•
Literaturepoche Aufklärung
1720-1785
»Der
Begriff Aufklärung (Wikipedia)
Nach den schweren Verlusten des 17. Jahrhunderts setzte im 18.
Jahrhundert europaweit ein starkes Bevölkerungswachstum ein, besonders
in Ost- und Ostmitteleuropa, während das Heilige Römische Reich die
Verluste des Dreißigjährigen Krieges erst um 1740 ausgleichen konnte.
Ursachen waren steigende Lebenserwartung, höhere Geburtenraten, weniger
Kriegs- und Pestopfer sowie Fortschritte in Medizin, Hygiene und
Landwirtschaft. Hungersnöte und Epidemien wie Pocken blieben zwar
verbreitet, forderten aber weniger Opfer als zuvor.
In Deutschland stieg die Bevölkerung von ca. 10 Mio. um 1650 auf 16–18
Mio. um 1750, bei insgesamt rund 15 Mio. zu Beginn des 18. Jahrhunderts.
Vier Fünftel der Menschen lebten auf dem Land, die Mehrheit arbeitete im
Agrarsektor. Regionale Entwicklungen variierten stark: Pommern und
Schlesien verdoppelten ihre Einwohnerzahl, während Preußen durch
territoriale Erweiterungen und Einwanderung – etwa von Hugenotten –
besonders stark profitierte. Trotz Seuchen, hoher Kindersterblichkeit
und hygienischer Missstände blieb das Wachstum stabil. Erwachsene
konnten im 18. Jahrhundert oft ein Alter von 60 Jahren erreichen. Eine
regelrechte Bevölkerungsexplosion erfolgte jedoch erst im 19.
Jahrhundert, als sich die deutsche Bevölkerung binnen 80 Jahren
verdoppelte.
Ein zentraler Faktor war das hohe Heiratsalter: Männer heirateten meist
mit 27–28, Frauen mit 25–26 Jahren. Das verkürzte die fruchtbare Phase,
reduzierte die Kinderzahl, führte aber dennoch zu vielen Geburten, von
denen wegen hoher Kindersterblichkeit nur wenige überlebten. So wirkte
das späte Heiraten wie eine Form kollektiver Geburtenkontrolle, ohne das
Bevölkerungswachstum ganz zu stoppen.
Ehen konnten nur mit Zustimmung von Eltern und Gemeinden geschlossen
werden, vorausgesetzt, ein Hof oder Handwerksbetrieb sicherte den
Lebensunterhalt. Viele Menschen – bis zu 20 % eines Jahrgangs – mussten
deshalb unverheiratet bleiben. Die meisten Kinder wurden ehelich
geboren; uneheliche Kinder waren gesellschaftlich geächtet, auch wenn
ihre Zahl im 18. Jahrhundert anstieg.
Krisen wie Kriege oder Seuchen erhöhten kurzfristig Heirats- und
Geburtenraten, da mehr Stellen frei wurden und das Heiratsalter sank.
Die Partnerwahl folgte überwiegend ökonomischen und familiären Zwängen;
arrangierte Ehen und Verwandtschaftsehen waren üblich. Eine freie
Partnerwahl nach liberalem Modell setzte sich erst viel später durch.
Im Zeitalter von Absolutismus und Aufklärung (1650–1789) war Deutschland
eine Agrargesellschaft: Noch 1780 arbeiteten rund 65 % der 10 Mio.
Beschäftigten im Agrarsektor.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts begann langsam die Umwandlung zum
Industriestaat, die sich im 19. Jahrhundert beschleunigte. Neben den
Dörfern existierten etwa 4.000 Städte, meist Kleinstädte unter 2.000
Einwohnern. Bis 1800 stieg die Zahl von Groß- und Mittelstädten zwar an,
doch Kleinstädte dominierten weiterhin. Großstädte waren selten: nur
Wien (100.000), Hamburg und Berlin (je 60.000). Im Vergleich zu London
oder Paris mit über 400.000 Einwohnern wirkten deutsche Zentren
provinziell.
•
Literaturepoche Aufklärung
1720-1785 »Der
Begriff Aufklärung (Wikipedia)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.08.2025
|