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Baustein: Für Aufklärerinnen streiten
Die •
Aufklärung, so hat es den Anschein, ist
eine Männerdomäne gewesen. Wenn von ihren bedeutenden Vertretern die
Rede ist, dann fallen die Namen bedeutender (männlicher) •
Aufklärer. Das ist freilich nur die
halbe Wahrheit.
In Wahrheit gibt es
zahlreiche Frauen, die man ohne Weiteres als Aufklärerinnen bezeichnen
kann, weil sie wichtige Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung auf
unterschiedlichen Gebieten geleistet haben.
Die Aufklärerinnen
kamen wie die Aufklärer aus unterschiedlichen Ständen und führten ein
sehr unterschiedliches Leben.
Etliche der
Aufklärerinnen betrieben •
(literarische) Salons als "Räume, des Austauschs, der
Unterhaltung und des Dialogs, Orte, an denen sich ein neuer Ton
entfaltete, eine neue Art über die Welt zu sprechen: über Grundlegendes
und Banales, über die Vergangenheit und die Gegenwart, die schweren und
die leichten Themen, das Alltägliche und das Außergewöhnliche" und das
Ganze "in ernster, vor allem aber unterhaltender Sprache:" (Knipp
2022, S.21f.)
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Eine Salonnière, wie
die weibliche Gastgeberin eines literarischen Salons genannt wurde,
musste selbst nicht unbedingt hochgebildet sein. Hauptsache war, dass
sie über geeignete Räumlichkeiten, die erforderlichen Umgangsformen und
eine gesellschaftliche Stellung besaß, die es ihr ermöglichte als
Gastgeberin für eine so heterogen zusammengesetzte Gruppe von Gästen
fungieren konnte und in dieser Rolle ggf. Anstöße zu gehobener
Unterhaltung geben konnte.
In Frankreich
entstanden diese Orte dieses mehr oder weniger geselligen
Zusammentreffens oft in den Adelspalais von Paris. Manchmal wurde dort
musiziert, getanzt, gegessen und getrunken und Karten oder Billard
gespielt. Vor allem adelige Gastgeberinnen solcher Salons, die eine
besondere Vorliebe für Musik, Literatur oder Philosophie hatten, luden
zu diesen im Vergleich zu höfischen Veranstaltungen zwanglosen Formen
geselligen Zusammenseins aber auch Schriftsteller, Gelehrte und Künstler
aus dem Bürgertum ein, um ihren Gästen eine anspruchsvollere
Unterhaltung zu bieten. So lud der weithin bekannte Salon von
»Marie Thérèse Geoffrin (1699-1777), das Hôtel de la rue
Saint-Honoré, einem weiträumigen Gebäude, etwa »Denis
Diderot (1713-1784) oder »Jean
Baptiste le Rond d’Alembert (1717-1783), die Autoren der »Encyclopédie
ein, oder auch Gäste wie der Schriftsteller und Staatstheoretiker »Montesquieu
(1689-1757), der Naturforscher »Georges-Louis
Leclerc de Buffon (1707-1788), der Schriftsteller und Philosoph »Jean-Jaques
Rousseau (1712-1778), der »Marschall
von Frankreich
Louis François Armand de Vignerot du Plessis (1696-1788) u. a.
Als kulturell
ausgerichtete Salons bezeichnete man solche Zusammenkünfte als
literarische Salons, wo vor allem
die gebildete und bildende Unterhaltung gepflegt wurde. An diesen Orten
konnten sich Salonbesucher beiderlei Geschlechts, Personen aus
verschiedenen Ständen, Schichten, Berufsgruppen und Religionen
begegnen und austauschen konnten.
Auch in Deutschland
spielten der literarische Salons im 18. Jahrhundert als Orte der
gepflegten Geselligkeit, wo sich Adel und Bildungsbürgertum begegneten,
eine wichtige Rolle. Der »"Weimarer
Musenhof" ist ein besonders bekanntes Beispiel für die Vermengung
von adliger Hofgesellschaft mit bürgerlichen Schriftstellern und
Künstlern. Berühmt wurden auch die Salons der »Frühromantik,
zum Beispiel der Jenaer Salon von »Caroline Schelling (1763-1809)
und der »Berliner
Salon von »Rahel
Varnhagen von Ense (1771-1833).
