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Stilmittel des Wortschatzes

Fremdwörter

Text und Stil

   
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Rhetorische Stilmittel: Figuren und Tropen

Stilanalyse im Rahmen der schulischen Textinterpretation

Fremdwörter gelten unter dem Aspekt der ▪ Stilistik als "ein besonders auffälliges ▪ Stilmittel des Wortschatzes jedes Textes und jeder Sprechweise. Durch ihre Art und ihren Anteil können der jeweilige Gesamtteil eines Textes wie auch die Sprechart einzelner Personen in bestimmter Weise charakterisiert werden." (Sowinski 1978, S.252)

In der älteren Stillehre hat man meistens dafür plädiert, Fremdwörter zu vermeiden, weil man mit diesem sprachlichen Purismus, nicht zuletzt auch aus ideologischen Gründen, den Gebrauch "heimische(r) Wörter der deutschen Sprache, so genannte Erbwörter" (Sowinski 1978, S.249) bevorzugte und fördern wollte.

Grundsätzlich kann man Lehn- und Fremdwörter unterscheiden.

Lehnwörter als eingedeutsche Fremdwörter

Lehnwörter sind Wörter aus anderen Sprachen, die im Laufe der Geschichte "eingedeutscht" wurden, d. h. in die deutsche Sprache übernommen und angepasst.  Sie passen sich an die deutsche Lautentwicklung und damit an die deutsche Aussprache, an die deutsche Schreibweise und/oder Grammatik an. (vgl. ebd.)

Beispiele dafür sind: Wein (lat. vinum), Fenster (lat. fenestra), Keller (lat. cellarium), Mauer (lat. murus), Sport (engl. sport < frz. de sport), Streik (engl. strike).

Fremdwörter

Fremdwörter sind Wörter aus anderen Sprachen, die, auch wenn sie immer wieder im Sprachgebrauch erscheinen, weiterhin als Wörter fremder Herkunft empfunden werden.

Unter dem Aspekt ihrer Verwendung können Fremdwörter in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Die nebenstehende Übersicht, die an Sowinski (1978, S.250) anschließt, kann daher hier auch lediglich einer gewissen Orientierung dienen.

Fremdwörter kommen häufig gleichzeitig mit einer Sache oder Mode auf und werden dann in den Sprachgebrauch übernommen. Die Vielzahl der heute in die deutsche Sprache "eingewanderten" Anglizismen, also Fremdwörtern aus der englischen Sprache, ist dabei auch die Folge davon, dass Englisch für unseren Kulturraum und auch weltweit eine wichtige Sprache für Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Medien und Kultur ist. Oftmals werden solche Anglizismen aber auch eingedeutscht und Lehnwörter.

Wichtige stilistische Funktionen

Fremdwörter können bei ihrem Gebrauch in der Kommunikation unterschiedliche stilistische Funktionen haben und eine sprachliche Äußerung einfärben.

  • Präzisierung
    Fremdwörter können einen Sachverhalt genauer ausdrücken als ein deutsches Wort. Beispiel: "Analyse" statt "Untersuchung".

  • Fachsprachliche Bedeutung
    In Wissenschaft, Technik oder Medizin dienen sie als Fachbegriffe.
    Beispiel: "Diagnose", "Hypothese".

  • Gehobene oder gebildete Ausdrucksweise
    Fremdwörter können einen Text anspruchsvoller oder akademischer wirken lassen. Beispiel: "Kommunikation" statt "Austausch".

  • Modernität und Internationalität
    Besonders englische Fremdwörter vermitteln oft einen modernen oder internationalen Eindruck. Beispiel: "Lifestyle", "Update".

  • Gruppenzugehörigkeit
    Bestimmte Gruppen verwenden Fremdwörter als Erkennungszeichen oder Fachjargon. Beispiel: Jugendliche ("cringe") oder Computerfachleute ("Server".

  • Verfremdung oder Distanz
    Fremdwörter können einen Sachverhalt sachlicher oder distanzierter erscheinen lassen. Beispiel: "eliminieren" statt "beseitigen"

  • Prestige- oder Werbewirkung
    In Werbung sollen Fremdwörter Produkte attraktiver oder exklusiver wirken lassen. Beispiel: "Premium Edition", "Performance". "performen"

Zu viele Fremdwörter können allerdings auch die Verständlichkeit herabsetzen oder künstlich wirken.

Der Fremdwortgebrauch unter historischer Perspektive

Der Fremdwortgebrauch war schon immer auch an bestimmte Konversationsstile gebunden, mit denen sich unterschiedlichen soziale Gruppen und Schichten Identität und ein Wir-Gefühl verschafften und sich von anderen sozialen Gruppen und Schichten abzugrenzen versucht haben.

So hat sich der Adel im 17. Jahrhundert nicht nur mit dem Französischen als Hofsprache, sondern auch mit der Verwendung daraus stammender Fremdwörter von den niederen Ständen abheben wollen. Die Geringschätzung der Volkssprache, die darin zum Ausdruck kam, war also in dieser Zeit nichts Außergewöhnliches. Von oben in der sozialen Hierarchie betrachtet, sprach man ja schon lange nur dann Deutsch, wenn man sich an das niedere, ungebildete Volk richten wollte, das nichts anderes verstand. Für die "gepflegte" Konversation, den gelehrten Diskurs und anspruchsvolle Dichtung kam die wilde und barbarische Sprache nicht in Frage, die der »gemeine Mann« auf der Straße sprach und für die es nicht einmal eine verbindliche Grammatik und angesichts der Vielzahl regional unterschiedlicher Dialekte eine verbindliche Aussprache gab.

