Fremdwörter
sind Wörter aus anderen Sprachen, die, auch wenn sie immer
wieder im Sprachgebrauch erscheinen, weiterhin als Wörter
fremder Herkunft empfunden werden.
Unter
dem Aspekt ihrer Verwendung können Fremdwörter in verschiedene
Gruppen eingeteilt werden. Die nebenstehende Übersicht, die an
Sowinski
(1978, S.250) anschließt, kann daher hier auch lediglich
einer gewissen Orientierung dienen.
Fremdwörter kommen häufig gleichzeitig mit einer Sache oder Mode
auf und werden dann in den Sprachgebrauch übernommen. Die Vielzahl der heute in die
deutsche Sprache "eingewanderten"
Anglizismen, also Fremdwörtern
aus der englischen Sprache, ist dabei auch die Folge davon, dass
Englisch für unseren Kulturraum und auch weltweit eine wichtige
Sprache für Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Medien und Kultur
ist. Oftmals werden solche Anglizismen aber auch eingedeutscht
und Lehnwörter.
Fremdwörter können bei ihrem Gebrauch in der Kommunikation
unterschiedliche stilistische Funktionen haben und eine
sprachliche Äußerung einfärben.
-
Präzisierung
Fremdwörter können einen Sachverhalt genauer ausdrücken als
ein deutsches Wort. Beispiel: "Analyse" statt
"Untersuchung".
-
Fachsprachliche
Bedeutung
In Wissenschaft, Technik oder Medizin dienen sie als
Fachbegriffe.
Beispiel: "Diagnose", "Hypothese".
-
Gehobene
oder gebildete Ausdrucksweise
Fremdwörter können einen Text anspruchsvoller oder
akademischer wirken lassen. Beispiel: "Kommunikation" statt
"Austausch".
-
Modernität und
Internationalität
Besonders englische Fremdwörter vermitteln oft einen
modernen oder internationalen Eindruck. Beispiel:
"Lifestyle", "Update".
-
Gruppenzugehörigkeit
Bestimmte Gruppen verwenden Fremdwörter als
Erkennungszeichen oder Fachjargon. Beispiel: Jugendliche ("cringe")
oder Computerfachleute ("Server".
-
Verfremdung oder Distanz
Fremdwörter können einen Sachverhalt sachlicher oder
distanzierter erscheinen lassen. Beispiel: "eliminieren"
statt "beseitigen"
-
Prestige- oder
Werbewirkung
In Werbung sollen Fremdwörter Produkte attraktiver oder
exklusiver wirken lassen. Beispiel: "Premium Edition",
"Performance". "performen"
Zu viele
Fremdwörter können allerdings auch die
Verständlichkeit herabsetzen oder künstlich wirken.
Der
Fremdwortgebrauch war schon immer auch an bestimmte
Konversationsstile gebunden, mit denen sich unterschiedlichen
soziale Gruppen und Schichten Identität und ein Wir-Gefühl
verschafften und sich von anderen sozialen Gruppen und Schichten
abzugrenzen versucht haben.
So hat sich der
Adel im 17. Jahrhundert nicht nur mit dem Französischen als
Hofsprache, sondern auch mit der Verwendung daraus stammender
Fremdwörter von den niederen Ständen abheben wollen. Die
Geringschätzung der
Volkssprache, die darin zum Ausdruck kam, war also in dieser Zeit nichts Außergewöhnliches. Von
oben in der sozialen Hierarchie betrachtet, sprach man ja schon lange nur dann Deutsch, wenn man sich
an das niedere, ungebildete Volk richten wollte, das nichts anderes
verstand. Für die "gepflegte" Konversation, den gelehrten Diskurs und
anspruchsvolle Dichtung kam die wilde und barbarische Sprache nicht in
Frage, die der »gemeine
Mann« auf der Straße sprach und für die es nicht
einmal eine verbindliche Grammatik und angesichts der Vielzahl regional
unterschiedlicher Dialekte eine verbindliche Aussprache gab.
Zwar gab es im
Bereich der Literatur eine an mittelalterlichen Traditionen
orientierte deutschsprachige ▪ "Popularliteratur"
(Willems 2012, Bd. I,
S.72) mit ▪
Meistergesang, Bibeldramen, Prosaromanen und einer deutschsprachigen
Lieddichtung, aber im Bereich der gehobenen, anspruchsvollen Literatur
dominierte noch lange die ▪
neulateinische Gelehrtendichtung, gegen die sich die so
genannte ▪
neue Kunstdichtung, angeführt von ▪
Martin Opitz (1597-1639)
und seinen
Vorstellungen einer ▪
Sprach- und
Literaturreform erst nach und nach durchsetzen konnte. Ihren Anteil an
der Verteidigung der deutschen Sprache hatten auch verschiedene
▪
Sprach- und Literaturgesellschaften, in denen sich Adelige,
Bürger und bürgerliche Dichter nach dem
▪
Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zusammentaten. Auch sie sorgten mit
den Übersetzungen von anspruchsvollen Werken anderssprachiger
europäischer Literatur, die einzelne ihrer Mitglieder vornahmen,
dafür, dass die deutsche Sprache nach und nach als gleichwertig
anerkannt wurde. Zugleich sorgten sie mit ihren
▪ Eindeutschungen von Wörtern aus anderen Sprachen dafür,
dass der Wortbestand und die Ausdrucksfähigkeit der deutschen
Sprache erweitert wurde. Beispiele von deutschen Ersatzwörtern
für die französische "Fremdwörtelei"
(Sowinski
1978, S.249)
sind Leidenschaft für das französische passion
oder Geschäftsmann für homme d'affaire. Dessen
ungeachtet war das Konzept,
das verschiedenen Gesellschaften, wie z. B. der ▪
Fruchtbringenden Gesellschaft (1617-1680, lateinisch
societas fructifera) oder der ▪
Pegnesische Blumenorden (ab 1644) verfolgten, aber sehr ▪
elitär.
