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Optische Täuschungen

Müller-Lyer-Täuschung

 
 
 

Die so genannte Müller-Lyer-Täuschung ist eine optische Täuschung bei der visuellen Wahrnehmung, die bei allen Menschen funktioniert, sofern ihre Wahrnehmungssituation die gleiche ist. Sie wird als eine (echte) Wahrnehmungstäuschung bezeichnet.

Für solche "optischen" Täuschungen gibt es eine ganze Reihe von Beispielen. Einige sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, andere wurden später erfunden. Was im Alltag beim Spiel mit optischen Täuschungen meist verwunderlich oder gar "witzig" empfunden wird, ist unter wahrnehmungspsychologischer Perspektive Musterbeispiel für die Unterscheidung von sensorischen Prozessen, perzeptueller Strukturierung und Identifikation. Wir nehmen nämlich alle gleichermaßen wahr, dass die Linien im Vergleich miteinander unterschiedlich lang sind, und erst das Nachmessen fördert das Gegenteil zu tage.

Das ändert auch die Tatsache nicht, wenn wir wissen, dass die Linien stets gleich lang sind. (vgl. Zimbardo/Gerrig (2004, S. 163f.)

Zur Erklärung dieses Phänomens hat die Wissenschaft verschiedene Ansätze entwickelt. So hat man es auf eine Fehlwirkung der Größenkonstanz zurückgeführt, die "normalerweise für eine stabile Objektwahrnehmung sorgt, indem sie die Entfernung einkalkuliert. Deshalb wirkt ein 1,80 Meter großer Mensch immer 1,80 Meter groß, vorausgesetzt, er ist nicht sehr weit entfernt. Man nahm an, dass dieser Mechanismus, der in der dreidimensionalen Welt stabile Wahrnehmungen gewährleistet, Täuschungen erzeugen kann, wenn er auf ein Objekt angewandt wird, das auf eine zweidimensionale Fläche gezeichnet ist." (Goldstein 2002, S. 264) Goldstein betont dabei, dass einem selbst nicht bewusst sein muss, dass die Müller-Lyer'schen Linien dreidimensionale Strukturen darstellen können.  Der Grund dafür ist darin zu sehen, dass unser Wahrnehmungssystem automatisch die in den Müller-Lyer'schen Figuren enthaltene Information über räumliche Tiefe berücksichtigt und der Korrekturmechanismus für die Relation Größe-Entfernung dafür verantwortlich ist, dass die einen Linien etwas schrumpfen und die anderen Linien  dagegen etwas wachsen. Dies erkläre auch andere geometrisch-optische Täuschungen, die Informationen über räumliche Tiefe enthalten (z. B. Ponzo-Täuschung oder Bahngleistäuschung). (vgl.ebd., S. 265)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

 
     
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