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Antike griechische Komödie

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Die • Komödie ist wie die • Tragödie als Kunstform in der griechischen Antike entstanden und wurde in späterer Zeit immer wieder verändert.

Von dem Philosophen »Aristoteles (384-322 v. Chr.), der in zahlreichen Disziplinen wichtige Erkenntnisse gewann und mit den in seiner Dichtungstheorie (»Poetik) niedergelegten Auffassungen nicht nur seine Zeit, sondern über die Jahrhunderte hinweg auch die Dichtung bis in unsere Gegenwart beeinflusst hat, sind kaum Aussagen über die Komödie überliefert. In den von seiner »Poetik erhaltenen Teilen hat er sich bei den ▪ dramatischen Formen vorwiegend mit der ▪ Tragödie beschäftigt.

Was er über die ▪ (alte) Komödie dachte, die beim Publikum in der griechischen Antike sehr beliebt war, ist verloren gegangen. So fehlt also ein der aristotelischen »Poetik) vergleichbarer "Urtext" (Schößler 2017, S.34), der die Rolle eines  kanonischen Grundlagentextes" (ebd.) über die Komödie hätte einnehmen können.

Was er zur Abgrenzung der beiden dramatischen Gattungen Komödie und Tragödie heranzieht, bezieht sich vor allem auf die Verschiedenheit der Figuren bzw. Charaktere, die in ihnen auftreten:

"Die Komödie", so heißt es bei ihm, "sucht schlechtere, die Tragödie bessere Menschen nachzuahmen, als sie in der Wirklichkeit vorkommen." (Aristoteles, Poetik, 2. Kap., S.9), wobei sich das Schlechte bei Komödie "nicht im Hinblick auf jede Art von Schlechtigkeit" (ebd., Kap.5, S.17) bezieht, "sondern nur insoweit, als das Lächerliche am Hässlichen teilhat." (ebd.)

Das Lächerliche war für ihn "ein mit Hässlichkeit verbundener Fehler, der indes keinen Schmerz und kein Verderben verursacht". (ebd.) Wahrscheinlich ist mit "schlechteren" und "besseren" Menschen eine moralische Wertung verbunden, die Begriffe können aber (darüber hinaus) auch mit einer ständischen Bedeutung konnotiert worden sein und den Gegensatz zwischen gewöhnlichen und edlen bzw. bedeutenden Menschen ausdrücken. (vgl. Asmuth 62004, S.27)

Außer dem Fehlen substantieller Aussagen von Aristoteles zur Komödie kommt hinzu, dass es nur wenige vollständig erhaltene Komödien aus dieser Zeit gibt. Sie stammen von • Aristophanes (zwischen 450 v. Chr. und 444 v. Chr. - um 380 v. Chr.) und »Menander (342/341 v. Chr.- 291/290 v. Chr.). Allerdings haben die beiden nicht nur ein Jahrhundert auseinander gelebt, sondern gehören auch unter dem Blickwinkel der »Komödienentwicklung dieser Zeit unterschiedlichen Phasen der Gattungsentwicklung in der griechischen Antike an.

Unterschiedliche Phasen der Komödienentwicklung

Die Entwicklung der • antiken griechischen Komödie lässt sich in drei verschiedene »Phasen einteilen. Knapp zusammengefasst, zeichnet sich diese Entwicklung dadurch aus, dass sich die griechischen Komödie von einer direkt-politischen, derben und auf den Chor und seine Interaktionen mit dem Publikum gestützten Form (Alte Komödie) über eine Übergangsphase (Mittlere Komödie) zu einer entpolitisierten, auf das Private und das bürgerliche Alltagsleben bezogenen Form (Neue Komödie) vollzog, in der der Chor, der in der Kommunikation mit dem Publikum lange eine bedeutende Rolle spielte, zu einem unbedeutenden Beiwerk wurde.

Alte Komödie (ca. 470 – 380 v. Chr.)

Die »Alte Komödie (ca. 470-380 v. Chr.) ist in hohem Maße gesellschaftskritisch konzipiert. Sie nimmt in satirischer Weise Missstände in der antiken griechischen Gesellschaft (»Polis) von Athen ins Visier und karikiert mit ihren Mitteln Persönlichkeiten der Zeit. Dem Chor fällt dabei bei der Kommentierung der politischen und gesellschaftlichen Themen eine zentrale Funktion in der Kommunikation mit dem Publikum zu (»Parabase).

Gesellschaftlicher Kontext

Blütezeit des demokratischen Athens, in der Redefreiheit und direkte Kritik auch in der Kunst toleriert wurden

Themen, Komik und Humor

Witz und Komik sehr zeitgebunden

Satirisch, karikierend und sozialkritisch; oft von grobem Witz und Obszönität; häufig auch fantastisch und absurd wirkende Handlungen (z.B. fliegende Käfer, sprechende Vögel, Reisen in die Unterwelt

Strukturmerkmale

Ursprüngl. stark ausgeprägter »Chor, oft mit einer eigenen Persönlichkeit (z.B. Vögel, Frösche) und aktiver Rolle in der Handlung und bei deren Kommentierung (vgl. • Rolle des Chores in der griechischen Tragödie)

Im Unterschied zur antiken Tragödie mit »Parabase (Anrede des Chorführers an das Publikum), um politische oder gesellschaftliche Themen zu kommentieren.