Auch der
deutsche Nationalismus im 19. Jahrhundert veranstaltete
"sprachpuristische Fremdwortjagden"
(ebd.)
und schuf eine Reihe von hochdeutschen Neuprägungen für bis
dahin weit verbreitete französische Wörter wie z.B. Kreislauf
für Zirkulation, Bittsteller für Supplicant,
Festland für Kontinent, betonen für
akzentuieren. Dennoch drangen im Zuge der wirtschaftlichen
Entwicklung immer mehr Fremdwörter in die deutsche Sprache. Wer
Eisenbahn fuhr, musste ein Bilett lösen und dieses vom
Controlleur überprüfen lassen, ehe der Conducteur den
Zug in Bewegung setzte. Wer Zeitung las, studierte die
Annoncen und informierte sich in verschiedenen Artikeln
über Debatten und Resolutionen im Parlament.
Währen man in Deutschland sich dennoch bemühte, zumindest im
Amtsdeutsch, die Zahl der Fremdwörter durch Verdeutschungen zu
begrenzen, hielten sie sie sich in Österreich und in der Schweiz
(z. B. Occasionen) deutlich länger und teilweise bis
heute.
Heute steht der
herkömmliche Sprachpurismus im Zeichen der Globalisierung
weitgehend auf verlorenem Posten. Unsere sprachliche
Kommunikation ist dabei vor allem von Anglizismen geflutet. Was
vielen gefällt, geht anderen sehr auf die Nerven: Sale, Kiddie
Contest, History, Adventure, History Specials und im Radio
Romantic Dreams ... Ohne body shaping und power walking
funktioniert unser body nicht, alles dreht sich um die
work-life-balance, wir tragen outdoor jackets, tops oder beach
wear, schmieren uns anti-ageing-Creme ins Gesicht, debattieren
über longevity lösen tickets für die Bahn oder events, feiern
inzwischen sogar X-Mas.
Wer die
Anglizismen im Allgemeinen begrüßt, betont dabei oft, dass sie
aus präzisen und kurzen Begriffen bestehen, die international
verständlich sind und damit zur Weiterentwicklung auch der
deutschen Sprache beitragen.
Ihre Gegner
halten manche Wörter für schwer verständlich und beklagen, dass
die Anglizismen ohne Not deutsche Wörter verdrängen.
Dieser
Entwicklung will der ▪
Verein Deutsche
Sprache e. V. mit seinem ▪
Anglizismenindex entgegenwirken. Dieser versteht sich, so
der Verein, als "eine Orientierungshilfe für alle, die deutsche
Texte mit englischen oder pseudoenglischen Ausdrücken nicht
verstehen oder sie ablehnen und auch für jene, die Anglizismen
in eigenen Texten möglichst vermeiden wollen." Er " setzt einem
Anglizismus eine deutschsprachige Entsprechung entgegen, und
zwar so früh wie möglich und unabhängig von der Häufigkeit
seines Auftretens. Damit begegnet er entbehrlichen Anglizismen
schon im Anfangsstadium ihres Erscheinens. Er ist somit ein
aktuelles Nachschlagewerk".
Dass
Anglizismen heute einen so großen Stellenwert in der deutschen
Sprache haben, hat verschiedene Gründe.
-
Einfluss
von Technik und Digitalisierung
Viele neue Begriffe kommen aus dem Englischen. (z. B.
Download, Social Media, Smartphone, App, Streaming)
-
Internationalisierung
Unternehmen und Menschen kommunizieren im Zeitalter der
Globalisierung weltweit miteinander. Englische Begriffe
erleichtern daher oft die internationale Verständigung.
-
Einfluss
von Medien und Popkultur
Filme, Musik, soziale Medien und Computerspiele verbreiten
englische Wörter. (z. B. Influencer, Podcast, Follower,
Challenge)
-
Modernitäts- und Prestigewirkung
Anglizismen wirken häufig modern, jung oder international.
Darauf setzt vor allem Werbung besonders gern.
-
Sprachliche Lücken
Für neue Entwicklungen gibt es im Deutschen manchmal
zunächst kein passendes Wort. (z. B. E-Mail oder Chat)