Zwar gab es im Bereich der Literatur eine an mittelalterlichen Traditionen orientierte deutschsprachige ▪ "Popularliteratur" (Willems 2012, Bd. I, S.72) mit ▪ Meistergesang, Bibeldramen, Prosaromanen und einer deutschsprachigen Lieddichtung, aber im Bereich der gehobenen, anspruchsvollen Literatur dominierte noch lange die ▪ neulateinische Gelehrtendichtung, gegen die sich die so genannte ▪ neue Kunstdichtung, angeführt von ▪ Martin Opitz (1597-1639) und seinen Vorstellungen einer ▪ Sprach- und Literaturreform erst nach und nach durchsetzen konnte. Ihren Anteil an der Verteidigung der deutschen Sprache hatten auch verschiedene ▪ Sprach- und Literaturgesellschaften, in denen sich Adelige, Bürger und bürgerliche Dichter nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zusammentaten. Auch sie sorgten mit den Übersetzungen von anspruchsvollen Werken anderssprachiger europäischer Literatur, die einzelne ihrer Mitglieder vornahmen, dafür, dass die deutsche Sprache nach und nach als gleichwertig anerkannt wurde. Zugleich sorgten sie mit ihren ▪ Eindeutschungen von Wörtern aus anderen Sprachen dafür, dass der Wortbestand und die Ausdrucksfähigkeit der deutschen Sprache erweitert wurde. Beispiele von deutschen Ersatzwörtern für die französische "Fremdwörtelei" (Sowinski 1978, S.249) sind Leidenschaft für das französische passion oder Geschäftsmann für homme d'affaire. Dessen ungeachtet war das Konzept, das verschiedenen Gesellschaften, wie z. B. der ▪ Fruchtbringenden Gesellschaft (1617-1680, lateinisch societas fructifera) oder der ▪ Pegnesische Blumenorden (ab 1644) verfolgten, aber sehr ▪ elitär.

Auch der deutsche Nationalismus im 19. Jahrhundert veranstaltete "sprachpuristische Fremdwortjagden" (ebd.) und schuf eine Reihe von hochdeutschen Neuprägungen für bis dahin weit verbreitete französische Wörter wie z.B. Kreislauf für Zirkulation, Bittsteller für Supplicant, Festland für Kontinent, betonen für akzentuieren. Dennoch drangen im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung immer mehr Fremdwörter in die deutsche Sprache. Wer Eisenbahn fuhr, musste ein Bilett lösen und dieses vom Controlleur überprüfen lassen, ehe der Conducteur den Zug in Bewegung setzte. Wer Zeitung las, studierte die Annoncen und informierte sich in verschiedenen Artikeln über Debatten und Resolutionen im Parlament. Währen man in Deutschland sich dennoch bemühte, zumindest im Amtsdeutsch, die Zahl der Fremdwörter durch Verdeutschungen zu begrenzen, hielten sie sie sich in Österreich und in der Schweiz (z. B. Occasionen) deutlich länger und teilweise bis heute.

Anglizismen

Heute steht der herkömmliche Sprachpurismus im Zeichen der Globalisierung weitgehend auf verlorenem Posten. Unsere sprachliche Kommunikation ist dabei vor allem von Anglizismen geflutet. Was vielen gefällt, geht anderen sehr auf die Nerven: Sale, Kiddie Contest, History, Adventure, History Specials und im Radio Romantic Dreams ... Ohne body shaping und power walking funktioniert unser body nicht, alles dreht sich um die work-life-balance, wir tragen outdoor jackets, tops oder beach wear, schmieren uns anti-ageing-Creme ins Gesicht, debattieren über longevity lösen tickets für die Bahn oder events, feiern inzwischen sogar X-Mas.

Wer die Anglizismen im Allgemeinen begrüßt, betont dabei oft, dass sie aus präzisen und kurzen Begriffen bestehen, die international verständlich sind und damit zur Weiterentwicklung auch der deutschen Sprache beitragen.

Ihre Gegner halten manche Wörter für schwer verständlich und beklagen, dass die Anglizismen ohne Not deutsche Wörter verdrängen.

Dieser Entwicklung will der ▪ Verein Deutsche Sprache e. V. mit seinem ▪ Anglizismenindex entgegenwirken. Dieser versteht sich, so der Verein, als "eine Orientierungshilfe für alle, die deutsche Texte mit englischen oder pseudoenglischen Ausdrücken nicht verstehen oder sie ablehnen und auch für jene, die Anglizismen in eigenen Texten möglichst vermeiden wollen." Er " setzt einem Anglizismus eine deutschsprachige Entsprechung entgegen, und zwar so früh wie möglich und unabhängig von der Häufigkeit seines Auftretens. Damit begegnet er entbehrlichen Anglizismen schon im Anfangsstadium ihres Erscheinens. Er ist somit ein aktuelles Nachschlagewerk".

Dass Anglizismen heute einen so großen Stellenwert in der deutschen Sprache haben, hat verschiedene Gründe.

  • Einfluss von Technik und Digitalisierung
    Viele neue Begriffe kommen aus dem Englischen. (z. B. Download, Social Media, Smartphone, App, Streaming)

  • Internationalisierung
    Unternehmen und Menschen kommunizieren im Zeitalter der Globalisierung weltweit miteinander. Englische Begriffe erleichtern daher oft die internationale Verständigung.

  • Einfluss von Medien und Popkultur
    Filme, Musik, soziale Medien und Computerspiele verbreiten englische Wörter. (z. B. Influencer, Podcast, Follower, Challenge)

  • Modernitäts- und Prestigewirkung
    Anglizismen wirken häufig modern, jung oder international. Darauf setzt vor allem Werbung besonders gern.

  • Sprachliche Lücken
    Für neue Entwicklungen gibt es im Deutschen manchmal zunächst kein passendes Wort. (z. B.  E-Mail oder Chat)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 08.08.2026

 
 

 
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