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Die
Geschichte des Parteiensystems in Deutschland reicht bis in die
Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, wo mit der Gründung der »Deutschen
Fortschrittspartei im Jahr 1861 der erste formale Gründungsakt vollzogen
wurde.
Seit den späten 1840er-Jahren gab es im Umfeld der Revolution von 1848 in Deutschland ein Fünfparteiensystem (vgl. Nipperdey 1992, S.312), das die vier bzw. fünf grundlegenden politischen Strömungen abbildete: Liberalismus (gespalten in Links- und Nationalliberalismus, Konservativismus, politischer Katholizismus und Sozialdemokratie. Was sie beschäftigte, war vor allem die Diskussion
um die Ideen der Französischen Revolution von 1789 und wie es mit der in
so viele kleinere und größere Staaten zersplitterten deutschen Nation
weitergehen sollte.
Nach dem Scheitern der Paulskirchen-Bewegung verlief die weitere Entwicklung der Parteien längere Zeit im Sande, nahm aber nach 1860 erneut Fahrt auf, als eine Reihe von politischen Streitfragen und die soziale Entwicklung die Öffentlichkeit wieder stark politisierten. Neuen Auftrieb fand die Parteienentwicklung dann nach der
»Reichsgründung 1871. Die Einführung des schon bei der Wahl zur
Nationalversammlung 1848/49 praktizierten gleichen und allgemeinen (Männer-)Wahlrechts
- die Frauen durften erst ab 1918 wählen (!) - für den Reichstag
förderte auch die Bildung von landesweiten Parteien.
Die politischen Parteien vor 1914 sind zunächst "ideenpolitisch orientiert" und verstehen sich auch
als "Weltanschauungsparteien", die
zu Wahlkämpfen mit "politische(n) Glaubensbekenntnisse(n)" antreten.
Die älteren "Elite- und Honoratiorenparteien", die vor der Einführung des allgemeinen Wahlrechts 1867/71 ihrem Anspruch nach als "natürliche" Autoritäten agierten, mussten sich entweder grundlegend wandeln oder allmählich von der Bildfläche verschwinden. Entlang der Konfliktlinie zwischen Kapital und Arbeit fanden die Parteien "ihre Basis in ganz bestimmten sozialkulturellen, sozialmoralischen Milieus [...] - dem katholischen, dem proletarischen, dem agrarisch-protestantisch-ostelbischen, dem (protestantisch-)städtischen-bürgerlichen. Diese Milieus waren nach ökonomisch-sozialen Gegensätzen - nach Klassen, Land/Stadt, vormodern/modern - geschieden und nach kulturell-religiösen." (ebd., S.312) Und: Weil "Weltanschauung und soziales Milieu" auf diese Art und Weise aneinander gekoppelt blieben, tendierte das Parteiensystem zur Lagerbildung. (vgl. ebd.) Die Milieus gewannen, auch wenn sie zunächst "noch nicht so entschieden und undurchlässig wie später" waren, "an parteiformierender und -strukturierender Kraft. Schließlich definierten frühere Positionen und Kompromisse, Kombinationen von Prinzipien, Interessen, Milieuelementen, Strategien, die Stellung zur Regierung und die Stellung im Parteienspektrum, was eine Partei in den Jahrzehnten des Reichs ausmachte. Aber Weltanschauung und Milieu blieben charakteristische Elemente." (ebd., S.313)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 03.08.2016
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Arbeitsanregungen:
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