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Aufklärer (Auswahl)

Überblick

Frühe Neuzeit (ca. 1500-1800) Absolutismus und Aufklärung (ca. 1650–1789) Aufklärung

 
GESCHICHTE
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Literaturepoche Aufklärung 1720-1785
»Der Begriff Aufklärung (Wikipedia)
Auswahl bedeutender Aufklärer (Überblickwissen)

Männliche Vertreter • Aufklärung lassen sich in einer nahezu beliebig langen Liste aufführen, wobei die Kriterien, die zur Aufnahme in eine solche Liste führen können, vor allem davon abhängt, wen man aufgrund welcher Beiträge zur Entwicklung der Epoche zu den Aufklärern zählt. Dass es nicht nur Männer und davon nur Philosophen waren, die, wie die von »Voltaire (1694-1778) maßgeblich vertretene • Aufklärungserzählung weismachen will, die Aufklärung geprägt haben, dürfte weitgehend unbestritten sein. Der Beitrag der • Aufklärerinnen wurde lediglich lange Zeit nicht gesehen.

Dennoch hat sich im kollektiven Gedächtnis - und in den Lehrbüchern - stets eine mehr oder weniger große Anzahl "wichtiger" und "großer" Männer verankert, zu denen die hier näher dargestellten Philosophen gehören.

Betrachtet man die • Aufklärung als gesamteuropäische Phänomen und/oder Epoche, dann zählen »John Locke (1632-1704), »Montesquieu (1689- 1755), »Voltaire (1694-1778), »Jean-Jaques Rousseau (1712- 1778), »Denis Diderot (1713-1784) und »Immanuel Kant (1724-1804) wohl zu den wichtigsten männlichen Vertretern der europäischen Aufklärung.

Die Aufklärer kamen aus unterschiedlichen Ständen und führten ein sehr unterschiedliches Leben. Sie übten, da ihre schriftstellerische Tätigkeit ihnen in der Regel nicht ermöglichte, davon zu leben, ganz unterschiedliche Tätigkeiten aus. Im Allgemeinen waren sie aber auch nicht auf solche Einnahmen angewiesen, da ihre soziale Stellung wenig von der • Entstehung und Entwicklung eines literarischen Markts abhing.

Sie standen vor allem in • Frankreich oft unter dem Schutz einflussreicher Adeliger (Patronage) oder waren, wie in • Deutschland, ordentliche Professoren an Universitäten des Alten Reiches.

Die Aufklärer einte die "Skepsis gegenüber überliefertem Wissen", die sich in dem seit langem hinziehenden "Streit um die Deutungshoheit der christlichen Heilslehre in konfessionellen Konflikten sowie die Unterminierung bzw. Infragestellung der Bibel als einziger Erkenntnisquelle und universal gültigem Geschichtsbuch durch die Entdeckung fremder Welten" (Meyer 2018, S.12) niedergeschlagen hat.

Zugleich besaßen die meisten Aufklärer und • Aufklärerinnen auch ein gemeinsames Politikverständnis, das Tricoire (2023, S.175 Kindle Edition) wie folgt zusammenfasst: "Politik sollte das Gemeinwohl, die res publica, auf der Grundlage der natürlichen Ordnung aufbauen und somit die natürliche moralische Bestimmung des Menschen verwirklichen."

Auch wenn auf dem gemeinsamen ideellen Fundament sehr unterschiedliche politische Programme entstanden, waren politisch-gesellschaftliche Utopien nicht das Geschäft der bedeutendsten Aufklärer. Daher blieben auch ihre leitenden Kategorien wie ›Vernunft‹, ›Gefühl‹ oder ›Fortschritt‹ oft Worthülsen ohne konkreten Inhalt. (vgl. Schmidt 2009, S.398)

Die Aufklärer selbst waren in ihrer Selbstdarstellung bemüht, einen grundlegenden Neuansatz ihres Denkens zu postulieren. Allerdings stehen die neuen politischen Visionen, die in der Aufklärungszeit aufkommen, häufig in einer Kontinuitätsbeziehung zu älteren Ideen, auf die sie Bezug nehmen und die sie, allerdings durchaus innovativ, weiterentwickelt haben. (vgl. Tricoire 2023, S.175 Kindle Edition.)

Dies zeigt sich auch in ihren konkreteren politischen Auffassungen. Sie vertraten "anders als moderne Demokraten nicht die Idee, es gebe ein politisches System, das für alle Staaten das beste sei." (ebd., S.175 Kindle Edition). Stattdessen gingen sie wie die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen »Scholastiker häufig davon aus, dass eine ganze Reihe vom Herrschaftsformen legitim waren, solange diese das »Naturrecht nicht antasteten. Ihre politischen Visionen knüpften sich wie im  spätmittelalterlich-humanistischen Diskurs im Allgemeinen an Bestrebungen, wie die vorhandenen politischen und gesellschaftlichen Strukturen reformiert werden und damit Tugend und Allgemeinwohl fördern konnten.

Allerdings gab es auch »radikale Aufklärer, die mit den scholastischen Traditionen brachen und vertraten, dass sich nur ein bestimmtes politisches System mit dem »Naturrecht vereinbaren lasse. (vgl. ebd.)

