal lässt er er einen Bauern auf einem eigens
dafür gezüchteten Mistkäfer in den Himmel fliegen (»Frieden,
421 v. Chr.). In »Lysistrate
(424 v. Chr.) zwingen die griechischen Frauen ihre Männer
dadurch Frieden zu schließen, dass sie sich ihnen sexuell
entziehen, solange dies nicht der Fall ist. Genauso gut geraten
aber auch einzelne Politiker ins Visier seiner Komödien und auch
verschiedene intellektuelle Strömungen werden parodiert, wenn z.
B. wie in den »Wolken
(423 v. Chr.)
Sokrates (469 v. Chr.- 399 v. Chr.) als ein "Erzsophist
eingeführt wird" (ebd.),
der ähnlich wie im bildungsbürgerlichen Diskurs des 18., 19. und
frühen 20. Jahrhunderts über den »Sophismus
als »Rabulist
karikiert wird, d. h. als jemand, der spitzfindig, kleinlich,
rechthaberisch und manipulativ argumentiert und dabei oft die
Wahrheit verdreht. In den »Vögeln
(414 v. Chr.) flüchten die Einwohner Athens aus ihrer
Stadt, suchen Zuflucht in der Welt der Vögel und "gründen einen
phantastischen neuen Staat, der sogar die Götter bezwingt." (ebd.)
Seine »Frösche
(405 v. Chr.), in denen die Frösche, die ansonsten keine
große Rolle spielen, eine Gesangswettstreit (Agon) mit dem Gott
»Dionysos
veranstalten, bei dem sie unablässig ihr "Brekekekex koax koax"
quaken, unterstreichen sie absurde Natur von Dionysos' Reise,
der den verstorbenen Tragödiendichter Euripides zurückholen
will, da ihm die zeitgenössischen Dramatiker zu minderwertig
erscheinen. In der Unterwelt muss er einen Wettstreit zwischen »Euripides
(480 - 406 v. Chr.) und »Aischylos
(525-456 c. Chr.) schlichten, um zu entscheiden, wer die
Athener am besten mit seiner Dichtkunst retten kann. Selbst ein
Gegenentwurf zur patriarchalischen Polis gehört zu den Komödien
von Aristophanes: In den »Ekklesiazusen
(auch: Die
Weibervolksversammlung oder
Frauen in der Volksversammlung (um 393 v. Chr.)
übernehmen die Frauen, nachdem sie Besitz radikal enteignet
haben, die vollständige Macht der Männer. Sein vermutlich
letztes Stück »Plutos
(Der Reichtum) "arbeitet mit dem Motiv vom ›blinden‹ Reichtum
und den Konsequenzen, die sich ergeben, wäre der Reichtum sehend
und ginge nur zu denen, die ihn verdienen." (ebd.)
Immer wieder
legt es Aristophanes in seinen Stücken darauf an,
"wohlbekannte Persönlichkeiten, seien sie nun an- oder abwesend
bei der Aufführung, namentlich zu adressieren. Zumal prominente
Politiker gehören dazu wie »Perikles
oder »Kleon,
die den staatsbürgerlichen Groll des Dichters erregt haben." (Klotz
2013, S.37, Kindle edition) Sein Komödienstil, den Volker
Klotz am Beispiel seiner Komödie »Frieden
(421 v. Chr.) pointiert als "Karambolage
von Verskunst und Unterleibsradau" bezeichnet, sei aber
dennoch subtil ausgetüftelt, da sich "das kunstvoll entfaltete
Spektrum seiner Verssprache, die sich – Kot hin, »Phallos
her – nirgends herablässt zum kruden Drauflos von prosaischem
Alltagsgerede." (ebd.,
S.39)
In den Komödien
von Aristophanes spielen "die immer regsamen tiefliegenden
Organe" (männlichen Geschlechtsorgane) immer wieder eine große
Rolle bei der Unterhaltung des Publikums. Mal dienen sie der
Polemik wie im unblutigen Kampf gegen die Kriegsgewinnler in
seiner Komödie »Frieden
(421 v. Chr.), mal lässt der Autor prangende Geschlechtsteile
auch hymnisch immer mal wieder in besonders theatralischen
Szenen zur großen Begeisterung des Publikums hochleben. Dieses
begeistert sich offenbar besonders darüber, "wenn die Akteure
spielerisch ihre künstlich modellierten Phalloi triumphal zur
Schau stellen und sie dazu noch in chorischen Strophen jubelnd
besingen." (ebd.,
S.45) Diese Wirkung beruht wahrscheinlich darauf, dass damit auf
die vortheatralische Herkunft der Komödie Bezug genommen wird,
deren kultischer Kontext zum kulturellen Gedächtnis der Zeit
gehörte. Vor den Augen und Ohren der Zuschauer entstand damit
für einen Moment "der exzessive Kosmos, dem rauschhaften Gott »Dionysos
zu Ehren", der die kultischen Opferspiele des •
archaischen Dionysoskults (»Dionysien)
wieder mit ihren "Besessenheitsriten" (Michel Leiris
1979) ins Bewusstsein rief , die Athen während der mehrtägigen
Festtage in einen "Ausnahmezustand" (Brauneck
2012, S.21) versetzten.
Der "orgiastische
Impuls" (Klotz
2013, S.45, Kindle edition), der von der Evokation dieses
exzessiven Kosmos ausgeht, rumore auch noch in späteren Epochen
da und dort, ob im »Sommernachtstraum
von »William
Shakespeare
(1564-1616), ob in den »Esperpentos
von »Ramón
María del Valle-Inclán (1866.1936) oder auch in manchen »Operetten
von »Jacques
Offenbach (1819-1880). (vgl.
ebd.)