Staturmerkmale eines Menschen spielen bei der
▪ visuellen
Kommunikation, meistens im Kontext anderer Elemente eine wichtige Rolle.
Sie sind zunächst einmal Ergebnis der physiologischen
Entwicklung, z.B. biologisches Geschlecht, Größe und
Körperproportionen eines Menschen. Sie sind insofern nicht
unmittelbar beeinflussbar, es sei denn die moderne Chirurgie und
Schönheitschirurgie nimmt künstliche Veränderungen daran vor.

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Eine mit den
Mitteln der Schönheitschirurgie vorgenommene Brustvergrößerung
bei Frauen, das Einsetzen von Implantaten in die männliche
Brust, um ein dauerhaftes, gut sichtbares und
trainingsunabhängiges "muskulöses" Aussehen zu erreichen, sind
nur zwei Beispiele dessen, was die »Plastische
und Ästhetische Chirurgie heute im Köcher hat, um Menschen
dabei zu helfen, ihr eigenes Aussehen so zu gestalten, wie es
ihnen gefällt oder wie es nach ihrer Ansicht in der Gesellschaft
am besten ankommt. Die Ergebnisse solcher Eingriffe werden
meistens bewusst zur Selbstdarstellung im jeweiligen sozialen
Umfeld aber auch in den sozialen Medien (z. B. Instagram)
eingesetzt und sollen ein positives Bild vermitteln. Ob dies
gelingt, hängt dabei auch entscheidend davon ab, wie andere
diese Eingriffe beurteilen und welche Rückschlüsse sie auf den
Charakter solcher Personen ziehen.
Dies ist bei
anderen Staturmerkmalen nicht anders. So wird ein "Hungerhaken",
eine Frau, der man unterstellt, sich aus
Minderwertigkeitskomplexen und oder der Vorstellung, eine
Modelkarriere machen zu können, auf ein untergewichtiges
Maß herunterzuhungern, ebenso abgewertet, wie der männliche
"Fettsack", dem man unterstellt, dass er, aus welchen Gründen
auch immer, keine Kontrolle über seine Nahrungsaufnahme hat.
Umgekehrt lebt
eine ganze Industrie davon, dass wir einen idealen »Body-Mass-Index
anstreben. Sie tut alles dafür, die Körpervorstellungen der
Menschen in dieser Weise mit den unterschiedlichsten
Medienformaten zu beeinflussen und findet in den sozialen
Netzwerken ihre Echokammer.
Die Liste
derartiger Staturmerkmale lässt sich beliebig erweitern, wenn z.
B. krankheitsbedingte Merkmale wie z. B. ein "Buckel", ein
"Hinkebein" oder "Klumpfuß", eine "Brillenschlange" mit dicken
Brillengläsern u. ä. miteinbezogen wird.
Staturmerkmale entfalten dabei auch immer wieder archetypische Signalwirkungen:
-
Körperliche Größe signalisiert
gewöhnlich Macht und Autorität.
-
Die herausgestreckte
männliche Brust mit Implantanten verstärkt Drohgebärden.
-
Die
vergrößerte Frauenbrust signalisiert die herausragenden
Qualitäten einer Frau bei der Fortpflanzung und der
Erhaltung des Nachwuchses.
Sie dienen aber auch zur
Kompensierung oder
Überkompensierung, wenn bestimmte Staturmerkmale Verhaltensweisen
ermöglichen, die zu übertriebenem und eine eigene Dynamik
entfaltenden "Posen" tendieren.
Oft wirken sie als Schutzmechanismus wirken,
wenn eine Person eine Schwäche bei sich selbst wahrnimmt. Um dieser zu
begegnen, neigt eine solche Person dann dazu, diese Schwäche oder ihr
Gegenteil zu übertreiben und sie in entsprechenden
•
Körperhaltungen zum Ausdruck zu bringen.
-
Sehr große Menschen gehen oftmals in gebeugter Haltung.
-
Besonders schlaksige Jugendliche neigen zu hängenden Schultern.
-
Viele kleinere Menschen machen sich stets ganz
groß. ("Napoleon-Komplex")
(vgl.
Eunson 1990, S.137)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
08.07.2025