Im Prozess der frühneuzeitlichen Staatsbildung im  Absolutismus, der nicht nur die feudalen Zwischengewalten ausschaltete, sondern auch die Sozialdisziplinierung seiner Untertanen auf vielfältige Weise in Angriff nahm, wurde die Monarchie, "die seit Menschengedenken politischer Normalzustand war" (Schneiders 1997/42008,S.8), allerdings von der Aufklärung nur ausnahmsweise und erst spät in Frage gestellt. Die größere Anzahl der Aufklärer strebte mit dem Ziel der allgemeinen Weltverbesserung vor Augen "eine Verbindung zwischen Aufklärung und Absolutismus in einem aufgeklärten Reformabsolutismus" an. Nur der weitaus kleinere Teil plädierte, allerdings meistens erst nach der Französischen Revolution, für "irgendeine Art von demokratischer Republik": "Die Sorge der Aufklärer um Vernunft und Moral war offensichtlich größer als ihr Interesse an einer Freiheit für alle." (ebd.)

Was die Aufklärer statt der demokratischen Republik anstrebten, war ein "eher ein paternalistisches Staatsmodell, in dem sich der Fürst als erster Diener des Staates verstehen und sich ganz dem Allgemeinwohl verschreiben würde" (Tricoire 2023, S.178 Kindle Edition).

In der Forschung werde in diesem Zusammenhang, so fährt Tricoire fort, oft missverständlich vom »"aufgeklärten Absolutismus" gesprochen. Damit wird die Bedeutung, die das Zusammenspiel von Aufklärung und Absolutismus bei der • Sozialdisziplinierung, die "die historische Ereignisse des geistigen und materiellen Lebens, religiös–ethische Vorstellungen sowie die rechtliche und ökonomisch–soziale Wirklichkeit auf einen abstrakten Nenner bringt" (Schulze 1987 S.266) verkannt. Schließlich hätte, so Tricoire, die überwiegende Zahl der europäischen Aufklärer "– zumindest außerhalb Großbritanniens, der Schweiz und der Vereinigten Provinzen der Niederlande –"  keineswegs für liberale Ideen gestanden, sondern im Gegenteil ein Programm der Disziplinierung und Moralisierung der Untertanen von oben verbreitet hätten. (vgl. (Tricoire 2023, S.178 Kindle Edition). )

Bei aller Gemeinsamkeit des Denkens gaben die Aufklärer sonst keineswegs ein einheitliches Bild ab. Manche von ihnen hielten, trotzdem sie sich als Wissenschaftler verstanden, noch immer am »Hexenglauben fest oder vermuteten, dass der »Magnetismus der Schlüssel für alles war. Es gab Philosophen, die kein Problem damit hatten, wenn sie auf der einen Seite dem »Rationalismus und »Empirismus folgten, und auf der anderen Seite zum »Mystizismus neigten. Und auch viele vernunftorientierte Schriftsteller trieften zugleich vor Sentimentalität.

Besonders häufig "verbinden sich immer wieder scheinbar bruchlos wissenschaftliche (rationalistische) und religiöse (emotionale) Einstellungen. In Deutschland z.B. sympathisieren viele kritische Aufklärer zugleich mit dem »Pietismus. Kurz, es gibt auch im Zeitalter der Aufklärung keinen chemisch reinen Aufklärer." (Schneiders 1997/42008,S.8))

Dessen ungeachtet "stilisierten sich (die Aufklärer) zu einer unabhängigen moralischen Instanz, die nur von der Liebe zur Wahrheit und nicht von persönlichen Interessen geleitet sei, und reklamierten für sich auf dieser Grundlage die Deutungshoheit über Gesellschaft, Politik und Religion." (Tricoire 2023, S.178 Kindle Edition)

Allerdings zählten die erfolgreichsten Aufklärer zu den Eliten des Ancien Régime, wirkten in unterschiedlichen Funktionen und Ämtern in Institutionen des politischen Systems mit und waren in einem auf dem »Klientelismus beruhenden System von • Patronage, wie andere Autoren allerdings auch, mit den Funktionseliten absolutistischer Herrschaft (Ministern, hohen Beamte, Höflingen aller Art), Hochadeligen sowie Fürsten und  Königen verbunden. (vgl. ebd.)

Daher warnt Tricoire (2023, S.178) auch ausdrücklich davor, "auf die Selbstinszenierung der Aufklärer hereinzufallen". Die Aufklärer, auch nicht die radikalen, seien entgegen ihrer Behauptungen längst nicht so frei gewesen. Zudem Auch zeigten verschiedene Beispiele, "dass man die Texte der philosophes nicht als Abbild ihrer innersten Überzeugungen wahrnehmen sollte." (ebd., S.82) Ihre Texte seien nämlich von sehr verschiedenen Faktoren geprägt und seien häufig auch auf die Interessen des jeweiligen Patrons zugeschnitten. (vgl. ebd.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.07.2026

  
   Arbeitsanregungen
  1. Welche Rolle spielten Aufklärerinnen in der Epoche der Aufklärung, und warum wurden ihre Beiträge lange Zeit übersehen?
  2. Welche bekannten männlichen Philosophen gelten als zentrale Vertreter der europäischen Aufklärung?
  3. In welchem sozialen Umfeld und unter welchen Bedingungen konnten viele Aufklärer ihrer schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen?
  4. Welche gemeinsame Haltung verband die Aufklärer in Bezug auf überliefertes Wissen und Religion?
  5. Wie unterschieden sich die politischen Vorstellungen der meisten Aufklärer von modernen Demokraten?
  6. Was verstand man unter dem §aufgeklärten Absolutismus" und warum ist dieser Begriff problematisch?
  7. Warum warnt Tricoire davor, die Selbstdarstellung der Aufklärer unkritisch zu übernehmen?
 

 
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