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Persönlichkeitsstörungen

Abweichendes Verhalten

 Zimbardo/Gerrig 2004


PSYCHOLOGIE
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Psychische Störungen als abweichendes Verhalten

In der klinischen Psychologie, die sich "mit dem Verständnis der Grundlagen geistiger, emotionaler oder verhaltensbezogener Störungen beschäftigt" (Zimbardo/Gerrig 2004, S. 653) können psychische Störungen als abweichendes Verhalten beschrieben werden, das mit sieben Kriterien charakterisiert werden kann.

Dabei ist freilich zu berücksichtigen, dass im Allgemeinen "kein einzelnes Kriterium ausreichend ist, um in allen Fällen normales Verhalten von abweichendem Verhalten zu unterscheiden." (ebd., S. 654)

Und was dem einen, abhängig von seinen persönlichen Dispositionen, seinem sozialen und kulturellen Kontext, als "abnormal" erscheint, gehört bei dem anderen zur Bandbreite psychischer "Gesundheit".

Sieben Kriterien

Die sieben Kriterien, die psychische Störungen als abweichendes Verhalten beschreiben, sind:

Kriterien Merkmale Beispiel
Leidensdruck oder Behinderung
  • Person spürt einen Leidensdruck

  • Verschlechterung des physischen und psychischen Zustands

  • Verlust von Handlungsfreiheit

Eine Person, die ihre Wohnung nicht verlassen kann, ohne zu weinen. Als Folge daraus kann sie das normale Leben kaum bewältigen.
Fehlanpassung
  • selbst gesteckte Ziele können mit dem gezeigten Verhalten nicht erreicht werden

  • eigenes Wohlbefinden wird ignoriert

  • andere werden vom Erreichen von Zielen abgehalten

  • Anforderungen der Gesellschaft können nicht erfüllt werden

Wenn jemand so viel Alkohol trinkt, dass er deshalb seiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann.
Irrationalität
  • wie sich jemand verhält, erscheint anderen Beobachtern widersinnig oder sehr unverständlich
Wer auf Stimmen antwortet, die in der Realität nicht vorhanden sind.
Unberechen-barkeit
  • sprunghaftes von Situation zu Situation wechselndes Verhalten, das unkontrolliert erscheint

  • unberechenbares Verhalten

Ein Kind schlägt ohne ersichtlichen Grund mit der Faust eine Fensterscheibe ein.
Außergewöhn-lichkeit und statistische Seltenheit
  • außergewöhnliches Verhalten, das zugleich selten vorkommt

  • Verletzung sozialer Erwartungen und Standards

Ein Kind, das eine statistisch extrem geringe Intelligenz besitzt, wird als oft als abweichend in seinem Verhalten angesehen.
Unbehagen bei Beobachtern
  • Verhalten wirkt auf andere irgendwie unbehaglich oder bedrohend

  • beunruhigende Wirkung des Verhaltens auf andere

Wenn sich jemand, der laut mit sich redet und gestikuliert,  in der Öffentlichkeit, z. B. einem belebten Platz o. ä., aufhält.
Verletzung moralischer und gesell-schaftlicher Normen
  • Bruch bzw. Übergehen sozialer Normen
Menschen, die nicht arbeiten wollen, werden in ihrem Verhalten als abweichend betrachtet.

(vgl. Zimbardo/Gerrig 2004, S. 653f.)

Was als normal und was als abnormal gilt, ist stets ein (gesellschaftliches) Konstrukt

So nötig es ist, dass sich die klinische Psychologie um eine möglichst objektive Beschreibung abweichenden Verhaltens bemüht, so nötig ist es allerdings auch zu betonen, dass die Beurteilung psychischer Gesundheit und psychischer Krankheit, die sie dabei jeweils vornimmt, stets selbst von ihrer eigenen Forschungsperspektive bestimmt ist.

Was normal und was abnormal gilt, ist stets ein (gesellschaftliches) Konstrukt.

In der Geschichte hat die Festlegung dessen, was als abweichendes oder abnormales Verhalten jeweils festgelegt worden ist, stets eine große Rolle bei der Ausübung von Herrschaft und ihrer Legitimation gespielt.

  • Um die Sklaverei zu festigen, schrieb man z. B. im 19. Jahrhundert den schwarzen Sklaven eine Sinneskrankheit zu, die sie angeblich unempfindlich gegen die Peitschenhiebe ihrer Besitzer machten. Und um zu rechtfertigen, dass entflohene Sklaven in jedem Fall wieder einzufangen seien, unterstellte man Sklaven einen krankhaften Wahn nach Freiheit.

  • Solcher Rassismus führte insbesondere auch im deutschen Nationalsozialismus mit seinen Rassegesetzen, aber auch in anderen Diktaturen dazu, politische Gegner als "abnormal" zu bekämpfen oder gar umzubringen. (vgl. Zimbardo/Gerrig 2004, S. 654)

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 19.06.2020

     
 

 
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