»Agon: Ein formaler Wettstreit oder eine Debatte zwischen zwei Hauptcharakteren über eine zentrale Idee.

Figuren

Oft bekannte Persönlichkeiten der Zeit, karikiert und übertrieben dargestellt.

Wichtige Vertreter und Werke, u. a.

»Aristophanes (zwischen 450 v. Chr. und 444 v. Chr. - um 380 v. Chr.): »Die Acharner, »Der Frieden, »Lysistrate, »Die Wolken, »Die Vögel, »Die Frösche, »Die Ekklesiazusen, »Plutos

»Kratinos (um 490 v. Chr.- 420 v. Chr.)

Mittlere Komödie (ca. 380 – 320 v. Chr.)

Die »Mittlere Komödie (ca. 380 – 320 v. Chr.) stellt in gewisser Weise eine Übergangsphase zwischen der Alten und der Neuen Komödie dar, die durch die Tendenz zur Entpolitisierung der dramatischen Form gekennzeichnet ist und damit zu einer sukzessiven Fokussierung auf allgemeine Typen und Alltagssituationen.

Gesellschaftlicher Kontext

Zeit des Übergangs und der Unsicherheit in Athen nach dem »Peloponnesischen Krieg (431 V. Chr. - 404 v. Chr.), was zu einer vorsichtigeren und weniger direkten Kritik führte

Themen, Komik und Humor

Abnehmende politische Satire: Mit dem Niedergang der athenischen Demokratie und der Zunahme oligarchischer Tendenzen nahm die direkte politische Kritik ab.

Alltagsleben und Typen: Es gab einen stärkeren Fokus auf allgemeine Typen und Alltagssituationen.

Literarische Parodien: Häufiger wurden Tragödien oder Mythen parodiert.

Strukturmerkmale

Rückgang der Bedeutung des Chores, dessen Auftritte oft oft zu Zwischenspielen wurden, die weniger direkt mit der Handlung verbunden waren.

Die »Parabase, wie sie noch die Alte Komödie auszeichnete, verschwand weitgehend.

Figuren

Übergang von karikierten Persönlichkeiten zu allgemeinen Typen mit den entsprechenden Typenrollen (z.B. der Sohn aus gutem Hause, der strenge Vater, der schlaue Sklave, die schöne »Hetäre, der Parasit)

Wichtige Vertreter und Werke, u. a.

»Antiphanes (408/404 v. Chr. - nach 320 v. Chr.), Anaxandrides und Alexis Um 347 v. Chr. ?);

Die meisten Werke sind nur fragmentarisch erhalten.

Neue Komödie (ca. 320 – 260 v. Chr.)

Die »Neue Komödie (ca. 320 – 260 v. Chr.) ist eine im Vergleich zur alten Komödie entpolitisierte Form. Sie hat den bei den Mittleren Komödien feststellbaren Trend zur inhaltlichen Verlagerung auf das Individuum und sein Privatleben endgültig vollzogen und fokussiert sich auf den bürgerlichen Alltag mit seinen familiären Konflikten, auf Liebesintrigen und Alltagssituationen. Auf diese Weise entwickeln sie sich zusehends zu • Charakterkomödien.

Gesellschaftlicher Kontext

»Hellenistische Epoche (336 v. Chr. - 30 v. Chr.) beendet unter der Herrschaft der »makedonischen Könige (z. B. »Philipp II., »Alexander der Große) die Demokratie und Redefreiheit in Athen; daher kaum noch zeitkritische, satirische Anspielungen auf die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit und ihre führenden Repräsentanten; Folge: Inhaltliche Verlagerung auf das Individuum und sein Privatleben, Entpolitisierung

Themen, Komik und Humor

Zunächst Dominanz mythischer Stoffe, dann zusehends Fokussierung auf das Private, das Privatleben, den bürgerlichen Alltag mit seinen familiären Konflikten, auf Liebesintrigen und Alltagssituationen. Politische Satire war praktisch nicht mehr vorhanden.

Komik entsteht aus der Psychologie und den Interaktionen der stereotypen Figuren. (Charakterkomödie)

Die Stücke endeten oft mit einer Versöhnung oder einer glücklichen Lösung für die Protagonisten, oft durch Zufall oder eine überraschende Wendung.

Strukturmerkmale

Chor meist nur noch Zwischenakt und weitgehend ohne Funktion für die Handlung; stattdessen verwendet als musikalische oder tänzerische Intermezzi zwischen den Akten.

Feste oder ähnliche Handlungsmuster (z. B. Verwechslungen, Wiedererkennen aller Art, überkreuzte Liebesbeziehungen etc.).

Figuren

Stereotype Figuren: der strenge Vater, der liebeskranke junge Mann, der gerissener Sklaven, die Hetäre oder den prahlerischen Soldaten. Diese Typen beeinflussten später auch die »römische Komödie und die europäische Komödientradition.

Wichtige Vertreter und Werke, u. a.

»Menander (342/341 v. Chr.- 291/290 v. Chr.), »Philemon der Ältere (361 v. Chr. - 263 v. Chr.)

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 10.09.2025

 
 

 
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