Das •
Motiv des
lüsternen Alten lässt sich in seinen Ursprüngen bis zur »biblischen
Erzählung »"Susanna
im Bade" zurückverfolgen, in der Susanna durch den Propheten »Daniel
nach einer Falschanklage wegen Ehebruchs gerettet wird.

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Die Erzählung ist in zwei unterschiedlichen Varianten überliefert (frühe
»Septuaginta-Version
und die spätere »Theodotion-Version).
Hier stellen wir die die spätere Version in den Mittelpunkt, kommen aber
auch auf die Gemeinsamkeiten
beider Versionen zu sprechen.
Die Erzählung von
Susanna im Bade, wie sie im 13. Kapitel des Buches •
Daniel
(»Theodotion-Version)
überliefert, stellt, inhaltlich gesehen, ein Beispiel für die
literarische Auseinandersetzung mit den Themen Justizwillkür, sexuelle
Gewalt und göttliche Gerechtigkeit in der Spätantike dar.
Die Geschichte spielt
sich am Schauplatz des »babylonischen
Exils ab. Es ist die Epoche der jüdischen Geschichte, die häufig
auch mit dem Begriff babylonische Gefangenschaft bezeichnet wird. Sie
beginnt »597
v. Chr. mit der ersten Eroberung Jerusalems und des Königreiches »Juda
durch den »babylonischen
König »Nebukadnezar
II. und dauert bis zur Eroberung »Babylons
»539
v. Chr. durch den Perserkönig »Kyros
II.
Susanna ist darin
zunächst Inbegriff der gottesfürchtigen und tugendhaften Ehefrau. Der
Konflikt entsteht, als zwei angesehene Älteste der Gemeinde, die
zugleich das Amt von Richtern bekleiden, Susanna bei der Körperpflege
(im Bade) in ihrem privaten Garten beobachten. (Voyerismus-Motiv)
Was danach passiert,
ist eine Geschichte sexualisierter Gewalt und des Machtmissbrauchs durch
diese beiden Autoritäten. Die Ältesten bedrängen Susanna und versuchen,
sie durch die Androhung einer falschen Anklage wegen Ehebruchs – ein
Delikt, das nach alttestamentarischem Recht mit der Todesstrafe belegt
war – zum Sex mit ihnen zu zwingen.
In einer moralischen
Grenzsituation entscheidet sich Susanna gegen die die Erpresser und
nimmt damit das das Risiko der Hinrichtung in Kauf, um ihre Tugend vor
Gott zu wahren.
Die darauf folgende
Gerichtsverhandlung verdeutlicht die Korruptheit des Systems, da das
Wort der angesehenen Richter schwerer wiegt als die Unschuldsbeteuerung
der Frau.
Die Rettung der bereits
zum Tode verurteilten Susanna erfolgt durch das entschiedene Eingreifen
des jungen »Daniel.
Er deckt die Unwahrheit der Anklage auf, indem er das »rechtsstaatliche
Prinzip der getrennten Zeugenbefragung einführt. Die
widersprüchlichen Angaben der Richter bezüglich der Baumarten, unter
denen der angebliche Ehebruch stattgefunden haben soll – eine Mastixe
und eine Eiche –, führen zu deren Überführung und schlussendlichen
Hinrichtung.
Über ihren eigentlichen theologischen
Gehalt hinaus erlangte die Erzählung eine große Bedeutung in der Wirkungsgeschichte der europäischen Kunst
der frühen Neuzeit (1300-1800) (▪
Renaissance und Humanismus, ▪
Barock),
vor allem während des 16. und 17. Jahrhunderts.
Viele männliche Maler
nutzten dabei in einer Zeit, in der die
Scham- und Peinlichkeitsschwellen immer stärker vorrückten und ▪
Nacktheit
im öffentlichen Raum aus verschiedenen Gründen ▪
auf dem Rückzug
befand, das Sujet, das ihnen die Erzählung bot, dafür, weibliche Akte zu
gestalten. Andere wie die italienische Malerin des Barock »Artemisia Gentileschi
(1593-1654) verarbeitete wohl auch eigene Erfahrungen als Opfer
sexualisierter Gewalt. Jedenfalls stellte sie mit ihrem Gemälde
Susanna und die Ältesten (1610) die existenzielle Bedrohung durch
voyeuristische Gewalt dar. Wenig später, um 1611, wurde sie von dem
Maler Agostino Tassi vergewaltigt. In dem deshalb stattfindenden
Prozess, der zwar mit der der Verurteilung Tassis endete, wurde
Artemisia aber selbst gedemütigt und gefoltert, um ihre Aussage zu
überprüfen. Auch wenn ihr Werk wohl, neueren Forschungen zufolge, nicht
primär als Verarbeitung des erlittenen Traumas verstanden werden kann,
hat es wohl dennoch großen Anteil daran. (vgl.
Wikipedia)

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In der modernen Forschung wird das Motiv häufig im Kontext der
»Gender Studies
(Genderstudien, Geschlechterforschung oder Geschlechterstudien) und der
»Rechtsgeschichte untersucht, wobei Susanna als
frühes literarisches Symbol für den Widerstand gegen sexualisierte
Machtstrukturen und die Forderung nach einer der Aufdeckung der Wahrheit
verpflichteten Justiz
steht.