Die Aufklärung ist gekennzeichnet von einem unbedingten
Fortschrittsglauben.
Dieser Glaube an die positive Weiterentwicklung des Menschen und der
Gesellschaft resultiert aus dem Glauben an die Vernunft und dem von ihr
bedingten Erkenntnisfortschritt.
Beide zielen
gleichermaßen auf die Einrichtung einer vernunftgemäßen
politisch-gesellschaftlichen Ordnung einerseits und der
sittlich-autonomen Weiterentwicklung des einzelnen Menschen
andererseits.
Die Autoren
der Aufklärung gingen allerdings nicht alle von einem gesicherten oder
gar unaufhaltsamen Fortschritt aus. Zudem gingen ihre Meinungen darüber
auseinander, auf welcher moralischen Grundlage dieser Fortschritt
vonstatten gehen sollte. Zudem waren im 18. Jahrhundert noch viele
andere Gelehrte der Ansicht, dass der Fortschritt in den Wissenschaften
und Künsten keineswegs Segen, sondern eher einen Fluch darstellte. Und:
sogar ein namhafter Aufklärer wie Jean-Jacques Rousseau war der Ansicht,
"die Weiterentwicklung der Künste und Wissenschaften habe nur scheinbar
einen moralischen Fortschritt eingeleitet" (Tricoire
2023, S.129).
Um diese Ziele
Einrichtung einer vernunftgemäßen politisch-gesellschaftlichen Ordnung
einerseits und der sittlich-autonomen Weiterentwicklung des einzelnen
Menschen andererseits zu erreichen, müssen Mensch und
Gesellschaft nach Ansicht der Aufklärer vernunftgemäßes Denken und Handeln lernen. Daraus ergibt
sich der überaus stark ausgeprägte pädagogische und didaktische
Aspekt der Aufklärung, der sich u. a. in den bevorzugten
volkstümlichen literarischen Formen oder der Entwicklung des
Bildungswesens widerspiegelt.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
07.07.2026