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Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen

Johann Wolfgang von Goethe 


Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
   Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
   Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
   Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!                               5
   Und wenn wir erst, in abgemessnen Stunden,
   Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
   Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.

So ist's mit aller Bildung auch beschaffen.
   Vergebens werden ungebundne Geister                          10
   Nach der Vollendung reiner Höhe streben.

Wer Großes will, muss sich zusammenraffen.
   In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
   Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

(aus: Johann Wolfgang von Goethe, Was wir bringen. Vorspiel bei der Eröffnung des neuen Schauspielhauses zu Lauchstädt, in: Sämtliche Werke. Jubiläums-Ausgabe in 40 Bänden, hg. v. Eduard der Hellen, Stuttgart/ Berlin: Cotta o. J., Bd. 9, S.235)
  

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie den Grundgedanken heraus, den Goethe in diesem Sonett gestaltet hat.

  2. Untersuchen Sie die Gedankenführung und die innere Ordnung in diesem Gedicht und klären Sie dabei, was die einzelnen Strophen darstellen und welche Funktion ihnen zukommt.

  3. Vergleichen Sie die von Silvander in seinem Text »Ich, das Sonett« dargestellte innere Ordnung des Sonetts mit dem Gedicht Goethes.

(vgl. Waldmann 1998, S.258)

 

 
      
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