Zu den •
Schriftstellerinnen, Künstlerinnen und Pädagoginnen,
die zu den Aufklärerinnen gezählt werden
können, gehören u. a. die nachfolgenden Frauen:
Eliza Haywood (1693-1756) war eine der produktivsten Romanautorinnen
und Journalistinnen ihrer Zeit, deren Werke die Gefühls- und
Sittenwelten des 18. Jahrhunderts beleuchteten.
Friederike Caroline Neuber (1697-1760) trug als Schauspielerin,
Prinzipalin und Theaterreformerin maßgeblich zur Professionalisierung
der deutschen Theaterlandschaft bei und setzte sich für einen moralisch
anspruchsvollen Spielplan ein.
Anna Dorothea Therbusch (1721-1782) war eine international anerkannte
Malerin, die an den Höfen Europas arbeitete und als eine der
bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des Rokoko gilt.
Johanna Charlotte Unzer (1725-1782) war eine Philosophin und
Dichterin, die in ihren Werken Naturwissenschaften und aufklärerische
Ideale für ein breiteres Publikum zugänglich machte.
Marie Sophie von La Roche (1730-1807)
war eine einflussreiche
Schriftstellerin, Salonnière und mit ihrem Roman »"Geschichte des
Fräuleins von Sternheim" (1771) Begründerin des modernen deutschen
Frauenromans.
Félicité de Genlis (1746-1830) war eine einflussreiche Pädagogin und
Autorin, die über 140 Bücher schrieb und sich in vielen Genres
betätigte.
Frances Burney (1752-1840) (auch Fanny Burney genannt) schuf als
Schriftstellerin und Tagebuchautorin Romane, die als Vorläufer von Jane
Austen gelten und die sozialen Verhältnisse und die Rolle der Frau im
späten 18. Jahrhundert satirisch beleuchteten.
Phillis Wheatley (um 1753-1784) war die erste afroamerikanische
Dichterin, die ein Gedichtband veröffentlichte. Sie nutzte ihre Lyrik,
um sich für Freiheit und gegen Sklaverei auszusprechen.
Madame Roland (eigentl. Jeanne-Marie „Manon“ Roland de La Platière,
(1754-1793 war als Gastgeberin eines einflussreichen Pariser Salons
während der Französischen Revolution eine führende Figur der »Girondisten und eine
wichtige politische Denkerin.
Amalia Holst
(1758-1829) war eine Pädagogin und Schriftstellerin, die sich
vehement für die Gleichheit der Bildungschancen für Mädchen und Jungen
einsetzte.
Caroline Schelling (1763-1809), geb. Michaelis, verh. Schlegel.
war eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie zählte zu den »Universitätsmamsellen,
einer Gruppe von Töchtern von Professoren der Universität Göttingen im
18. und 19. Jahrhundert, die sich literarisch-akademisch betätigten zu
einer Zeit, als das bei Frauen noch unüblich war.
Henriette Herz (1764-1847) war Schriftstellerin, gründete und
leitete seit 1780 als »Salonnière den ersten literarischen Salon in
Berlin während der »Frühromantik.
In ihrem Salon kamen Personen und Persönlichkeiten zusammen, die
unterschiedliche literarische Strömungen, Epochen und
Gesellschaftskreise repräsentierten und vernetzten sich miteinander.
Sophie Marie Louise de Grouchy, Marquise de Condorcet (1764-1822)
war eine Philosophin und Übersetzerin. In ihrem Salon versammelten sich
die führenden Geister der Aufklärung.
Jane
Austen (1775-1817) ist mit Ihren Romane zwar dem späten 18. und
frühen 19. Jahrhundert zuzuordnen, doch ihre psychologisch präzisen und
satirischen Darstellungen von Gesellschaft, Ehe und weiblicher
Emanzipation stehen in direktem Bezug zum Gedankengut der Aufklärung.
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
23.09.2026
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