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Goethe: Egmont - Historischer Hintergrund

Der historische Egmont

 
 
  Johann Wolfgang von Goethe gestaltete in seinem Drama »Egmont« aus verschiedenen Gründen eine Titelfigur, die in wichtigen Merkmalen von der historischen Person gleichen Namens abweicht. Der historische Egmont, mit vollständigem Namen Lamoral Graf Egmont (1522-1568), war Prinz von Gaure, Ritter und Statthalter von Flandern und Artois. Er entstammte einem alten niederländischen Adelsgeschlecht, dessen Name von ihrer seit dem 11. Jahrhundert ausgeübten Schirmherrschaft über die Benediktinerabtei Egmond bei Alkmaar in Nordholland und einer in deren Nähe errichteten, im 16. Jahrhundert aber wieder zerstörten Burg abgeleitet worden ist. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er am Hof Kaiser Karl V. (1519-56), wo er erzogen wurde und als Page Dienst tat. Mit 19 Jahren kämpfte er an der Seite des Kaisers in Algerien. In Speyer heiratete der 21-jährige 1544 im Beisein des Kaisers Sabina, die Tochter des Pfalzgrafen Johann II. von Simmern und Schwester des Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz. Aus der Ehe gingen 12 Kinder hervor. 1546 wurde er von Karl V. wegen seiner Verdienste in Algerien und Deutschland in den 1429 von Herzog Philipp dem Guten von Burgund (1419-67) gestifteten Orden des Goldenen Vlieses aufgenommen. Damit gehörte Egmont zu einem elitären Kreis von Angehörigen des Hochadels, die ein außerordentliches Privileg genossen: Sie waren nur der Gerichtsbarkeit des Ordens unterworfen, die von der Gesamtheit seiner Mitglieder ausgeübt wurde. Die Zugehörigkeit zum Orden wurde symbolisch durch ein goldenes Widderfell symbolisiert, das an einem blau emaillierten Feuerstein, dem Kennzeichen Burgunds, befestigt war. 1554 war der Graf in der Gunst des Kaiser schon so weit aufgestiegen, dass er an der Spitze einer spanisch-habsburgischen Gesandtschaft zur Unterzeichnung des Ehevertrages zwischen der englischen Königin Maria Tudor (1516-1558, Königin 1553-1558, Tochter Heinrichs VIII. ) mit dem Sohn des Kaisers, dem späteren Philipp II., nach England reiste. Die Ehe zwischen den beiden blieb allerdings kinderlos. Im Krieg mit Frankreich 1556-1559, den Philipp II. (1556-98) nach dem Rückzug Karls V. von der Macht (1556) führt, wurden die Franzosen von den Spaniern unter der Führung Egmonts in den Schlachten von St. Quentin (1557) und Gravelingen (1558) geschlagen und mussten im Frieden von Chateau Cambrésis ihre Ansprüche in Italien und Burgund aufgeben. Im Jahr 1559 siedelte Philipp II., der im Gegensatz zu seinem Vater in Spanien erzogen worden war und im Laufe seines Lebens nur wenige Jahre am Brüsseler Hof verbracht hatte, für immer nach Spanien über. So machte sich Egmont ebenso wie der später ermordete Wilhelm von Oranien (1533-1584) und der Graf Hoorn berechtigte Hoffnungen auf die Generalstatthalter- bzw. Regentschaft in den niederländischen Provinzen. Doch in das Machtkalkül Philipps II. passte eine Stärkung des ohnehin sehr auf seine Rechte bedachten niederländischen Adels nicht. Er beauftragte den bei den Niederländern ohnehin verhassten Bischof von Arras, Antoine Perrenot de Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal), die zwischen ihm und Papst Paul IV. (1476-1559, Papst vom Mai 1555 an ) beschlossene Neueinteilung  der niederländischen Bistümer durchzusetzen (1558), was die Pründe des niederländischen Adels direkt betraf. Außerdem übertrug er 1559 seiner Halbschwester Margarete von Parma (1522-1586) die Regentschaft in den Niederlanden. Die Schülerin von Ignatius von Loyola (1491-1556), der 1534 den Jesuitenorden gegründet hatte, setzte mit Granvelle an ihrer Seite die spanischen Interessen, so gut es ging, in den niederländischen Provinzen durch. Allerdings geriet sie dabei unter  immer stärkeren Druck des niederländischen Adels vor allem wegen der weiter im Land verbliebenen spanischen Truppen und des von ihr  verschärften Inquisitionskurses. Egmont und die anderen niederländischen Fürsten mussten sich jedenfalls mit der Statthalterrolle in einzelnen Provinzen begnügen. Egmont wurde kaiserlicher Statthalter in den Provinzen Flandern und Artois, Wilhelm von Oranien in Holland, Seeland und Utrecht.  
     
     
  Egmont ] Faust I ]  
     

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