Das •
Motiv des
lüsternen Alten lässt sich in seinen Ursprüngen bis zur
biblischen Erzählung • "Susanna
im Bade" zurückverfolgen, in der Susanna durch den Propheten »Daniel
nach einer Falschanklage wegen Ehebruchs gerettet wird.
Die
Erzählung, wie sie im 13. Kapitel des Buches •
Daniel
(»Theodotion-Version)
überliefert, stellt, inhaltlich gesehen, ein Beispiel für
die literarische Auseinandersetzung mit den Themen Justizwillkür,
sexuelle Gewalt und göttliche Gerechtigkeit in der Spätantike
dar.
Über ihren eigentlichen theologischen
Gehalt hinaus erlangte die Erzählung eine große Bedeutung in der Wirkungsgeschichte der europäischen Kunst
der frühen Neuzeit (1300-1800) (▪
Renaissance und Humanismus, ▪
Barock),
vor allem während des 16. und 17. Jahrhunderts.
Viele männliche Maler
nutzten dabei in einer Zeit, in der die
Scham- und Peinlichkeitsschwellen immer stärker vorrückten und ▪
Nacktheit
im öffentlichen Raum aus verschiedenen Gründen ▪
auf dem Rückzug
befand, das Sujet, das ihnen die Erzählung bot, dafür, weibliche Akte zu
gestalten. Andere wie die italienische Malerin des Barock »Artemisia Gentileschi
(1593-1654) verarbeitete wohl auch eigene Erfahrungen als Opfer
sexualisierter Gewalt. Jedenfalls stellte sie mit ihrem Gemälde
Susanna und die Ältesten (1610) die existenzielle Bedrohung durch
voyeuristische Gewalt dar. Wenig später, um 1611, wurde sie von dem
Maler Agostino Tassi vergewaltigt. In dem deshalb stattfindenden
Prozess, der zwar mit der der Verurteilung Tassis endete, wurde
Artemisia aber selbst gedemütigt und gefoltert, um ihre Aussage zu
überprüfen. Auch wenn ihr Werk wohl, neueren Forschungen zufolge, nicht
primär als Verarbeitung des erlittenen Traumas verstanden werden kann,
hat es wohl dennoch großen Anteil daran. (vgl.
Wikipedia)

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In der modernen Forschung wird das Motiv daher häufig im Kontext der
»Gender Studies
(Genderstudien, Geschlechterforschung oder Geschlechterstudien) und der
»Rechtsgeschichte untersucht, wobei Susanna als
frühes literarisches Symbol für den Widerstand gegen sexualisierte
Machtstrukturen und die Forderung nach einer wahrhaftigen Justiz
fungiert.
Neben diesem Strang der
Motivgeschichte zu dem •
Motiv des
lüsternen Alten lässt sich in der Bildenden Kunst der frühen
Neuzeit (1300-1800) (▪
Renaissance und Humanismus, ▪
Barock)
in zahlreichen Gemälden auch eine Variante des Motivs finden, das mit
der Altersungleichheit •
ungewöhnlicher Paare in dieser Zeit in Zusammenhang steht.
Oft
zeigen solche Bilder eine Konstellation, in der sich eine junge Frau in
Gesellschaft zweier Männer befindet, die um ihre Gunst buhlen oder
Besitzansprüche auf sie erheben. Dabei hat sie allerdings, wie es
scheint, oft zu entscheiden, ob sie dem jungen oder dem alten Mann den
Vorzug geben will. Ein Beispiel dafür ist das
Gemälde "Das ungleiche Paar" (ca.1520-15245) von »Cornelis
van Haarlem (1562-1638). Der allein auf
ihre körperliche Attraktivität bezogener Preis (die entblößten Brüste)
der jungen Frau ist für den alten Mann eine käufliche Ware, auch wenn er sich klar
darüber sein muss, dass er dem jungen Mann als Liebhaber, der die Hand
an die Brust der jungen Frau legt/legen dar, keine Konkurrenz machen
kann.

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In vielen anderen
Fällen wird das Motiv in der Konstellation von einer jungen Frau und •
einem lüsternen alten
Mann gestaltet. Aber es gibt durchaus auch die umgekehrte Variante.
Auch •
in der Literatur ist das Motiv des lüsternen Alten immer wieder
gestaltet worden.